Ohrenschmerzen (Otalgie) – Ursachen

Pathogenese (Krankheitsentstehung)

Otalgie (Ohrenschmerzen) bezeichnet Schmerzen, die im Bereich des Ohres wahrgenommen werden. Pathophysiologisch (die Krankheitsvorgänge betreffend) wird zwischen primärer Otalgie (Ohrenschmerzen mit Ursache im Ohr) durch Erkrankungen des äußeren Ohres (Gehörgang und Ohrmuschel), des Trommelfells, des Mittelohres, der Tuba auditiva (Ohrtrompete), des Mastoids (Warzenfortsatzes) oder der Ohrmuschel und sekundärer Otalgie (in das Ohr fortgeleitete Schmerzen) durch fortgeleitete Schmerzen aus Nachbarregionen unterschieden [LL1].

Primäre pathophysiologische Mechanismen (Krankheitsmechanismen)

  • Entzündliche Reizung lokaler Schmerzfasern (schmerzleitende Nervenfasern) – Entzündungen des äußeren Gehörgangs, des Trommelfells, des Mittelohres oder der Ohrmuschel aktivieren nozizeptive Afferenzen (schmerzleitende Nervenbahnen). Besonders schmerzhaft sind entzündliche Prozesse im engen Gehörgang und im Mittelohr, weil Schwellung, Sekretstau (Stau von Absonderungen) und Druckerhöhung rasch zu Spannungsschmerz führen [LL1-2].
  • Tubenfunktionsstörung (Störung der Ohrtrompetenfunktion) – Schleimhautschwellung der Tuba auditiva bei Infekten der oberen Atemwege, allergischer Rhinitis (allergischem Schnupfen), Adenoiden (vergrößerten Rachenmandeln) oder Druckwechsel führt zu Minderbelüftung (verminderter Belüftung) des Mittelohres, Mittelohrunterdruck, Paukenerguss (Flüssigkeit im Mittelohr) und Trommelfellspannung [LL1-2].
  • Mittelohrentzündung – Bei akuter Otitis media (akuter Mittelohrentzündung) entsteht der Schmerz meistens im Rahmen oder nach einem Infekt der oberen Atemwege. Schleimhautschwellung, gestörte Belüftung und Sekretansammlung im Mittelohr führen zu Paukenerguss, Trommelfellvorwölbung und akuter Otalgie [LL1-2].
  • Gehörgangsentzündung – Bei Otitis externa (Gehörgangsentzündung) verursacht die Entzündung der Gehörgangshaut starke lokale Schmerzen. Typisch sind Schmerzverstärkung bei Druck auf den Tragus (kleiner Knorpelvorsprung vor dem Gehörgang) oder Zug an der Ohrmuschel, Gehörgangsschwellung, Sekretion und gegebenenfalls Schallleitungsschwerhörigkeit (Hörminderung durch gestörte Schallweiterleitung) [LL2].
  • Mechanische Reizung und Druckbelastung – Cerumen obturans (verstopfender Ohrenschmalzpfropf), Fremdkörper, Gehörgangsmanipulation, Trommelfellverletzung, Barotrauma (Druckverletzung) oder Ohrmuscheltrauma verursachen Schmerzen durch direkte Gewebeschädigung (Schädigung von Körpergewebe), Druckbelastung, Gehörgangsreizung oder Trommelfellspannung [LL1].

Sekundäre pathophysiologische Mechanismen

  • Fortgeleitete Schmerzen – Schmerzen aus Kiefergelenk, Zähnen, Rachen, Nasopharynx (Nasenrachenraum), Speicheldrüsen oder Halswirbelsäule können in das Ohr projiziert werden. Ursache ist die gemeinsame sensible Innervation (Nervenversorgung) über den Nervus trigeminus (fünfter Hirnnerv/Drillingsnerv), Nervus facialis (siebter Hirnnerv/Gesichtsnerv), Nervus glossopharyngeus (neunter Hirnnerv/Zungen-Rachen-Nerv), Nervus vagus (zehnter Hirnnerv) sowie die Zervikalwurzeln C2/C3 (Halsnervenwurzeln des zweiten und dritten Halswirbels) [LL1].
  • Craniomandibuläre Schmerzprojektion (Schmerzübertragung aus Kiefer- und Kaubereich) – Craniomandibuläre Dysfunktion (Funktionsstörung des Kiefergelenks und der Kaumuskulatur) und Bruxismus (Zähnepressen/Zähneknirschen) können Kaumuskulatur, Kiefergelenk und temporomandibuläre Strukturen (Kiefergelenksstrukturen) überlasten. Dadurch können bei unauffälligem Ohrbefund einseitige oder beidseitige Ohrenschmerzen entstehen [LL1, LL3-4].
  • Neuropathische Schmerzmechanismen (nervenbedingte Schmerzmechanismen) – Zoster oticus (Gürtelrose am Ohr), Ramsay-Hunt-Syndrom (Gesichtsnervenlähmung durch Gürtelrose am Ohr) und Trigeminusneuralgie (anfallsartige Nervenschmerzen des Drillingsnervs) können neuralgiforme (nervenschmerzartige) Ohrenschmerzen verursachen. Beim Zoster oticus können zusätzlich Bläschen im äußeren Gehörgang, Fazialisparese (Gesichtslähmung), Hörminderung oder Schwindel auftreten [LL1].

Klinische Relevanz

  • Primäre Otalgie – Ein pathologischer Ohrbefund (krankhafter Befund am Ohr) ist meistens nachweisbar, z. B. bei Otitis media, Otitis externa, Cerumen obturans, Fremdkörper, Trommelfellverletzung oder Barotrauma [LL1-2].
  • Sekundäre Otalgie – Der otoskopische Befund (Befund bei der Ohrspiegelung) kann unauffällig sein. Dann müssen insbesondere Kiefergelenk, Zähne, Mundhöhle, Rachen, Nasopharynx, Speicheldrüsen, Halswirbelsäule und Warnzeichen für Tumorerkrankungen geprüft werden [LL1, LL3-4].
  • Abwendbar gefährliche Verläufe – Mastoiditis (Entzündung des Warzenfortsatzes), Otitis externa maligna (bösartig verlaufende Gehörgangsentzündung), intrakranielle Komplikationen (Komplikationen innerhalb des Schädels) otogener Infektionen (vom Ohr ausgehender Infektionen), Schädelbasis-/Felsenbeinfraktur (Bruch der Schädelbasis/des Felsenbeins), Zoster oticus mit Hirnnervenbeteiligung (Beteiligung von Hirnnerven) und Tumoren (Geschwülste) des oberen Aerodigestivtraktes (oberen Atem- und Speisewegs) müssen bei entsprechender Klinik früh erkannt werden [LL1-2].

Ätiologie (Ursachen)

Genetische und anlagebedingte Ursachen

  • Kraniofaziale Fehlbildungen (Fehlbildungen von Schädel und Gesicht) und Gaumensegelstörungen (Störungen des weichen Gaumens) – Kraniofaziale Fehlbildungen, komplexe Fehlbildungssyndrome, Chromosomenanomalien (Veränderungen der Erbanlagenträger) und Gaumensegelstörungen begünstigen Tubenfunktionsstörungen, Paukenergüsse und rezidivierende Mittelohrentzündungen (wiederkehrende Mittelohrentzündungen) [LL1].
  • Anlagebedingte Tuben- und Adenoidkonstellation (Rachenmandelkonstellation) im Kindesalter – Die kindliche Anatomie mit kurzer und ungünstig verlaufender Tuba auditiva sowie Adenoiden begünstigt Mittelohrbelüftungsstörungen und akute Otitis media [LL1].
  • Individuelle Prädisposition (Veranlagung) für rezidivierende akute Otitis media – Wiederholte akute Mittelohrentzündungen werden durch individuelle Prädisposition, frühe Erkrankungsmanifestation (erstes Auftreten der Erkrankung), Infektexposition (Kontakt mit Krankheitserregern) und kindliche Lebensumstände mitbedingt [LL1].

Verhaltensbedingte und expositionsbedingte Ursachen (durch äußere Einwirkungen bedingte Ursachen)

  • Gehörgangsmanipulation – Wattestäbchen, Ohrreinigung mit Gegenständen oder Manipulation bei Juckreiz können Gehörgangsmikrotraumen (kleine Verletzungen des Gehörgangs), Cerumenverlagerung (Verlagerung von Ohrenschmalz), Otitis externa oder Trommelfellverletzung auslösen [LL1-2].
  • Wasserexposition – Schwimmen, Tauchen, Wassersport und feuchte Gehörgangsverhältnisse begünstigen Otitis externa. Wegweisend sind Wasserexposition, Tragusdruckschmerz und Schmerzverstärkung beim Zug an der Ohrmuschel [LL2].
  • Druckwechsel – Flugreisen, Tauchen und unzureichender Druckausgleich können ein Barotrauma verursachen. Möglich sind Trommelfellspannung, akute Hörminderung, Tinnitus, Paukenerguss oder Trommelfellruptur [LL1].
  • Ohrpiercing und Ohrmuscheltrauma – Piercings, Bagatellverletzungen, Othämatome (Blutergüsse der Ohrmuschel) oder lokale Hautläsionen (Hautverletzungen) können Perichondritis (Entzündung der Knorpelhaut), Chondritis (Knorpelentzündung), Erysipel (Wundrose) oder phlegmonöse Entzündungen (sich ausbreitende bakterielle Weichteilentzündungen) der Ohrmuschel auslösen [LL1-2].
  • Passivrauchexposition (Kontakt mit Tabakrauch anderer Personen) – Passivrauchen gilt bei Kindern als prädisponierender Faktor für akute Otitis media und rezidivierende Mittelohrentzündungen [LL1].
  • Infektexposition in Gemeinschaftseinrichtungen – Krippen-/Kindergartenbetreuung, mehrere Geschwister und häufige Infekte der oberen Atemwege erhöhen das Risiko einer akuten Otitis media im Kindesalter [LL1].
  • Fehlendes Stillen in den ersten Lebensmonaten und Schnullergebrauch – Kein Stillen in den ersten Lebensmonaten sowie Schnullergebrauch werden als begünstigende Faktoren für akute bzw. rezidivierende Otitis media beschrieben [LL1].
  • Bruxismus und orale Parafunktionen – Zähnepressen, Zähneknirschen und andere orale Parafunktionen können das craniomandibuläre System überlasten und sekundäre Otalgie mitbedingen [LL3-4].

Krankheitsbedingte Ursachen

  • Akute Otitis media – Häufige Ursache von Ohrenschmerzen, besonders bei Kindern. Typisch sind plötzlich einsetzende Ohrenschmerzen, Hörminderung, reduzierter Allgemeinzustand, Fieber und Paukenerguss mit vorgewölbtem Trommelfell, häufig nach oder während eines Infektes der oberen Atemwege [LL1-2].
  • Rezidivierende akute Otitis media – Wiederholte akute Mittelohrentzündungen durch Zusammenspiel aus Prädisposition, Infektexposition, Tubenfunktionsstörung und kindlichen Risikofaktoren [LL1-2].
  • Seromukotympanon – Nicht eitriger Paukenerguss infolge Tubenfunktionsstörung mit Druckgefühl, Hörminderung und variablen Ohrenschmerzen [LL1-2].
  • Tubenkatarrh – Tubenfunktionsstörung mit Mittelohrunterdruck, Druckgefühl und Ohrenschmerzen, häufig im Zusammenhang mit Infekten der oberen Atemwege oder Druckwechsel [LL1].
  • Chronische Otitis media – Chronische Mittelohrentzündung mit rezidivierender Otorrhoe, Trommelfellperforation und Hörminderung. Relevante Schmerzen sprechen eher für akute Exazerbation oder Komplikation [LL1-2].
  • Otitis externa diffusa – Diffuse Entzündung der Gehörgangshaut mit starken Ohrenschmerzen, Tragusdruckschmerz und Schmerzverstärkung beim Zug an der Ohrmuschel [LL2].
  • Otitis externa circumscripta/Gehörgangsfurunkel – Umschriebene, sehr schmerzhafte Haarbalgentzündung im äußeren Gehörgang, typischerweise bakteriell bedingt [LL1-2].
  • Otitis externa maligna – Invasive, potentiell lebensbedrohliche Entzündung des äußeren Gehörgangs mit Osteomyelitis der Schädelbasis, besonders bei Diabetes mellitus, Immunsuppression, hohem Alter, starken Schmerzen, Granulationsgewebe im Gehörgang oder fehlendem Ansprechen auf Lokaltherapie [LL2].
  • Erysipel der Ohrmuschel – Scharf begrenzte bakterielle Hautinfektion der Ohrmuschel, meistens nach kleinen Hautläsionen, Rhagaden oder Ekzemen [LL1-2].
  • Perichondritis/Chondritis der Ohrmuschel – Infektion des Ohrknorpels nach Piercing, Trauma, Othämatom oder lokaler Infektion. Klinisch relevant ist die Gefahr einer Knorpelschädigung [LL1-2].
  • Myringitis und bullöse Myringitis – Schmerzhafte Entzündung des Trommelfells, teils mit Bläschenbildung, möglich im Rahmen viraler Infekte oder bakterieller Superinfektion [LL1].
  • Mastoiditis/Mastoidabszess – Seltene, aber gefährliche Komplikation einer akuten Otitis media mit erneuter Schmerzverstärkung, Fieber, zunehmender Schwerhörigkeit, Druck-/Klopfschmerz über dem Mastoid, retroaurikulärer Rötung oder Schwellung, abstehender Ohrmuschel und reduziertem Allgemeinzustand [LL1-2].
  • Cerumen obturans – Verlegung des äußeren Gehörgangs durch Cerumen mit Druckgefühl, Hörminderung und Schmerzen, besonders bei Quellung oder vollständigem Verschluss [LL1].
  • Fremdkörper im äußeren Gehörgang – Häufig bei Kindern durch kleine Gegenstände, bei Erwachsenen durch Wattereste oder Insekten. Schmerzen entstehen durch Druck, Hautirritation, Sekundärentzündung oder Verletzung [LL1].
  • Trommelfellverletzung – Direkte Verletzung durch Wattestäbchen, Gegenstände oder thermische Einwirkung sowie indirekte Verletzung durch Schlag auf das Ohr oder Sturz auf Wasser. Hinweisend sind stechender Schmerz und akute Hörminderung [LL1].
  • Barotrauma – Druckdifferenz ohne adäquaten Druckausgleich, besonders bei Flugreisen und Tauchen. Möglich sind Trommelfellspannung, akute Hörminderung, Tinnitus, Paukenerguss oder Trommelfellruptur [LL1].
  • Zoster oticus/Ramsay-Hunt-Syndrom – Reaktivierung des Varizella-Zoster-Virus mit neuralgiformen Ohrenschmerzen, Bläschen im äußeren Gehörgang oder an der Ohrmuschel, Hörminderung, Schwindel und möglicher Fazialisparese [LL1].
  • Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD) – Häufige Ursache sekundärer Otalgie bei Erwachsenen. Typisch sind Ohrenschmerzen bei unauffälligem Ohrbefund, Druckschmerz über dem Kiefergelenk, Kiefergelenkknacken, morgendliche Beschwerdebetonung und Schmerzverstärkung beim Kauen [LL1, LL3].
  • Bruxismus – Schlafbruxismus oder Wachbruxismus kann mit Muskelüberlastung, Kiefergelenkbeschwerden und craniomandibulärer Dysfunktion assoziiert sein und dadurch sekundäre Ohrenschmerzen mitbedingen [LL3-4].
  • Odontogene Ursachen – Zahninfektionen, periapikale Entzündungen, Weisheitszahnbeschwerden und Beschwerden nach zahnärztlicher Belastung können bei unauffälligem Ohrbefund in das Ohr projizierte Schmerzen verursachen [LL1].
  • Tonsillitis, Pharyngitis und Peritonsillarabszess – Entzündungen im Oropharynx können über den Nervus glossopharyngeus in das Ohr projizierte Schmerzen verursachen. Besonders relevant sind Schluckschmerz, Kieferklemme, kloßige Sprache und einseitige Rachenschwellung [LL1-2].
  • Rhinosinusitis – Akute Rhinosinusitis kann durch Schleimhautschwellung, trigeminale Schmerzprojektion und Tubenmitbeteiligung mit Ohrdruck oder Ohrenschmerzen einhergehen [LL1-2].
  • Parotitis und Sialolithiasis – Erkrankungen der Speicheldrüsen, besonders der Glandula parotis und Glandula submandibularis, können präaurikuläre oder in das Ohr projizierte Schmerzen verursachen. Typisch sind schmerzhafte Schwellungen beim Essen [LL1].
  • Zervikogene Ursachen – Funktionsstörungen der Halswirbelsäule, besonders im Bereich C2/C3, zervikale Gelenkfunktionsstörungen und myofasziale Schmerzpunkte können Ohrenschmerzen verursachen. Wegweisend ist die Schmerzverstärkung bei Bewegungen der Halswirbelsäule [LL1].
  • Trigeminusneuralgie – Einschießende, kurz dauernde Schmerzattacken im Versorgungsgebiet des Nervus trigeminus, auslösbar durch Berührung, Sprechen oder Kauen. Bei mandibulärer Beteiligung kann die Schmerzlokalisation ohrnah wahrgenommen werden [LL1].
  • Tumoren des Nasopharynx, Oropharynx, äußeren Gehörgangs oder der Ohrmuschel – Persistierende einseitige Otalgie bei unauffälligem Ohrbefund ist eine Warnkonstellation, insbesondere bei Dysphagie, Odynophagie, Heiserkeit, Halslymphknoten, Gewichtsverlust, Nikotin- oder Alkoholanamnese [LL1].
  • Schädelbasis- oder Felsenbeinfraktur – Otalgie nach Trauma mit Ohrblutung, Hämatotympanon, Hörminderung, Schwindel, Liquorrhoe oder Fazialisparese muss an eine Felsenbein- oder Schädelbasisfraktur denken lassen [LL1].
  • Intrakranielle Komplikationen otogener Infektionen – Meningitis, Sinusvenenthrombose, Labyrinthitis, Fazialisparese oder otogene Abszesse sind selten, aber vital relevant. Warnzeichen sind Meningismus, Krampfanfall, Bewusstseinseintrübung, Fazialisparese, neurologische Ausfälle, schwer reduzierter Allgemeinzustand oder persistierendes Erbrechen [LL1-2].
  • Arteriitis temporalis/Riesenzellarteriitis – Bei Patienten über 50 Jahre mit neuem temporalem Kopfschmerz, Kauschmerz, Berührungsschmerz der Kopfhaut, Sehstörungen oder erhöhten Entzündungsparametern ist eine Riesenzellarteriitis als fortgeleitete Schmerzursache abwendbar gefährlich [LL1].

Medikamente

  • Topische Reizstoffe (örtlich angewendete reizende Substanzen) und unsachgemäße Ohrpräparate (am Ohr angewendete Mittel) – Irritierende oder nicht indizierte lokale Anwendungen können die Gehörgangshaut reizen, eine Kontaktdermatitis (Hautentzündung durch Kontakt mit reizenden oder allergieauslösenden Stoffen) auslösen oder eine bestehende Otitis externa verschlechtern [LL1-2].
  • Ototoxische Arzneimittel (gehörschädigende Medikamente) – Aminoglykoside (bestimmte Antibiotika), bestimmte Diuretika (entwässernde Medikamente), platinhaltige Chemotherapeutika (bestimmte Krebsmedikamente) und weitere ototoxische Substanzen verursachen primär Cochlea- oder Vestibularisschäden (Schäden an Innenohrschnecke oder Gleichgewichtsorgan) mit Hörminderung, Tinnitus (Ohrgeräusche) oder Schwindel. Reine Otalgie ist dabei nicht typisch, daher sind sie bei Ohrenschmerzen nur im Kontext entsprechender Begleitsymptome ätiologisch relevant [LL1].

Umweltbelastungen – Intoxikationen (Vergiftungen)

  • Knalltrauma (Schädigung durch lauten Knall) und Explosionstrauma (Schädigung durch Explosion) – Akustisches Trauma (Lärmschädigung) kann akute Ohrenschmerzen, Tinnitus, Hörminderung und Trommelfellverletzungen verursachen [LL1].
  • Thermische und chemische Schädigung des Gehörgangs oder Trommelfells – Hitze, ätzende Substanzen oder andere lokale Noxen (schädigende Einwirkungen) können direkte Gewebeschädigung mit Otalgie verursachen [LL1].

Leitlinien

  1. DEGAM-Leitlinie Nr. 7 Ohrenschmerzen. Aktualisierte Fassung 2014. S2k-Leitlinie (konsensbasierte medizinische Leitlinie). AWMF-Registernr. (Registriernummer der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften) 053/009. Seit > 5 Jahren nicht aktualisiert. Leitlinie zurzeit überarbeitet. Langfassung
  2. S2k-Leitlinie Antibiotikatherapie bei HNO-Infektionen (Infektionen im Hals-Nasen-Ohren-Bereich) (AWMF-Register-Nr. 017-066) Stand 13.05.2025 Langfassung
  3. S2k-Leitlinie Okklusionsschienen zur Behandlung craniomandibulärer Dysfunktionen und zur präprothetischen Therapie (AWMF-Register-Nr. 083-051) Stand 29.02.2024 Langfassung
  4. S3-Leitlinie (medizinische Leitlinie mit systematischer Evidenz- und Konsensbewertung) Diagnostik und Behandlung des Bruxismus (AWMF-Register-Nr. 083-027) Stand 31.01.2026 Langfassung