Harnröhrenausfluss – Differentialdiagnosen
Infektiöse und parasitäre Krankheiten (A00-B99)
- Adenovirus-Urethritis (Harnröhrenentzündung durch Adenoviren) – seltene Ursache einer nicht-gonorrhoischen Urethritis (nicht durch Gonokokken verursachten Harnröhrenentzündung); insbesondere nach orogenitalem Kontakt, häufig mit ausgeprägter Dysurie (erschwertem bzw. schmerzhaftem Wasserlassen), Meatitis (Entzündung der Harnröhrenmündung) und gegebenenfalls Konjunktivitis (Bindehautentzündung)
- Chlamydia-trachomatis-Urethritis (Harnröhrenentzündung durch Chlamydien) – eine der häufigsten Ursachen einer nicht-gonorrhoischen Urethritis; Ausfluss häufig mukös (schleimig) bis mukopurulent (schleimig-eitrig)
- Gonorrhoische Urethritis (Harnröhrenentzündung durch Gonokokken) – durch Neisseria gonorrhoeae; typischerweise ausgeprägter eitriger oder mukopurulenter Harnröhrenausfluss und Dysurie
- Haemophilus-spp.-Urethritis (Harnröhrenentzündung durch Haemophilus-Bakterien) – seltenere Ursache einer nicht-gonorrhoischen Urethritis, insbesondere nach orogenitalem Kontakt
- Herpes-simplex-Virus-Urethritis (Harnröhrenentzündung durch Herpes-simplex-Viren) – insbesondere durch HSV-1 oder HSV-2; ausgeprägte Dysurie und Meatitis, gegebenenfalls mit genitalen Ulzerationen (Geschwüren)
- Mycoplasma-genitalium-Urethritis (Harnröhrenentzündung durch Mycoplasma genitalium) – wichtige Ursache einer nicht-gonorrhoischen sowie insbesondere persistierenden (anhaltenden) oder rezidivierenden (wiederkehrenden) Urethritis
- Trichomonas-vaginalis-Urethritis (Harnröhrenentzündung durch Trichomonaden) – in Deutschland vergleichsweise selten; insbesondere bei persistierender oder rezidivierender nicht-gonorrhoischer Urethritis und entsprechender Sexualanamnese (Befragung zum Sexualleben) zu berücksichtigen
Neubildungen – Tumorerkrankungen (C00-D48)
- Harnröhrenkarzinom (Harnröhrenkrebs) – seltene, aber insbesondere bei persistierendem blutigem bzw. serosanguinösem (wässrig-blutigem) Harnröhrenausfluss relevante Differentialdiagnose
Urogenitalsystem (Nieren, Harnwege – Geschlechtsorgane) (N00-N99)
- Balanoposthitis (Entzündung von Eichel und Vorhaut) – entzündliches bzw. eitriges subpräputiales (unter der Vorhaut befindliches) Sekret kann als Harnröhrenausfluss fehlinterpretiert werden
- Nichtinfektiöse irritative bzw. kontaktallergische Urethritis (nicht durch Krankheitserreger verursachte, reizbedingte bzw. allergische Harnröhrenentzündung) – beispielsweise durch Seifen, Intimpflegeprodukte, Gleitmittel oder Spermizide; insbesondere bei fehlendem Erregernachweis zu erwägen
- Urethralabszess (Eiteransammlung an der Harnröhre) – lokalisierte eitrige Entzündung mit purulentem (eitrigem) Ausfluss, Schmerzen und gegebenenfalls periurethraler (um die Harnröhre gelegener) Schwellung
- Urethraldivertikel (Ausstülpung der Harnröhre) – insbesondere bei Frauen; rezidivierende Beschwerden, Dysurie und gegebenenfalls exprimierbarer (durch Druck entleerbarer) urethraler (die Harnröhre betreffender) Ausfluss
- Vaginitis (Scheidenentzündung) bzw. Zervizitis (Gebärmutterhalsentzündung) – vaginaler oder zervikaler Fluor (Ausfluss) kann bei Frauen als Harnröhrenausfluss fehlinterpretiert werden
Verletzungen, Vergiftungen und andere Folgen äußerer Ursachen (S00-T98)
- Fremdkörper in der Urethra (Harnröhre) – mechanische Schleimhautverletzung mit sekundärer Entzündung und gegebenenfalls purulentem oder blutigem Ausfluss
- Urethralverletzung (Verletzung der Harnröhre) – insbesondere nach Katheterisierung (Einführen eines Blasenkatheters), Instrumentierung (Einführen medizinischer Instrumente) oder sonstiger urethraler Manipulation (Einwirkung auf die Harnröhre); gegebenenfalls blutiger bzw. entzündlicher Ausfluss