Vorzeitiger Samenerguss (Ejaculatio praecox) – Körperliche Untersuchung

Eine umfassende klinische Untersuchung ist die Grundlage für die Auswahl der weiteren diagnostischen Schritte:

  • Allgemeine körperliche Untersuchung – inklusive Blutdruck, Puls, Körpergewicht, Körpergröße; des Weiteren:
    • Inspektion (Betrachtung)
      • Haut und Schleimhäute (feuchte innere Körperoberflächen) [meistens unauffällig; genitale Rötung (Rötung im Bereich der Geschlechtsorgane)?, genitale Schleimhautreizung (Reizung der Schleimhaut im Bereich der Geschlechtsorgane)?, Läsionen (Gewebeveränderungen)?, Ausfluss (Flüssigkeitsaustritt)?]
      • Habitus (äußeres Erscheinungsbild) und sekundäre Geschlechtsmerkmale (körperliche Merkmale der Geschlechtsentwicklung) bei klinischem Hinweis auf endokrine Mitbeteiligung (Mitbeteiligung des Hormonsystems) [auffällige Körperbehaarung?, Gynäkomastie (Brustdrüsenvergrößerung beim Mann)?, auffällige Muskelminderung?]
    • Palpation (Abtasten)
      • Abdomen (Bauch) und Inguinalregion (Leistenregion) bei Schmerz, Druckgefühl, Schwellung oder urologischer Begleitsymptomatik (Begleitbeschwerden der Harn- und Geschlechtsorgane) [Druckschmerz?, Resistenz (tastbare Verhärtung oder Raumforderung)?, Bruchpforte (Lücke für einen Gewebebruch)?, inguinale Lymphknotenvergrößerung (Lymphknotenschwellung in der Leiste)?]
      • Schilddrüse nur bei klinischem Verdacht auf endokrine Mitbeteiligung [Struma (Schilddrüsenvergrößerung)?, Druckschmerz?]
    • Auskultation (Abhören)
      • Herz und Lunge nur bei klinischem Anlass bzw. vor geplanter Pharmakotherapie (medikamentöse Behandlung) mit entsprechendem Risikoprofil (Risikokonstellation) [Tachykardie (beschleunigter Herzschlag)?, Rhythmusunregelmäßigkeit (unregelmäßiger Herzschlag)?, pulmonale Stauungszeichen (Zeichen einer Flüssigkeitsstauung in der Lunge)?]
  • Urologisch-andrologische Untersuchung (Untersuchung der Harn- und männlichen Geschlechtsorgane)
    • Inspektion des äußeren Genitales (äußere Geschlechtsorgane) mit Beurteilung von Penis, Präputium (Vorhaut), Frenulum (Vorhautbändchen), Glans (Eichel), Meatus urethrae (Harnröhrenöffnung) und Skrotum (Hodensack) [Phimose (Vorhautverengung)?, Frenulum breve (verkürztes Vorhautbändchen)?, Balanitis (Eichelentzündung)?, Meatusrötung (Rötung der Harnröhrenöffnung)?, Ausfluss?, Ulzeration (Geschwürbildung)?, Condylome (Feigwarzen)?, entzündliche Hautveränderungen?]
    • Palpation von Penis und Corpora cavernosa (Schwellkörper) [Plaques (umschriebene Verhärtungen)?, Verhärtungen?, Druckschmerz?]
    • Palpation von Hoden, Nebenhoden und Samenstrang, ggf. Größenbeurteilung mittels Orchimeter (Hodenmessgerät) [Hodenhochstand?, Hodengrößenminderung?, Hodenasymmetrie?, Schwellung?, Druckschmerz?, Varikozele (Krampfader am Hoden)?]
    • Beurteilung der Beckenboden- und Perinealregion (Dammregion) bei Schmerz, Missempfindung oder Verdacht auf funktionelle Mitbeteiligung (Mitbeteiligung der Funktion) [Druckschmerz?, erhöhter Beckenbodentonus (erhöhte Beckenbodenspannung)?]
  • Digital-rektale Untersuchung (DRU; Tastuntersuchung über den Enddarm) – nur indikationsbezogen, insbesondere bei Unterbauch-, Perineal-, Prostata- oder Miktionsbeschwerden (Beschwerden beim Wasserlassen) sowie alters- bzw. risikoadaptiert:
    • Beurteilung von Analsphinktertonus (Spannung des Afterschließmuskels), Rektum (Enddarm) und Prostata (Vorsteherdrüse) hinsichtlich Größe, Form, Konsistenz, Abgrenzbarkeit und Druckschmerz [Prostatadruckschmerz?, derbe Areale?, Indurationen (Verhärtungen)?, deutliche Vergrößerung?, schmerzhafte Beckenbodenanspannung?]
  • Neurologische Untersuchung (Untersuchung des Nervensystems) – nur bei Sensibilitätsstörung (Störung des Gefühlsempfindens), neurologischer Vorgeschichte, auffälliger Sexualanamnese (Erhebung der sexuellen Vorgeschichte) oder begleitender Miktions- bzw. Defäkationsstörung (Störung der Stuhlentleerung):
    • Orientierende Prüfung der Sensibilität (Gefühlsempfinden) im Genital-, Perineal- und unteren Extremitätenbereich (Bereich der unteren Gliedmaßen) [Hypästhesie (verminderte Berührungsempfindung)?, Dysästhesie (Missempfindung)?, Seitendifferenz?]
    • Orientierende Prüfung von Reflexstatus (Reflexprüfung), Muskeltonus (Muskelspannung) und Kraft der unteren Extremitäten [Reflexabschwächung?, Reflexsteigerung?, Tonusauffälligkeit (auffällige Muskelspannung)?, Paresen (Lähmungen)?]
    • Bei klinischem Anlass Prüfung sakraler Reflexe (Reflexe im Bereich der Kreuzbeinnerven) und des Analsphinktertonus [auffälliger Bulbokavernosusreflex (Reflex zwischen Eichel bzw. Klitoris und Afterschließmuskel)?, verminderter Analsphinktertonus?]
  • Krebsvorsorge – nicht Bestandteil der Diagnose der Ejakulatio praecox (EP; vorzeitiger Samenerguss); alters- und risikoadaptiert bzw. bei auffälligem Tastbefund einzubeziehen.
  • Gesundheitscheck – nicht regelhaft zur Diagnose der Ejakulatio praecox erforderlich; indikationsbezogen zur Erfassung kardiometabolischer (Herz-Kreislauf- und stoffwechselbezogener), endokriner und medikamentenrelevanter Begleitfaktoren.

In eckigen Klammern [ ] wird auf mögliche pathologische (krankhafte) körperliche Befunde hingewiesen.