Vorzeitiger Samenerguss (Ejaculatio praecox) – Medikamentöse Therapie
Therapieziel
- Verbesserung der Symptomatik (Beschwerdebild): Verlängerung der intravaginalen Ejakulationslatenzzeit (Zeit von der vaginalen Penetration bis zum Samenerguss), Verbesserung der subjektiven Ejakulationskontrolle sowie Reduktion von Leidensdruck und partnerschaftlichen Belastungen.
- Behandlung auslösender oder begleitender Erkrankungen bei erworbener Ejaculatio praecox (vorzeitiger Samenerguss), insbesondere erektiler Dysfunktion (Erektionsstörung), Prostatitis (Entzündung der Prostata), anderen urogenitalen Erkrankungen (Erkrankungen der Harn- und Geschlechtsorgane), Angststörungen (krankhafte Angstzustände) oder Hyperthyreose (Schilddrüsenüberfunktion).
- Erhalt der sexuellen Zufriedenheit und Lebensqualität des Patienten und seines Partners.
Therapieempfehlungen
- Vor Therapiebeginn: Unterscheidung zwischen lebenslanger und erworbener Ejaculatio praecox sowie Erfassung von Ejakulationslatenz, subjektiver Kontrolle, Leidensdruck, partnerschaftlicher Belastung und begleitender erektiler Dysfunktion.
- Lebenslange Ejaculatio praecox: Dapoxetin oder das zugelassene Lidocain/Prilocain-Dosierspray sind pharmakotherapeutische Mittel der ersten Wahl [LL1, LL2].
- Erworbene Ejaculatio praecox: Primär Behandlung der zugrunde liegenden Erkrankung oder sexuellen Funktionsstörung; bei fortbestehender Symptomatik kann zusätzlich eine spezifische Pharmakotherapie (Behandlung mit Arzneimitteln) erfolgen [LL1, LL2].
- Psycho- und Verhaltenstherapie (psychotherapeutische und verhaltensbezogene Behandlung): Eine obligate Durchführung vor Beginn der Pharmakotherapie ist nicht erforderlich. Verhaltenstherapeutische, kognitive oder paartherapeutische Maßnahmen können insbesondere bei erworbener Ejaculatio praecox und ausgeprägter Leistungsangst ergänzend eingesetzt werden [LL1, LL2].
- Zweitlinientherapie: Bei unzureichender Wirkung, Kontraindikationen oder fehlender Akzeptanz der zugelassenen Behandlungen können täglich einzunehmende selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer oder Clomipramin im Off-Label-Use eingesetzt werden [1, LL1, LL2].
- Phosphodiesterase-5-Hemmer: Bei gleichzeitig bestehender erektiler Dysfunktion soll diese vorrangig leitliniengerecht behandelt werden. Ohne erektile Dysfunktion ist die Anwendung bei Ejaculatio praecox ein Off-Label-Use; eine Kombination mit einem täglich angewendeten SSRI kann wirksamer sein als eine SSRI-Monotherapie [LL1].
- Drittlinientherapie: Tramadol ist wegen Abhängigkeits-, Atemdepressions- (Risiko einer gefährlich verlangsamten oder abgeschwächten Atmung), Krampf- und Serotoninsyndromrisiko (Risiko einer lebensbedrohlichen Überstimulation durch Serotonin) keine Routinetherapie. Ein vorsichtiger, bedarfsweiser Off-Label-Einsatz kommt allenfalls nach Versagen etablierter Therapieoptionen infrage [5, LL1].
- Nicht empfohlen: Antihypotonika wie Midodrin haben keinen Stellenwert bei der Ejaculatio praecox. Ihr möglicher Einsatz bei retrograder Ejakulation (rückwärts in die Harnblase gerichteter Samenerguss) oder Anejakulation (Ausbleiben des Samenergusses) betrifft andere Ejakulationsstörungen.
Beachte: Sämtliche Arzneimittel dienen der symptomatischen Behandlung. Therapieziele, erwartbarer Nutzen, Nebenwirkungen, Off-Label-Status und Patientenpräferenzen sollen vor Behandlungsbeginn gemeinsam besprochen werden.
Wirkstoffe (Hauptindikation)
Zugelassene Pharmakotherapie der ersten Wahl
| Wirkstoff | Besonderheiten |
| Dapoxetin | Für Männer im Alter von 18-64 Jahren mit gesicherter Ejaculatio praecox zugelassen. Therapiebeginn stets mit 30 mg; 60 mg ist keine Initialdosis. Tablette unzerkaut mit mindestens einem vollen Glas Wasser einnehmen. Alkoholkonsum vermeiden. Nutzen-Risiko-Bewertung nach vier Wochen oder mindestens sechs Anwendungen und anschließend regelmäßig wiederholen. Vor Therapiebeginn Anamnese hinsichtlich Synkopen (Ohnmachtsanfälle) und orthostatischer Reaktionen (Kreislaufbeschwerden beim Aufstehen) sowie orthostatische Blutdruck- und Pulsmessung. Die gleichzeitige Anwendung mit Phosphodiesterase-5-Hemmern entspricht nicht den Vorgaben der Dapoxetin-Fachinformation und kann die orthostatische Toleranz vermindern. |
| Lidocain/Prilocain-Dosierspray (150 mg/ml + 50 mg/ml) |
Zugelassen zur Behandlung der primären beziehungsweise lebenslangen Ejaculatio praecox bei erwachsenen Männern. Ein Sprühstoß enthält 7,5 mg Lidocain und 2,5 mg Prilocain. Bei unbeschnittenen Patienten Vorhaut vor der Anwendung zurückziehen. Übertragung auf den Partner durch sorgfältiges Abwischen oder Abwaschen vermeiden. Mit Kondomen auf Latexbasis kompatibel; weibliche Kondome auf Polyurethanbasis können durch das Präparat beeinträchtigt werden und sollen nicht gleichzeitig verwendet werden. |
- Wirkweise: Dapoxetin hemmt kurzfristig den Serotonintransporter und verstärkt die serotonerge Hemmung des Ejakulationsreflexes. Lidocain und Prilocain blockieren spannungsabhängige Natriumkanäle und vermindern vorübergehend die Sensibilität der Glans penis (Eichel des Penis).
- Indikationen: Dapoxetin bei gesicherter Ejaculatio praecox entsprechend den Zulassungskriterien; Lidocain/Prilocain-Dosierspray bei primärer beziehungsweise lebenslanger Ejaculatio praecox. Beide Optionen verlängern die Ejakulationslatenz und verbessern Kontrolle, sexuelle Zufriedenheit und ejakulationsbezogenen Leidensdruck [2-4, LL1, LL2].
- Kontraindikationen: Dapoxetin: relevante Herzerkrankungen, Herzinsuffizienz (Herzschwäche), höhergradige Reizleitungsstörungen (Störungen der elektrischen Erregungsleitung des Herzens) ohne Schrittmacher, relevante ischämische Herzerkrankung (Herzerkrankung durch Minderdurchblutung) oder valvuläre Herzerkrankung (Herzklappenerkrankung), Synkopenanamnese, Manie (krankhafte Hochstimmung und Antriebssteigerung) oder schwere Depression (depressive Erkrankung), mäßige bis schwere Leberfunktionsstörung (eingeschränkte Leberfunktion) sowie gleichzeitige Anwendung von MAO-Hemmern, Thioridazin, anderen SSRI, SNRI, trizyklischen Antidepressiva, Tramadol oder starken CYP3A4-Hemmern. Lidocain/Prilocain: Überempfindlichkeit des Patienten oder Partners gegen die Wirkstoffe beziehungsweise andere Lokalanästhetika vom Amidtyp.
- Nebenwirkungen: Dapoxetin: insbesondere Übelkeit, Schwindel, Kopfschmerzen, Diarrhoe, Schlaflosigkeit, Müdigkeit, orthostatische Hypotonie (Blutdruckabfall beim Aufstehen) und selten Synkope; Nebenwirkungen sind unter 60 mg häufiger als unter 30 mg. Lidocain/Prilocain: genitale Hypästhesie (verminderte Empfindlichkeit im Genitalbereich) oder Brennen beim Patienten oder Partner, erektile Dysfunktion und selten lokale Überempfindlichkeitsreaktionen; bei erheblicher systemischer Exposition sind neurotoxische oder kardiotoxische Reaktionen sowie eine Methämoglobinämie (Störung des roten Blutfarbstoffs mit beeinträchtigtem Sauerstofftransport) möglich.
Off-Label-Therapie mit Antidepressiva
| Wirkstoff | Besonderheiten |
| Paroxetin | Off-Label-Use; unter den täglich angewendeten SSRI häufig stärkste Verzögerung der Ejakulation. Einschleichende Dosierung kann die Verträglichkeit verbessern. |
| Sertralin | Off-Label-Use. Dosierung abhängig von Wirkung und Verträglichkeit schrittweise anpassen. |
| Fluoxetin | Off-Label-Use. Lange Halbwertszeit und relevantes Interaktionspotenzial beachten. |
| Citalopram | Off-Label-Use. Dosisabhängige QT-Zeit-Verlängerung sowie alters-, leberfunktions- und interaktionsabhängige Höchstdosen beachten. |
| Clomipramin | Off-Label-Use. Anticholinerge, kardiale und sedierende Wirkungen begrenzen die Anwendung. |
- Wirkweise: SSRI hemmen die präsynaptische Wiederaufnahme von Serotonin; Clomipramin hemmt vorwiegend die Wiederaufnahme von Serotonin und zusätzlich von Noradrenalin. Die verstärkte serotonerge Neurotransmission verzögert den Ejakulationsreflex.
- Indikationen: Zweitlinientherapie bei unzureichender Wirkung, Kontraindikationen oder fehlender Akzeptanz von Dapoxetin beziehungsweise Lidocain/Prilocain-Dosierspray. Der Wirkungseintritt der täglichen SSRI-Therapie beginnt meist nach einigen Tagen und ist nach ein bis zwei Wochen deutlicher ausgeprägt [1, LL1, LL2].
- Kontraindikationen: Gleichzeitige Anwendung mit MAO-Hemmern, Dapoxetin oder anderen kontraindizierten serotonergen Arzneimitteln; weitere wirkstoffspezifische Kontraindikationen beachten. Bei Citalopram und Clomipramin sind insbesondere QT-Zeit-Verlängerung, relevante Herzrhythmusstörungen und entsprechende Arzneimittelinteraktionen zu berücksichtigen.
- Nebenwirkungen: Übelkeit, Erbrechen, Diarrhoe, Mundtrockenheit, Müdigkeit, Somnolenz (krankhafte Schläfrigkeit), Schlafstörungen, Schwitzen, Tremor, Unruhe, Kopfschmerzen, Libidoverminderung, erektile Dysfunktion, Anorgasmie (Ausbleiben des Orgasmus) und Anejakulation. Möglich sind außerdem Hyponatriämie, erhöhte Blutungsneigung bei gleichzeitiger Einnahme von Thrombozytenaggregationshemmern oder nichtsteroidalen Antirheumatika, manische Umschläge, Suizidgedanken und ein Serotoninsyndrom. Clomipramin kann zusätzlich anticholinerge Nebenwirkungen, orthostatische Hypotonie, kardiale Reizleitungsstörungen und Krampfanfälle verursachen.
Phosphodiesterase-5-Hemmer
| Wirkstoff | Besonderheiten |
| Sildenafil | Bei gleichzeitig bestehender erektiler Dysfunktion zulassungsgemäße Anwendung. Bei isolierter Ejaculatio praecox Off-Label-Use. Eine relevante Verlängerung der Ejakulationslatenz ist bei Monotherapie nicht konsistent nachgewiesen; möglich sind Verbesserungen von Selbstvertrauen, wahrgenommener Kontrolle und sexueller Zufriedenheit. |
| Tadalafil | Bei gleichzeitig bestehender erektiler Dysfunktion zulassungsgemäße Anwendung. Bei isolierter Ejaculatio praecox Off-Label-Use. Lange Wirkdauer berücksichtigen. |
- Wirkweise: Hemmung der Phosphodiesterase Typ 5 mit Verstärkung der NO/cGMP-vermittelten Relaxation der glatten Muskulatur des Corpus cavernosum (Penisschwellkörper) und Verbesserung der erektilen Funktion.
- Indikationen: Vorrangig Ejaculatio praecox mit gleichzeitig bestehender erektiler Dysfunktion. Bei isolierter Ejaculatio praecox ist die Anwendung off-label; die Kombination mit einem täglich angewendeten SSRI kann wirksamer sein als die SSRI-Monotherapie [LL1].
- Kontraindikationen: Gleichzeitige Anwendung von Nitraten, NO-Donatoren oder Riociguat; schwere kardiovaskuläre Erkrankungen (Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems), bei denen sexuelle Aktivität nicht empfohlen wird; weitere wirkstoffspezifische Kontraindikationen beachten. Eine Kombination mit Dapoxetin soll wegen der Vorgaben der Dapoxetin-Fachinformation und des Risikos einer verminderten orthostatischen Toleranz vermieden werden.
- Nebenwirkungen: Cephalgie (Kopfschmerzen), Flush (anfallsartige Hautrötung), Dyspepsie (Verdauungsbeschwerden), nasale Kongestion (verstopfte Nase), Vertigo (Drehschwindel), Tachykardie (Herzrasen), Hypotonie (niedriger Blutdruck), Sehstörungen sowie unter Tadalafil zusätzlich häufig Rücken- und Muskelschmerzen. Selten können Priapismus (schmerzhafte Dauererektion), nichtarteriitische anteriore ischämische Optikusneuropathie (plötzliche Schädigung des Sehnervs durch Minderdurchblutung) oder plötzliche Hörminderung auftreten.
Drittlinientherapie mit Tramadol
| Wirkstoff | Besonderheiten |
| Tramadol | Off-Label-Use und keine Routinetherapie. Allenfalls nach Versagen oder Nichtanwendbarkeit etablierter Therapieoptionen und nach strenger individueller Nutzen-Risiko-Abwägung. Keine Kombination mit Dapoxetin, SSRI, SNRI, Clomipramin oder anderen serotonergen Arzneimitteln. Abhängigkeits- und Missbrauchspotenzial sowie fehlende Langzeitsicherheitsdaten beachten [5, LL1]. |
- Wirkweise: Schwacher μ-Opioidrezeptor-Agonist sowie Hemmung der Wiederaufnahme von Serotonin und Noradrenalin; dadurch Verzögerung des Ejakulationsreflexes.
- Indikationen: Ausschließlich als bedarfsweise Off-Label-Drittlinientherapie bei ausgeprägter Ejaculatio praecox nach Versagen oder Unverträglichkeit etablierter Therapieoptionen.
- Kontraindikationen: Akute Intoxikation (Vergiftung) mit Alkohol, Hypnotika, Opioiden oder anderen zentral dämpfenden Substanzen, gleichzeitige beziehungsweise kürzlich beendete Behandlung mit MAO-Hemmern, unkontrollierte Epilepsie (Anfallsleiden), schwere Atemdepression und bestehende Opioidabhängigkeit (Abhängigkeit von opioidhaltigen Schmerzmitteln). Keine Kombination mit serotonergen Arzneimitteln.
- Nebenwirkungen: Übelkeit, Erbrechen, Obstipation (Verstopfung), Mundtrockenheit, Schwindel, Somnolenz, Benommenheit, Atemdepression, Krampfanfälle, Serotoninsyndrom sowie Toleranzentwicklung, Abhängigkeit und Entzugssymptome.
Beachte
- Therapiekontrolle: Wirksamkeit und Verträglichkeit anhand der subjektiven Ejakulationskontrolle, des Leidensdrucks, der partnerschaftlichen Belastung und gegebenenfalls der selbst geschätzten intravaginalen Ejakulationslatenz beurteilen.
- Dapoxetin: Bei Prodromalsymptomen (Frühwarnzeichen) wie Übelkeit, Benommenheit, Schwindel oder Schwitzen sofort hinsetzen oder hinlegen. Alkohol erhöht das Risiko neurokardiogener Nebenwirkungen und Verletzungen durch Synkope.
- Täglich angewendete SSRI und Clomipramin: Nicht abrupt absetzen; zur Vermeidung eines Absetzsyndroms (Beschwerden nach zu schnellem Absetzen eines Arzneimittels) schrittweise ausschleichen. Bei Kinderwunsch soll wegen möglicher ungünstiger Effekte auf Spermien eine alternative Behandlung erwogen werden [LL1].
- Lokalanästhetika: Eine Übertragung auf den Partner kann genitale Hypästhesie und Brennen verursachen. Nicht zugelassene Lidocain-/Prilocain-Cremes oder -Gele sind hinsichtlich Wirkstoffmenge und Einwirkzeit nicht mit dem zugelassenen Dosierspray gleichzusetzen. Bei Kinderwunsch soll das Präparat nach fünf Minuten gründlich von der Glans entfernt werden.
- Kombinationstherapie: Pharmakotherapie kann mit sexual- oder verhaltenstherapeutischen Maßnahmen kombiniert werden. Arzneimittelkombinationen sind wegen additiver serotonerger, sedierender, kardialer oder hypotensiver Risiken individuell zu prüfen.
- Langzeitbehandlung: Die Langzeitwirksamkeit und Langzeitsicherheit spezifischer Pharmakotherapien der Ejaculatio praecox sind nur begrenzt untersucht; die fortbestehende Indikation ist regelmäßig zu überprüfen.
Red Flags (Warnzeichen) bei Ejaculatio praecox
- Sofortige medizinische Abklärung: Synkope, Kollaps, ausgeprägte orthostatische Beschwerden, Thoraxschmerz (Brustschmerz), schwere Herzrhythmusstörungen oder anhaltende Hypotonie unter Dapoxetin oder Phosphodiesterase-5-Hemmern.
- Serotoninsyndrom: Agitiertheit (starke innere und motorische Unruhe), Verwirrtheit, Hyperthermie (Überwärmung), starkes Schwitzen, Diarrhoe, Tremor, Hyperreflexie (gesteigerte Reflexe), Myoklonien (unwillkürliche Muskelzuckungen) oder Muskelrigidität (Muskelsteife), insbesondere bei Kombination serotonerger Arzneimittel.
- Psychiatrische Warnzeichen: Neu auftretende Suizidgedanken, schwere depressive Symptomatik, manische Symptome oder ausgeprägte Verhaltensänderungen unter Antidepressiva.
- Tramadolassoziierte Warnzeichen: Atemdepression, Bewusstseinsstörung, Krampfanfall, Fehlgebrauch, Dosissteigerung ohne ärztliche Anweisung oder Entzugssymptome.
- Lokalanästhetikaassoziierte Warnzeichen: Zyanose (Blaufärbung von Haut oder Schleimhäuten), Dyspnoe (Atemnot), ausgeprägte Müdigkeit, Verwirrtheit oder Tachykardie als mögliche Zeichen einer Methämoglobinämie sowie generalisierte allergische Reaktionen.
- Hinweise auf eine behandlungsbedürftige Grunderkrankung: Plötzlich neu aufgetretene Ejaculatio praecox mit erektiler Dysfunktion, Dysurie (Schmerzen oder Beschwerden beim Wasserlassen), Beckenschmerzen, Hämospermie (Blut im Ejakulat), neurologischen Ausfällen (Störungen des Nervensystems) oder klinischen Zeichen einer Hyperthyreose.
Abkürzungsverzeichnis
- cGMP: cyclisches Guanosinmonophosphat
- CYP3A4: Cytochrom P450 3A4
- EAU: European Association of Urology
- ISSM: International Society for Sexual Medicine
- LL: Leitlinie
- MAO: Monoaminooxidase
- NO: Stickstoffmonoxid
- SNRI: Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer
- SSRI: selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer
Literatur
- Sathianathen NJ, Hwang EC, Mian R et al.: Selective serotonin re-uptake inhibitors for premature ejaculation in adult men. Cochrane Database Syst Rev. 2021;3(3):CD012799. doi: 10.1002/14651858.CD012799.pub2.
- McMahon CG, Althof SE, Kaufman JM et al.: Efficacy and safety of dapoxetine for the treatment of premature ejaculation: integrated analysis of results from five phase 3 trials. J Sex Med. 2011;8(2):524-539. doi: 10.1111/j.1743-6109.2010.02097.x.
- Martyn-St James M, Cooper K, Ren K et al.: Topical anaesthetics for premature ejaculation: a systematic review and meta-analysis. Sex Health. 2016;13(2):114-123. doi: 10.1071/SH15042.
- Carson C, Wyllie M: Improved ejaculatory latency, control and sexual satisfaction when PSD502 is applied topically in men with premature ejaculation: results of a phase III, double-blind, placebo-controlled study. J Sex Med. 2010;7(9):3179-3189. doi: 10.1111/j.1743-6109.2010.01913.x.
- Martyn-St James M, Cooper K, Kaltenthaler E et al.: Tramadol for premature ejaculation: a systematic review and meta-analysis. BMC Urol. 2015;15:6. doi: 10.1186/1471-2490-15-6.
Leitlinien
- Salonia A, Boeri L, Capogrosso P et al.: EAU Guidelines on Sexual and Reproductive Health. Chapter: Disorders of Ejaculation. 2026 Edition. Arnhem: European Association of Urology Guidelines Office; 2026. Online-Fassung [LL1]
- Althof SE, McMahon CG, Waldinger MD et al.: An Update of the International Society of Sexual Medicine's Guidelines for the Diagnosis and Treatment of Premature Ejaculation (PE). J Sex Med. 2014;11(6):1392-1422. doi: 10.1111/jsm.12504. [LL2]
Fachinformation
- Fachinformation Priligy 30 mg/60 mg Filmtabletten, Wirkstoff: Dapoxetin. Berlin-Chemie AG; aktuelle Fassung.
- European Medicines Agency: Fortacin 150 mg/ml + 50 mg/ml Spray zur Anwendung auf der Haut, Lösung; Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels. Revision 13, Februar 2025.
- Fachinformationen der jeweils verwendeten Präparate mit Sertralin, Paroxetin, Fluoxetin, Citalopram, Clomipramin, Sildenafil, Tadalafil oder Tramadol; jeweils aktuelle Fassung.