Künstlicher Darmausgang (Enterostoma)

Ein Enterostoma (künstlicher Darmausgang) ist eine operativ geschaffene Ausleitung eines Dünndarmabschnitts (Abschnitt des dünnen Darms) oder Dickdarmabschnitts (Abschnitt des dicken Darms) durch die Bauchdecke an die Hautoberfläche. Es ermöglicht die kontrollierte Ableitung von Darminhalt und Darmgasen, wenn die physiologische Darmpassage (natürliche Weiterleitung des Darminhalts) vorübergehend oder dauerhaft unterbrochen, ausgeschaltet oder entlastet werden muss. Umgangssprachlich wird das Enterostoma als „künstlicher Darmausgang“ bezeichnet; weitere Bezeichnungen sind intestinales Stoma (Darmausgang) und Anus praeter naturalis (künstlich angelegter Darmausgang) [1, 2].

Nach dem ausgeleiteten Darmabschnitt werden insbesondere Ileostoma (Dünndarmausgang) und Kolostoma (Dickdarmausgang) unterschieden. Beide können endständig oder doppelläufig sowie temporär oder dauerhaft angelegt werden. Ein temporäres Stoma (vorübergehender künstlicher Darmausgang) dient vor allem der vorübergehenden Stuhldeviation (Umleitung des Stuhls), der Dekompression (Druckentlastung) oder dem Schutz eines distal gelegenen Darmabschnitts bzw. einer Anastomose (operativ geschaffene Darmverbindung). Ein dauerhaftes Stoma ist erforderlich, wenn die natürliche Darmpassage nicht wiederhergestellt werden kann oder eine Rekonstruktion (operative Wiederherstellung) aus onkologischen (eine Krebserkrankung betreffenden), funktionellen oder technischen Gründen nicht sinnvoll ist [1, 2].

Die Anlage eines Enterostomas ist ein etabliertes Verfahren der elektiven (geplanten) und notfallmäßigen Viszeralchirurgie (Bauchchirurgie) und Kolorektalchirurgie (Chirurgie des Dick- und Enddarms). Indikationen (Gründe für eine Behandlung) ergeben sich insbesondere bei malignen (bösartigen), entzündlichen, obstruktiven (verschließenden), perforativen (mit einem Durchbruch verbundenen) oder traumatischen (verletzungsbedingten) Erkrankungen des Darms sowie zur protektiven Entlastung (vorbeugenden Schonung) einer distalen Anastomose [1, 2]. Bei einer radikalen Operation des Rektumkarzinoms (Enddarmkrebs) mit totaler mesorektaler Exzision (vollständiger Entfernung des umgebenden Enddarmgewebes) und tiefer Anastomose soll gemäß der aktuellen S3-Leitlinie ein temporäres Deviationsstoma (vorübergehender Umleitungsausgang) vorgeschaltet werden; als Deviationsstoma wird in der Regel ein doppelläufiges Ileostoma bevorzugt [LL2]. Die konkrete Entscheidung für Art, Lokalisation und voraussichtliche Dauer des Stomas richtet sich nach der Grunderkrankung, dem Operationsziel, der anatomischen Situation, der Dringlichkeit des Eingriffs, den Begleiterkrankungen und der realistischen Rückverlagerungsperspektive (Aussicht auf operative Wiederherstellung der natürlichen Darmpassage) [1, LL1, LL2].

Ein Enterostoma kann mit stomaassoziierten Komplikationen (durch den künstlichen Darmausgang bedingten Problemen) sowie Veränderungen des Körperbildes, der Alltagsaktivitäten, der sozialen Teilhabe und der gesundheitsbezogenen Lebensqualität verbunden sein. Entsprechende Belastungen sind insbesondere für Patienten mit einem permanenten Stoma (dauerhaften künstlichen Darmausgang) nach kolorektalem Karzinom (Krebs des Dick- oder Enddarms) dokumentiert [4, 5]. Daher gehören eine möglichst frühzeitige ärztliche Aufklärung und gemeinsame Therapieentscheidung, die Einbindung eines entsprechend ausgebildeten Stomatherapeuten (Fachkraft für die Versorgung künstlicher Körperausgänge), die präoperative Markierung der Stomaposition (Kennzeichnung der vorgesehenen Lage vor der Operation) sowie eine strukturierte präoperative und postoperative Schulung zum leitliniengerechten Versorgungskonzept [2, 3, LL1, LL2]. Die präoperative Stomamarkierung ist mit einer geringeren Rate stomaassoziierter Komplikationen verbunden; die Sicherheit der zugrunde liegenden Evidenz ist allerdings je nach Endpunkt moderat bis sehr niedrig [3]. Zur operativen Anlage des künstlichen Darmausgangs siehe „Enterostoma-Anlage“.

Literatur

  1. Martin ST, Vogel JD: Intestinal stomas: indications, management, and complications. Adv Surg. 2012;46:19-49. doi: 10.1016/j.yasu.2012.04.005
  2. Tsujinaka S, Tan KY, Miyakura Y et al.: Current Management of Intestinal Stomas and Their Complications. J Anus Rectum Colon. 2020;4(1):25-33. doi: 10.23922/jarc.2019-032
  3. Ambe PC, Kugler CM, Breuing J et al.: The effect of preoperative stoma site marking on risk of stoma-related complications in patients with intestinal ostomy – A systematic review and meta-analysis. Colorectal Dis. 2022;24(8):904-917. doi: 10.1111/codi.16118
  4. Vitale E, Maistrello L, Cauli O et al.: Health-Related Quality of Life Among Patients With Ostomy Intestinal Stoma According to Sex and Ostomy Permanence: A Systematic Review and Meta-Analysis. Int Wound J. 2026;23(2):e70817. doi: 10.1111/iwj.70817
  5. Yeniğün Akbulut SC, Ilgaz A: Psychosocial effects and quality of life after stoma surgery: systematic review and qualitative meta-synthesis. BMC Psychol. 2026;14(1):315. doi: 10.1186/s40359-026-03993-w

Leitlinien, Referenzwerte und Protokolle

  1. Davis BR, Valente MA, Goldberg JE et al.: The American Society of Colon and Rectal Surgeons Clinical Practice Guidelines for Ostomy Surgery. Dis Colon Rectum. 2022;65(10):1173-1190. doi: 10.1097/DCR.0000000000002498 [LL1]
  2. Leitlinienprogramm Onkologie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften, Deutschen Krebsgesellschaft und Deutschen Krebshilfe: S3-Leitlinie Kolorektales Karzinom, Langversion 3.2, März 2026, AWMF-Registernummer 021-007OL. Leitliniendetailseite; Langfassung [LL2]