Hörsturz – Medikamentöse Therapie
Therapieziel
- Hörfunktion: Möglichst weitgehende Wiederherstellung der Hörschwelle und des Sprachverstehens
- Begleitsymptome: Verminderung von Tinnitus (Ohrgeräusche), Vertigo (Drehschwindel) und der funktionellen Beeinträchtigung
- Therapiesicherheit: Vermeidung nicht wirksamer beziehungsweise potenziell schädlicher Behandlungen
- Rehabilitation: Frühzeitige audiologische und gegebenenfalls hörtechnische Versorgung bei persistierendem Hörverlust
Therapieempfehlungen
- Diagnosesicherung: Der idiopathische sensorineurale Hörsturz (plötzlicher Innenohrhörverlust ohne erkennbare Ursache) ist eine Ausschlussdiagnose. Erforderlich sind eine dringliche HNO-fachärztliche Untersuchung, eine zeitnahe Tonaudiometrie sowie die Abgrenzung einer Schallleitungsschwerhörigkeit (Hörminderung durch eine Störung im Außen- oder Mittelohr) und spezifischer Ursachen. Bei nachgewiesener Ursache erfolgt eine kausale Therapie [LL2].
- Leitliniensituation: Eine aktuell gültige deutsche AWMF-Leitlinie zum Hörsturz liegt derzeit nicht vor. Die S2k-Leitlinie unter der AWMF-Registernummer 017 - 010 befindet sich in Erarbeitung. Bis zu ihrer Publikation stützt sich die Therapieentscheidung insbesondere auf die internationale Leitlinie, systematische Reviews und die HODOKORT-Studie [1, 2, 3, 4, 5, 6, LL1, LL2].
- Aufklärung und gemeinsame Entscheidungsfindung: Die Wirksamkeit systemischer Glucocorticoide gegenüber Placebo beziehungsweise kontrollierter Beobachtung ist weiterhin nicht sicher belegt. Vor einem Therapieversuch sind die Möglichkeit einer Spontanbesserung, die unsichere absolute Wirksamkeit und die therapiebedingten Risiken zu erläutern [2, 3].
- Primärtherapie: Ein zeitlich begrenzter systemischer Glucocorticoid-Therapieversuch kann innerhalb von 14 Tagen nach Symptombeginn angeboten werden. Eine Verpflichtung zur Glucocorticoid-Therapie lässt sich aus der Evidenz nicht ableiten [3, LL2].
- HODOKORT-Studie: Bei Patienten mit einem Hörverlust von mindestens 50 dB und einem Therapiebeginn innerhalb von 7 Tagen waren Prednisolon 250 mg/d i. v. für 5 Tage und Dexamethason 40 mg/d p. o. für 5 Tage einem Vergleichsregime mit Prednisolon 60 mg/d p. o. für 5 Tage und anschließender Dosisreduktion über 5 Tage nicht überlegen. Die mittlere Verbesserung der Hörschwelle nach 30 Tagen betrug 34,2 dB, 41,4 dB beziehungsweise 41,0 dB; der Gruppenunterschied war nicht signifikant. Arzneimittelbezogene Nebenwirkungen traten bei 73, 76 beziehungsweise 46 Patienten auf. Da keine Placebo- oder Beobachtungsgruppe eingeschlossen war, belegt die Studie keine Wirksamkeit des Vergleichsregimes gegenüber keiner Behandlung [1, 2].
- Konsequenz aus HODOKORT: Eine systemische Hochdosistherapie mit Prednisolon 250 mg/d oder Dexamethason 40 mg/d soll beim idiopathischen Hörsturz nicht routinemäßig erfolgen [1, 2].
- Salvage-Therapie: Bei unvollständiger Erholung soll eine intratympanale Glucocorticoid-Therapie (Einspritzung des Arzneimittels durch das Trommelfell in das Mittelohr) im Zeitfenster von 2 bis 6 Wochen nach Symptombeginn angeboten werden. Als primäre Alternative kann sie insbesondere bei relevanten Risiken oder Ablehnung einer systemischen Therapie erwogen werden [4, 5, 6, LL2].
- Off-Label-Use: Die intratympanale Anwendung von Glucocorticoiden erfolgt regelhaft außerhalb der zugelassenen Applikationsart. Erforderlich sind eine dokumentierte Nutzen-Risiko-Aufklärung, die Einwilligung des Patienten und die Verwendung einer geeigneten sterilen Zubereitung.
Systemische Glucocorticoid-Therapie
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Prednisolon |
|
| Methylprednisolon oder Dexamethason |
|
- Wirkweise: Antiinflammatorische, antiödematöse und immunmodulatorische Wirkung; der beim idiopathischen Hörsturz relevante cochleäre Wirkmechanismus ist nicht abschließend geklärt.
- Indikationen: Optionaler primärer Therapieversuch bei klinisch relevanter idiopathischer sensorineuraler Hörminderung, vorzugsweise innerhalb von 14 Tagen nach Symptombeginn und nach gemeinsamer Nutzen-Risiko-Abwägung [3, LL2].
- Kontraindikationen: Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen Bestandteil des Präparats; eine strenge Nutzen-Risiko-Abwägung ist insbesondere bei unbehandelten schweren Infektionen, systemischen Mykosen (Pilzinfektionen), schwer einstellbarem Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), instabiler arterieller Hypertonie (Bluthochdruck), aktivem peptischem Ulkus (Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwür), Glaukom (Grüner Star), schwerer psychiatrischer Vorerkrankung oder vorausgegangener steroidinduzierter Psychose (schwere psychische Störung mit Verlust des Realitätsbezugs) erforderlich [FI1].
- Nebenwirkungen: Hyperglykämie (erhöhter Blutzucker), Blutdruckanstieg, Flüssigkeits- und Natriumretention, Hypokaliämie (Kaliummangel im Blut), Schlafstörungen, innere Unruhe, affektive Veränderungen bis zur Psychose, Dyspepsie (Verdauungsbeschwerden), gastrointestinale Ulzeration (Geschwürbildung im Magen-Darm-Trakt) beziehungsweise Blutung, erhöhte Infektanfälligkeit, Wundheilungsstörungen und erhöhter Augeninnendruck. Aus endokrinologischer Sicht ist bei einer Gesamttherapiedauer unter 3 bis 4 Wochen ein Ausschleichen allein zur Vermeidung einer Suppression der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse meist nicht erforderlich; ein gewähltes HNO-Therapieprotokoll kann dennoch eine Dosisreduktion vorsehen [LL3, FI1].
Intratympanale Glucocorticoid-Therapie
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Dexamethason |
|
| Methylprednisolon |
|
- Wirkweise: Diffusion des Glucocorticoids über die Rundfenstermembran mit hoher lokaler Exposition in der Cochlea und geringerer systemischer Belastung.
- Indikationen: Salvage-Therapie bei unvollständiger Hörverbesserung 2 bis 6 Wochen nach Symptombeginn; primäre Alternative insbesondere bei erheblichem Risiko einer systemischen Therapie, beispielsweise bei schwer einstellbarem Diabetes mellitus [4, 5, 6, 14, LL2].
- Kontraindikationen: Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder Bestandteile der Zubereitung, akute lokale oder mittelohrbedingte Infektion, nicht beherrschbare Gerinnungsstörung (Störung der Blutgerinnung) sowie fehlende Möglichkeit einer sicheren Durchführung; bei vorbestehenden Trommelfell- oder Mittelohrveränderungen ist eine individuelle HNO-ärztliche Bewertung erforderlich.
- Nebenwirkungen: Schmerzen an der Injektionsstelle, vorübergehende Vertigo, Dysgeusie (Geschmacksstörung), vasovagale Reaktion (Kreislaufreaktion mit Blutdruckabfall und möglicher Ohnmacht), Otitis media (Mittelohrentzündung) und persistierende Trommelfellperforation (Loch im Trommelfell). In Salvage-Studien lag die Rate persistierender Trommelfellperforationen zwischen 0 und 4,2 %. Systemische Nebenwirkungen sind seltener als bei oraler oder intravenöser Therapie, jedoch nicht ausgeschlossen [4].
Evidenz zur intratympanalen und kombinierten Therapie
- Primäre intratympanale versus systemische Therapie: Eine Cochrane-Analyse ergab für den Anteil der Patienten mit Hörverbesserung keinen relevanten Unterschied zwischen beiden Applikationswegen; das relative Risiko betrug 1,04 bei einem 95 % Konfidenzintervall von 0,97 bis 1,12. Die mittlere Hörschwelle war unter intratympanaler Therapie um 5,93 dB günstiger, wobei die Evidenz niedrig und der klinische Nutzen wahrscheinlich gering war [4].
- Intratympanale Salvage-Therapie: Gegenüber Placebo oder keiner Behandlung zeigte sich eine mittlere zusätzliche Hörschwellenverbesserung von 9,07 dB bei einem 95 % Konfidenzintervall von 6,66 bis 11,47 dB. Die Evidenzsicherheit war niedrig [4].
- Primäre Kombinationstherapie: Die Kombination aus systemischer und intratympanaler Therapie ergab gegenüber einer alleinigen systemischen Therapie eine mittlere zusätzliche Verbesserung von 8,55 dB bei einem 95 % Konfidenzintervall von 4,61 bis 12,48 dB. Wegen niedriger beziehungsweise sehr niedriger Evidenzsicherheit und unklarer klinischer Relevanz wird eine routinemäßige primäre Kombination nicht empfohlen [4].
- Sequenzielles Vorgehen: Die am besten leitliniengestützte Rolle der intratympanalen Therapie besteht als Salvage-Behandlung bei unvollständiger Erholung [4, LL2].
Nicht routinemäßig empfohlene medikamentöse und extrakorporale Therapien
- Rheologika und vasoaktive Arzneimittel: Pentoxifyllin, niedermolekulare Dextrane, Nimodipin und andere Vasodilatatoren beziehungsweise vasoaktive Substanzen sollen beim idiopathischen Hörsturz nicht routinemäßig eingesetzt werden. Für Dextran und Pentoxifyllin wurde gegenüber Placebo kein relevanter Vorteil gezeigt; zusätzlich bestehen Risiken wie Hypotonie (niedriger Blutdruck), Tachykardie (beschleunigter Herzschlag), Blutungen, Volumenbelastung und anaphylaktische Reaktionen (schwere allergische Reaktionen) [7, LL2].
- Antikoagulanzien und Thrombolytika: Heparin, andere Antikoagulanzien, Thrombozytenaggregationshemmer und Thrombolytika sind ohne eigenständige vaskuläre oder thromboembolische Indikation nicht Bestandteil der Hörsturztherapie. Die positiven Ergebnisse einer retrospektiven Untersuchung bei profundem Hörverlust reichen für eine Therapieempfehlung nicht aus [11, LL2].
- Antivirale Arzneimittel: Aciclovir, Valaciclovir und andere antivirale Arzneimittel werden beim idiopathischen Hörsturz nicht routinemäßig empfohlen. Eine antivirale Behandlung ist einer spezifisch diagnostizierten oder klinisch hochgradig wahrscheinlichen Virusinfektion, beispielsweise einem Herpes zoster oticus (Gürtelrose des Ohres), vorbehalten [LL2].
- Antibiotika: Ohne Nachweis einer bakteriellen Infektion besteht keine Indikation.
- Lokalanästhetika: Intravenöses Lidocain oder Procain ist wegen fehlender belastbarer Wirksamkeitsnachweise und potenziell schwerer Nebenwirkungen wie Krampfanfällen, Arrhythmien (Herzrhythmusstörungen) und Kreislaufdepression (starker Abfall der Herz-Kreislauf-Funktion) nicht zu empfehlen.
- Apherese (Blutreinigungsverfahren) und Fibrinogenabsenkung: Rheopherese (spezielle Blutwäsche zur Verbesserung der Fließeigenschaften des Blutes) und H.E.L.P.-Apherese sind keine etablierte Standardtherapie des idiopathischen Hörsturzes. Eine einzelne randomisierte Untersuchung reicht ohne konsistente Replikation und aktuelle Leitlinienempfehlung nicht für den Routineeinsatz aus [15].
- Migräneprophylaktika: Nortriptylin und Topiramat sollen nicht allein zur Behandlung eines Hörsturzes verordnet werden. Die positiven Daten stammen aus einer retrospektiven Untersuchung und belegen keinen kausalen Zusatznutzen; eine Anwendung ist einer eigenständigen neurologischen Indikation vorbehalten [13].
- Lipidsenkende Therapie: Eine lipidsenkende Behandlung soll nicht allein zur Verbesserung der Hörsturzprognose begonnen werden. Dyslipidämien (Fettstoffwechselstörungen) sind entsprechend dem kardiovaskulären Gesamtrisiko zu behandeln; die vorliegenden Hörsturzdaten beruhen auf einer nicht randomisierten Beobachtungsstudie [12].
- Frequenzabhängige Therapieauswahl: Beobachtete Unterschiede zwischen Hochton- und Tieftonhörverlust rechtfertigen keine routinemäßige Auswahl des systemischen oder intratympanalen Applikationswegs allein anhand des betroffenen Frequenzbereichs [10].
Hyperbare Oxygenierung (Sauerstoffbehandlung unter erhöhtem Umgebungsdruck)
- Stellenwert: Die hyperbare Oxygenierung ist keine Pharmakotherapie, kann jedoch bei ausgewählten Patienten ausschließlich in Kombination mit einer Glucocorticoid-Therapie erwogen werden [8, 9, LL2].
- Zeitfenster: Als primäre Zusatztherapie möglichst innerhalb von 2 Wochen nach Symptombeginn oder als Salvage-Therapie innerhalb des ersten Monats [LL2].
- Patientenselektion: Ein möglicher Nutzen ist vor allem bei schwerem bis profundem Hörverlust denkbar. Die Zahl randomisiert untersuchter Patienten ist begrenzt, und optimale Druck-, Dauer- und Sitzungsprotokolle sind nicht abschließend geklärt [8, 9].
- Nebenwirkungen: Barotrauma (druckbedingte Verletzung) von Mittel- oder Innenohr, Sinusbarotrauma (druckbedingte Verletzung der Nasennebenhöhlen), vorübergehende Myopie (Kurzsichtigkeit), Klaustrophobie (Angst in engen Räumen) und selten Sauerstofftoxizität (Sauerstoffvergiftung) beziehungsweise Krampfanfälle.
Besondere Patientengruppen
- Diabetes mellitus: Bei hohem Risiko einer glucocorticoidinduzierten Hyperglykämie ist eine primäre intratympanale Therapie eine wichtige Alternative. Metaanalytische Daten sprechen möglicherweise für eine günstigere Nutzen-Risiko-Bilanz der lokalen Behandlung; wegen Heterogenität und methodischer Limitationen ist eine generelle Überlegenheit jedoch nicht gesichert [14].
- Systemische Therapie bei Diabetes mellitus: Engmaschige Blutzuckertagesprofile ab Therapiebeginn und gegebenenfalls vorübergehende Anpassung der antidiabetischen Behandlung; Aufklärung über Polyurie (vermehrte Urinausscheidung), Polydipsie (starker Durst mit vermehrtem Trinken) und Zeichen einer Stoffwechselentgleisung.
- Arterielle Hypertonie: Blutdruckkontrollen vor und während einer systemischen Glucocorticoid-Therapie; bei instabiler Hypertonie bevorzugte Prüfung einer intratympanalen Behandlung.
- Psychiatrische Vorerkrankungen: Bei bipolarer Störung (manisch-depressive Erkrankung), Psychose, schwerer Depression (depressive Erkrankung) oder vorausgegangener steroidinduzierter affektiver beziehungsweise psychotischer Reaktion strenge Indikationsstellung und engmaschige klinische Kontrolle.
- Glaukom: Individuelle ophthalmologische Risikoabwägung, insbesondere bei bekanntem steroidresponsivem Augeninnendruckanstieg.
Monitoring und Nachsorge
- Audiometrie: Kontrollaudiometrie nach Abschluss der Akutbehandlung sowie erneut innerhalb von 6 Monaten; bei klinischer Verschlechterung oder neuen Symptomen unverzüglich [LL2].
- Systemische Therapie: Kontrolle von Blutdruck und bei Risikopatienten Blutzucker, Elektrolyten sowie klinischen Zeichen einer Infektion oder psychiatrischen Nebenwirkung.
- Intratympanale Therapie: Otoskopische Kontrolle des Trommelfells sowie Erfassung von Schmerzen, Vertigo und Zeichen einer Otitis oder persistierenden Perforation.
- Persistierender Hörverlust: Frühzeitige Beratung zu Hörsystemen, gegebenenfalls Cochlea-Implantat-Evaluation (Prüfung einer elektronischen Innenohrprothese) bei hochgradigem Hörverlust sowie audiologische Rehabilitation.
- Persistierender Tinnitus: Evidenzbasierte Tinnitusberatung und gegebenenfalls verhaltenstherapeutisch orientierte Behandlung; eine weitere medikamentöse Hörsturztherapie allein wegen des Tinnitus ist nicht angezeigt.
Red Flags (Warnzeichen) bei Hörsturz
- Neurologische Symptome: Ataxie (Störung der Bewegungskoordination), Doppelbilder, Dysarthrie (Sprechstörung), Dysphagie (Schluckstörung), Sensibilitätsstörungen (Gefühlsstörungen), Paresen (Lähmungserscheinungen), Bewusstseinsstörung oder neuartiger starker Kopfschmerz erfordern eine sofortige neurologische beziehungsweise schlaganfallmedizinische Abklärung.
- Ausgeprägter anhaltender Vertigo: Insbesondere bei Gang- oder Standunfähigkeit ist eine zentrale Ursache auszuschließen.
- Bilateraler, rezidivierender oder fluktuierender Hörverlust: Erweiterte Abklärung insbesondere auf autoimmune, vaskuläre, infektiöse, neurologische und hereditäre Ursachen.
- Fazialisparese (Lähmung des Gesichtsnervs), Otalgie (Ohrenschmerzen) oder Bläschen: Verdacht auf Herpes zoster oticus beziehungsweise eine andere spezifische Erkrankung; keine Einordnung als rein idiopathischer Hörsturz.
- Trauma oder Barotrauma: Ausschluss einer Trommelfellverletzung, Perilymphfistel (krankhafte Verbindung mit Austritt von Innenohrflüssigkeit), Ossikelläsion (Verletzung der Gehörknöchelchen) oder Innenohrverletzung.
- Fieber, Otorrhoe (Ausfluss aus dem Ohr) oder schwere Ohrschmerzen: Ausschluss einer akuten infektiösen Erkrankung.
- Progredienz (Fortschreiten) unter Therapie: Erneute Diagnostik anstelle einer unkritischen Fortsetzung oder Eskalation der empirischen Glucocorticoid-Therapie.
Supplemente (Nahrungsergänzungsmittel; Vitalstoffe)
Geeignete Nahrungsergänzungsmittel für den Energiestoffwechsel sollten die folgenden Vitalstoffe enthalten:
- Vitamine (A, C, E, D3, B1, B2, Niacin (Vitamin B3), Pantothensäure (Vitamin B5), B6, B12, Folsäure, Biotin)
- Mineralstoffe (Kalium, Magnesium)
- Spurenelemente (Molybdän, Selen, Zink)
- Fettsäuren (Omega-3-Fettsäuren: Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA))
- Sekundäre Pflanzenstoffe (Beta-Carotin, Grüntee-Polyphenole, Epigallocatechingallate)
- Weitere Vitalstoffe (Coenzym Q10 (CoQ10), Phosphatidylserin, Fruchtsäuren – Citrat (gebunden in Magnesiumcitrat und Kaliumcitrat))
Beachte: Die aufgeführten Vitalstoffe sind kein Ersatz für eine medikamentöse Therapie. Nahrungsergänzungsmittel sind dazu bestimmt, die allgemeine Ernährung in der jeweiligen Lebenssituation zu ergänzen.
Für Fragen zum Thema Nahrungsergänzungsmittel stehen wir Ihnen gerne kostenfrei zur Verfügung.
Nehmen Sie bei Fragen dazu bitte per E-Mail – info@docmedicus.de – Kontakt mit uns auf, und teilen Sie uns dabei Ihre Telefonnummer mit und wann wir Sie am besten erreichen können.
Abkürzungsverzeichnis
- AWMF: Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften
- CoQ10: Coenzym Q10
- d: Tag
- dB: Dezibel
- DHA: Docosahexaensäure
- EPA: Eicosapentaensäure
- FI: Fachinformation
- H.E.L.P.: Heparin-induzierte extrakorporale LDL-Präzipitation
- HNO: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde
- HODOKORT: Bezeichnung der klinischen Studie zur Hochdosis-Glucocorticoidtherapie bei Hörsturz
- i. v.: intravenös
- LDL: Low-Density-Lipoprotein
- LL: Leitlinie
- mg/d: Milligramm pro Tag
- p. o.: per os, über den Mund
- pH: Maß für den Säuregrad
- S2k: konsensbasierte Leitlinie mit strukturiertem Konsensverfahren
Literatur
- Plontke SK et al.: High-Dose Glucocorticoids for the Treatment of Sudden Hearing Loss. NEJM Evid. 2024;3(1):EVIDoa2300172. doi: 10.1056/EVIDoa2300172
- Plontke SK: Die HODOKORT-Studie und aktuelle Aspekte der Hörsturztherapie mit Glukokortikoiden. HNO. 2024;72:389 bis 392. doi: 10.1007/s00106-024-01458-3
- Wei BPC, Stathopoulos D, O’Leary S: Steroids for idiopathic sudden sensorineural hearing loss. Cochrane Database Syst Rev. 2013;(7):CD003998. doi: 10.1002/14651858.CD003998.pub3
- Plontke SK et al.: Intratympanic corticosteroids for sudden sensorineural hearing loss. Cochrane Database Syst Rev. 2022;7(7):CD008080. doi: 10.1002/14651858.CD008080.pub2
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- Joshua TG, Ayub A, Wijesinghe P, Nunez DA: Hyperbaric Oxygen Therapy for Patients With Sudden Sensorineural Hearing Loss: A Systematic Review and Meta-analysis. JAMA Otolaryngol Head Neck Surg. 2022;148(1):5 bis 11. doi: 10.1001/jamaoto.2021.2685
- Choo OS et al.: Differences in Clinical Characteristics and Prognosis of Sudden Low- and High-Frequency Hearing Loss. Laryngoscope. 2017;127(8):1878 bis 1884. doi: 10.1002/lary.26382
- Kim J et al.: Heparin therapy as adjuvant treatment for profound idiopathic sudden sensorineural hearing loss. Laryngoscope. 2020;130(5):1310 bis 1315. doi: 10.1002/lary.28231
- Chen C et al.: Impact of hyperlipidemia as a coexisting factor on the prognosis of idiopathic sudden sensorineural hearing loss: A propensity score matching analysis. Clin Otolaryngol. 2020;45(1):2 bis 11. doi: 10.1111/coa.13421
- Abouzari M et al.: Adjuvant Migraine Medications in the Treatment of Sudden Sensorineural Hearing Loss. Laryngoscope. 2021;131(1):E283 bis E288. doi: 10.1002/lary.28618
- Wang H et al.: Local vs Systemic Use of Steroids for Sudden Deafness with Diabetes: A Systematic Review and Meta-Analysis. Ear Nose Throat J. 2025;104(11):NP786 bis NP806. doi: 10.1177/01455613231170090
- Bianchin G, Russi G, Romano N, Fioravanti P: Treatment with H.E.L.P.-apheresis in patients suffering from sudden sensorineural hearing loss: a prospective, randomized, controlled study. Laryngoscope. 2010;120(4):800 bis 807. doi: 10.1002/lary.20835
- Garavello W, Galluzzi F, Gaini RM, Zanetti D: Intratympanic steroid treatment for sudden deafness: a meta-analysis of randomized controlled trials. Otol Neurotol. 2012;33(5):724 bis 729. doi: 10.1097/MAO.0b013e318254ee04
Leitlinien
- S2k-Leitlinie: Diagnostik und Therapie des akuten, idiopathischen sensorineuralen Hörverlustes (Hörsturz). (AWMF-Registernummer: 017 - 010), angemeldetes Leitlinienvorhaben; geplante Fertigstellung: 31. Juli 2027 [LL1]
- Chandrasekhar SS et al.: Clinical Practice Guideline: Sudden Hearing Loss (Update). Otolaryngol Head Neck Surg. 2019;161(1 Suppl):S1 bis S45. doi: 10.1177/0194599819859885 [LL2]
- Beuschlein F et al.: European Society of Endocrinology and Endocrine Society Joint Clinical Guideline: Diagnosis and Therapy of Glucocorticoid-induced Adrenal Insufficiency. J Clin Endocrinol Metab. 2024;109(7):1657 bis 1683. doi: 10.1210/clinem/dgae250 [LL3]
Fachinformation
- Merck Healthcare Germany GmbH: Fortecortin® Tabletten. Fachinformation, Stand März 2026. Fachinformation [FI1]