Schnarchen (Rhonchopathie) – Medikamentöse Therapie
Therapieziel
- Verbesserung einer beeinträchtigten Nasenatmung durch Behandlung der zugrunde liegenden nasalen Erkrankung
- Reduktion des sozial störenden Schnarchens nach hinreichendem Ausschluss einer obstruktiven Schlafapnoe (Atemaussetzer durch einen Verschluss der oberen Atemwege im Schlaf) (OSA)
Therapieempfehlungen
- Indikationsstellung: Die medikamentösen Maßnahmen dieses Artikels beziehen sich auf Erwachsene. Vor einer Einordnung als primäres Schnarchen muss eine OSA beziehungsweise eine andere schlafbezogene Atmungsstörung (Störung der Atmung im Schlaf) ausgeschlossen werden. Die bisherige deutsche S3-Leitlinie empfiehlt eine objektivierende schlafmedizinische Untersuchung bei entsprechendem Verdacht, bei relevanten kardiovaskulären Komorbiditäten (Begleiterkrankungen von Herz und Kreislauf) und bei einem Therapiewunsch bezüglich des Schnarchens [LL1].
- Keine spezifische Pharmakotherapie: Für das primäre Schnarchen ist keine spezifische medikamentöse Standardtherapie etabliert. Eine systemische medikamentöse Therapie sowie die lokale intraorale Anwendung von Ölen oder Sprays werden nicht empfohlen [3, LL1, LL2].
- Behinderte Nasenatmung: Eine zugrunde liegende Rhinitis (Entzündung der Nasenschleimhaut), Rhinosinusitis (Entzündung der Nasen- und Nasennebenhöhlenschleimhaut), Polyposis nasi (Nasenpolypen) oder Allergie soll ursachengerecht behandelt werden. Intranasale Glucocorticoide sind nur bei entsprechender nasaler Indikation einzusetzen. Eine Besserung des Schnarchens ist allenfalls ein möglicher sekundärer Effekt und nicht zuverlässig zu erwarten; die Behandlung der nasalen Erkrankung ist keine spezifische Schnarchtherapie [1-3, FI3, FI4].
- Topische Dekongestiva: Vasokonstriktorische Nasentropfen oder Nasensprays können bei akuter schleimhautbedingter Nasenatmungsbehinderung kurzzeitig angewendet werden. Bei Nasenmuschelhyperplasie (Vergrößerung der Nasenmuscheln) kann ihr kurzfristiger Einsatz zur Abschätzung des möglichen Effekts einer Nasenmuschelchirurgie erwogen werden [LL1]. Die aufgeführten Präparate dürfen höchstens 7 Tage angewendet werden; sie sind keine Dauertherapie des Schnarchens [FI1, FI2].
- Hausstaubmilbenallergie: Bei gesicherter Hausstaubmilbenallergie erfolgt die Behandlung der allergischen Rhinitis einschließlich geeigneter Allergenreduktion, intranasaler antientzündlicher Therapie und gegebenenfalls allergenspezifischer Immuntherapie entsprechend dem Krankheitsbild. Die Allergiebehandlung ist keine spezifische Schnarchtherapie.
- Medikation überprüfen: Benzodiazepine können Schnarchen verstärken; Opioide können schlafbezogene Atemstörungen begünstigen. Indikation, Dosis und Einnahmezeitpunkt sollten ärztlich überprüft werden. Verordnete Arzneimittel dürfen nicht eigenmächtig abgesetzt werden [LL2].
- Siehe auch unter „Weitere Therapie“ und „Operative Therapie“.
Leitlinienstatus: Die deutsche S3-Leitlinie „Diagnostik und Therapie des Schnarchens des Erwachsenen“ hat den Stand 31.01.2019 und war bis 30.01.2024 gültig. Sie ist abgelaufen und wird überarbeitet. Die darauf bezogenen Empfehlungen werden ausdrücklich als Empfehlungen der bisherigen Fassung dargestellt [LL1].
Red Flags
- Beobachtete Atempausen, nächtliches Erstickungsgefühl, Luftschnappen, ausgeprägte Tagesschläfrigkeit, nicht erholsamer Schlaf oder morgendliche Kopfschmerzen erfordern vor einer symptomatischen Schnarchtherapie die Abklärung einer OSA [LL1].
- Bei Sekundenschlaf oder ausgeprägter Tagesschläfrigkeit mit beeinträchtigter Wachheit besteht ein relevantes Unfallrisiko. Bis zur ärztlichen Abklärung und Wiederherstellung ausreichender Wachheit ist auf das Führen von Kraftfahrzeugen und das Bedienen gefährlicher Maschinen zu verzichten.
- Persistierende einseitige Nasenatmungsbehinderung, rezidivierende Epistaxis (wiederkehrendes Nasenbluten), blutiges Nasensekret, einseitige Schmerzen oder eine sichtbare Raumforderung (Gewebevermehrung oder Schwellung) erfordern eine zeitnahe HNO-ärztliche Abklärung. Eine empirische Spraytherapie darf diese nicht verzögern.
Wirkstoffe (Hauptindikation)
Für das primäre Schnarchen steht keine spezifische medikamentöse Standardtherapie zur Verfügung. Die nachfolgend aufgeführten Arzneimittel behandeln nasale Begleiterkrankungen; sie sind nicht zur Behandlung des primären Schnarchens zugelassen [1-3, LL1, FI1, FI2, FI3, FI4].
Wirkstoffe (Nebenindikationen)
Die Dosierungen beziehen sich auf Erwachsene und auf die jeweils bezeichnete Wirkstärke und Darreichungsform.
Topische alpha-Sympathomimetika
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Xylometazolin 0,1 % | Referenzpräparat: Otriven gegen Schnupfen 0,1 % Dosierspray ohne Konservierungsstoffe. Diese Zubereitung ist ab 12 Jahren zugelassen. Nur zur kurzfristigen nasalen Abschwellung; keine Zulassung als Schnarchtherapie. |
| Oxymetazolin 0,05 % | Referenzpräparat: WICK Nasivin Nasenspray Erwachsene und Schulkinder. Auch zur diagnostischen Schleimhautabschwellung zugelassen. Erneute Anwendung erst nach mehrtägiger Pause; keine Zulassung als Schnarchtherapie. |
- Wirkweise: Stimulation alpha-adrenerger Rezeptoren (Andockstellen für Botenstoffe des sympathischen Nervensystems) mit Vasokonstriktion (Verengung der Blutgefäße) und Abschwellung der Nasenschleimhaut [FI1, FI2].
- Indikation: Kurzfristige symptomatische Behandlung einer schleimhautbedingten Nasenatmungsbehinderung im Rahmen der zugelassenen Rhinitisformen; bei Schnarchern gegebenenfalls kurzfristiger diagnostischer Abschwellversuch zur Abschätzung des möglichen Effekts einer Nasenmuschelverkleinerung [LL1, FI1, FI2].
- Kontraindikationen: Überempfindlichkeit, Rhinitis sicca (trockene Entzündung der Nasenschleimhaut) und Zustand nach transsphenoidaler Hypophysektomie oder anderen die Dura mater (harte Hirnhaut) freilegenden Eingriffen; bei der genannten Xylometazolin-Zubereitung zusätzlich Engwinkelglaukom (bestimmte Form des Grünen Stars) und atrophische Rhinitis (Entzündung mit Rückbildung der Nasenschleimhaut). Bei Oxymetazolin erfordert ein erhöhter Augeninnendruck, insbesondere bei Engwinkelglaukom, eine sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung. Besondere Vorsicht unter anderem bei Hypertonie (Bluthochdruck), Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Hyperthyreose (Schilddrüsenüberfunktion), Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), Phäochromozytom (hormonbildender Tumor des Nebennierenmarks) und Prostatahyperplasie (Vergrößerung der Prostata) sowie bei gleichzeitiger oder kürzlich erfolgter Behandlung mit MAO-Hemmern beziehungsweise weiteren potenziell blutdrucksteigernden Arzneimitteln, insbesondere tri- oder tetrazyklischen Antidepressiva [FI1, FI2].
- Nebenwirkungen: Brennen, Trockenheit und Reizung der Nasenschleimhaut, Niesen, Epistaxis und Kopfschmerzen; möglich sind Herzklopfen, Tachykardie (beschleunigter Herzschlag) und Blutdruckanstieg. Bei zu langer oder übermäßiger Anwendung drohen Tachyphylaxie (rasches Nachlassen der Wirkung), Rebound-Schwellung (erneutes oder verstärktes Anschwellen nach Wirkungsende), Rhinitis medicamentosa (durch Arzneimittel verursachte Nasenschleimhauterkrankung) und Schleimhautatrophie (Rückbildung der Schleimhaut) [FI1, FI2].
Intranasale Glucocorticoide bei gesicherter nasaler Indikation
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Mometasonfuroat 50 µg/Sprühstoß | Referenzpräparat: NASONEX. Regelmäßige Anwendung und korrekte Sprühtechnik erforderlich. Die genannte Erhaltungsdosis bezieht sich auf Rhinitis; für Polyposis nasi gelten eigene Dosierungsanpassungen. Keine Zulassung als Schnarchtherapie. |
| Budesonid 64 µg/Sprühstoß | Referenzpräparat: Budes 64 Mikrogramm/Sprühstoß. Regelmäßige Anwendung erforderlich; die klinische Wirkung entwickelt sich innerhalb von 1-2 Wochen. Keine Zulassung als Schnarchtherapie. |
- Wirkweise: Lokale antientzündliche und antiallergische Wirkung mit Verminderung einer entzündlich bedingten Schleimhautschwellung [FI3, FI4].
- Indikation: Saisonale oder perenniale allergische Rhinitis; die genannten Referenzpräparate sind außerdem zur Behandlung der Polyposis nasi bei Erwachsenen zugelassen. Bei primärem Schnarchen ohne entsprechende nasale Erkrankung besteht keine regelhafte Indikation [FI3, FI4].
- Kontraindikationen: Überempfindlichkeit. Für NASONEX zusätzlich unbehandelte lokale Infektion der Nasenschleimhaut; Anwendung nach Nasenoperation oder Nasentrauma (Nasenverletzung) erst nach abgeschlossener Wundheilung. Für Budes zusätzlich Hämostasestörungen (Störungen der Blutstillung) beziehungsweise Epistaxis sowie oronasale oder ophthalmische Herpesvirusinfektionen (Herpesinfektionen im Mund-Nasen- oder Augenbereich). Auch Budes soll bei nasalen Ulzerationen (Geschwüren in der Nase) sowie nach Nasenoperation oder Nasentrauma erst nach vollständiger Heilung angewendet werden [FI3, FI4].
- Nebenwirkungen: Epistaxis, Kopfschmerzen, Brennen oder Reizung der Nase, nasale Ulzeration und Rachenreizung; selten Nasenseptumperforation (Loch in der Nasenscheidewand). Okuläre oder systemische Glucocorticoidwirkungen sind insbesondere bei hoher Dosis und Langzeitanwendung möglich. Starke CYP3A-Inhibitoren, beispielsweise Ritonavir oder Cobicistat, können das Risiko systemischer Nebenwirkungen erhöhen; entsprechende Kombinationen sind präparatespezifisch zu prüfen [FI3, FI4].
Weitere Hinweise
- Die Ergebnisse zu intranasalen Glucocorticoiden als direkter Schnarchtherapie sind widersprüchlich. In einer randomisierten placebokontrollierten Studie mit 84 ausgewerteten Patienten führte Mometasonfuroat 200 µg täglich über 3 Monate zu keiner Reduktion des mittleren Schnarchscores; lediglich Tagesschläfrigkeit und Partnerbelastung besserten sich geringfügig [1].
- In einer kleinen randomisierten placebokontrollierten Crossover-Studie mit 24 Schnarchern verringerte Budesonid über eine Woche die Schnarchfrequenz median um 15,8 %; die Schnarchintensität nahm nur bei erhöhter nasaler Ausgangsresistenz ab. Aufgrund der kleinen Fallzahl und kurzen Studiendauer lässt sich daraus keine Routineempfehlung für primäres Schnarchen ableiten [2].
- Eine Scoping-Review aus dem Jahr 2024 identifizierte 38 Interventionsstudien zum primären Schnarchen. Die Mehrzahl war nicht randomisiert; heterogene und häufig nicht validierte Endpunkte erlaubten keine belastbare Festlegung einer optimalen Therapie. Ein pharmakologischer Therapiestandard lässt sich daraus nicht ableiten [3].
- Eine Verbesserung der Nasenatmung oder des Schnarchgeräusches schließt eine OSA nicht aus. Bei fortbestehendem Verdacht bleibt die objektivierende schlafmedizinische Diagnostik erforderlich [LL1].
Abkürzungen
- OSA: obstruktive Schlafapnoe
- HNO: Hals-Nasen-Ohren
- MAO: Monoaminoxidase
- CYP3A: Cytochrom P450 3A
- AWMF: Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften
- BfArM: Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte
- AMIce: Arzneimittel-Informationssystem des Bundes
Literatur
- Hultcrantz E, Harder L, Harder H, Zetterlund EL, Roberg K: To treat snoring with nasal steroids - effects on more than one level? Acta Otolaryngol 2010;130(1):124-131. doi: 10.3109/00016480902934211
- Koutsourelakis I, Keliris A, Minaritzoglou A, Zakynthinos S: Nasal steroids in snorers can decrease snoring frequency: a randomized placebo-controlled crossover trial. J Sleep Res 2015;24(2):160-166. doi: 10.1111/jsr.12249
- Changsiripun C, Chirakalwasan N, Dias S, McDaid CM: Management of primary snoring in adults: A scoping review examining interventions, outcomes and instruments used to assess clinical effects. Sleep Med Rev 2024;77:101963. doi: 10.1016/j.smrv.2024.101963
Leitlinien
- S3-Leitlinie: Diagnostik und Therapie des Schnarchens des Erwachsenen. (AWMF-Registernummer: 017-068), Stand 31.01.2019, gültig bis 30.01.2024; Gültigkeit abgelaufen, Überarbeitung angekündigt. Langfassung [LL1]
- Positionspapier der Australasian Sleep Association: Sarkis LM, Jones AC, Ng A, Pantin C, Appleton SL, MacKay SG: Australasian Sleep Association position statement on consensus and evidence based treatment for primary snoring. Respirology 2023;28(2):110-119. doi: 10.1111/resp.14443 [LL2]
Fachinformationen
- Fachinformation: Otriven gegen Schnupfen 0,1 % Dosierspray ohne Konservierungsstoffe (Xylometazolinhydrochlorid). Haleon Germany GmbH, Stand Juni 2026. Fachinformation [FI1]
- Fachinformation: Nasivin Nasentropfen/WICK Nasivin Nasenspray Erwachsene und Schulkinder (Oxymetazolinhydrochlorid 0,05 %). P&G Health Germany GmbH, Stand September 2024. Die Dosierung im Artikel bezieht sich auf das Nasenspray. Fachinformation [FI2]
- Fachinformation: NASONEX 50 µg/Sprühstoß Nasenspray, Suspension (Mometasonfuroat). Organon Healthcare GmbH, Stand März 2024. Fachinformation [FI3]
- Fachinformation: Budes 32 Mikrogramm/Sprühstoß; Budes 64 Mikrogramm/Sprühstoß Nasenspray, Suspension (Budesonid). HEXAL AG, Stand November 2024. Öffentlich zugängliche Wiedergabe mit Quellenangabe BfArM/AMIce. Fachinformation [FI4]