Halswirbelsäulen-Syndrom (HWS-Syndrom) – Symptome – Beschwerden
Folgende Symptome und Beschwerden können auf ein Halswirbelsäulen-Syndrom (HWS-Syndrom) hinweisen:
Leitsymptome
Diese Leitsymptome lenken den Verdacht auf ein HWS-Syndrom und werden oft zuerst bemerkt:
- Nackenschmerzen* und Bewegungsschmerzen (Häufigkeit > 70 %)
- Cephalgie (Kopfschmerzen): Strahlen oft in den Hinterkopf aus und werden durch Verspannungen im Nackenbereich verursacht (Häufigkeit > 60 %)
- Gefühlsstörungen in den Armen/Händen: Kribbeln, Taubheit oder andere Empfindungsstörungen, die bei Bewegungen des Kopfes auftreten (Häufigkeit > 70 %)
*Schmerz in dem Gebiet, das nach oben durch Linea nuchalis superior (obere Nackenlinie), nach unten durch den ersten Brustwirbel und seitlich durch die schultergelenksnahen Ansätze des Musculus trapezius (trapezförmig zwischen Schulter und Wirbelsäule ausgespannter Skelettmuskel) begrenzt wird [S1-Leitlinie].
Hauptsymptome (primäre Symptome)
Diese Hauptsymptome prägen das klinische Bild eines HWS-Syndroms:
- Muskelverhärtungen/Verspannungen in der Nackenmuskulatur: Oft begleitet von einer Schonhaltung und Muskelhartspann (Häufigkeit > 70 %)
- Schulterschmerzen: Sind oft mit Nackenproblemen verbunden (Häufigkeit 40-50 %)
Begleitsymptome (sekundäre Symptome)
Diese Begleitsymptome sind weniger charakteristisch und können auf Komplikationen hinweisen:
- Tinnitus (Ohrgeräusche): Können im Zusammenhang mit Nackenverspannungen auftreten (Häufigkeit 20-30 %)
- Sehstörungen: Verschwommenes Sehen oder andere Sehstörungen, die mit Verspannungen im Nackenbereich assoziiert sein können (Häufigkeit 20-30 %)
- Lähmungserscheinungen in den Armen: Schwäche oder Lähmung in den Armen, die durch eine Reizung oder Kompression der Nerven im Halswirbelsäulenbereich verursacht werden können (Häufigkeit 30-40 %)
Unspezifische Symptome
Diese unspezifischen Symptome treten bei vielen Erkrankungen auf und tragen weniger zur Diagnose bei:
- Allgemeines Unwohlsein: Ein allgemeines Gefühl des Unwohlseins oder der Unruhe, das oft schwer genau zu beschreiben ist und bei vielen verschiedenen Erkrankungen auftreten kann (Häufigkeit 40-50 %)
Die Beschwerden können von geringen Schmerzen bis zu stärksten Einschränkungen in der Bewegung reichen.
Nackenschmerzen gehen in weniger als einem Prozent der Fälle auf eine gefährliche Grunderkrankung zurück.
Warnzeichen (red flags)
- Neurologische Ausfälle wie Lähmungen, Sensibilitätsstörungen → sofortiges Handeln unumgänglich!
- Bewusstseinsstörungen → sofortiges Handeln unumgänglich!
- Blasenentleerungsstörung, Mastdarmfunktionsstörung → sofortiges Handeln unumgänglich!
- Anamnese
- Fieber/Schüttelfrost
- Osteoporose (Knochenschwund)
- Traumata (z. B. Schleudertrauma der HWS)
- Tumorerkrankungen
- Infektsymptome
- B-Symptomatik
- Unerklärliches, anhaltendes oder rezidivierendes Fieber (> 38 °C)
- Starker Nachtschweiß (nasse Haare, durchnässte Schlafbekleidung)
- Ungewollter Gewichtsverlust (> 10 % Prozent des Körpergewichtes innerhalb von 6 Monaten)
- Erkrankungen, die mit Immunsuppressiva behandelt werden/wurden (inkl. Steroidmedikation)
- Systemerkrankung mit Notwendigkeit einer Steroidtherapie: Autoimmunerkrankung (z. B. rheumatoide Arthritis, M. Bechterew), Neoplasie, Osteoporose
- Ausgeprägte Einschränkung der Beweglichkeit
- Reduktion des Allgemeinzustandes
- Intravenöser Drogenabusus
- Langzeittherapie mit Glucocorticoiden
Leitlinien
- S3-Leitlinie: Nicht-spezifische Nackenschmerzen. (AWMF-Registernummer: 053-007), Februar 2025 Kurzfassung Langfassung