Reiseempfehlungen für Schiffsreisen
In den vergangenen Jahren hat die Zahl derjenigen, die eine Schiffsreise unternehmen, deutlich zugenommen. Zu unterscheiden sind Flusskreuzfahrten und Seekreuzfahrten (Hochseekreuzfahrten).
Auf Hochseekreuzfahrtschiffen mit mehreren hundert bis tausenden Passagieren ist in der Regel rund um die Uhr ein ärztlich betreutes Bordhospital mit Pflegepersonal verfügbar; kleinere Fluss- und Expeditionsschiffe verfügen dagegen häufig nur über eine Krankenstation ohne ständig anwesenden Arzt.
Durch das enge Zusammenleben vieler Menschen auf begrenztem Raum steigt insbesondere das Risiko für Infektionserkrankungen (v. a. Norovirus-Gastroenteritis (Magen-Darm-Infektion durch Norovirus) und Atemwegsinfekte wie Influenza (Grippe) oder COVID-19). Noroviren sind für über 90 % der gastroenteritischen Ausbrüche (Magen-Darm-Erkrankungen) mit nachgewiesener Ursache auf Kreuzfahrtschiffen verantwortlich.
Seit Inkrafttreten der International Health Regulations (IHR 2005) existieren weltweit verbindliche Standards für die Gesundheitsüberwachung im See- und Hafenverkehr (u. a. Ship Sanitation Certificates, Meldepflichten bei Ausbrüchen).
Vorerkrankungen und Reisetauglichkeit
Je länger eine Schiffsreise dauert, desto höher ist im Durchschnitt das Alter der Reisenden – damit steigt auch die Prävalenz (Krankheitshäufigkeit) chronischer Erkrankungen (z. B. Herz-Kreislauf-, Stoffwechsel-, Lungen-, Nieren- oder Tumorerkrankungen). Vor längeren Hochseekreuzfahrten sollte daher die Reisetauglichkeit individuell ärztlich beurteilt werden.
Empfehlungen:
- Reisetauglichkeit prüfen
- Einschätzung der Belastbarkeit (z. B. lange Wege an Bord, Treppen, Ausflüge)
- Bewertung von Komorbiditäten (z. B. Herzinsuffizienz (Herzschwäche), KHK (koronare Herzkrankheit/Erkrankung der Herzkranzgefäße), chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD), Diabetes mellitus, Gerinnungsstörungen)
- Individuelle Beratung zu Thromboseprophylaxe, Sauerstoffbedarf, Dialyse, Insulintherapie etc.
- Hausmedikation
- Hausmedikation in ausreichender Menge für die gesamte Reise + Reserve mitnehmen (inkl. Bedarfsmedikation)
- Medikamente nach Möglichkeit in Originalverpackung transportieren; schriftlicher Medikamentenplan (Wirkstoff, Dosierung, Einnahmezeitpunkt)
- Ggf. ärztliches Attest auf Deutsch und Englisch (z. B. für Insulin, Spritzen, Opiate, Notfallmedikation)
- Medizinische Hilfsmittel
- Ggf. Mitnahme von Blutdruck- und/oder Blutzuckermessgerät, Inhalatoren, CPAP-Gerät, Insulinpens, Notfallmedikamenten (z. B. Nitrospray, Adrenalin-Autoinjektor)
- Rechtzeitig mit der Reederei klären, ob spezielle Bedürfnisse (Kühlkette für Medikamente, Rollstuhl, Sauerstoff, Dialyse an Bord oder im Hafen) erfüllt werden können
- Versicherungen
- Abschluss einer Auslandskrankenversicherung inkl. Kostenübernahme für medizinische Behandlung an Bord und ggf. Repatriierung/Notfall-Rücktransport prüfen
Seekrankheit (Kinetose)
Die Seekrankheit entsteht durch widersprüchliche Informationen von Gleichgewichtsorgan (Innenohr), Augen und Tiefensensibilität an das Gehirn. Typisch sind Symptome wie Übelkeit, Erbrechen, Schwindel, Blässe und Unwohlsein. Das Risiko ist erhöht bei starkem Seegang, Aufenthalt in Randbereichen des Schiffs, vorangegangenen Kinetose-Episoden sowie bei Angst und Schlafmangel.
| Symptome/Beschwerden | Therapie – nicht-medikamentös | Therapie – medikamentös* | Prävention |
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Antihistaminika der 1. Generation (z. B. Dimenhydrinat, Meclozin)
Scopolamin als transdermales Pflaster (z. B. Scopoderm TTS)
Metoclopramid oder andere Antiemetika (z. B. 5-HT3-Antagonisten)
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*Hinweis: Alle Medikamente gegen Seekrankheit können die Reaktionsfähigkeit beeinträchtigen (Müdigkeit, Schwindel, Sehstörungen). Vor Anwendung sind Kontraindikationen (Gegenanzeigen), Wechselwirkungen und die ärztliche Beratung zu beachten. Nach Einnahme/Anwendung kein Führen von Fahrzeugen, kein Tauchen und keine Arbeiten mit Unfallgefahr.
Infektionserkrankungen auf Kreuzfahrten
Auf Kreuzfahrtschiffen treten am häufigsten akute Gastroenteritiden (v. a. Norovirus) und Atemwegsinfektionen (Influenza (Grippe), COVID-19 u. a.) auf. Norovirus-Ausbrüche können auch bei guten Hygienestandards auftreten und sind wegen der hohen Kontagiosität (Ansteckungsfähigkeit) und langen Umweltstabilität schwer zu kontrollieren.
Empfehlungen:
- Impfschutz vor der Reise überprüfen lassen
- Vollständiger Standardimpfschutz nach STIKO (z. B. Morbilli (Masern), Mumps, Rubella (Röteln), Diphtherie, Tetanus, Pertussis (Keuchhusten), Poliomyelitis (Kinderlähmung), Varizellen (Windpocken)).
- Saisonale Influenzaimpfung, insbesondere bei älteren und chronisch kranken Personen.
- COVID-19-Auffrischimpfungen entsprechend aktueller Empfehlung.
- Pneumokokken-Impfung bei Risikogruppen (z. B. chronische Herz-/Lungenerkrankungen, Immunsuppression).
- Je nach Route und Landgängen: Indikationsimpfungen wie Hepatitis A/B, Typhus, Meningokokken, Gelbfieber etc. gemäß aktuellen reisemedizinischen Empfehlungen.
- Hygienemaßnahmen an Bord und bei Landgängen
- Häufiges und gründliches Händewaschen mit Wasser und Seife (mindestens 20 Sekunden).
- Alkohol-Händedesinfektion ist bei Noroviren weniger zuverlässig, ersetzt Händewaschen nicht.
- Hände besonders vor dem Essen, nach Toilettengang, nach Kontakt mit häufig berührten Flächen (Treppengeländer, Aufzugknöpfe, Buffets) und nach Kontakt mit Erkrankten waschen.
- Im Buffetbereich möglichst eigenes Besteck benutzen, Speisen nicht mit den Fingern berühren, offenes Husten- und Niesverhalten beachten.
- Körpernahen Kontakt zu offensichtlich Erkrankten (v. a. mit Erbrechen/Durchfall oder Husten/Fieber) möglichst meiden.
- Verhalten bei Durchfall, Erbrechen oder Fieber
- Frühzeitige Vorstellung im Bordhospital bei Symptomen wie akuter Diarrhoe (Durchfall), Erbrechen, Fieber, schwerem Husten oder Dyspnoe (Atemnot).
- Konsequente Isolation im Kabinenbereich nach Anordnung des Bordarztes, um Ausbrüche einzudämmen (hierfür bestehen internationale Standards).
- Konsequente Toilettenhygiene (Deckel schließen, gründliches Händewaschen, häufiges Reinigen von Kontaktflächen in der Kabine).
- Whirlpools, Pools und Klimaanlagen
- Whirlpools und schlecht gewartete Pools können mit Legionellen oder anderen Keimen belastet sein.
- Zurückhaltende Nutzung insbesondere bei älteren oder chronisch kranken Personen wird empfohlen.
- Bei Augen-, Haut- oder Atemwegsreizungen sollte die Nutzung der Einrichtungen beendet werden.
Weitere praktische Hinweise für Schiffsreisen
- Thromboseprophylaxe
- Regelmäßige Bewegung an Bord (Treppe statt Aufzug, Spaziergänge auf dem Außendeck), ausreichende Flüssigkeitszufuhr, Vermeidung längerer Immobilität.
- Bei erhöhtem Risiko (z. B. frühere venöse Thromboembolie, aktive Tumorerkrankung, kürzliche Operation) individuelle prophylaktische Maßnahmen (Kompressionsstrümpfe, ggf. medikamentöse Prophylaxe) frühzeitig mit dem behandelnden Arzt besprechen.
- Reisedokumente
- Liste der Vorerkrankungen, Medikamentenplan, Impfausweis, ggf. internationale Arztbriefe (z. B. in Englisch).
- Kontaktdaten der Hausarztpraxis und behandelnder Fachärzte.
- Barrierefreiheit
- Bei Mobilitätseinschränkungen bereits bei Buchung barrierefreie Kabine, ggf. Hilfsmittel (Rollator, Rollstuhl, Duschstuhl) anfragen.
Literatur
- Jelinek T (Hrsg.): CRM Handbuch Reisemedizin 2025. 61. Auflage. CRM Centrum für Reisemedizin, Düsseldorf; 2024.
- Jelinek T (Hrsg.): Kursbuch Reisemedizin – Beratung, Prophylaxe, Reisen mit Erkrankungen. 1. Auflage. Thieme, Stuttgart 2012.
- Löscher T, Burchard GD: Tropenmedizin in Klinik und Praxis. 4. Auflage. Thieme, Stuttgart; 2010.
- Burchard GD, Hörauf A, Löscher T (Hrsg.): Tropenmedizin. Reisemedizin – Globale Gesundheit. 1. Auflage. Urban & Fischer/Elsevier, München; 2025.
- Rieke B (Hrsg.). Referenzhandbuch Impf- und Reisemedizin 2025. MedPrä, Aachen; 2025. Verlagsinformation (handbuch-reisemedizin.de)
- World Health Organization. International Travel and Health. aktuelle Ausgabe (online). WHO-PDF (imhf-portal.org)
- Centers for Disease Control and Prevention (CDC). Yellow Book 2024/2025: Kapitel „Cruise Ship Travel“ und „Motion Sickness“. Cruise Ship Travel (CDC)