Unzureichende Zufuhr: Ernährung, Risiken und Prävention

Eine unzureichende Zufuhr von Mikronährstoffen liegt vor, wenn über die Ernährung nicht genügend Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente, essentielle Fettsäuren oder weitere ernährungsphysiologisch relevante Stoffe aufgenommen werden, um den individuellen Bedarf zu decken. Sie stellt eine zentrale Ursache der Mikronährstoffunterversorgung dar, ist jedoch nicht mit dieser gleichzusetzen. Während die Zufuhr beschreibt, welche Mengen über Lebensmittel, angereicherte Produkte oder Nahrungsergänzungsmittel aufgenommen werden, bezeichnet die Versorgung die tatsächlich im Organismus verfügbare und funktionell nutzbare Menge [1, 2].

Für die klinische Beurteilung ist diese Unterscheidung wesentlich. Eine rechnerisch niedrige Zufuhr kann langfristig zu einer Unterversorgung führen, muss aber nicht zwangsläufig bereits einen manifesten Mangel bedeuten. Umgekehrt kann eine scheinbar ausreichende Zufuhr bei erhöhtem Bedarf, eingeschränkter Aufnahme im Darm oder erhöhten Verlusten individuell nicht ausreichen.

Entscheidend ist nicht allein die Energiezufuhr, sondern vor allem die Nährstoffdichte der Ernährung. Eine energiereiche Kost kann gleichzeitig arm an Mikronährstoffen sein, wenn sie überwiegend aus hochverarbeiteten Lebensmitteln, Weißmehlprodukten, Zucker, nährstoffarmen Snacks, fettreichen Fertigprodukten oder zuckerhaltigen Getränken besteht. Umgekehrt kann auch eine sehr niedrige Energiezufuhr, etwa im Rahmen von Diäten, Appetitminderung oder chronischer Erkrankung, dazu führen, dass selbst bei grundsätzlich günstiger Lebensmittelauswahl einzelne Referenzwerte nicht erreicht werden [3-6].

Ernährungsmuster mit niedriger Mikronährstoffdichte

Eine unzureichende Zufuhr entsteht häufig nicht durch den vollständigen Verzicht auf einzelne Lebensmittelgruppen, sondern durch ein insgesamt ungünstiges Ernährungsmuster. Besonders relevant ist eine geringe Aufnahme von Gemüse, Obst, Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, Nüssen, Samen, hochwertigen Pflanzenölen, Fisch sowie calcium- und proteinreichen Lebensmitteln. Die lebensmittelbezogenen Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) betonen entsprechend eine überwiegend pflanzenbetonte, vielseitige Ernährung mit Gemüse, Obst, Vollkorngetreide, Hülsenfrüchten, Nüssen, pflanzlichen Ölen, Milchprodukten und regelmäßigem Fischverzehr [1, 2].

Eine niedrige Mikronährstoffdichte findet sich insbesondere bei Ernährungsmustern mit hohem Anteil stark verarbeiteter Lebensmittel. Diese liefern häufig viel Energie, Zucker, Salz oder ungünstige Fettmengen, jedoch vergleichsweise wenig Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente, Ballaststoffe und sekundäre Pflanzenstoffe. Analysen zum Anteil hochverarbeiteter Lebensmittel an der Gesamtenergiezufuhr zeigen, dass mit zunehmendem Anteil solcher Produkte die ernährungsphysiologische Qualität der Gesamternährung abnimmt, unter anderem bezogen auf Ballaststoffe, Magnesium, Kalium, Calcium sowie die Vitamine A, C, D und E [6].

Klinisch relevant ist dies vor allem bei Patienten mit Übergewicht oder Adipositas, bei denen trotz hoher Energiezufuhr eine qualitative Unterversorgung mit einzelnen Mikronährstoffen bestehen kann. Dieses Phänomen verdeutlicht, dass eine ausreichende oder übermäßige Kalorienaufnahme nicht mit einer bedarfsdeckenden Mikronährstoffzufuhr gleichzusetzen ist [3, 6].

Auch eine geringe Vielfalt der Lebensmittelauswahl kann die Zufuhr einzelner Mikronährstoffe begrenzen. Wer nur wenige Gemüse- und Obstsorten, kaum Vollkornprodukte, selten Hülsenfrüchte, keine Nüsse oder kaum Fisch verzehrt, reduziert nicht nur die Aufnahme einzelner Vitamine und Mineralstoffe, sondern auch die Zufuhr von Ballaststoffen, essentiellen Fettsäuren und sekundären Pflanzenstoffen [1-3].

Besonders kritisch ist die Kombination aus hoher Energiedichte und geringer Nährstoffdichte. Typisch sind Ernährungsmuster mit vielen Weißmehlprodukten, Süßwaren, Softdrinks, Fertiggerichten, Wurstwaren, frittierten Lebensmitteln und wenigen frischen oder gering verarbeiteten Lebensmitteln. In solchen Fällen kann die Zufuhr einzelner Mikronährstoffe über längere Zeit unterhalb der empfohlenen Mengen liegen, ohne dass zunächst spezifische Symptome auftreten [3, 6].

Reduzierte Nahrungsaufnahme

Neben der Qualität der Ernährung spielt die Menge der aufgenommenen Nahrung eine zentrale Rolle. Eine reduzierte Nahrungsaufnahme kann die Zufuhr nahezu aller Mikronährstoffe beeinträchtigen, insbesondere wenn sie über Wochen oder Monate besteht. Betroffen sind vor allem ältere Menschen, Patienten mit chronischen Erkrankungen, Pflegebedürftige sowie Personen mit Appetitminderung, Übelkeit, Schmerzen, depressiver Symptomatik oder eingeschränkter Selbstversorgung [7, 8].

Im höheren Lebensalter kommen mehrere Faktoren zusammen: Appetitminderung, verändertes Durst- und Hungergefühl, Kauprobleme, Zahnstatus, Schluckstörungen, Geruchs- und Geschmacksveränderungen, soziale Isolation, Multimorbidität und Polypharmazie (gleichzeitige Einnahme mehrerer Medikamente). Dadurch kann die Nahrungsaufnahme quantitativ und qualitativ abnehmen. Besonders problematisch ist dies, wenn der Energiebedarf sinkt, der Bedarf an vielen Mikronährstoffen jedoch nicht im gleichen Maß abnimmt. Die Ernährung muss dann eine höhere Nährstoffdichte aufweisen, um den Bedarf trotz geringerer Nahrungsmenge zu decken [7, 8].

Auch Kau- und Schluckstörungen können zu einer einseitigen Lebensmittelauswahl führen. Häufig werden dann feste, faserreiche oder schwer zu kauende Lebensmittel wie rohes Gemüse, Obst, Vollkornprodukte, Nüsse, Fleisch oder bestimmte Proteinquellen gemieden. Dadurch kann die Zufuhr von Vitamin C, Folsäure, Magnesium, Zink, Eisen, Calcium, Ballaststoffen und hochwertigem Protein abnehmen. Studien zeigen, dass Kau- und Schluckprobleme bei älteren Menschen mit einem ungünstigeren Ernährungsstatus assoziiert sein können [9].

Alkoholmissbrauch ist ebenfalls ein relevanter Risikofaktor für eine unzureichende Zufuhr. Alkohol kann Mahlzeiten verdrängen, die Lebensmittelauswahl verschlechtern und mit einer insgesamt geringeren Aufnahme nährstoffreicher Lebensmittel einhergehen. Besonders gefährdet sind unter anderem die Versorgung mit Thiamin (Vitamin B1), weiteren B-Vitaminen, Zink, Magnesium und weiteren Mikronährstoffen. Hinzu kommen bei Alkoholmissbrauch häufig weitere Mechanismen wie gestörte Aufnahme, veränderter Stoffwechsel oder erhöhte Verluste, die jedoch über das reine Zufuhrproblem hinausgehen [13].

Restriktive Ernährungsformen und Diäten

Restriktive Ernährungsformen können bei guter Planung bedarfsdeckend sein, erhöhen jedoch das Risiko für selektive Unterversorgungen, wenn Lebensmittelgruppen ohne geeignete Alternativen gestrichen werden. Entscheidend ist daher nicht allein die Bezeichnung der Ernährungsform, sondern deren konkrete Umsetzung [10, 11].

Bei veganer Ernährung steht Vitamin B12 besonders im Fokus, da es in relevanten Mengen praktisch nur in Lebensmitteln tierischen Ursprungs vorkommt. Die DGE bewertet eine vegane Ernährung bei gesunden Erwachsenen als potentiell gesundheitsförderlich, sofern Vitamin B12 supplementiert wird, die Lebensmittelauswahl ausgewogen und gut geplant ist und potentiell kritische Nährstoffe ausreichend abgedeckt werden [10]. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) weist ebenfalls darauf hin, dass vegan lebende Menschen ihre Vitamin-B12-Versorgung über Vitamin-B12-haltige Nahrungsergänzungsmittel sicherstellen und regelmäßig ärztlich überprüfen lassen sollten [11].

Darüber hinaus können bei veganer oder stark pflanzenbetonter Ernährung je nach Lebensmittelauswahl auch Jod, Eisen, Zink, Selen, Calcium, Vitamin D, Riboflavin und langkettige Omega-3-Fettsäuren kritisch sein [10, 11]. Eine vegetarische Ernährung ist meist weniger restriktiv, kann aber bei geringer Aufnahme von Milchprodukten, Eiern, Hülsenfrüchten, Nüssen, Vollkornprodukten oder jodiertem Speisesalz ebenfalls zu einer unausgewogenen Mikronährstoffzufuhr führen [10].

Sehr kohlenhydratarme oder ketogene Ernährungsformen können die Aufnahme von Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, Obst und bestimmten Gemüsesorten deutlich reduzieren. Dadurch können unter anderem Ballaststoffe, Folsäure, Magnesium, Kalium und sekundäre Pflanzenstoffe zu kurz kommen, sofern die Ernährung nicht gezielt durch nährstoffreiche kohlenhydratarme Lebensmittel ergänzt wird. Medizinisch eingesetzte ketogene Diäten sollten daher ernährungsmedizinisch begleitet werden [1, 7].

Sehr fettarme Ernährungsformen können die Zufuhr essentieller Fettsäuren und fettlöslicher Vitamine beeinträchtigen, insbesondere wenn hochwertige Pflanzenöle, Nüsse, Samen, fettreicher Fisch oder andere Fettquellen konsequent gemieden werden. Entscheidend ist auch hier die Qualität der Fettzufuhr: Eine pauschale Fettreduktion ohne differenzierte Auswahl kann die Versorgung ungünstig beeinflussen [1, 2].

Glutenfreie Ernährung ist bei Zöliakie medizinisch notwendig. Wird sie jedoch ohne medizinische Indikation oder ohne ausgewogene Lebensmittelauswahl umgesetzt, kann sie die Zufuhr von Ballaststoffen, B-Vitaminen, Eisen, Magnesium und weiteren Mikronährstoffen verringern. Dies gilt besonders, wenn glutenhaltige Vollkornprodukte überwiegend durch stärkereiche, ballaststoffarme Spezialprodukte ersetzt werden [1, 2].

Eliminationsdiäten, Low-FODMAP-Ernährung, langfristige Auslassdiäten bei vermuteten Unverträglichkeiten oder stark kontrollierte Ernährungsmuster können ebenfalls zu einer verminderten Mikronährstoffzufuhr führen. Das Risiko steigt, wenn mehrere Lebensmittelgruppen gleichzeitig ausgeschlossen werden und keine strukturierte ernährungsmedizinische Begleitung erfolgt [7, 8].

Auch Fastenkuren und langfristige Kalorienrestriktion verdienen besondere Beachtung. Kurzfristig können solche Konzepte in definierten Situationen sinnvoll sein, langfristig besteht jedoch das Risiko, dass Energiezufuhr, Proteinaufnahme (Eiweißzufuhr) und Mikronährstoffzufuhr nicht ausreichend auf den individuellen Bedarf abgestimmt sind. Besonders kritisch sind wiederholte Reduktionsdiäten ohne anschließende stabile, nährstoffdichte Ernährung [7, 8].

Risikogruppen für eine unzureichende Zufuhr

Ein erhöhtes Risiko für eine unzureichende Mikronährstoffzufuhr besteht bei älteren Menschen, Pflegebedürftigen, Patienten mit chronischen Erkrankungen, Menschen mit Appetitminderung, Kau- oder Schluckstörungen sowie Personen mit eingeschränkter Selbstversorgung. In diesen Gruppen kann die Ernährung durch reduzierte Nahrungsmenge, monotone Lebensmittelauswahl, funktionelle Einschränkungen oder institutionelle Verpflegung beeinflusst sein [7-9].

Kinder und Jugendliche können bei einseitiger Ernährung, stark selektivem Essverhalten oder hohem Konsum energiereicher, nährstoffarmer Lebensmittel gefährdet sein. In Wachstumsphasen ist eine ausreichende Zufuhr von Calcium, Eisen, Jod, Zink, Folsäure, Vitamin D und weiteren Mikronährstoffen besonders relevant [1, 2].

Schwangere und Stillende benötigen eine besonders sorgfältige ernährungsmedizinische Beurteilung. Auch hier steht nicht nur die Zufuhr, sondern zusätzlich der erhöhte Bedarf im Vordergrund. Eine nicht bedarfsangepasste Ernährung kann insbesondere die Versorgung mit Folsäure, Jod, Eisen, Vitamin D, Omega-3-Fettsäuren und weiteren Mikronährstoffen beeinträchtigen [1, 10].

Menschen mit niedrigem sozioökonomischem Status können ebenfalls betroffen sein. Daten der Nationalen Verzehrsstudie II zeigen Unterschiede in der Lebensmittelauswahl nach sozioökonomischem Status: Personen mit höherem sozioökonomischem Status verzehrten im Mittel mehr Gemüse, Obst und Fisch, während Personen mit niedrigerem sozioökonomischem Status häufiger ungünstigere Verzehrsmuster aufwiesen [3]. Diese Faktoren führen nicht zwangsläufig zu einer Unterversorgung, können aber die Wahrscheinlichkeit einer nährstoffarmen Ernährung erhöhen.

Patienten mit Essstörungen oder stark kontrolliertem Essverhalten stellen eine besonders relevante Risikogruppe dar. Hier kann die Energiezufuhr deutlich reduziert sein, gleichzeitig werden häufig Lebensmittelgruppen gemieden oder Mahlzeiten ausgelassen. Auch subklinische Formen eines rigiden Essverhaltens können langfristig zu einer unzureichenden Mikronährstoffzufuhr beitragen [7, 8].

Besonders betroffene Mikronährstoffe und Nährstoffgruppen

Welche Mikronährstoffe bei unzureichender Zufuhr besonders betroffen sind, hängt wesentlich vom Ernährungsmuster ab. Bei veganer Ernährung ist Vitamin B12 der zentrale kritische Nährstoff. Zusätzlich können Jod, Eisen, Zink, Selen, Calcium, Vitamin D, Riboflavin und langkettige Omega-3-Fettsäuren relevant sein, wenn keine geeigneten Lebensmittel, angereicherten Produkte oder Supplemente eingesetzt werden [10, 11].

Bei geringer Gemüse- und Obstzufuhr stehen Folsäure, Vitamin C, Kalium, Magnesium, Ballaststoffe und sekundäre Pflanzenstoffe im Vordergrund. Eine niedrige Aufnahme von Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, Nüssen und Samen kann zusätzlich die Zufuhr von Magnesium, Zink, Eisen, B-Vitaminen und Ballaststoffen reduzieren [1, 2].

Bei geringer Fischzufuhr können Jod, Selen und langkettige Omega-3-Fettsäuren kritisch werden. Dies gilt insbesondere dann, wenn auch jodiertes Speisesalz, Meeresfisch oder andere geeignete Quellen kaum verzehrt werden. Bei geringer Aufnahme von Milchprodukten oder calciumreichen Alternativen kann die Calciumzufuhr unzureichend sein; je nach Gesamternährung können auch Riboflavin, Jod und hochwertiges Protein betroffen sein [1, 2, 10].

Vitamin D nimmt eine Sonderstellung ein. Die alimentäre Zufuhr ist begrenzt, da nur wenige Lebensmittel relevante Mengen enthalten. Der Referenzwert für die Vitamin-D-Zufuhr gilt bei fehlender körpereigener Bildung; unter üblichen Bedingungen trägt die endogene Synthese in der Haut wesentlich zur Versorgung bei. Eine unzureichende Vitamin-D-Versorgung ist daher nicht allein als Ernährungsproblem zu verstehen, sondern hängt wesentlich auch von UV-B-Exposition, Jahreszeit, Hauttyp, Alter, Aufenthaltsdauer im Freien und weiteren Faktoren ab [12].

Die Nationale Verzehrsstudie II liefert repräsentative Daten zum Lebensmittelverzehr und zur Nährstoffzufuhr der 14- bis 80-jährigen Bevölkerung in Deutschland. Sie zeigt, dass die Zufuhr und der Verzehr einzelner Lebensmittelgruppen bevölkerungsbezogen von Ernährungsempfehlungen abweichen können [3, 4]. Für die individuelle ärztliche Beurteilung ist daraus jedoch nicht automatisch ein Mangel abzuleiten. Bevölkerungsdaten können Risikonährstoffe sichtbar machen, ersetzen aber keine individuelle Ernährungsanamnese und keine gezielte Diagnostik bei konkretem Verdacht [3, 4].

Klinische und diagnostische Einordnung

Eine unzureichende Mikronährstoffzufuhr führt in der Regel nicht unmittelbar zu spezifischen Symptomen. Vielmehr entwickelt sich eine Unterversorgung häufig schleichend. Klinisch können unspezifische Beschwerden auftreten, etwa Müdigkeit, verminderte Belastbarkeit, Konzentrationsstörungen, Infektanfälligkeit, Muskelbeschwerden, Schleimhautveränderungen, Hautveränderungen, Haarausfall, brüchige Nägel, Wundheilungsstörungen oder eine reduzierte Regenerationsfähigkeit. Diese Symptome sind nicht beweisend, können aber in Verbindung mit Risikofaktoren einen diagnostischen Hinweis geben [7, 8].

Funktionell können zahlreiche Systeme betroffen sein. Eine unzureichende Zufuhr bestimmter Mikronährstoffe kann den Energiestoffwechsel, die Blutbildung, die Immunfunktion, den Knochenstoffwechsel, die Muskelfunktion, die antioxidative Kapazität, die Schleimhautintegrität und das Nervensystem beeinflussen. Die klinische Relevanz hängt jedoch vom jeweiligen Nährstoff, Ausmaß und Dauer der Unterversorgung, Speicherstatus, Begleiterkrankungen und individuellen Kompensationsmöglichkeiten ab [1, 2, 7].

Die Ernährungsanamnese ist das zentrale Instrument zur Erfassung einer unzureichenden Zufuhr. Sie sollte nicht nur einzelne Lebensmittel abfragen, sondern die gesamte Ernährungsstruktur berücksichtigen: Mahlzeitenrhythmus, Portionsgrößen, Lebensmittelvielfalt, Anteil frischer und unverarbeiteter Lebensmittel, Verzehr von Gemüse, Obst, Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, Nüssen, Fisch, Milchprodukten oder Alternativen, Trinkverhalten, Alkoholaufnahme, Diäten, Unverträglichkeiten, Vermeidungsverhalten und Nahrungsergänzungsmittel [4].

Besonders hilfreich ist die Frage nach typischen Tages- und Wochenmustern. Einzelne Ernährungstage sind oft wenig aussagekräftig, weil sie stark variieren können. Entscheidend ist, ob bestimmte Lebensmittelgruppen regelmäßig fehlen oder ob die Ernährung über längere Zeit einseitig, restriktiv oder sehr energiearm ist [4].

Laboruntersuchungen können sinnvoll sein, wenn sich aus Anamnese, Symptomen oder Risikokonstellationen ein konkreter Verdacht ergibt. Je nach Fragestellung können beispielsweise Eisenstatus, Vitamin B12, Folsäure, Vitamin D, Magnesium, Zink, Selen oder weitere Parameter relevant sein. Dabei ist zu beachten, dass Laborwerte je nach Mikronährstoff unterschiedlich gut die funktionelle Versorgung widerspiegeln. Serumkonzentrationen können durch Entzündung, Transportproteine, Speicherverteilung, Hydratationsstatus (Flüssigkeitsversorgung des Körpers) und Messmethodik beeinflusst werden. Eine isolierte Laborwertinterpretation ohne klinischen Kontext ist daher nicht ausreichend [7, 8].

Die medizinisch begründete Korrektur einer unzureichenden Zufuhr beginnt in der Regel mit der Optimierung der Ernährung. Ziel ist eine höhere Nährstoffdichte durch eine vielseitige Auswahl an nährstoffreichen Lebensmitteln. Dazu gehören insbesondere Gemüse, Obst, Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Nüsse, Samen, hochwertige Pflanzenöle, calciumreiche Lebensmittel oder Alternativen, geeignete Proteinquellen und je nach Ernährungsform auch Fisch, Eier oder Milchprodukte [1, 2].

Prävention und medizinisch begründete Korrektur

Die Prävention einer unzureichenden Mikronährstoffzufuhr setzt primär bei der Qualität und Vielfalt der Ernährung an. Ziel ist eine möglichst hohe Nährstoffdichte, also eine ausreichende Versorgung mit Vitaminen, Mineralstoffen, Spurenelementen, essentiellen Fettsäuren, Ballaststoffen und weiteren bioaktiven Nahrungsbestandteilen bei angemessener Energiezufuhr. Praktisch bedeutet dies eine regelmäßige Auswahl nährstoffreicher Lebensmittel wie Gemüse, Obst, Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Nüsse, Samen, hochwertige Pflanzenöle, calciumreiche Lebensmittel oder Alternativen, geeignete Proteinquellen sowie – abhängig von der Ernährungsform – Fisch, Eier oder Milchprodukte [1, 2].

Entscheidend ist die gezielte Erhöhung der Mikronährstoffdichte. Dies ist besonders relevant bei Personen mit geringer Nahrungsmenge, höherem Lebensalter, Appetitminderung, Kau- oder Schluckstörungen, restriktiven Ernährungsformen oder wiederholten Reduktionsdiäten. In diesen Situationen sollte die Ernährung so gestaltet werden, dass bereits kleinere Mahlzeiten einen hohen Gehalt an Mikronährstoffen, hochwertigem Protein und essentiellen Nährstoffen liefern [7, 8].

Die Korrektur einer unzureichenden Zufuhr sollte sich an der individuellen Risikokonstellation orientieren. Dazu gehören Ernährungsform, Lebensmittelauswahl, Energiezufuhr, Lebensphase, Komorbiditäten (Begleiterkrankungen), Medikation, körperliche Belastung und mögliche Einschränkungen der Nahrungsaufnahme. Bei veganer Ernährung ist beispielsweise eine gesicherte Vitamin-B12-Zufuhr erforderlich; bei geringer Fischzufuhr sind Jod, Selen und langkettige Omega-3-Fettsäuren zu berücksichtigen; bei geringer Aufnahme von Gemüse, Obst und Vollkornprodukten können Folsäure, Vitamin C, Magnesium, Kalium, Ballaststoffe und sekundäre Pflanzenstoffe relevant sein [1, 2, 10, 11].

Eine gezielte Supplementation kann medizinisch sinnvoll sein, wenn eine ausreichende Zufuhr über die Ernährung nicht erreichbar ist, ein erhöhtes Risiko für eine Unterversorgung besteht oder eine Unterversorgung beziehungsweise ein Mangel laborchemisch oder klinisch plausibel belegt ist. Sie sollte jedoch nicht pauschal erfolgen, sondern nährstoffbezogen, indikationsbezogen und unter Berücksichtigung von Dosierung, Einnahmedauer, Wechselwirkungen, Begleiterkrankungen und sicheren Zufuhrmengen geplant werden [10-12].

Bei Risikopatienten kann eine Verlaufskontrolle erforderlich sein. Dies gilt insbesondere bei älteren oder pflegebedürftigen Menschen, Patienten mit eingeschränkter Nahrungsaufnahme, Essstörungen, chronischen Erkrankungen, restriktiven Ernährungsformen oder wiederholten Diäten. Die Kontrolle sollte je nach Fragestellung Ernährungsanamnese, klinische Symptome, Körpergewicht, funktionelle Parameter und geeignete Laborwerte einbeziehen.

Fazit

Eine unzureichende Zufuhr ist nur ein möglicher Mechanismus der Mikronährstoffunterversorgung. Sie erklärt, warum über die Ernährung zu wenig Mikronährstoffe aufgenommen werden. Für die tatsächliche Versorgungslage sind jedoch zusätzlich Bedarf, Aufnahme im Darm, Stoffwechsel, Speicherung und Verluste entscheidend [1, 2].

Daher kann eine Unterversorgung auch dann entstehen, wenn die Ernährung rechnerisch ausreichend erscheint. Dies ist etwa bei erhöhtem Bedarf, verminderter Aufnahme im Darm oder erhöhten Verlusten möglich. Umgekehrt führt eine zeitweise niedrigere Zufuhr nicht zwangsläufig zu einem klinisch relevanten Mangel, wenn Speicher vorhanden sind und keine zusätzlichen Risikofaktoren bestehen.

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