Hauterkrankungen während der Reise

Hauterkrankungen gehören zu den häufigsten gesundheitlichen Problemen auf Reisen – unabhängig vom Reiseziel. Temperaturwechsel, intensive UV-Strahlung, erhöhte Luftfeuchtigkeit, Insektenstiche, ungewohnte Lebensmittel oder neue Umweltreize können bestehende Hauterkrankungen verschlechtern oder gänzlich neue Beschwerden auslösen.

Besonders in tropischen und subtropischen Regionen sind infektiöse Hautveränderungen wie bakterielle Infektionen, Pilzbefall oder virale Exantheme (Hautausschläge) deutlich häufiger. Auch Reisende mit chronischen Hauterkrankungen wie atopischer Dermatitis (Neurodermitis), Psoriasis (Schuppenflechte) oder Akne reagieren oft sensibel auf Klima, Stress und Hygienebedingungen.

Die folgende Übersicht zeigt die wichtigsten Hautprobleme, die während einer Reise auftreten können, und bietet eine strukturierte Orientierung über mögliche Ursachen, typische Symptome und notwendige Maßnahmen. Sie erleichtert die Einschätzung, wann Selbstbehandlung ausreicht – und wann ärztliche Hilfe erforderlich ist.

Allgemeine hautbezogene Probleme auf Reisen

Problem Beschreibung, Ursachen Hinweise, Maßnahmen
Akne, Akne tropicalis
  • Bestehende Akne vulgaris kann sich bei Hitze, UV-Exposition und starkem Schwitzen verschlechtern.
  • Es können sogenannte Lichtschwielen („Acne tropicalis“) auftreten.
  • Sonnenschutz
  • Leichte nicht-komedogene Pflege (Hautpflege, die die Poren nicht verstopft und deshalb keine neuen Mitesser (Komedonen) verursacht)
  • Übermäßiges Schwitzen vermeiden
Smog/Luftverschmutzung
  • Starke Luftverschmutzung kann atopische Dermatitis (Neurodermitis), Rosacea (Röschenflechte) oder Akne verschlechtern.
  • Aufenthalt in Smogspitzen reduzieren
  • Hautschutzbarriere pflegen
Ernährungsumstellung
  • Neue Lebensmittel können pseudoallergische oder allergische Hautreaktionen auslösen.
  • Beobachtung
  • Bei starken Reaktionen ärztliche Abklärung
Klimawandel auf Reisen
  • Trockenes, warmes Klima und Salzwasser führen häufig zu einer Besserung der Psoriasis (Schuppenflechte).
  • Reizklima (Hochgebirge/See) wirkt positiv auf das atopische Ekzem (Neurodermitis).
  • Positive Effekte möglich
  • Sonnenschutz beachten
Psychischer Stress
  • Stress, Jetlag und Schlafmangel verschlechtern häufig chronische Dermatosen (Hauterkrankungen).
  • Stressreduktion
  • Ausreichender Schlaf

Hautinfektionen und Hauterkrankungen im Reiseverlauf

Erkrankung Typische Beschwerden Maßnahmen

Bakterielle Infektionen

In der Regel Superinfektion nach Bagatellverletzung, z. B.:

  • Pyodermie (eitrige Entzündung der Haut), meist durch Staphylokokken bedingt
  • Erysipel (Wundrose), meist durch Streptokokken bedingt
  • Ulkus (Geschwür), Granulom (kleiner fester Knoten in der Haut oder im Gewebe), diverse Keime: Corynebakterien, Mykobakterien, Anthrax (Milzbrand) 
  • Erythem (Rötung)
  • Schwellung
  • Schmerz
  • Eitrige Sekretion
  • Fieber möglich
  • Reinigung, Desinfektion, Abdeckung
  • Bei Fieber/rascher Ausbreitung: ärztlich vorstellen

Insekten-/Parasitenbefall

(Mücken, Flöhe, Milben, Wanzen, Würmer)

  • Juckreiz, Quaddeln, Knötchen, Bläschen
  • Lokale Entzündungen
  • Vorbeugung wichtig
  • Therapie je nach Befall (Antihistaminika, Antibiotika, topische Steroide, antiparasitär)

Mykosen (Pilzinfektionen)

Vor allem in den Tropen

  • Interdigitale (zwischen den Fingern oder Zehen gelegene) und intertriginöse (in Hautfalten gelegene) Mykosen mit schuppigen Ringen
  • Lokale Antimykotika
Virale Infektionen (Herpes simplex)
  • Bläschen, Brennen
  • Wiederauftreten möglich
  • Lokal antivirale Therapie
Unklare neue Hautsymptome

 

  • Nach der Reise zur weiteren Diagnostik einen Arzt aufsuchen

Hautsymptomatik bei Infektionserkrankungen (Differentialdiagnosen)

Symptome Mögliche Differentialdiagnosen Verbreitung/Hinweise
Makulo-papulöses Exanthem
(fleckig, mit Papeln)
  • Rickettsiosen
  • Arbovirosen
Tropen/Subtropen
Vesikulöses Exanthem
(bläschenförmige Hautveränderung)
  • Affenpocken (Mpox): Fieber + generalisiertes Exanthem (am ganzen Körper auftretender Ausschlag), vesikulär/pustulös (kleine Bläschen/eitergefüllte Pusteln)
Endemisch v. a. Zentral-/Westafrika
 
  • Varizellen (Windpocken): stark juckendes Exanthem, Papeln, Bläschen, Krusten („Sternenhimmel“)
Weltweit

Lokalisiertes Erythem

  • Erythema migrans (Wanderröte) – kreisrunde Rötung um die Einstichstelle, meist mit hellem Rand und zentraler Aufhellung
  • Kann auch an anderen Körperstellen auftreten!
  • Im weiteren Verlauf verblasst das Erythem (flächenhafte Hautrötung) von der Mitte aus, sodass die anfangs scheibenförmige Rötung später als ringförmige Rötung zu sehen ist.
  • Entstehung: Tage bis etwa 10 Wochen nach dem Zeckenstich
  • Häufig sehr diskrete Entzündungsreaktion, die wegen der Symptomlosigkeit vom Patienten übersehen wird.
  • Erythema migrans (Lyme-Borreliose)
Nördliche Hemisphäre
Weiche lokale Schwellung
(einmalig, zeitlich begrenzt)
  • Chagas-Krankheit
Mittel-/Südamerika
 
  • Schlafkrankheit (Afrikanische Trypanosomiasis)
Tropisches Afrika
Weiche, wiederkehrende Schwellungen
  • Helminthen (z. B. Loa loa)
Tropisches Afrika
Derbe Knoten-/Schwellungsareale
  • Onchozerkose
Afrika, Teile Südamerikas
Knoten, Ulzera (Geschwüre), Hautläsionen bei Systemmykosen (Pilzinfektionen, die nicht nur die Haut betreffen, sondern innere Organe befallen und den gesamten Körper (das „System“) betreffen können)
  • Histoplasmose
  • Blastomykose
Amerika, Afrika, Südostasien
Chronisches Ulkus (Geschwür) an exponierter Haut
  • Kutane Leishmaniose
Tropen; auch Mittelmeerraum
Kleine hypopigmentierte oder erythematöse Maculae (kleine helle oder rote Flecken auf der Haut, die flach sind und nicht hervorstehen)
  • Lepra
Afrika, Brasilien, Indien
Petechien (punktförmige Haut- oder Schleimhautblutung) + Fieber
  • Virales hämorrhagisches Fieber (Arenaviren, Bunyaviren, Filoviren, Flaviviren) – z. B. Lassa-Fieber, Ebola, Dengue-Fieber, Gelbfieber, Crimean-Congo Hemorrhagic Fever (CCHF; Krim-Kongo-Fieber)
Afrika, Südamerika, Südasien; selten in Europa

Literatur

  1. Centers for Disease Control and Prevention (CDC): Travelers’ Health – Skin Conditions & Infectious Diseases.
  2. World Health Organization (WHO): Neglected Tropical Diseases.
  3. European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC): Diseases A-Z.
  4. Robert Koch-Institut (RKI): Infektionskrankheiten A-Z.
  5. Jelinek T (Hrsg.): Kursbuch Reisemedizin – Beratung, Prophylaxe, Reisen mit Erkrankungen. 1. Auflage. Thieme, Stuttgart 2012.
  6. Löscher T, Burchard GD: Tropenmedizin in Klinik und Praxis. 4. Auflage. Thieme, Stuttgart; 2010.