Stomapflege
Bei einem Enterostoma (künstlicher Darmausgang) handelt es sich um einen operativ angelegten künstlichen Darmausgang. Abhängig vom ausgeleiteten Darmabschnitt wird zwischen Ileostoma (künstlicher Dünndarmausgang) und Kolostoma (künstlicher Dickdarmausgang) unterschieden. Das Stoma kann endständig oder doppelläufig sowie vorübergehend oder dauerhaft angelegt sein. Der Darminhalt wird über das Stoma in ein äußerlich getragenes Versorgungssystem abgeleitet.
Die Stomapflege (Pflege des künstlichen Darmausgangs) ist Bestandteil der umfassenderen Stomatherapie (umfassende Behandlung und Betreuung bei einem künstlichen Darmausgang). Sie umfasst die hygienische Reinigung, die Auswahl und Anpassung eines geeigneten Versorgungssystems, den Schutz der peristomalen Haut (Haut um den künstlichen Darmausgang), die Beobachtung der Stomafunktion, die frühzeitige Erkennung von Komplikationen sowie die Schulung und psychosoziale Unterstützung des Patienten. Ziel ist eine sichere, leckagefreie Versorgung bei möglichst hoher Selbstständigkeit, Lebensqualität und sozialer Teilhabe [1, 2, 8, 9, LL1-LL5].
Die strukturierte Schulung durch einen qualifizierten Stomatherapeuten sollte möglichst bereits präoperativ beginnen und postoperativ sowie nach der Entlassung fortgeführt werden. Selbstmanagementprogramme können insbesondere die Selbstwirksamkeit und die Sicherheit im Umgang mit dem Stoma verbessern. Die Schulungsinhalte müssen an die körperlichen, kognitiven, visuellen und manuellen Fähigkeiten sowie an die häusliche und soziale Situation des Patienten angepasst werden [1, LL1, LL2, LL4].
Veränderungen des Körperbildes, Einschränkungen der Sexualität, berufliche Unsicherheiten, soziale Rückzugstendenzen sowie depressive oder ängstliche Symptome müssen aktiv erfragt werden. Bei entsprechender Belastung sind psychoonkologische (psychische Unterstützung bei Krebserkrankungen), psychotherapeutische (seelische Behandlung), sexualmedizinische (medizinische Beratung bei sexuellen Beschwerden) oder sozialmedizinische (medizinische Unterstützung bei sozialen und beruflichen Fragen) Unterstützungsangebote einzubeziehen. Der Kontakt zu einer Selbsthilfeorganisation oder anderen Stomaträgern kann angeboten werden; eine generelle Verpflichtung zur Teilnahme besteht nicht [7, LL1, LL2].
Indikationen
- Regelmäßige hygienische und funktionelle Versorgung eines Enterostomas
- Auswahl, Anpassung und Überprüfung des Stomaversorgungssystems
- Prävention und Behandlung peristomaler Hautschäden
- Früherkennung stomabezogener und chirurgischer Komplikationen
- Schulung des Patienten und gegebenenfalls seiner Angehörigen
- Unterstützung der körperlichen, psychischen, sozialen und beruflichen Rehabilitation
Kontraindikationen
Für die notwendige Pflege und Versorgung eines Enterostomas bestehen keine generellen Kontraindikationen. Einzelne Produkte oder Versorgungskomponenten dürfen bei nachgewiesener Unverträglichkeit, allergischer Kontaktreaktion (allergisch bedingter Hautreaktion), mechanisch bedingter Hautschädigung oder ungeeigneter Passform nicht weiterverwendet werden.
Von der regulären Stomaversorgung abzugrenzen ist die Stoma-Irrigation (Spülung des künstlichen Darmausgangs). Sie ist kein Bestandteil der routinemäßigen Pflege, sondern eine spezielle Entleerungsmethode für ausgewählte Patienten mit geeignetem Kolostoma und erfordert eine gesonderte Indikationsstellung und Schulung durch einen erfahrenen Stomatherapeuten.
Das Verfahren
Beurteilung des Stomas und der peristomalen Region
Vor der Auswahl oder Änderung eines Versorgungssystems sind folgende Merkmale systematisch zu beurteilen [8, 9, LL1, LL4, LL5]:
- Stomaart und operative Konstruktion
- Lokalisation, Form, Durchmesser und Prominenz des Stomas
- Lage und Ausrichtung der Stomaöffnung
- Farbe, Feuchtigkeit und Vitalität (Lebensfähigkeit) der Schleimhaut (feuchte innere Gewebeschicht)
- Menge, Konsistenz und Aggressivität der Ausscheidung
- Mukokutaner Übergang (Übergang zwischen Darmschleimhaut und Haut)
- Zustand der peristomalen Haut
- Bauchdeckenprofil im Liegen, Sitzen, Stehen und bei Bewegung
- Hautfalten, Narben, Vertiefungen, Vorwölbungen oder Hernien (Brüche)
- Sehvermögen, manuelle Fähigkeiten, Mobilität und kognitive Voraussetzungen
Ein vitales Stoma ist rosig bis kräftig rot, feucht und normalerweise schmerzunempfindlich. Eine geringe kapilläre Kontaktblutung (kleine oberflächliche Blutung bei Berührung) kann aufgrund der guten Schleimhautdurchblutung auftreten. Eine blasse, livide (bläuliche), dunkelrote, braune oder schwarze Verfärbung, zunehmende Trockenheit oder ein Verlust der Schleimhautvitalität sind pathologisch und erfordern eine unverzügliche ärztliche Beurteilung [LL1-LL4].
Die gesunde peristomale Haut soll hinsichtlich Farbe, Oberfläche und Empfindlichkeit der übrigen Bauchhaut entsprechen. Rötung, Brennen, Juckreiz, Nässen, Erosionen (oberflächliche Hautdefekte), Papeln (Knötchen), Pusteln (Eiterbläschen), Blasen oder Ulzerationen (Geschwüre) sind nicht als unvermeidliche Folgen einer Stomaanlage anzusehen, sondern müssen diagnostisch abgeklärt werden [2, LL5].
Postoperative Versorgung
Unmittelbar nach der Stomaanlage wird ein postoperatives Versorgungssystem angebracht, das eine zuverlässige Ableitung der Ausscheidung und eine gute Beurteilbarkeit des Stomas ermöglicht. Stoma, Ausscheidung, mukokutaner Übergang und peristomale Haut werden während des stationären Aufenthalts regelmäßig, bei jedem Versorgungswechsel und bei klinischen Auffälligkeiten unverzüglich kontrolliert [LL1-LL4].
Ein postoperatives Stomaödem (Schwellung des Stomas) ist zunächst häufig physiologisch. Der Durchmesser des Stomas nimmt während der ersten Wochen durch Rückbildung des Ödems und fortschreitende Wundheilung ab. Das Stoma muss deshalb zunächst bei jedem Wechsel neu vermessen und der Ausschnitt des Hautschutzes entsprechend angepasst werden, bis Form und Größe weitgehend stabil sind [LL1, LL4].
Bei der postoperativen Kontrolle ist insbesondere auf folgende Befunde zu achten:
- Schleimhautvitalität und Durchblutung
- Ödem und zunehmende Abflussbehinderung
- Blutung
- Mukokutane Separation (Ablösung zwischen Darmschleimhaut und Haut)
- Retraktion (Zurückziehen des Stomas) oder Prolaps (Vorfall des Stomas)
- Peristomale Infektion oder Abszessbildung (Bildung einer Eiteransammlung)
- Leckage und Hautschädigung
- Ausbleibende, verminderte oder übermäßig hohe Ausscheidung
Auswahl des Versorgungssystems
Zur Verfügung stehen einteilige und zweiteilige Versorgungssysteme sowie geschlossene und entleerbare Beutel. Die Auswahl erfolgt individuell anhand der Stomaart, der Ausscheidungskonsistenz, der Stomaprominenz, des Bauchdeckenprofils, des Hautzustands, der gewünschten Tragedauer und der Fähigkeiten des Patienten [8, 9, LL4, LL5].
- Entleerbare Beutel – insbesondere bei flüssiger oder breiiger Ausscheidung, vor allem beim Ileostoma
- Geschlossene Beutel – insbesondere bei geformter Ausscheidung und planbarer Entleerung, vor allem beim Kolostoma
- Plane Hautschutzsysteme – bei ausreichend prominentem Stoma und weitgehend ebenem peristomalem Hautniveau
- Konvexe Hautschutzsysteme (nach außen gewölbte Hautschutzsysteme) – insbesondere bei bündigem oder retrahiertem Stoma, ungünstig ausgerichteter Stomaöffnung, Hautfalten oder wiederkehrender Unterwanderung; die Anwendung sollte nach fachgerechter Beurteilung erfolgen
- Modellierbare Hautschutzsysteme, Hautschutzringe oder Modellierstreifen – zum Ausgleich von Unebenheiten und zur Verbesserung der Abdichtung
- Stomapaste – zum Ausfüllen kleiner Vertiefungen und Falten; sie dient nicht als Hautkleber
- Stomagürtel – gegebenenfalls zur zusätzlichen Stabilisierung eines geeigneten konvexen Versorgungssystems
Der Ausschnitt des Hautschutzes wird so eng wie möglich an das Stoma angepasst, ohne die Schleimhaut einzuengen, zu komprimieren oder zu verletzen. Herstellerangaben und die postoperative Größenveränderung des Stomas sind zu berücksichtigen. Ein zu großer Ausschnitt exponiert die Haut gegenüber Ausscheidungen; ein zu kleiner Ausschnitt kann Druckschäden, Schleimhauterosionen, Blutungen oder eine Funktionsbeeinträchtigung verursachen.
Die Beutelversorgung sollte entleert werden, bevor Gewicht und Füllungsgrad die Haftung beeinträchtigen. Ein starres, für alle Patienten identisches Wechselintervall ist nicht evidenzbasiert. Das vollständige Versorgungssystem wird in einem individuell ermittelten, zuverlässigen Intervall gewechselt. Bei Undichtigkeit, Unterwanderung, Brennen, Juckreiz, Schmerzen oder Ablösung des Hautschutzes ist ein sofortiger Wechsel erforderlich [LL1, LL4, LL5].
Wechsel des Versorgungssystems
- Vorbereitung – alle erforderlichen Materialien griffbereit anordnen und Hände hygienisch reinigen
- Entfernung – Versorgung langsam und hautschonend ablösen; dabei die Haut mit der freien Hand stabilisieren
- Pflasterlöser – bei empfindlicher Haut oder starker Haftung kann ein für Stomaversorgungen geeigneter medizinischer Pflasterlöser eingesetzt werden
- Inspektion – Stoma, mukokutanen Übergang, Ausscheidung, Haut und Rückseite des entfernten Hautschutzes beurteilen
- Reinigung – Stoma und peristomale Haut mit lauwarmem Wasser und weichen, nicht fusselnden Kompressen oder Tüchern reinigen
- Seife – bei Bedarf eine milde, rückstandsfreie und nicht fetthaltige Reinigung verwenden; Rückstände vollständig abspülen
- Trocknung – peristomale Haut vorsichtig trocken tupfen; vor dem Aufbringen des Hautschutzes muss sie vollständig trocken sein
- Haarentfernung – störende Haare bei Bedarf vorsichtig in Wuchsrichtung kürzen; Hautverletzungen und wiederholtes aggressives Rasieren vermeiden
- Vermessung – insbesondere postoperativ Größe und Form des Stomas kontrollieren und den Hautschutz passgenau vorbereiten
- Hautschutz – zusätzliche Hautschutzprodukte nur indikationsgerecht und sparsam verwenden
- Applikation – Hautschutz faltenfrei aufbringen und mit der Hand gleichmäßig andrücken
- Abschlusskontrolle – sichere Haftung, Verschluss und gegebenenfalls Verbindung eines zweiteiligen Systems überprüfen
Alkoholhaltige Lösungen, aggressive Desinfektionsmittel, Lösungsmittel, scheuernde Reinigungsverfahren sowie öl- oder fetthaltige Pflegeprodukte sind für die routinemäßige peristomale Hautpflege ungeeignet. Sie können die Haut schädigen oder die Haftung des Versorgungssystems beeinträchtigen. Eine prophylaktische Desinfektion eines reizlosen Stomas oder intakter peristomaler Haut ist nicht erforderlich [7, LL4, LL5].
Beim Ablösen des Versorgungssystems sind Zugkräfte und wiederholte Traumatisierungen der Haut zu vermeiden. Eine persistierende Rötung, Erosion, Blasenbildung oder Ablösung der Epidermis (Oberhaut) kann auf eine peristomale medizinisch klebstoffassoziierte Hautschädigung (Hautverletzung durch medizinische Klebstoffe) hinweisen und erfordert eine Anpassung der Entfernungstechnik und des verwendeten Haftmaterials [7].
Duschen ist grundsätzlich mit Versorgungssystem möglich. Abhängig von Stomaart, Ausscheidung und persönlicher Situation kann zeitweise auch ohne Versorgungssystem geduscht werden. Wasser schädigt das Stoma nicht. Vor dem Aufbringen einer neuen Versorgung muss die Haut vollständig trocken sein.
Ernährung
Für Stomaträger besteht nach abgeschlossener postoperativer Anpassungsphase grundsätzlich keine generelle dauerhafte Stomadiät. Ein pauschaler Verzicht auf Hülsenfrüchte, Kohl, Zwiebeln, kohlensäurehaltige Getränke oder andere potenziell gasbildende Lebensmittel ist nicht evidenzbasiert. Entscheidend ist die individuelle Verträglichkeit [5, LL1, LL2].
Lebensmittel sollten schrittweise eingeführt und ihre Wirkung auf Ausscheidungsmenge, Konsistenz, Geruch und Gasbildung beobachtet werden. Regelmäßige Mahlzeiten, langsames Essen und gründliches Kauen sind insbesondere bei einem Ileostoma von Bedeutung. Schwer zerkleinerbare und stark faserige Lebensmittel sollten in der frühen postoperativen Phase zunächst nur in kleinen Mengen und einzeln eingeführt werden, da unzureichend zerkleinerte Nahrungsbestandteile eine Stomablockade (Verstopfung des Stomas) begünstigen können [LL1, LL2].
Bei individuell störender Gasbildung oder Geruchsentwicklung können die jeweils auslösenden Lebensmittel gezielt reduziert werden. Eine unnötig restriktive Ernährung ist zu vermeiden, da sie Mangelernährung (unzureichende Nährstoffversorgung), Gewichtsverlust und eine Einschränkung der Lebensqualität begünstigen kann.
Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt bei Ileostoma
Bei einem Ileostoma bestehen erhöhte Flüssigkeits- und Natriumverluste. Das etablierte Ileostoma produziert häufig etwa 600-1.200 ml Ausscheidung innerhalb von 24 Stunden. Die individuelle Menge hängt unter anderem von der verbleibenden Dünndarmlänge, der Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme, Medikamenten, Infektionen und mechanischen Abflussstörungen ab [4-6, LL1, LL2].
Ein High-output-Stoma (Stoma mit übermäßig hoher Ausscheidungsmenge) wird häufig bei einer anhaltenden Ausscheidung von mehr als etwa 1.500-2.000 ml innerhalb von 24 Stunden angenommen. Entscheidend ist jedoch nicht allein das gemessene Volumen, sondern ob die Ausscheidung zu einem klinisch relevanten Wasser-, Natrium- oder Magnesiummangel, zu Gewichtsverlust oder einer Einschränkung der Nierenfunktion führt [4-6, LL1].
Der Patient sollte insbesondere nach Neuanlage eines Ileostomas über die Beobachtung von Ausscheidungsmenge und -konsistenz, Trinkmenge, Urinmenge, Körpergewicht und Dehydratationszeichen (Anzeichen eines Flüssigkeitsmangels) geschult werden. Die gepoolte Rate dehydratationsbedingter Wiederaufnahmen innerhalb von 30 Tagen nach Ileostomaanlage beträgt etwa 6 %. Dieser Wert beschreibt Krankenhauswiederaufnahmen und nicht die generelle Häufigkeit einer Dehydratation bei allen Ileostomaträgern [3].
Bei einem High-output-Stoma sind unter anderem folgende Ursachen auszuschließen [4-6, LL1]:
- Partielle oder vollständige mechanische Obstruktion (mechanische Blockierung)
- Stoma-Outflow-Obstruktion (Abflussbehinderung am Stoma) oder Stomastenose (Verengung des Stomas)
- Enterale Infektion (Darminfektion)
- Aktive entzündliche Darmerkrankung
- Intraabdominelle Infektion (Infektion im Bauchraum) oder Abszess (Eiteransammlung)
- Fistel (unnatürlicher Verbindungsgang)
- Kurzdarmsyndrom (Beschwerden durch einen stark verkürzten Dünndarm)
- Medikamentennebenwirkung oder abruptes Absetzen motilitätshemmender bzw. sekretionshemmender Arzneimittel
Die Behandlung richtet sich nach Ursache und Ausmaß der Verluste. Sie kann eine gezielte orale oder intravenöse Flüssigkeits- und Elektrolytsubstitution, eine natriumreiche Glucose-Elektrolyt-Lösung sowie motilitäts- oder sekretionshemmende Arzneimittel umfassen. Bei ausgeprägtem High-output-Stoma kann eine unkontrollierte Steigerung natriumarmer, hypotoner Getränke die Natriumverluste verstärken. Die Aufforderung, die Verluste ausschließlich durch möglichst große Mengen Wasser, Tee, Kaffee oder Saft auszugleichen, ist daher nicht sachgerecht [4-6, LL1].
Patientenschulung und Nachsorge
Vor der Entlassung sollte der Patient – soweit körperlich und kognitiv möglich – folgende Fähigkeiten erwerben [1, LL1, LL2, LL4]:
- Entleeren und Wechseln des Versorgungssystems
- Vermessen des Stomas und Anpassen des Hautschutzes
- Erkennen eines vitalen Stomas und einer gesunden peristomalen Haut
- Erkennen von Leckagen und Hautschädigungen
- Beobachten und gegebenenfalls Messen der Ausscheidungsmenge
- Erkennen von Dehydratations-, Obstruktions- und Ischämiezeichen
- Kenntnis des individuellen Wechselintervalls
- Korrekte Lagerung und rechtzeitige Beschaffung der Hilfsmittel
- Kenntnis der zuständigen Ansprechpartner und Notfallkontakte
Die fachpflegerische Nachsorge sollte unmittelbar postoperativ beginnen und nach der Entlassung fortgesetzt werden. Zeitpunkt und Häufigkeit der Kontrollen richten sich nach Stomaart, postoperativem Verlauf, Hautzustand, Selbstpflegekompetenz und bestehenden Problemen. Jede wiederkehrende Leckage, deutlich verkürzte Tragedauer, neue Hautveränderung oder Änderung des Bauchdeckenprofils erfordert eine erneute fachgerechte Beurteilung und Anpassung des Versorgungssystems [8, 9, LL1].
Mögliche Komplikationen [therapeutische Maßnahmen]
Frühkomplikationen (innerhalb der ersten 30 postoperativen Tage)
- Stomaödem – postoperativ häufig physiologisch; ein ausgeprägtes oder zunehmendes Ödem kann den Abfluss behindern [engmaschige Kontrolle, ausreichender Ausschnitt des Versorgungssystems, Ausschluss von Ischämie oder Obstruktion]
- Stomaischämie (Mangeldurchblutung des Stomas) bzw. Stomanekrose (Absterben des Stomagewebes) – blasse, livide, braune oder schwarze Verfärbung sowie Verlust der Schleimhautvitalität [unverzügliche chirurgische Beurteilung; operative Revision insbesondere bei tiefer bzw. subfaszialer Nekrose]
- Stomablutung – geringe Kontaktblutung kann auftreten; persistierende, pulsierende oder stärkere Blutung ist pathologisch [lokale Blutstillung und Ursachenklärung; bei relevanter Blutung notfallmäßige Behandlung]
- Mukokutane Separation – Ablösung zwischen Stomaschleimhaut und peristomaler Haut [Reinigung, lokale Wundversorgung, geeignete absorbierende Wundauflage und sichere Abdichtung; chirurgische Mitbeurteilung bei tiefer, zirkulärer oder infizierter Separation]
- Frühe Stomaretraktion (frühes Zurückziehen des Stomas) [Anpassung des Versorgungssystems, gegebenenfalls konvexer Hautschutz und Abdichtungshilfen; operative Revision bei Ischämie, Funktionsstörung oder konservativ nicht kontrollierbaren Leckagen]
- Früher Stomaprolaps (früher Vorfall des Stomas) [Beurteilung von Durchblutung und Funktion; dringliche chirurgische Behandlung bei Ischämie, Strangulation (Abschnürung der Blutversorgung) oder Obstruktion]
- Stoma-Outflow-Obstruktion bzw. mechanischer Ileus (Darmverschluss) – verminderte oder fehlende Ausscheidung, kolikartige Schmerzen, Übelkeit, Erbrechen oder abdominelle Distension (Aufblähung des Bauches) [unverzügliche ärztliche Diagnostik; keine unkontrollierte Selbstspülung]
- Peristomale Hautschädigung – häufig durch Leckage, mechanisches Trauma oder unzureichende Passform [Ursachenanalyse, Korrektur des Versorgungssystems und gezielter Hautschutz]
- Peristomale Infektion oder Abszess [ärztliche Diagnostik, gegebenenfalls chirurgische Drainage und antiinfektive Therapie]
- High-output-Stoma [Ursachenklärung, Bilanzierung sowie gezielte Flüssigkeits-, Elektrolyt- und medikamentöse Therapie]
Spätkomplikationen (nach dem 30. postoperativen Tag)
- High-output-Stoma mit Dehydratation, Elektrolytstörungen oder akuter Nierenschädigung (plötzliche Verschlechterung der Nierenfunktion) [zeitnahe klinische und laborchemische Abklärung, Bilanzierung, orale oder intravenöse Substitution und ursachenspezifische Behandlung] [3-6]
- Peristomale irritative Kontaktdermatitis (durch Reizung verursachte Hautentzündung um das Stoma) – meist durch direkten Kontakt der Haut mit Ausscheidungen [Leckageursache beseitigen, Ausschnitt korrigieren, Unebenheiten ausgleichen und geeigneten Hautschutz anwenden] [2, LL5]
- Peristomale medizinisch klebstoffassoziierte Hautschädigung [atraumatische Entfernung, Stabilisierung der Haut, Verringerung unnötiger Wechsel und Anpassung des Haftmaterials] [7]
- Allergische Kontaktdermatitis (allergisch bedingte Hautentzündung) – seltener als die irritative Kontaktdermatitis [verdächtiges Produkt absetzen, alternatives Material auswählen und gegebenenfalls dermatologische Diagnostik einschließlich Epikutantestung]
- Follikulitis (Entzündung der Haarwurzeln) [Haarentfernungstechnik korrigieren, mechanische Reizung vermeiden und gegebenenfalls lokale antiseptische bzw. antimikrobielle Behandlung]
- Peristomale Candidose (Pilzinfektion der Haut um das Stoma) – häufig mit randständigen Satellitenpapeln oder -pusteln [lokale antimykotische Therapie in einer mit dem Versorgungssystem kompatiblen Darreichungsform]
- Pyoderma gangraenosum (schmerzhafte entzündliche Hauterkrankung) – schmerzhafte, rasch progrediente Ulzeration, insbesondere bei chronisch-entzündlicher Darmerkrankung (lang andauernder entzündlicher Darmerkrankung) [multidisziplinäre dermatologische, gastroenterologische, chirurgische und stomatherapeutische Behandlung; traumatisierendes Débridement (Entfernung abgestorbenen Gewebes) vermeiden]
- Hypergranulationen (überschießendes Wundgewebe) bzw. Stomagranulome (knötchenförmige Gewebeneubildungen am Stoma) – können Blutungen und Abdichtungsprobleme verursachen [Ausschluss mechanischer Reizung oder verbliebenen Nahtmaterials und gezielte lokale Behandlung]
- Stomaretraktion [Optimierung des Versorgungssystems; operative Revision bei Funktionsstörung oder dauerhaft nicht kontrollierbaren Leckagen und Hautschäden]
- Stomastenose – erschwerte, bandförmige oder deutlich verminderte Ausscheidung [chirurgische Beurteilung; bei klinisch relevanter oder rezidivierender Stenose operative Korrektur]
- Stomaprolaps [Anpassung der Versorgung; elektive operative Therapie bei Schmerzen, Blutungen, Funktions- oder Versorgungsstörung; dringliche Operation bei Ischämie, Strangulation oder Obstruktion]
- Parastomale Hernie (Bruch neben dem Stoma) – Häufigkeit abhängig von Stomaart, Definition, Untersuchungsmethode und Nachbeobachtungsdauer [Anpassung des Versorgungssystems, gegebenenfalls Gewichtsreduktion und individuell angepasste Stützbandage; operative Behandlung bei Obstruktion, Inkarzeration (Einklemmung), Strangulation, erheblichen Schmerzen oder ausgeprägter Funktions- bzw. Versorgungsstörung]
- Peristomale Fistel (unnatürlicher Verbindungsgang neben dem Stoma) oder Spätabszess [Abklärung einer entzündlichen Darmerkrankung, Infektion oder chirurgischen Komplikation und ursachenspezifische Therapie]
- Stomavarizen (Krampfadern am Stoma) – insbesondere bei portaler Hypertension (erhöhter Blutdruck in der Pfortader); häufig rezidivierende peristomale Blutungen [lokale Blutstillung als Akutmaßnahme sowie hepatologische, interventionell-radiologische und chirurgische Abklärung]
Beachte: Eine operative Revision ist bei Retraktion, Prolaps, Stenose oder parastomaler Hernie insbesondere dann zu erwägen, wenn relevante Beschwerden, Funktionsstörungen, rezidivierende Leckagen oder Hautschäden trotz optimierter konservativer Versorgung fortbestehen. Bei Ischämie bzw. Nekrose, Strangulation, Inkarzeration, mechanischer Obstruktion, Perforation, unkontrollierbarer Blutung oder tiefer Infektion darf ein konservativer Therapieversuch die notwendige dringliche chirurgische Behandlung nicht verzögern [LL1-LL3].
Red Flags (Warnzeichen) bei einem Enterostoma
- Blasse, livide, braune oder schwarze Verfärbung des Stomas
- Plötzlicher Ausfall oder deutliche Verminderung der Stomafunktion mit Schmerzen, Erbrechen oder abdomineller Distension
- Persistierend sehr hohe oder zunehmend wässrige Ausscheidung
- Deutlich verminderte Urinmenge, dunkler Urin, ausgeprägter Durst, Schwindel, Tachykardie (Herzrasen) oder rascher Gewichtsverlust
- Stärkere, persistierende oder wiederkehrende Stomablutung
- Schmerzhafter, nicht reponibler oder livide verfärbter Stomaprolaps
- Schmerzhafte, nicht reponible parastomale Vorwölbung
- Fieber, eitrige Sekretion, zunehmende Rötung oder rasch fortschreitende peristomale Entzündung
- Tiefe oder zirkuläre mukokutane Separation
- Rasch progrediente, stark schmerzhafte peristomale Ulzeration
- Wiederholte vollständige Unterwanderung des Versorgungssystems trotz fachgerechter Anwendung
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