Afterjucken (Pruritus ani) – Folgeerkrankungen

Im Folgenden die wichtigsten Erkrankungen bzw. Komplikationen, die durch Pruritus ani (Afterjucken) mitbedingt sein können:

Haut und Unterhaut (L00-L99)

  • Sekundäre perianale irritative Dermatitis (entzündliche Hautreizung um den After) – anhaltendes Kratzen und Reiben sowie häufig zusätzlich eine übermäßige oder irritierende Analhygiene können die epidermale Barriere (Schutzbarriere der Haut) schädigen und eine entzündliche perianale Dermatitis mit Erythem (Hautrötung), Nässen und Schuppung verursachen bzw. unterhalten [1, 2, LL1, LL3]. Davon abzugrenzen sind primäre Dermatosen (Hauterkrankungen) und Analekzeme (entzündliche Hauterkrankungen am After) als Ursache eines sekundären Pruritus ani.
  • Sekundäre Kratzläsionen (durch Kratzen verursachte Hautverletzungen) – bei persistierendem Juck-Kratz-Zirkel können Exkoriationen (Kratzwunden), Erosionen (oberflächliche Hautdefekte), oberflächliche Ulzerationen (oberflächliche Geschwürbildungen), Krusten, punktuelle Blutungen sowie Rhagaden (Hautrisse) bzw. oberflächliche Fissurierungen (oberflächliche Einrisse) der perianalen Haut entstehen [1, 2, LL1, LL2]. Diese oberflächlichen Hautfissurierungen sind nicht mit einer primären Analfissur (Afterriss) als eigenständiger anorektaler Erkrankung (Erkrankung des Afters bzw. Mastdarms) gleichzusetzen.
  • Lichen simplex chronicus/Lichenifikation (chronische Verdickung und Vergröberung der Haut) – chronisches Kratzen und Reiben können zu einer Verdickung und Vergröberung der perianalen Haut mit verstärkter Hautfelderung, Trockenheit und Schuppung führen. Die Lichenifikation ist ein typischer Ausdruck der Chronifizierung (dauerhaften Verfestigung) des Juck-Kratz-Zirkels [1, 2, LL1, LL2].
  • Sekundäre bakterielle Superinfektion (zusätzliche bakterielle Infektion) der geschädigten perianalen Haut – Exkoriationen, Erosionen und andere Defekte der Hautbarriere können eine lokale bakterielle Superinfektion begünstigen [2, LL3].

Psyche – Nervensystem (F00-F99; G00-G99)

  • Schlafstörungen – ausgeprägter, insbesondere nächtlicher Pruritus kann den Schlaf durch wiederholten Juck- und Kratzreiz beeinträchtigen und zu Ein- bzw. Durchschlafstörungen führen [LL2].

Weiteres

  • Beeinträchtigung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität – persistierender bzw. schwerer Pruritus ani kann durch Juckreiz, Kratzdrang, lokale Hautschäden, Schlafbeeinträchtigung und psychosoziale Belastung die Lebensqualität deutlich vermindern [1, LL1, LL2].

Prognosefaktoren 

Für Pruritus ani sind keine ausreichend validierten unabhängigen Prognosefaktoren oder etablierten Prognosemodelle (Modelle zur Vorhersage des Krankheitsverlaufs) verfügbar. Folgende Faktoren gelten jedoch als klinisch relevante perpetuierende (aufrechterhaltende) bzw. mit einem ungünstigen Verlauf verbundene Faktoren:

  • Persistierender Juck-Kratz-Zirkel – wiederholtes Kratzen verstärkt Barriereschädigung und lokale Entzündungsreaktion und kann dadurch den Pruritus weiter unterhalten; ausgeprägte Exkoriationen und Lichenifikation weisen auf eine fortgeschrittene Chronifizierung hin [1, 2, LL1, LL2].
  • Fortbestehende lokale Feuchtigkeit und Irritation (Reizung) – Stuhlschmieren, anale Sekretion (Flüssigkeitsabsonderung aus dem After), Schwitzen, unzureichendes Trocknen sowie aggressive oder übermäßige Analhygiene können die perianale Hautreizung perpetuieren und die Beschwerdepersistenz (Fortbestehen der Beschwerden) fördern [1, 2, LL1, LL3].
  • Nicht erkannte bzw. nicht ausreichend behandelte Grunderkrankung bei sekundärem Pruritus ani – persistierende anorektale, dermatologische (die Haut betreffende), infektiöse (durch Krankheitserreger verursachte) oder systemische Ursachen (den gesamten Körper betreffende Ursachen) erschweren eine dauerhafte Beschwerdefreiheit; bei sekundärem Pruritus ani ist daher die konsequente Behandlung der zugrunde liegenden Erkrankung prognostisch wesentlich [1, LL1].
  • Ausgeprägte sekundäre Hautschädigung – Lichenifikation, multiple Exkoriationen, Erosionen bzw. oberflächliche Ulzerationen kennzeichnen einen länger bestehenden oder schwereren Juck-Kratz-Zirkel und können dessen Durchbrechung erschweren [1, 2, LL1, LL2].

Für die dargestellten Folgeerkrankungen liegen keine pruritus-ani-spezifischen Metaanalysen (statistischen Zusammenfassungen mehrerer Studien) vor. Die verfügbare Evidenz (wissenschaftliche Beweislage) beruht überwiegend auf aktuellen Leitlinien bzw. Practice Parameters sowie klinischen Übersichtsarbeiten. Assoziationen (Zusammenhänge) von anogenitalem Pruritus (Juckreiz im Bereich von After und Geschlechtsorganen) mit Angststörungen und depressiver Symptomatik (depressiven Beschwerden) erlauben aufgrund der überwiegend beobachtenden Evidenz und möglicher bidirektionaler Zusammenhänge (wechselseitiger Zusammenhänge) keine hinreichend sichere kausale Zuordnung (Zuordnung als Ursache und Wirkung) als Folgeerkrankung des Pruritus ani und wurden deshalb nicht in die obige Krankheitsliste aufgenommen.

Literatur

  1. Jakubauskas M, Dulskas A: Evaluation, management and future perspectives of anal pruritus: a narrative review. Eur J Med Res. 2023;28(1):57. doi: 10.1186/s40001-023-01018-5.
  2. Ortega AE, Delgadillo X: Idiopathic Pruritus Ani and Acute Perianal Dermatitis. Clin Colon Rectal Surg. 2019;32(5):327-332. doi: 10.1055/s-0039-1687827.

Leitlinien, Referenzwerte und Protokolle

  1. Marino F, Martellucci J, Giuffrida MC et al.: Practice Parameters for Evaluation and Management of Pruritus Ani on Behalf of the Italian Society of Colorectal Surgery (SICCR). J Cutan Med Surg. 2025. doi: 10.1177/12034754251391800. [LL1]
  2. Weisshaar E, Müller S, Szepietowski JC et al.: European S2k Guideline on Chronic Pruritus: In cooperation with the European Dermatology Forum (EDF). Acta Derm Venereol. 2025;105:adv44220. doi: 10.2340/actadv.v105.44220. [LL2]
  3. S1-Leitlinie Diagnostik und Therapie des Analekzems. (AWMF-Registernummer 013-007) September 2024 Langfassung. [LL3]