Blähungen (Meteorismus) – Medikamentöse Therapie

Therapieziele

  • Verminderung von Blähgefühl, abdomineller Distension (Aufblähung des Bauches) und gegebenenfalls begleitenden krampfartigen Bauchschmerzen
  • Behandlung einer zugrunde liegenden Erkrankung

Therapieempfehlungen

  • Ursachenorientierte Therapie: Meteorismus (Blähungen) ist ein Symptom. Bei anhaltenden Beschwerden müssen insbesondere Obstipation (Verstopfung), Kohlenhydratmalabsorption (unzureichende Aufnahme von Kohlenhydraten aus dem Darm), Reizdarmsyndrom (Erkrankung mit wiederkehrenden Darmbeschwerden ohne erklärende organische Veränderungen) und organische Ursachen berücksichtigt werden. Die Behandlung richtet sich nach der gesicherten Diagnose [1, LL2].
  • Entschäumer: Simeticon kann zur symptomatischen Behandlung gasbedingter Beschwerden eingesetzt werden. Für chronischen funktionellen Meteorismus ist die Evidenz jedoch unzureichend; eine regelhafte Dauertherapie lässt sich daraus nicht ableiten. Bei fehlendem individuellem Nutzen Behandlung beenden [LL2, F1].
  • Spasmolytika: Bei begleitenden krampfartigen Bauchschmerzen kann Butylscopolaminiumbromid kurzfristig eingesetzt werden. Es behandelt die Spasmen (Muskelkrämpfe); eine Verminderung der Gasbildung ist nicht zu erwarten [F2].
  • Pflanzliche Spasmolytika: Magensaftresistentes Pfefferminzöl ist eine Option insbesondere bei Reizdarmsyndrom mit Schmerzen, Krämpfen und Flatulenz (Abgang von Darmgasen). Eine allgemeine Empfehlung für isolierten funktionellen Meteorismus ist durch die verfügbare Evidenz nicht ausreichend abgesichert [LL2, F3].
  • Probiotika: Keine pauschale Empfehlung. Die American Gastroenterological Association empfiehlt Probiotika zur Behandlung von Blähgefühl und abdomineller Distension nicht. Der europäische Konsens lässt ausgewählte Präparate bei niedriger Evidenzqualität zu. Ein individueller Therapieversuch setzt einen Wirksamkeitsnachweis für den konkreten Stamm beziehungsweise die konkrete Kombination voraus; Ergebnisse sind nicht auf beliebige Produkte übertragbar [1, LL2]. Die zugehörige Korrektur präzisiert die Identität einer in Studien untersuchten probiotischen Formulierung und unterstreicht die notwendige Unterscheidung zwischen den Präparaten [2].
  • Bei begleitender Obstipation: Eine gezielte Obstipationstherapie kann auch das Blähgefühl vermindern. Auswahl und Dosierung richten sich nach der Grunderkrankung; siehe „Obstipation/Pharmakotherapie“ und „Reizdarmsyndrom/Pharmakotherapie“ [1].
  • Antibiotika: Keine routinemäßige empirische Therapie bei unspezifischem Meteorismus. Bei begründetem Verdacht auf eine bakterielle Dünndarmfehlbesiedlung (übermäßige Vermehrung von Bakterien im Dünndarm) sind gezielte Abklärung und gegebenenfalls fachärztliche Behandlung erforderlich [1].
  • Begleitmaßnahmen: Ernährungsbezogene Auslöser gezielt erfassen. Eine zeitlich begrenzte, ernährungsmedizinisch begleitete Reduktion fermentierbarer Kohlenhydrate kann sinnvoll sein; anschließend individuelle Wiedereinführung. Bei abdominophrenischer Dyssynergie (gestörtem Zusammenspiel von Zwerchfell und Bauchmuskulatur) kommen spezialisierte verhaltenstherapeutische beziehungsweise Biofeedback-Verfahren infrage [1, LL2].

Wirkstoffe (Hauptindikation)

Die folgenden Dosierungen beziehen sich auf Erwachsene. Dosierung und Anwendungsbeschränkungen sind präparatespezifisch.

Entschäumer – Silikonverbindungen

Wirkstoff Besonderheiten
Simeticon Gemisch aus Dimeticon und Siliciumdioxid; wirkt lokal und wird nicht resorbiert. Kautabletten gut zerkauen. Keine generelle Beschränkung auf kurzfristige Anwendung; anhaltende Beschwerden erfordern Ursachenabklärung. Hilfsstoffe, insbesondere Lactose und Sorbitol, beachten [F1].
  • Wirkweise: Physikalische Entschäumung durch Veränderung der Oberflächenspannung eingeschlossener Gasblasen. Freigesetztes Gas kann resorbiert oder durch die Darmperistaltik (Transportbewegungen der Darmmuskulatur) ausgeschieden werden; Simeticon selbst wird nicht resorbiert [F1].
  • Indikationen: Symptomatische Behandlung gasbedingter Magen-Darm-Beschwerden einschließlich Meteorismus [F1].
  • Kontraindikationen: Überempfindlichkeit gegen Wirkstoff oder Hilfsstoffe. Präparatespezifische Einschränkungen bei hereditären Zuckerunverträglichkeiten (erblich bedingten Zuckerunverträglichkeiten) beachten [F1].
  • Nebenwirkungen: Für das angeführte Präparat sind laut Fachinformation keine bekannt [F1].

Anticholinerge Spasmolytika

Wirkstoff Besonderheiten
Butylscopolaminiumbromid Bei begleitenden Spasmen. Ohne ärztliche Ursachenabklärung nicht länger als 5 Tage anwenden. Additive anticholinerge Wechselwirkungen beachten. Während der Schwangerschaft vermeiden; in der Stillzeit individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung [F2].
  • Wirkweise: Periphere anticholinerge Wirkung mit Relaxation der glatten Muskulatur des Gastrointestinaltrakts (Magen-Darm-Trakts) [F2].
  • Indikationen: Leichte bis mäßig starke gastrointestinale Spasmen und spastische Abdominalbeschwerden (krampfartige Bauchbeschwerden) beim Reizdarmsyndrom [F2].
  • Kontraindikationen: Überempfindlichkeit; mechanische gastrointestinale Stenosen (Verengungen im Magen-Darm-Trakt); paralytischer oder obstruktiver Ileus (Darmverschluss durch Darmlähmung oder ein Hindernis); Megakolon (krankhafte Erweiterung des Dickdarms); Harnverhaltung (Unfähigkeit, die gefüllte Harnblase zu entleeren) bei subvesikaler Obstruktion (Abflusshindernis unterhalb der Harnblase); Engwinkelglaukom (Form des grünen Stars mit verengtem Abflusswinkel im Auge); Tachykardie (beschleunigter Herzschlag) beziehungsweise Tachyarrhythmie (schneller, unregelmäßiger Herzschlag); Myasthenia gravis (Erkrankung mit belastungsabhängiger Muskelschwäche) [F2].
  • Nebenwirkungen: Unter anderem Mundtrockenheit, Tachykardie, verminderte Schweißsekretion, Miktionsstörungen (Störungen beim Wasserlassen), gastrointestinale Beschwerden, Schwindel und Überempfindlichkeitsreaktionen; sehr selten Akkommodationsstörungen (Störungen der Scharfeinstellung des Auges) oder Glaukomanfall (plötzlicher starker Anstieg des Augeninnendrucks) [F2].

Pflanzliche Spasmolytika

Wirkstoff Besonderheiten
Pfefferminzöl, magensaftresistent Unzerkaut schlucken. Bei fehlender Besserung nach 2 Wochen ärztliche Kontrolle. Kann Sodbrennen verstärken. Gleichzeitige Anwendung von Antazida, Protonenpumpenhemmern oder H2-Rezeptorantagonisten vermeiden, da eine vorzeitige Freisetzung möglich ist [F3].
  • Wirkweise: Spasmolytische Wirkung auf die glatte gastrointestinale Muskulatur [F3].
  • Indikationen: Symptomatische Linderung von Bauchschmerzen, leichten gastrointestinalen Krämpfen und Flatulenz, insbesondere bei Reizdarmsyndrom [F3].
  • Kontraindikationen: Überempfindlichkeit gegen Pfefferminzöl, Menthol oder Hilfsstoffe; Lebererkrankungen, Cholangitis (Entzündung der Gallengänge), Achlorhydrie (Fehlen der Magensäure), Gallensteine oder andere Gallenerkrankungen; Alter unter 12 Jahren beziehungsweise Körpergewicht unter 40 kg. Anwendung in Schwangerschaft und Stillzeit nicht empfohlen [F3].
  • Nebenwirkungen: Insbesondere Sodbrennen, perianales Brennen (Brennen im Bereich des Afters), Übelkeit, Erbrechen und allergische Reaktionen; Häufigkeit nicht bekannt [F3].

Beachte

  • Therapieevaluation: Symptomatische Arzneimittel bei fehlendem Nutzen absetzen. Eine fortgesetzte Selbstmedikation darf die Abklärung neu aufgetretener oder progredienter Beschwerden nicht verzögern [F1-F3].
  • Leitlinienstand: Die deutsche S3-Leitlinie zum Reizdarmsyndrom von 2021 ist im AWMF-Register als abgelaufen gekennzeichnet; eine Aktualisierung wurde 2026 angemeldet. Für funktionelles Blähgefühl und abdominelle Distension liegt ein europäischer Konsensus von 2025 vor [LL1, LL2].

Red Flags (Warnzeichen) bei Meteorismus

  • Sofortige Abklärung: Starke oder zunehmende Bauchschmerzen, Erbrechen, ausgeprägte Distension mit fehlendem Stuhl- und Windabgang, Kreislaufstörungen oder Blut im Stuhl [F2, F3].
  • Zeitnahe Abklärung: Unbeabsichtigter Gewichtsverlust, Fieber, neu aufgetretene anhaltende Beschwerden oder auffälliger Untersuchungsbefund [1, F3].

Supplemente (Nahrungsergänzungsmittel; Vitalstoffe)

Geeignete Nahrungsergänzungsmittel für die Darmgesundheit sollten die folgenden Vitalstoffe enthalten:

  • Vitamine (A, E, D3)
  • Mineralstoffe (Calcium)
  • Weitere Vitalstoffe (probiotische Kulturen: Laktobazillen, Bifidobakterien)

Beachte: Die aufgeführten Vitalstoffe sind kein Ersatz für eine medikamentöse Therapie. Nahrungsergänzungsmittel sind dazu bestimmt, die allgemeine Ernährung in der jeweiligen Lebenssituation zu ergänzen.

Für Fragen zum Thema Nahrungsergänzungsmittel stehen wir Ihnen gerne kostenfrei zur Verfügung.

Nehmen Sie bei Fragen dazu bitte per E-Mail – info@docmedicus.de – Kontakt mit uns auf, und teilen Sie uns dabei Ihre Telefonnummer mit und wann wir Sie am besten erreichen können.

Abkürzungsverzeichnis

  • AGA: American Gastroenterological Association (amerikanische gastroenterologische Fachgesellschaft)
  • AWMF: Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften
  • doi: Digital Object Identifier (dauerhafte Kennung einer wissenschaftlichen Veröffentlichung)
  • ESNM: European Society of Neurogastroenterology and Motility (Europäische Gesellschaft für Neurogastroenterologie und Motilität)
  • et al.: et alii (und weitere Autoren)
  • F: Fachinformation; Kennzeichnung der entsprechenden Quellenverweise
  • Ggf.: gegebenenfalls
  • GmbH: Gesellschaft mit beschränkter Haftung
  • H2: Histaminrezeptor vom Typ 2
  • KBE: koloniebildende Einheiten
  • kg: Kilogramm
  • LL: Leitlinie; Kennzeichnung der entsprechenden Quellenverweise
  • mg: Milligramm
  • ml: Milliliter
  • Nr.: Nummer
  • S3: höchste methodische Entwicklungsstufe einer Leitlinie mit systematischer Evidenzbewertung und strukturierter Konsensfindung
  • UEG: United European Gastroenterology (europäischer Dachverband gastroenterologischer Fachgesellschaften)
  • z. B.: zum Beispiel

Literatur

  1. Moshiree B, Drossman D, Shaukat A: AGA Clinical Practice Update on Evaluation and Management of Belching, Abdominal Bloating, and Distention: Expert Review. Gastroenterology. 2023;165(3):791-800.e3. doi: 10.1053/j.gastro.2023.04.039.
  2. Correction to European Consensus on Functional Bloating and Abdominal Distension—ESNM/UEG Recommendations for Clinical Management. United European Gastroenterol J. 2026;14(1):e70183. doi: 10.1002/ueg2.70183.

Leitlinien

  1. S3-Leitlinie: Reizdarmsyndrom: Definition, Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie. (AWMF-Registernummer: 021 - 016), Juni 2021 Langfassung. Gültigkeit abgelaufen; Aktualisierung angemeldet. [LL1]
  2. Europäischer ESNM/UEG-Konsensus: Melchior C, Hammer H, Bor S et al.: European Consensus on Functional Bloating and Abdominal Distension—An ESNM/UEG Recommendations for Clinical Management. United European Gastroenterol J. 2025;13(9):1613-1651. doi: 10.1002/ueg2.70098. Zugehörige Korrektur: siehe Literatur Nr. 2. [LL2]

Fachinformation

  1. ratiopharm GmbH. Simethicon-ratiopharm 85 mg Kautabletten. Stand: Oktober 2020. Fachinformation. [F1]
  2. Buscopan Dragées, 10 mg Butylscopolaminiumbromid. Stand: Juni 2024. Fachinformation. [F2]
  3. Buscomint bei Reizdarm 0,2 ml magensaftresistente Weichkapseln. Stand: Juli 2022. Fachinformation. [F3]