Akute Hautveränderungen durch Sonnenstrahlung

Auf Reisen ist die Haut besonderen Belastungen ausgesetzt: intensivere Sonneneinstrahlung, hohe UV-Werte, Wind, Meerwasser, Klimawechsel, Schwitzen sowie geänderte Pflegeroutinen schwächen ihre Schutzfunktion.

Zu den häufigsten UV-induzierten Hautreaktionen gehören Sonnenbrand und Sonnenallergien (Photodermatosen) wie die Acne aestivalis oder die polymorphe Lichtdermatose (PLD).

Menschen mit sehr hellem Hauttyp, vorbestehenden Hauterkrankungen oder Einnahme photosensibilisierender Medikamente reagieren besonders empfindlich.

Eine korrekte Einschätzung des persönlichen Hauttyps ist wichtig, um wirksame Präventionsmaßnahmen zu empfehlen. Die bekannte Fitzpatrick-Hauttypklassifikation (1975) wird international weiterhin verwendet. Sie beschreibt zuverlässig Verbrennungs- und Bräunungsverhalten hellhäutiger Haut. Es werden 6 Hauttypen unterschieden, die anhand ihrer UV-Empfindlichkeit klassifiziert sind.

Hauttyp Beschreibung UV-Empfindlichkeit Sonnenbrand-Risiko Zeit bis Hautrötung Bräunungsfähigkeit Empfohlener LSF
I – Keltischer Typ sehr hell, rotblond, Sommersprossen sehr stark immer ca. 10 min keine
  • LSF 50+ ganzjährig im Freien
  • UV-Kleidung, Hut, Brille
II – Germanischer Typ helle Haut, blond sehr stark immer ca. 10-20 min leichte Bräunung nach Sonnenbrand
  • LSF 50+ im Sommer
  • LSF 30-50 Frühjahr, Herbst
  • LSF 30 Alltag
III – Mischtyp helle bis mittelhelle Haut, dunkelblond/braun stark gelegentlich ca. 20-30 min mäßige Bräunung
  • LSF 30-50 bei intensiver Exposition
  • LSF 30 Alltag
IV – Mediterraner Typ dunklere Haut, dunkle Haare mäßig selten > 40 min starke Bräunung
  • LSF 30 bei starker Sonne oder Reisen in südliche Länder
  • LSF 20-30 Alltag
V – Dunkle Hauttypen braun bis dunkelbraun gering sehr selten intensive Bräunung
  • LSF 20-30 bei längerer Exposition
  • Wichtig: Schutz vor Photoaging und Pigmentstörungen
VI – Sehr dunkle Hauttypen sehr dunkel pigmentiert sehr gering extrem selten maximal
  • LSF 15-20 bei langer Exposition
  • Häufig reicht Basis-Schutz durch Kleidung

Hinweis:
Auch Hauttyp V-VI benötigt Sonnenschutz. Trotz geringer Sonnenbrandneigung können Pigmentstörungen, DNA-Schäden und Hautkrebs auftreten – besonders bei hoher UV-Intensität (Höhenlagen, Schnee, Äquatornähe).

Akute Hautveränderungen durch Sonneneinstrahlung

Akute Hautveränderung Beschwerden, Ursachen Prävention, Therapie
Sonnenbrand

Beschwerden:

  • Wärmebildung führt zur Verbrennung mit den folgenden Stadien:
    • Stadium 1: schmerzhafte Rötung
    • Stadium 2: Blasenbildung
  • Juckreiz, Spannungsgefühl

Ursachen:

  • Hauptauslöser: UV-B-Strahlung
  • Verstärkt durch Wasser, Sand, Schnee, Höhenlage
  • Höheres Risiko bei Hauttyp I-III und photosensibilisierenden Medikamenten

Prävention:

  • Meidung der intensiven Sonneneinstrahlung\n
  • Breitband-Sonnenschutz (UV-A/UV-B) mit ausreichend hohem LSF
  • Großzügiges und häufiges Nachcremen
  • UV-Schutzkleidung, Kopfbedeckung
  • Viel trinken

Therapie:

  • Kühle Kompressen
  • Feuchtigkeitsspendende Lotionen (Aloe vera, Panthenol)
  • Antihistaminika lokal bei Juckreiz
  • Kurzfristig topische Glucocorticoide bei stärkerer Entzündung
  • Arztkonsultation bei großflächigen Verbrennungen, Fieber oder Schüttelfrost

Sonnenallergie (Photodermatosen)

Acne aestivalis (Mallorca-Akne; Sommerakne), polymorphe Lichtdermatose

Beschwerden – Acne aestivalis:

  • 1-3 mm große Papeln, hautfarben oder leicht gerötet
  • Keine Mitesser, keine tiefen Entzündungen
  • Häufig an Schultern, Brust, oberem Rücken, Bereich des Gesichts (selten)

Beschwerden – polymorphe Lichtdermatose:

  • Juckreiz, der von einer fleckigen Hautrötung abgelöst wird
  • Fleckige Rötung, Papeln, Plaques, selten Bläschen
  • Tritt vor allem an den folgenden Stellen des Körpers nach intensiver Sonneneinstrahlung auf:
    • Dekolleté
    • Arme, streckseitig
    • Handrücken
    • Beine
    • Rumpf
    • Gesicht
    • Sehr selten treten Streureaktionen auf
  • Auftreten verzögert: Stunden bis Tage nach UV-Exposition
  • Rückbildung bei Sonnenkarenz innerhalb weniger Tage

Ursachen:

  • Acne aestivalis: UV-A-Strahlung + foto­instabile Kosmetika
  • Polymorphe Lichtdermatose: immunologisch vermittelte Überempfindlichkeit gegenüber UV-A > UV-B

Prävention:

  • Strikter UV-A-Schutz (entscheidend!)
  • Verwendung foto­stabiler, nicht-fettender Sonnenschutzmittel
  • „Photohardening“ im Frühjahr, ggf. dermatologisch gesteuerte Phototherapie
  • UV-Schutzkleidung, Schatten

Therapie:

  • Acne aestivalis: Zinkoxid-Lotionen (Lotio Zinci: je 20 % Zinkoxid und Talkum sowie 30 % Glycerol [85%ig] und Wasser), kühlende Lotionen
  • Polymorphe Lichtdermatose:
    • Topische Glucocorticoide bei akuten Schüben
    • Antihistaminika bei starkem Juckreiz
  • Schwere, rekurrente polymorphe Lichtdermatose:
    • Phototherapie (NB-UV-B)
    • In therapierefraktären Fällen: Hydroxychloroquin

Literatur

  1. Fitzpatrick TB: Soleil et Peau. Journal de Médecine Esthétique. 1975;2:33-34.
  2. World Health Organization (WHO): Radiation: Ultraviolet (UV) radiation and skin cancer. 16 October 2017.
  3. American Academy of Dermatology (AAD): Sun protection.
  4. Jelinek T (Hrsg.): Kursbuch Reisemedizin – Beratung, Prophylaxe, Reisen mit Erkrankungen. 1. Auflage. Thieme, Stuttgart 2012.
  5. Ling TC, Dawe RS, Gardener E, Rhodes LE: Interventions for polymorphic light eruption. Cochrane Database Syst Rev. 2017 Oct 9;2017(10):CD005069. doi: 10.1002/14651858.CD005069.pub3.
  6. Löscher T, Burchard GD: Tropenmedizin in Klinik und Praxis. 4. Auflage. Thieme, Stuttgart; 2010.
  7. Lembo S, Raimondo A: Polymorphic Light Eruption: What's New in Pathogenesis and Management. Front Med (Lausanne). 2018 Sep 10;5:252. doi: 10.3389/fmed.2018.00252.