Schulterschmerzen (Omalgie) – Medikamentöse Therapie

Therapieziele

  • Verminderung der Schmerzen und Verbesserung der Beweglichkeit und Alltagsfunktion
  • Ermöglichung einer ursachenbezogenen Behandlung sowie einer angemessenen Bewegungs- und Übungstherapie
  • Vermeidung einer Chronifizierung und arzneimittelbedingter Komplikationen

Therapieempfehlungen

  • Ursachenbezogene Therapie:
    • Omalgie (Schulterschmerz) ist ein Symptom. Die medikamentöse Behandlung richtet sich nach der zugrunde liegenden Erkrankung, der Schmerzstärke, den Begleiterkrankungen und den individuellen Arzneimittelrisiken.
    • Eine symptomatische Analgesie (Schmerzlinderung) kann bereits während der Diagnostik erfolgen. Sie ersetzt nicht die Abklärung traumatischer, infektiöser, entzündlich-rheumatischer oder extramuskuloskelettaler Ursachen.
    • Bei mechanisch bedingten Schulterschmerzen ist die Pharmakotherapie eine zeitlich begrenzte Ergänzung zur aktiven konservativen Behandlung; siehe auch unter „Weitere Therapie“.
  • Nichtopioidanalgetika:
    • Bei schmerzhafter Rotatorenmanschettentendinopathie (Erkrankung der Sehnen der schulternahen Muskelgruppe) können orale nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) kurzfristig zur Schmerzlinderung eingesetzt werden. Auswahl und Dosierung erfolgen unter Berücksichtigung gastrointestinaler, renaler und kardiovaskulärer Risiken. [LL1]
    • Paracetamol ist eine mögliche Alternative bei leichten bis mäßig starken Schmerzen, insbesondere wenn NSAR nicht geeignet sind. Eine generelle Vorrangstellung als Mittel der ersten Wahl bei jeder Omalgie ist nicht begründet. Paracetamol besitzt keine klinisch relevante antiphlogistische Wirkung. [F1]
    • Metamizol kommt bei starken Schmerzen im Rahmen der zugelassenen Indikationen infrage, insbesondere wenn andere therapeutische Maßnahmen nicht indiziert sind. Eine routinemäßige Anwendung bei leichten Schulterschmerzen ist nicht angezeigt. [F2]
    • Alle Analgetika in der niedrigsten wirksamen Dosis über den kürzest erforderlichen Zeitraum anwenden. Bei fortbestehendem Bedarf sind Diagnose, Behandlungserfolg und Verträglichkeit erneut zu beurteilen.
  • Sicherheit bei NSAR:
    • Keine Kombination mehrerer systemischer NSAR; beispielsweise Ibuprofen, Naproxen und Diclofenac nicht gleichzeitig einsetzen. [F3-F5]
    • Bei erhöhtem gastrointestinalem Risiko, beispielsweise Ulkusanamnese (früher aufgetretene Geschwüre), höherem Lebensalter oder gleichzeitiger antithrombotischer Therapie, gastroprotektive Begleitbehandlung mit einem Protonenpumpenhemmer erwägen. Bei sehr hohem Risiko möglichst eine Alternative zu systemischen NSAR wählen. [F3-F5]
    • Bei Dehydratation (Flüssigkeitsmangel), Nierenfunktionsstörung, Herzinsuffizienz (Herzschwäche) oder gleichzeitiger Behandlung mit einem Angiotensin-Converting-Enzym-Hemmer beziehungsweise Angiotensinrezeptorblocker und einem Diuretikum besteht ein erhöhtes Risiko für eine akute Nierenschädigung. [F3-F5]
    • Bei Risikopatienten beziehungsweise längerer Anwendung Blutdruck, Nierenfunktion und gegebenenfalls Kalium kontrollieren. Gastroprotektion verhindert keine renalen oder kardiovaskulären Nebenwirkungen.
  • Opioidanalgetika:
    • Keine routinemäßige Eskalation nach WHO-Stufenschema bei unspezifischer Omalgie. Bei Rotatorenmanschettentendinopathie sind Opioide keine Erstlinientherapie. [LL1]
    • Nur in begründeten Ausnahmefällen bei starken, anders nicht ausreichend kontrollierbaren Schmerzen kurzfristig einsetzen; beispielsweise bei schweren Verletzungen oder postoperativ.
    • Präparat, Applikationsweg und Dosis individuell wählen. Bei akuten Schmerzen sind rasch freisetzende Präparate für eine kontrollierte Titration geeignet; retardierte Präparate sind kein routinemäßiger Einstieg.
    • Behandlungsziel, Dauer, Verlaufskontrolle und Beendigung der Therapie vor Beginn festlegen. Tramadol besitzt trotz fehlender betäubungsmittelrechtlicher Einstufung ein Abhängigkeits- und relevantes Interaktionsrisiko. [F6-F8]
  • Lokale Glukocorticoidinjektionen bei gesicherter Indikation:
    • Bei schmerzhafter Rotatorenmanschettentendinopathie beziehungsweise subakromialer Bursitis (Schleimbeutelentzündung unter dem Schulterdach) kann eine gezielte subakromiale Glukocorticoidinjektion zur kurzfristigen Linderung erwogen werden; keine routinemäßige Erstlinientherapie. [LL1]
    • Bei primärer adhäsiver Kapsulitis (Schultersteife durch Entzündung und Verklebung der Gelenkkapsel) kann eine intraartikuläre Glukocorticoidinjektion, insbesondere in der schmerzhaften frühen Phase, Schmerzen und Funktion kurzfristig verbessern. Die Kombination mit angepasster Physiotherapie (Krankengymnastik und weiteren physikalischen Behandlungen) sollte bevorzugt werden. [LL2]
    • Injektionen (Spritzen) nur nach Diagnosesicherung, unter aseptischen Bedingungen und nach Ausschluss einer Infektion durchführen. Keine intratendinöse Injektion; wiederholte Injektionen wegen möglicher Sehnenschädigung zurückhaltend einsetzen. [F9]
    • Keine routinemäßige systemische Glukocorticoidtherapie bei unspezifischer Omalgie. Bei gesicherter primärer Schultersteife kann eine zeitlich begrenzte orale Behandlung im Einzelfall erwogen werden; der Nutzen ist überwiegend kurzfristig. [LL2]

Wirkstoffe (Hauptindikation)

Die folgenden Dosierungen beziehen sich auf Erwachsene. Bei Kindern und Jugendlichen sind Körpergewicht, Alter, Darreichungsform und präparatespezifische Zulassung maßgeblich. Organfunktionsstörungen, höheres Lebensalter und Gebrechlichkeit können niedrigere Dosen oder längere Dosierungsintervalle erfordern.

Nichtsaure Nichtopioidanalgetika

Wirkstoff Besonderheiten
Paracetamol Keine klinisch relevante antiphlogistische Wirkung. Bei Körpergewicht unter 50 kg, chronischem Alkoholismus (dauerhafter Alkoholabhängigkeit), Dehydratation oder chronischer Mangelernährung nach der hier zitierten Fachinformation maximal 2.000 mg/Tag. Bei Leber- oder Nierenfunktionsstörung Dosis beziehungsweise Intervall anpassen. Paracetamol aus sämtlichen gleichzeitig verwendeten Präparaten berücksichtigen. [F1]
Metamizol Für starke Schmerzen im Rahmen der zugelassenen Indikationen. Keine pauschale orale Einzeldosis von 2,5 g. Risiko einer potenziell tödlichen Agranulozytose (starken Verminderung bestimmter weißer Blutkörperchen mit erhöhter Infektionsgefahr); Aufklärung über Warnsymptome erforderlich. Bei älteren oder geschwächten Patienten Dosisreduktion; bei eingeschränkter Nieren- oder Leberfunktion wiederholte hohe Dosen vermeiden. [F2]
  • Wirkweise: Paracetamol wirkt überwiegend zentral analgetisch und antipyretisch. Metamizol wirkt analgetisch, antipyretisch und spasmolytisch; seine Wirkung wird durch aktive Metaboliten vermittelt. Die Wirkmechanismen sind nicht vollständig geklärt.
  • Indikationen: Paracetamol bei leichten bis mäßig starken Schmerzen; Metamizol bei akuten starken Schmerzen nach Verletzungen oder Operationen sowie sonstigen starken Schmerzen, soweit andere therapeutische Maßnahmen nicht indiziert sind. [F1] [F2]
  • Kontraindikationen: Überempfindlichkeit gegen den jeweiligen Wirkstoff. Bei Paracetamol präparatespezifische Gegenanzeigen und Einschränkungen bei Lebererkrankungen beachten. Bei Metamizol insbesondere vorausgegangene Agranulozytose durch Metamizol oder verwandte Wirkstoffe, beeinträchtigte Knochenmarkfunktion beziehungsweise Erkrankungen des blutbildenden Systems, Analgetika-Asthma (durch Schmerzmittel ausgelöste anfallsartige Atemnot) beziehungsweise entsprechende Analgetikaintoleranz (Unverträglichkeit von Schmerzmitteln) sowie drittes Schwangerschaftstrimenon. [F1] [F2]
  • Nebenwirkungen: Paracetamol insbesondere Hepatotoxizität (leberschädigende Wirkung) bei Überdosierung oder erhöhtem Risiko; selten schwere Überempfindlichkeits- und Hautreaktionen. Metamizol insbesondere Agranulozytose, anaphylaktische Reaktionen (schwere allergische Sofortreaktionen), Hypotonie (niedriger Blutdruck) und arzneimittelbedingte Leberschädigung. [F1] [F2]

Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR)

Wirkstoff Besonderheiten
Ibuprofen Niedrigste wirksame Dosis wählen. Hohe Dosierungen erhöhen insbesondere das kardiovaskuläre Risiko. Eine pauschale Zulassung aller Ibuprofenpräparate ab dem 3. Lebensmonat besteht nicht; bei Kindern präparatespezifische Vorgaben beachten. [F3]
Naproxen Naproxen und Naproxen-Natrium unterscheiden; 220 mg Naproxen-Natrium entsprechen 200 mg Naproxen. Dosierungsangaben verschiedener Präparate nicht vermischen. Auch bei vergleichsweise günstigerem kardiovaskulärem Risikoprofil bestehen gastrointestinale und renale Risiken. [F4]
Diclofenac Keine Tageshöchstdosis von 200 mg für die hier dargestellte orale Behandlung. Kontraindiziert bei Herzinsuffizienz der New York Heart Association (NYHA) II-IV, ischämischer Herzkrankheit (Herzerkrankung durch unzureichende Blutversorgung), peripherer arterieller Verschlusskrankheit (Durchblutungsstörung durch verengte oder verschlossene Schlagadern der Arme oder Beine) und zerebrovaskulärer Erkrankung (Erkrankung der Blutgefäße des Gehirns). [F5]
  • Wirkweise: Hemmung der Cyclooxygenasen und Verminderung der Prostaglandinsynthese; analgetisch, antiphlogistisch und antipyretisch.
  • Indikationen: Kurzfristige symptomatische Behandlung schmerzhafter entzündlicher beziehungsweise muskuloskelettaler Beschwerden bei geeigneter individueller Risikokonstellation und entsprechender Zulassung. [F3-F5]
  • Kontraindikationen: Unter anderem aktive oder rezidivierende peptische Ulzera (bestehende oder wiederkehrende Geschwüre im Magen oder Zwölffingerdarm) beziehungsweise gastrointestinale Blutungen (Blutungen im Magen-Darm-Trakt), frühere NSAR-bedingte Blutung oder Perforation (Durchbruch der Magen- oder Darmwand), schwere Nieren- oder Leberfunktionsstörung, schwere Herzinsuffizienz, entsprechende Überempfindlichkeit beziehungsweise NSAR-induzierter Bronchospasmus (durch NSAR ausgelöste krampfartige Verengung der Atemwege) und drittes Schwangerschaftstrimenon. Zusätzliche kardiovaskuläre Gegenanzeigen von Diclofenac beachten. Ab der 20. Schwangerschaftswoche NSAR nur bei zwingender Indikation und unter Beachtung der Fachinformation. [F3-F5]
  • Nebenwirkungen: Dyspepsie (Verdauungsbeschwerden), Übelkeit, gastrointestinale Ulzera (Geschwüre im Magen-Darm-Trakt) und Blutungen, akute Nierenschädigung, Flüssigkeitsretention (Flüssigkeitseinlagerung), Blutdruckanstieg, Verschlechterung einer Herzinsuffizienz, arterielle thrombotische Ereignisse (Gefäßverschlüsse durch Blutgerinnsel in Schlagadern) sowie selten schwere Hautreaktionen und Leberschädigung. [F3-F5]

Opioidanalgetika – ausschließlich bei begründeter Ausnahmeindikation

Wirkstoff Besonderheiten
Tramadol, unretardiert Bei eingeschränkter Nieren- oder Leberfunktion sowie bei Patienten über 75 Jahren gegebenenfalls längere Dosierungsintervalle. Risiko für Serotoninsyndrom (potenziell lebensbedrohliche Reaktion mit unter anderem Unruhe, Fieber und Muskelzuckungen durch übermäßige Serotoninwirkung) und Krampfanfälle, insbesondere bei entsprechenden Begleitmedikamenten. Keine bevorzugte Standardtherapie der Omalgie. [F6]
Morphin, unretardiert Nur bei starken Schmerzen und klarer Indikation. Die angegebene orale Dosis darf nicht als intravenöse Dosis übernommen werden. Bei Niereninsuffizienz (eingeschränkter Nierenfunktion) Akkumulation aktiver Metaboliten; besonders zurückhaltend einsetzen beziehungsweise Alternative wählen. [F7]
Piritramid Vorwiegend für die überwachte Akutversorgung; keine routinemäßige ambulante Therapie. Überwachung von Atmung, Bewusstsein und Kreislauf sowie Möglichkeit zur Behandlung einer Atemdepression (Abschwächung der Atmung) erforderlich. Dosierung bei Organfunktionsstörungen vorsichtig anpassen. [F8]
  • Wirkweise: Morphin und Piritramid wirken vorwiegend über μ-Opioidrezeptoren. Tramadol besitzt zusätzlich eine monoaminerge Wirkung durch Beeinflussung der Noradrenalin- und Serotonintransmission. [F6-F8]
  • Indikationen: Kurzfristige Behandlung starker, durch geeignete nichtopioide Maßnahmen nicht ausreichend kontrollierter Schmerzen bei gesicherter Indikation.
  • Kontraindikationen: Präparatespezifisch insbesondere relevante Atemdepression, akute Intoxikation (Vergiftung) mit Alkohol oder zentral dämpfenden Substanzen sowie bestimmte Kombinationen mit Monoaminoxidase-Hemmern. Bei Tramadol zusätzlich nicht ausreichend kontrollierte Epilepsie (Erkrankung mit wiederkehrenden Krampfanfällen). Bei Morphin unter anderem paralytischer Ileus (Darmverschluss durch Lähmung der Darmbewegungen). [F6-F8]
  • Nebenwirkungen: Sedierung (Dämpfung von Wachheit und Aufmerksamkeit), Schwindel, Übelkeit, Erbrechen, Obstipation (Verstopfung), Harnverhalt (Unfähigkeit, die gefüllte Harnblase zu entleeren), Hypotonie, Atemdepression, Toleranzentwicklung, Abhängigkeit und opioidinduzierte Hyperalgesie (durch Opioide verursachte erhöhte Schmerzempfindlichkeit). Tramadol zusätzlich Serotoninsyndrom und Krampfanfälle. Die Kombination mit Benzodiazepinen, anderen zentral dämpfenden Arzneimitteln oder Alkohol erhöht das Risiko schwerer Atemdepression. [F6-F8]

Glukocorticoide zur gezielten lokalen Injektion

Wirkstoff Besonderheiten
Triamcinolonacetonid Nur gezielte ärztliche Anwendung nach Diagnosesicherung. Injektionsort und Zulassung des konkreten Präparates beachten; keine intratendinöse Injektion. Bei adhäsiver Kapsulitis Zulassungsstatus für die konkrete Indikation prüfen. Bei Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) vorübergehende Hyperglykämie (erhöhter Blutzucker) möglich. [LL2] [F9]
  • Wirkweise: Glukocorticoidrezeptorvermittelte Hemmung entzündlicher Reaktionen.
  • Indikationen: Gezielte kurzfristige Behandlung ausgewählter entzündlicher Schultererkrankungen, insbesondere Bursitis (Schleimbeutelentzündung); bei adhäsiver Kapsulitis nach individueller Indikations- und Zulassungsprüfung. [LL1] [LL2] [F9]
  • Kontraindikationen: Infektion am Injektionsort beziehungsweise im Gelenk, Bakteriämie (Bakterien im Blut), Überempfindlichkeit sowie weitere präparatespezifische Gegenanzeigen. Gerinnungsstörungen und antithrombotische Therapie vor der Punktion (Einstich mit einer Hohlnadel) individuell beurteilen. [F9]
  • Nebenwirkungen: Vorübergehende Schmerzverstärkung, Haut- und subkutane Atrophie (Rückbildung der Haut und des Unterhautgewebes), Hypopigmentierung (verminderte Hautfärbung), Infektion, Sehnenschädigung beziehungsweise Sehnenruptur (Sehnenriss) sowie systemische Wirkungen, insbesondere Hyperglykämie und vorübergehende Suppression der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren-Achse (Unterdrückung des hormonellen Regelkreises zwischen Gehirn und Nebennieren). [F9]

Beachte

  • Metamizol und Agranulozytose:
    • Bei Fieber, Schüttelfrost, Halsschmerzen oder schmerzhaften Schleimhautveränderungen, insbesondere im Mund-, Nasen-, Rachen-, Genital- oder Analbereich, Metamizol sofort absetzen und unverzüglich ein Blutbild einschließlich Differenzialblutbild veranlassen. Das Absetzen darf nicht bis zum Laborergebnis aufgeschoben werden. [F2] [F10]
    • Eine Agranulozytose kann unabhängig von der Dosis, auch nach früher problemloser Anwendung und kurz nach Beendigung der Behandlung auftreten. [F10]
    • Eine routinemäßige Blutbildüberwachung ausschließlich zur Früherkennung einer metamizolinduzierten Agranulozytose wird nicht empfohlen, da hierfür kein Wirksamkeitsbeleg vorliegt. [F10]
  • Paracetamolüberdosierung: Kann zu schwerem Leberversagen führen. Bei Verdacht unverzügliche notfallmedizinische beziehungsweise toxikologische Beurteilung; N-Acetylcystein ist das spezifische Antidot. [F1]
  • Opioidintoxikation (Vergiftung durch Opioide): Atemdepression, Bewusstseinsstörung und häufig Miosis (Verengung der Pupillen) erfordern sofortige Notfallbehandlung mit Atemwegssicherung beziehungsweise Beatmung und gegebenenfalls Naloxon.
  • Fehlender Therapieerfolg: Bei persistierenden oder zunehmenden Schmerzen, deutlichem Funktionsverlust oder fortgesetztem Analgetikabedarf Ursachenklärung und Therapieplanung überprüfen; keine alleinige Dosissteigerung ohne erneute Beurteilung.

Weitere Hinweise

  • In einer randomisierten Studie mit 416 Erwachsenen mit akuten Extremitätenschmerzen (Schmerzen in Armen oder Beinen) sank die Schmerzintensität zwei Stunden nach einer Einzeldosis von Ibuprofen 400 mg plus Paracetamol 1.000 mg im Mittel um 4,3 Punkte; unter Oxycodon 5 mg plus Paracetamol 325 mg um 4,4 Punkte. Zwischen den untersuchten Gruppen bestand kein statistisch signifikanter oder klinisch relevanter Unterschied. Die Untersuchung war keine spezifische Omalgiestudie und erlaubt keine Aussagen zur längerfristigen Wirksamkeit oder Sicherheit. [1]
  • Bei Schultersteife beeinflusst eine alleinige NSAR-Behandlung den Krankheitsverlauf nicht nachweislich; die Behandlung muss die Bewegungs- und Funktionseinschränkung berücksichtigen. [LL2]

Red Flags (Warnzeichen) bei Omalgie

  • Schulter- oder Armschmerz mit Thoraxbeschwerden (Beschwerden im Brustkorb), Dyspnoe (Atemnot), Kaltschweißigkeit oder Kreislaufstörung: sofortige Notfallabklärung, insbesondere auf akutes Koronarsyndrom (akute Durchblutungsstörung des Herzens einschließlich Herzinfarkt) oder andere kardiopulmonale Ursachen.
  • Fieber, überwärmtes beziehungsweise geschwollenes Gelenk und ausgeprägter Bewegungsschmerz: dringender Ausschluss einer septischen Arthritis (durch Krankheitserreger verursachte Gelenkentzündung); keine Glukocorticoidinjektion vor Ausschluss einer Infektion.
  • Trauma (Verletzung) mit Fehlstellung, plötzlichem Kraftverlust oder neurovaskulären Ausfällen (Störungen der Nervenfunktion oder Blutversorgung): umgehende Abklärung auf Fraktur (Knochenbruch), Luxation (Ausrenkung) oder relevante Sehnen-, Nerven- beziehungsweise Gefäßverletzung.
  • Progredienter Ruheschmerz (zunehmender Schmerz in Ruhe) mit Gewichtsverlust oder bekannter Tumorerkrankung: zeitnahe weiterführende Diagnostik.

Supplemente (Nahrungsergänzungsmittel; Vitalstoffe)

Geeignete Nahrungsergänzungsmittel für die Gesundheit von Sehnen, Bändern und Faszien sowie Gelenken sollten die folgenden Vitalstoffe enthalten:

  • Vitamine (A, C, E, D3, B1, B2, B3, B5, B6, B12, Folsäure, Biotin)
  • Mineralstoffe (Magnesium)
  • Spurenelemente (Eisen, Kupfer, Mangan, Selen, Zink)
  • Fettsäuren (Omega-3-Fettsäuren: Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA))
  • Aminosäuren (Tryptophan)
  • Sekundäre Pflanzenstoffe (Curcumin, Bromelain aus Ananas-Extrakt)
  • Weitere Vitalstoffe (Chondroitinsulfat, Glucosaminsulfat, Kollagene, Baldrianwurzel-Extrakt, Melissenkraut-Extrakt, Schlafbeerenwurzel-Extrakt)

Bei Vorliegen einer Insomnie (Schlafstörung) infolge von Schulterschmerzen s. u. Insomnie/Medikamentöse Therapie/Supplemente.

Beachte: Die aufgeführten Vitalstoffe sind kein Ersatz für eine medikamentöse Therapie. Nahrungsergänzungsmittel sind dazu bestimmt, die allgemeine Ernährung in der jeweiligen Lebenssituation zu ergänzen.

Für Fragen zum Thema Nahrungsergänzungsmittel stehen wir Ihnen gerne kostenfrei zur Verfügung.

Nehmen Sie bei Fragen dazu bitte per E-Mail – info@docmedicus.de – Kontakt mit uns auf, und teilen Sie uns dabei Ihre Telefonnummer mit und wann wir Sie am besten erreichen können.

Abkürzungsverzeichnis

  • AWMF: Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften
  • DHA: Docosahexaensäure
  • doi: Digital Object Identifier; dauerhafte Kennung einer wissenschaftlichen Veröffentlichung
  • EPA: Eicosapentaensäure
  • et al.: et alii; und weitere Autoren
  • F: Fachinformation beziehungsweise Arzneimittelsicherheitsinformation; Kennzeichnung der Quellenverweise
  • Ggf.: gegebenenfalls
  • g: Gramm
  • kg: Kilogramm
  • LL: Leitlinie; Kennzeichnung der Quellenverweise
  • mg: Milligramm
  • ml: Milliliter
  • NSAR: nichtsteroidale Antirheumatika
  • NYHA: New York Heart Association; Einteilung des Schweregrades einer Herzinsuffizienz
  • S2e: evidenzbasierte Leitlinie der Stufe 2
  • WHO: World Health Organization; Weltgesundheitsorganisation

Literatur

  1. Chang AK et al.: Effect of a Single Dose of Oral Opioid and Nonopioid Analgesics on Acute Extremity Pain in the Emergency Department: A Randomized Clinical Trial. JAMA. 2017;318(17):1661-1667. doi:10.1001/jama.2017.16190

Leitlinien

  1. Desmeules F et al.: Rotator Cuff Tendinopathy Diagnosis, Nonsurgical Medical Care, and Rehabilitation: A Clinical Practice Guideline. J Orthop Sports Phys Ther. 2025;55(4):235-274. doi:10.2519/jospt.2025.13182 Langfassung [LL1]
  2. S2e-Leitlinie: Schultersteife. (AWMF-Registernummer: 187 - 020), April 2022 Langfassung [LL2]

Fachinformation

  1. Paracetamol BC 500 mg Tabletten. Fachinformation, Stand Januar 2025. Fachinformation [F1]
  2. Novalgin Filmtabletten 500 mg. Fachinformation, Stand November 2024. Fachinformation [F2]
  3. EUDORLIN Extra Ibuprofen-Schmerztabletten. Fachinformation; für höhere verschreibungspflichtige Dosierungen zusätzlich die Fachinformation des konkret verwendeten Präparates beachten. Fachinformation [F3]
  4. Naproxen-CT 500 mg Filmtabletten. Fachinformation, Stand September 2024. Fachinformation [F4]
  5. Diclofenac-ratiopharm 25 mg/50 mg magensaftresistente Tabletten. Fachinformation, Stand Mai 2026. Fachinformation [F5]
  6. Tramal Kapseln, 50 mg, Hartkapseln. Fachinformation, Stand Oktober 2025. Fachinformation [F6]
  7. Sevredol 10 mg/20 mg Filmtabletten. Fachinformation. Fachinformation [F7]
  8. Piritramid-hameln 7,5 mg/ml Injektionslösung. Fachinformation, Stand Mai 2026. Fachinformation [F8]
  9. Volon A 40/A 40-5 ml. Fachinformation. Fachinformation [F9]
  10. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte. Rote-Hand-Brief zu Metamizol-haltigen Arzneimitteln: Wichtige Maßnahmen zur Minimierung der schwerwiegenden Folgen des bekannten Risikos für Agranulozytose. 9. Dezember 2024. Rote-Hand-Brief [F10]