Akutes Skrotum – Medikamentöse Therapie
Therapieziele
- Unverzügliche Sicherung der Hodenviabilität (Lebensfähigkeit des Hodens) bei Hodentorsion (Hodenverdrehung)
- Rasche Schmerzlinderung ohne Verzögerung der kausalen Notfalltherapie
- Erregereradikation (vollständige Beseitigung der Krankheitserreger) bei bakterieller Epididymitis (Nebenhodenentzündung) bzw. Epididymo-Orchitis (Entzündung von Nebenhoden und Hoden)
- Vermeidung von Hodenatrophie (Schrumpfung des Hodens), Infertilität (Unfruchtbarkeit), Abszess (abgekapselte Eiteransammlung), Sepsis (Blutvergiftung) und chronischen Schmerzen
Therapieempfehlungen
- Akutes Skrotum (plötzlich schmerzhafter oder geschwollener Hodensack) als Notfall
- Jedes akute Skrotum ist bis zum sicheren Ausschluss einer Hodentorsion als urologischer bzw. kinderchirurgischer Notfall zu behandeln. Bei klinischem Torsionsverdacht ist die unverzügliche operative Exploration mit Detorsion und Orchidopexie erforderlich; weder Analgesie noch Labor- oder Bildgebung dürfen die Operation verzögern. Die Chance auf Hodenerhalt nimmt mit der Ischämiedauer (Dauer der Minderdurchblutung) ab; das günstigste Zeitfenster liegt in den ersten 4-6 Stunden nach Symptombeginn. Auch bei längerer Beschwerdedauer ist eine Exploration so rasch wie möglich erforderlich [LL1][LL2][1].
- Bis zur operativen Versorgung: Nahrungskarenz, intravenöser Zugang, bedarfsgerechte Analgesie und Antiemese nach lokalem Notfall- bzw. Anästhesieprotokoll. Eine manuelle Detorsion kann durch einen erfahrenen Arzt während der Operationsvorbereitung versucht werden, darf die Operation jedoch nicht verzögern und ersetzt die operative Exploration und beidseitige Fixation nicht [LL2].
- Symptomatische Therapie nach Ausschluss einer Hodentorsion
- Relative körperliche Schonung, Hochlagerung bzw. Stützung des Skrotums und lokale Kühlung; ergänzend kurzzeitig ein nichtsteroidales Antirheumatikum oder Paracetamol unter Beachtung von Alter, Körpergewicht, Begleiterkrankungen und Kontraindikationen (Gegenanzeigen) [LL2][LL3].
- Bei starken Schmerzen erfolgt eine titrierte intravenöse Analgesie unter Überwachung nach lokalem Notfall- bzw. Anästhesieprotokoll. Die Schmerztherapie darf die kausale Behandlung nicht verzögern.
- Hydatidentorsion (Verdrehung eines Hodenanhängsels)
- Nach gesichertem Ausschluss einer Hodentorsion primär konservative Therapie mit körperlicher Schonung, lokaler Kühlung und antiphlogistischer (entzündungshemmender) Analgesie. Bei unklarer Diagnose oder persistierenden Schmerzen ist die operative Exploration angezeigt [LL2].
- Akute Epididymitis bzw. Epididymo-Orchitis
- Vor Beginn der Antibiotikatherapie sollen Mittelstrahlurin für Urinkultur und Resistenztestung sowie Erststrahlurin bzw. Urethralabstrich für den Nukleinsäureamplifikationstest auf Chlamydia trachomatis und Neisseria gonorrhoeae gewonnen werden. Bei wahrscheinlicher sexuell übertragbarer Infektion soll die empirische Therapie nach der Probenentnahme begonnen und nach Erreger- und Resistenznachweis angepasst werden [LL3].
- Bei Erwachsenen richtet sich die empirische Therapie nach dem Risiko für Gonokokken (Bakterien, die Gonorrhoe verursachen), Chlamydien (bestimmte sexuell übertragbare Bakterien) und Enterobacterales (Gruppe von Darmbakterien). Bei wahrscheinlicher Gonorrhoe (Tripper): Ceftriaxon plus Doxycyclin; bei niedrigem Gonorrhoerisiko: Levofloxacin oder Doxycyclin plus Trimethoprim/Sulfamethoxazol; bei nicht sexuell aktiven Patienten mit wahrscheinlichen Enterobacterales: Levofloxacin oder Trimethoprim/Sulfamethoxazol [LL3].
- Bei sexuell aktiven Jugendlichen ist die Antibiotikatherapie alters- und körpergewichtsbezogen sowie unter Beachtung der pädiatrischen Zulassung festzulegen. Fluorchinolone sind für Kinder und Jugendliche grundsätzlich kontraindiziert und daher keine empirische Standardtherapie.
- Bei präpubertären (bislang nicht geschlechtsreifen) Jungen ist eine Epididymitis häufig selbstlimitierend. Eine Antibiotikatherapie ist in der Regel nur bei nachgewiesener bakterieller Harnwegsinfektion (Infektion der ableitenden Harnwege) bzw. positiver Urinkultur indiziert; die Auswahl erfolgt kultur- und resistenzgerecht. Eine routinemäßige empirische Antibiotikagabe ist nicht angezeigt [LL2].
- Begleitend: körperliche Schonung, Hochlagerung des Skrotums, lokale Kühlung und nichtsteroidale Antirheumatika. Bei starker Symptomatik, hohem Fieber, Abszess, Hodeninfarkt (Absterben von Hodengewebe durch unterbrochene Blutversorgung), systemischer Infektion, Immunsuppression (Unterdrückung der körpereigenen Abwehr) oder fehlender oraler Therapiefähigkeit ist eine stationäre Behandlung mit intravenöser Antibiotikatherapie und ggf. operativer Abszessdrainage bzw. Exploration erforderlich [LL3].
- Bei wahrscheinlicher bzw. nachgewiesener sexuell übertragbarer Infektion sind sexuelle Karenz bis zum Abschluss der Behandlung und bis zur Symptomfreiheit, Testung auf weitere sexuell übertragbare Infektionen sowie Partnerinformation, -testung und -behandlung nach den nationalen Vorgaben erforderlich. Eine klinische Kontrolle soll bei fehlender rascher Besserung vorzeitig, bei wahrscheinlicher sexuell übertragbarer Infektion regelhaft 14 Tage nach Therapieende erfolgen [LL3].
- Orchitis (Hodenentzündung)
- Bei viraler Orchitis, insbesondere Mumps-Orchitis, erfolgt eine symptomatische Therapie mit Analgesie, Kühlung, Hochlagerung und Schonung; Antibiotika sind ohne Hinweis auf eine bakterielle Infektion nicht indiziert. Eine bakterielle Orchitis wird entsprechend der Epididymo-Orchitis erreger- und resistenzgerecht behandelt [LL3].
- Fournier-Gangrän (schwere bakterielle Weichteilinfektion im Genital- und Dammbereich)
- Bei Verdacht auf Fournier-Gangrän sind unverzüglich eine kalkulierte intravenöse Breitbandantibiose mit Abdeckung grampositiver, gramnegativer und anaerober Erreger sowie ein vollständiges chirurgisches Débridement einzuleiten. Ein mögliches Initialregime ist Piperacillin/Tazobactam plus Vancomycin; die Anpassung erfolgt nach lokalen Resistenzdaten, Organfunktion, mikrobiologischen Befunden und klinischem Verlauf. Die Antibiotikatherapie ersetzt das sofortige und ggf. wiederholte Débridement nicht [LL3].
- Weitere Ursachen
- Bei inkarzerierter Leistenhernie (eingeklemmtem Leistenbruch), Hodenruptur (Riss des Hodens), Hodenluxation (Verlagerung des Hodens), Skrotalabszess (Eiteransammlung im Hodensack), Tumorblutung oder vaskulärer Ursache (Ursache an den Blutgefäßen) ist die unverzügliche ursachenspezifische operative bzw. interventionelle Therapie erforderlich. Die Pharmakotherapie ist lediglich supportiv [LL2].
Beachte
- Cave! Eine erhaltene oder sogar gesteigerte arterielle Perfusion (Durchblutung durch Arterien) in der Dopplersonographie schließt eine frühe, partielle oder intermittierende Hodentorsion nicht sicher aus. Bei fortbestehendem klinischen Verdacht ist unverzüglich zu explorieren [LL2][1].
- Cave! Antibiotika und Analgetika behandeln keine Hodentorsion. Eine vorübergehende Schmerzabnahme, auch nach manueller Detorsion, erlaubt kein abwartendes Vorgehen [LL2].
- Cave! Bei rasch progredienter Schwellung, Hautnekrose (Absterben von Hautgewebe), Krepitation (knisterndem Gefühl unter der Haut), übel riechendem Exsudat (austretender Wundflüssigkeit) oder Sepsiszeichen ist bis zum Beweis des Gegenteils von einer Fournier-Gangrän auszugehen [LL3].
Wirkstoffe (Hauptindikation)
Nichtsteroidale Antirheumatika
| Wirkstoffgruppe/Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Nichtsteroidales Antirheumatikum Ibuprofen |
Analgetisch (schmerzlindernd), antiphlogistisch und antipyretisch (fiebersenkend); niedrigste wirksame Dosis für die kürzest erforderliche Dauer. Bei Dehydratation (Flüssigkeitsmangel), Nierenfunktionsstörung (eingeschränkte Funktion der Nieren), gastrointestinalem (Magen und Darm betreffendem) Ulkus- bzw. Blutungsrisiko und kardiovaskulären Risiken (Risiken für Herz und Blutgefäße) besonders zurückhaltend anwenden. |
- Wirkweise: Ibuprofen hemmt Cyclooxygenasen (Enzyme zur Bildung bestimmter Botenstoffe) und damit die Prostaglandinsynthese (Bildung von Botenstoffen für Schmerz, Entzündung und Fieber); es wirkt analgetisch, antiphlogistisch und antipyretisch.
- Indikationen: Kurzzeitige Behandlung leichter bis mäßig starker Schmerzen und entzündlicher Schwellung, insbesondere bei Hydatidentorsion und als Begleittherapie der Epididymitis nach Ausschluss einer Hodentorsion [LL2][LL3].
- Kontraindikationen: Aktive gastrointestinale Blutung bzw. Ulkuserkrankung (Geschwürerkrankung), schwere Nieren-, Leber- oder Herzinsuffizienz (schwere Funktionsschwäche der Nieren, der Leber oder des Herzens), schwere Dehydratation, Analgetikaasthma (durch Schmerzmittel ausgelöstes Asthma) bzw. Überempfindlichkeit gegen nichtsteroidale Antirheumatika.
- Nebenwirkungen: Gastrointestinale Beschwerden, Ulkus (Geschwür) bzw. Blutung, Nierenfunktionsstörung, Flüssigkeitsretention (Ansammlung von Flüssigkeit im Körper), Blutdruckanstieg, Bronchospasmus (Verkrampfung der Bronchien) und Überempfindlichkeitsreaktionen.
Nichtopioidanalgetika
| Wirkstoffgruppe/Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Nichtopioidanalgetikum Paracetamol |
Analgetisch und antipyretisch, jedoch ohne klinisch relevante antiphlogistische Wirkung; Alternative bei Kontraindikation gegen nichtsteroidale Antirheumatika. Keine gleichzeitige Anwendung weiterer paracetamolhaltiger Präparate. |
- Wirkweise: Paracetamol wirkt überwiegend zentral analgetisch und antipyretisch.
- Indikationen: Kurzzeitige Behandlung leichter bis mäßig starker Schmerzen, insbesondere als Alternative bei Kontraindikation gegen nichtsteroidale Antirheumatika.
- Kontraindikationen: Überempfindlichkeit; Dosisreduktion bzw. verlängertes Dosierungsintervall bei Leber- oder Nierenfunktionsstörung, Körpergewicht unter 50 kg, chronischem Alkoholabusus (dauerhaftem schädlichem Alkoholkonsum), Dehydratation oder Mangelernährung [FI1].
- Nebenwirkungen: Selten Überempfindlichkeitsreaktionen, Blutbildveränderungen und schwere Hautreaktionen; bei Überdosierung schwere bis tödliche Hepatotoxizität (Leberschädigung) [FI1].
Wirkstoffe (Nebenindikation: bakterielle Epididymitis bzw. Epididymo-Orchitis)
Die folgenden Regime sind die Empfehlungen der EAU für Erwachsene. Bei Kindern und Jugendlichen, schwerer Infektion, relevanter Organfunktionsstörung (eingeschränkter Funktion eines Organs), Allergie oder besonderer Resistenzlage sind Dosierung und Auswahl individuell und fachärztlich festzulegen. Die pädiatrische Zulassung, lokale Resistenzsituation und aktuelle Fachinformation sind zu beachten [LL2][LL3].
Cephalosporin der 3. Generation plus Tetracyclin
| Wirkstoffgruppe/Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Ceftriaxon plus Doxycyclin | Empirisches Regime bei wahrscheinlicher gonorrhoischer Epididymitis mit gleichzeitiger Abdeckung von C. trachomatis. Doxycyclin ist gemäß Fachinformation bei akuter Epididymo-Orchitis durch Chlamydien mit 200 mg/d für 10 Tage vorgesehen [FI2]. Ceftriaxon ist für Genitalinfektionen einschließlich Gonorrhoe zugelassen [FI3]. |
- Wirkweise: Ceftriaxon hemmt als Betalaktam-Antibiotikum die bakterielle Zellwandsynthese (Bildung der bakteriellen Zellwand); Doxycyclin hemmt durch Bindung an die 30S-Untereinheit der Ribosomen (Orte der Eiweißbildung in den Zellen) die bakterielle Proteinsynthese (Bildung von Eiweißen).
- Indikationen: Wahrscheinliche oder nachgewiesene gonorrhoische Epididymitis bei möglicher Chlamydien-Koinfektion (gleichzeitige Infektion mit Chlamydien) [LL3].
- Kontraindikationen: Schwere Soforttypreaktion (unmittelbar auftretende allergische Reaktion) auf Betalaktam-Antibiotika; Doxycyclin bei schwerer Leberschädigung und gemäß Fachinformation grundsätzlich bei Kindern unter 8 Jahren, sofern keine schwere oder lebensbedrohliche Erkrankung ohne geeignete Alternative vorliegt [FI2][FI3].
- Nebenwirkungen: Ceftriaxon: Diarrhoe (Durchfall), Überempfindlichkeitsreaktionen, Blutbildveränderungen und biliäre Präzipitate (Ausfällungen in der Galle); Doxycyclin: gastrointestinale Beschwerden, Ösophagitis (Entzündung der Speiseröhre), Photosensibilität (erhöhte Lichtempfindlichkeit), Clostridioides-difficile-assoziierte Diarrhoe und selten schwere Hautreaktionen [FI2][FI3].
Fluorchinolone
| Wirkstoffgruppe/Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Levofloxacin | Bei niedrigem Gonorrhoerisiko zur Abdeckung von C. trachomatis und Enterobacterales oder bei wahrscheinlicher alleiniger Enterobacterales-Ätiologie (durch Enterobacterales verursachte Krankheitsursache). Nicht zur Behandlung der Gonorrhoe. Für die Indikation Epididymitis ist die präparatespezifische Zulassung zu prüfen; ggf. Off-Label-Use. Anwendung nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung [B1][B2]. |
- Wirkweise: Hemmung der bakteriellen DNA-Gyrase und Topoisomerase IV mit bakterizider Wirkung (Bakterien abtötender Wirkung).
- Indikationen: Akute Epididymitis mit niedrigem Gonorrhoerisiko bzw. durch Enterobacterales, sofern Empfindlichkeit zu erwarten oder nachgewiesen ist [LL3].
- Kontraindikationen: Überempfindlichkeit gegen Chinolone, Epilepsie (Anfallsleiden), anamnestische Sehnenerkrankung (aus der Krankengeschichte bekannte Sehnenerkrankung) unter Fluorchinolonen sowie Anwendung bei Kindern und Jugendlichen. Besondere Vorsicht bei Niereninsuffizienz (Funktionsschwäche der Nieren), hohem Alter, Organtransplantation, systemischer Glucocorticoidtherapie, QT-Verlängerung und erhöhtem Risiko für Aortenaneurysma (Aussackung der Hauptschlagader), Aortendissektion (Aufspaltung der Wand der Hauptschlagader) oder Herzklappeninsuffizienz (Undichtigkeit einer Herzklappe) [B1][B2].
- Nebenwirkungen: Gastrointestinale Beschwerden, ZNS-Effekte, Dysglykämien (Störungen des Blutzuckerspiegels), QT-Verlängerung und Clostridioides-difficile-assoziierte Diarrhoe; selten schwerwiegende, lang anhaltende und potenziell irreversible Nebenwirkungen an Sehnen, Muskeln, Gelenken sowie am peripheren und zentralen Nervensystem. Bei ersten Zeichen einer Tendinopathie (Sehnenerkrankung) oder Neuropathie (Nervenschädigung) absetzen und alternative Therapie prüfen [B1].
Tetracyclin plus Folsäureantagonisten
| Wirkstoffgruppe/Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Doxycyclin plus Trimethoprim/Sulfamethoxazol | Alternative bei niedrigem Gonorrhoerisiko zur kombinierten Abdeckung von C. trachomatis und Enterobacterales. Die präparatespezifische Zulassung ist zu prüfen; für Teile des Regimes kann Off-Label-Use vorliegen. Nach Erreger- und Resistenznachweis deeskalieren bzw. gezielt umstellen. |
- Wirkweise: Doxycyclin hemmt die bakterielle Proteinsynthese; Trimethoprim und Sulfamethoxazol blockieren sequenziell die bakterielle Folsäuresynthese (Bildung von Folsäure durch Bakterien).
- Indikationen: Akute Epididymitis mit niedrigem Gonorrhoerisiko und erforderlicher empirischer Abdeckung von Chlamydien und Enterobacterales [LL3].
- Kontraindikationen: Doxycyclin siehe oben; Trimethoprim/Sulfamethoxazol bei Sulfonamid- bzw. Trimethoprimüberempfindlichkeit, schweren Leber- oder Nierenfunktionsstörungen ohne geeignete Überwachung bzw. Dosisanpassung und relevanten Blutbildveränderungen.
- Nebenwirkungen: Doxycyclin siehe oben; Trimethoprim/Sulfamethoxazol: Exanthem (Hautausschlag), gastrointestinale Beschwerden, Hyperkaliämie (erhöhter Kaliumspiegel im Blut), Kreatininanstieg, Zytopenien (Mangel an bestimmten Blutzellen) sowie selten schwere kutane Arzneimittelreaktionen (schwere Hautreaktionen auf Arzneimittel) und Nierenschädigung.
Weitere Hinweise
- Antibiotic Stewardship: Die Auswahl der Antibiotika soll auf Erregerrisiko, mikrobiologischer Diagnostik, lokaler Resistenzlage, Gewebegängigkeit, Alter, Organfunktion und individueller Verträglichkeit beruhen. Nach Vorliegen der Befunde ist die Therapie anzupassen [LL3].
- Evidenzlage: Die vergleichende Evidenz zur optimalen Antibiotikatherapie der akuten Epididymitis ist begrenzt. Ein randomisierter Doppelblindvergleich bei Männern über 40 Jahren zeigte für Ciprofloxacin über 10 Tage eine höhere klinische Heilungsrate als für Pivampicillin; die aktuellen Regime der EAU beruhen zusätzlich auf Erregerspektrum, Pharmakokinetik (Aufnahme, Verteilung und Ausscheidung eines Arzneimittels im Körper), Resistenzlage und Leitlinienkonsens [2][LL3].
- Verlaufskontrolle: Bei ausbleibender klinischer Besserung oder Verschlechterung sind Diagnose, Erreger, Resistenz, Adhärenz (Einhaltung der vereinbarten Behandlung) und Komplikationen wie Abszess, Infarkt (Absterben von Gewebe durch unterbrochene Blutversorgung), Tumor oder übersehene Torsion (Verdrehung) umgehend neu zu bewerten [LL3].
Abkürzungen
- AWMF: Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften
- B: behördliche und regulatorische Quelle
- BJU Int.: BJU International
- C.: Chlamydia
- DNA: Desoxyribonukleinsäure
- doi: Digital Object Identifier
- EAU: European Association of Urology
- et al.: und andere
- FI: Fachinformation
- LL: Leitlinie
- mg: Milligramm
- QT: Abschnitt der elektrischen Herzaktion vom Beginn der Q-Zacke bis zum Ende der T-Welle
- S2k: konsensbasierte Leitlinie mit strukturierter Konsensfindung
- ZNS: zentrales Nervensystem
Literatur
- Lewis S, Peeraully R, Ghazy E, Corbett H, Maconochie I, Kenny S et al.: A systematic review and meta-analysis to inform the management of children and young people with acute testicular pain. BJU Int. 2026;137(3):417-429. doi: 10.1111/bju.70080 [1]
- Eickhoff JH, Frimodt-Møller N, Walter S, Frimodt-Møller C: A double-blind, randomized, controlled multicentre study to compare the efficacy of ciprofloxacin with pivampicillin as oral therapy for epididymitis in men over 40 years of age. BJU Int. 1999;84(7):827-834. doi: 10.1046/j.1464-410x.1999.00252.x [2]
Leitlinien, Referenzwerte und Protokolle
- S2k-Leitlinie: Akutes Skrotum im Kindes- und Jugendalter. (AWMF-Registernummer 006-023) [August 2015; Gültigkeit abgelaufen, Aktualisierung angemeldet]. Langfassung [LL1]
- European Association of Urology: EAU Guidelines on Paediatric Urology. Chapter 8: Acute Scrotum. 2026. Volltext [LL2]
- European Association of Urology: EAU Guidelines on Urological Infections. Chapters 3.12: Acute Epididymitis and 3.13: Fournier’s Gangrene. 2026. Volltext [LL3]
Behördliche und regulatorische Quellen
- Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte: Rote-Hand-Brief zu systemisch und inhalativ angewendeten fluorchinolonhaltigen Antibiotika: Erinnerung an die Anwendungsbeschränkungen. 7. Juni 2023. Risikoinformation [B1]
- Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte: Rote-Hand-Brief zu systemisch und inhalativ angewendeten Fluorchinolonen: Risiko für Aortenaneurysmen und Aortendissektionen. 26. Oktober 2018. Risikoinformation [B2]
Fachinformationen
- bene-Arzneimittel GmbH: Fachinformation ben-u-ron 500 mg Tabletten. Stand Januar 2025. Fachinformation [FI1]
- Pfizer Corporation Austria Ges.m.b.H.: Fachinformation Vibramycin 100 mg lösbare Tabletten. Stand Mai 2024. Fachinformation [FI2]
- F. Hoffmann-La Roche Ltd: Prescribing Information Rocephin. Stand März 2024. Fachinformation [FI3]