NIPT
NIPT (non-invasive prenatal testing; nicht invasiver Pränataltest) ist ein molekulargenetischer Bluttest (Blutuntersuchung des Erbguts) zum Nachweis zellfreier fetaler DNA (Erbgut des ungeborenen Kindes) (cell-free fetal DNA, cfDNA) im maternalen Blut (Blut der Mutter). Er wird in der klinischen Pränataldiagnostik (vorgeburtlichen Diagnostik) zur Risikobewertung fetaler numerischer Chromosomenstörungen (Störungen der Chromosomenzahl beim ungeborenen Kind) eingesetzt, insbesondere der Trisomien 21, 18 und 13. Der NIPT ist ein Screeningverfahren (Früherkennungstest) und keine diagnostische Bestätigungsuntersuchung [1-5].
Synonyme
- NIPT
- Non-invasive prenatal testing
- Nicht invasiver Pränataltest
- CfDNA-Test
- Cell-free DNA test
- Zellfreier DNA-Test
- Harmony-Test
Das Verfahren
- Benötigtes Material
- Maternales venöses Blut
- In der Regel spezielle Blutentnahmeröhrchen für cfDNA-Analytik, abhängig vom Testsystem
- Vorbereitung des Patienten
- Keine spezielle Vorbereitung erforderlich
- Durchführung frühestens ab der 10+0 Schwangerschaftswoche
- Vor der Untersuchung sind ärztliche Aufklärung (ausführliches Arztgespräch) und genetische Beratung (Beratung zu möglichen Erbgutveränderungen) gemäß Gendiagnostikgesetz erforderlich
- Vor Testdurchführung sollte eine qualifizierte Ultraschalluntersuchung (Ultraschalluntersuchung durch einen speziell ausgebildeten Arzt) erfolgt sein, da strukturelle Fehlbildungen (körperliche Fehlbildungen) durch den NIPT nicht erfasst werden [2-5]
- Störfaktoren
- Niedriger fetaler Anteil zellfreier DNA im maternalen Blut
- Erhöhte Versagerquote bei Adipositas (starkem Übergewicht)
- Eingeschränkte Datenlage und teils reduzierte Testgüte bei Zwillingsschwangerschaften
- Eingeschränkte Datenlage nach assistierter Reproduktion (künstlicher Befruchtung)
- Ergebnislose Befunde („no call“) sind abklärungsbedürftig und mit einem erhöhten Risiko für Chromosomenstörungen assoziiert (verbunden) [2-5]
- Methode
- Analyse zellfreier fetaler DNA aus maternalem Plasma (Blutflüssigkeit der Mutter)
- Molekulargenetische Testverfahren, abhängig vom jeweiligen Anbieter und Analysesystem
- Ausgabe als Risikobewertung für ausgewählte Chromosomenstörungen, nicht als definitive Diagnose [1-5]
Normbereiche (je nach Labor)
| Subgruppe | Referenzbereich |
|---|---|
| Unauffälliger Befund | Kein Hinweis auf ein erhöhtes Risiko für die untersuchten Aneuploidien (Chromosomenstörungen) |
| Auffälliger Befund | Erhöhtes Risiko für die jeweilige untersuchte Chromosomenstörung |
| Ergebnisloser Befund | Keine verwertbare Aussage; weitere Abklärung erforderlich |
Normbereiche sind methoden- und laborabhängig.
Indikationen
- Screening auf Trisomie 21
- Screening auf Trisomie 18
- Screening auf Trisomie 13
- Bei ausgewählten Testsystemen zusätzlich Screening auf Aneuploidien der Geschlechtschromosomen (Störungen der Anzahl der Geschlechtschromosomen)
- Schwangere ab der 10+0 Schwangerschaftswoche mit Wunsch nach nicht invasiver Risikobewertung für häufige fetale Aneuploidien
- Schwangere mit erhöhtem Risiko für chromosomale Störungen im Rahmen der Pränataldiagnostik
- Bestimmung des fetalen Geschlechts, sofern testseitig vorgesehen; die Mitteilung unterliegt den rechtlichen Vorgaben [2-5]
Interpretation
- Erhöhte Werte
- Entfällt, da der NIPT kein quantitativer Laborparameter im klassischen Sinn ist
- Erniedrigte Werte
- Entfällt, da der NIPT kein quantitativer Laborparameter im klassischen Sinn ist
- Spezifische Konstellationen
- Der NIPT ist ein Screeningtest; ein auffälliger Befund muss durch eine invasive Diagnostik (Untersuchung mit Eingriff), in der Regel Chorionzottenbiopsie (Entnahme von Gewebe aus dem Mutterkuchen) oder Amniozentese (Fruchtwasseruntersuchung) mit anschließender Chromosomenanalyse (Untersuchung der Chromosomen), bestätigt werden [2-5]
- Die Indikationsstellung zu einem Schwangerschaftsabbruch darf nicht auf einem isolierten NIPT-Befund beruhen [2-5]
- Die Testgüte ist für Trisomie 21 am besten belegt und höher als beim Ersttrimester-Screening (Untersuchung im ersten Drittel der Schwangerschaft) [1-4]
- Für Trisomie 18 und 13 ist die Aussagekraft ebenfalls hoch, jedoch geringer als für Trisomie 21; insbesondere für Trisomie 13 ist die diagnostische Sicherheit niedriger [1, 4]
- Ein unauffälliger NIPT schließt strukturelle Fehlbildungen, viele andere Chromosomenstörungen und syndromale Erkrankungen (Erkrankungen mit mehreren typischen Merkmalen) nicht aus [2-5]
- Bei sonographisch (im Ultraschall) nachgewiesenen Fehlbildungen ersetzt der NIPT keine invasive Diagnostik [2, 3, 5]
- Ein ergebnisloser NIPT ist als abklärungsbedürftiger Befund zu werten [2-5]
- Bei Zwillingsschwangerschaften ist die Testgüte eingeschränkt; die Datenlage ist geringer als bei Einlingsschwangerschaften [2, 4, 5]
Weiterführende Diagnostik
- Qualifizierte Ultraschalluntersuchung im Rahmen der Ersttrimesterdiagnostik
- Ersttrimester-Screening
- Chorionzottenbiopsie bei entsprechender Indikation
- Amniozentese bei entsprechender Indikation
- Zytogenetische beziehungsweise molekulargenetische Bestätigungsdiagnostik
- Humangenetische Beratung vor und nach der Untersuchung [2-5]
Literatur
- Norton ME, Jacobsson B, Swamy GK, Laurent LC, Ranzini AC, Brar H, Tomlinson MW, Pereira L, Spitz JL, Hollemon D, Cuckle H, Musci TJ, Wapner RJ. Cell-free DNA Analysis for Noninvasive Examination of Trisomy. N Engl J Med. 2015;372(17):1589-1597. https://doi.org/10.1056/NEJMoa1407349
- Kozlowski P, Burkhardt T, Gembruch U, Gonser M, Kähler C, Kagan KO, Lang U, Stressig R, Wisser J, Heling KS. DEGUM, ÖGUM, SGUM and FMF Germany Recommendations for the Implementation of First-Trimester Screening, Detailed Ultrasound, Cell-Free DNA Screening and Diagnostic Procedures. Ultraschall Med. 2019;40(2):176-193. https://doi.org/10.1055/a-0631-8898
- Schipper J, Gembruch U, Kagan KO, Kozlowski P, Stressig R, Burkhardt T. Implementation of the New S2e Guideline “First-Trimester Diagnostics and Therapy @ 11-13+6 Weeks of Pregnancy” in Germany. Arch Gynecol Obstet. 2025;311:1567-1575. https://doi.org/10.1007/s00404-025-08064-w
- Gil MM, Quezada MS, Bregant B, Ferraro M, Nicolaides KH. Implementation of Maternal Blood Cell-Free DNA Testing in Early Screening for Aneuploidies. Ultrasound Obstet Gynecol. 2013;42(1):34-40. https://doi.org/10.1002/uog.12504
- Elger T, Gembruch U, Kagan KO. Counseling Prior to cfDNA Screening: Are We Giving the Right Information? Arch Gynecol Obstet. 2025;312:1-9. https://doi.org/10.1007/s00404-025-08108-1