Optische Kohärenztomographie (OCT) in der Dermatologie

Die optische Kohärenztomographie (OCT) ist eine nicht-invasive, bildgebende Technik, die in der Dermatologie zunehmend an Bedeutung gewinnt. Sie bietet eine hochauflösende, dreidimensionale Darstellung der Haut und ist somit eine wichtige Ergänzung zu traditionellen diagnostischen Methoden wie der Dermatoskopie und Hautbiopsie.

Die Entwicklung der OCT begann in den 1990er-Jahren, hauptsächlich in der Ophthalmologie. Die Übertragung dieser Technologie auf die Dermatologie hat neue Möglichkeiten für die Untersuchung von Hautstrukturen eröffnet, insbesondere wegen ihrer Fähigkeit, tieferliegende Hautschichten darzustellen.

Zielführung

Das Hauptziel der OCT in der Dermatologie ist die detaillierte und nicht invasive Darstellung der Hautschichten. Diese Technologie ermöglicht es, Bilder von der Epidermis bis in die mittlere Dermis zu erstellen, was besonders wertvoll für die Diagnose und Überwachung verschiedener Hautzustände ist.

Beurteilbare Strukturen

  • Epidermis (Oberhaut)
    • Untersuchung der Dicke, Textur und möglicher Unregelmäßigkeiten der obersten Hautschicht.
  • Dermoepidermale Junktionszone
    • Bewertung der klar definierten Grenze zwischen der Epidermis und der Dermis, welche für die Diagnose verschiedener Hautkrankheiten entscheidend ist.
  • Dermis (Lederhaut)
    • Darstellung der kollagenen und elastischen Fasern, Blutgefäße und Entzündungszellen.
    • Beurteilung der Dichte und Anordnung der Bindegewebsstrukturen.
  • Subkutanes Gewebe (Gewebe unterhalb der Haut)
    • Erfassung tieferer Strukturen wie Fettgewebe und größere Blutgefäße, die in herkömmlichen dermatologischen Bildgebungsmethoden nicht immer sichtbar sind.

Indikationen (Anwendungsgebiete)

  • Früherkennung von Hautkrebs: Die OCT ist besonders effektiv bei der Identifizierung von Basalzellkarzinomen und anderen nicht-melanotischen Hautkrebsarten (insb. Basalzellkarzinome, Bowen-Karzinome sowie spinozelluläre Karzinome (Plattenepithelkarzinome der Haut)) [1]
  • Entzündliche Hauterkrankungen: Bei Erkrankungen wie Psoriasis (Schuppenflechte) und Ekzemen liefert die OCT wichtige Informationen über die betroffenen Hautschichten.
  • Kosmetische Dermatologie: Die OCT bietet Einblicke in strukturelle Veränderungen der Haut, die durch Alterung, Sonnenschäden oder kosmetische Behandlungen verursacht werden.

Kontraindikationen (Gegenanzeigen)

Die OCT ist ein überwiegend sicheres Verfahren, jedoch gibt es einige Einschränkungen:

  • Überempfindlichkeit: Patienten mit einer Überempfindlichkeit gegenüber Licht oder bestimmten Wellenlängen könnten auf die OCT empfindlich reagieren.
  • Dichte Make-up-Schichten oder Cremes: Diese können die Bildqualität beeinträchtigen und sollten vor der Untersuchung entfernt werden.

Vor der Untersuchung

Patienten sollten über den Ablauf der OCT-Untersuchung aufgeklärt werden. Die Haut muss sauber und frei von Cremes, Make-up oder anderen Substanzen sein, die die Bildqualität beeinträchtigen könnten.

Das Verfahren

Die OCT verwendet Lichtwellen, um Bilder der Haut zu erzeugen. Ein Lichtstrahl wird auf die Haut gerichtet und das reflektierte Licht wird von Sensoren aufgefangen. Diese Informationen werden dann in Echtzeit in ein detailliertes Bild der Hautstruktur umgewandelt. Die OCT kann Schichten bis zu einer Tiefe von etwa 1-2 mm erfassen.

Quantitative Bildanalyse

Ähnlich wie bei der konfokalen Laserscanmikroskopie (KLM), ermöglicht die quantitative Bildanalyse in der OCT eine objektive Beurteilung der Hautstrukturen. Dies ist besonders nützlich für die Beurteilung des Fortschritts von Hauterkrankungen oder der Wirksamkeit von Behandlungen.

Kombination mit anderen bildgebenden Verfahren

Die Kombination der OCT mit anderen Techniken wie der Dermatoskopie (Auflichtmikroskopie) und der konfokalen Laserscanmikroskopie kann zu einer umfassenderen Diagnose führen. Während die Dermatoskopie die Hautoberfläche darstellt, ermöglicht die KLM eine detaillierte Betrachtung der oberen Hautschichten, und die OCT liefert Bilder der tieferen Schichten.

Mögliche Befunde

  • Hautkrebs
    • Basalzellkarzinome: Darstellung irregulärer, dunkler Cluster von Zellen tief in der Epidermis (Oberhaut) und oberen Dermis (Lederhaut).
    • Plattenepithelkarzinome: Unregelmäßige Epithelverdickung und atypische Zellstrukturen.
  • Entzündliche Hauterkrankungen
    • Psoriasis (Schuppenflechte): Nachweis verdickter Epidermis mit deutlich sichtbarer Dermoepidermaler Junktionszone und Entzündungsinfiltraten.
    • Ekzeme: Sichtbare Veränderungen in der Epidermisstruktur und Zeichen einer Entzündung.
  • Benigne (gutartige) Hautveränderungen
    • Nävi: Gut abgegrenzte, homogene Strukturen in der Epidermis oder der oberen Dermis.
    • Zysten: Klare, abgekapselte Strukturen, die in der OCT deutlich als Hohlraumbildungen erkennbar sind.
  • Vaskuläre Erkrankungen (Gefäßerkrankungen)
    • Angiome: Lokalisierte vaskuläre Strukturen (Gefäßstrukturen) mit erhöhtem Blutfluss und Gefäßvolumen.
  • Alterungsbedingte Veränderungen
    • Bewertung der Veränderungen in der Kollagen- und Elastinstruktur, die auf eine photoinduzierte Hautalterung hinweisen.

Nach der Untersuchung

Die Patienten können ihre normalen Aktivitäten sofort nach der OCT-Untersuchung wieder aufnehmen. Die resultierenden Bilder werden von Dermatologen analysiert, um Diagnosen zu stellen oder Behandlungspläne zu erstellen.

Mögliche Komplikationen

Die OCT ist ein sicheres Verfahren mit minimalen Risiken. Es können leichte Unannehmlichkeiten während der Untersuchung auftreten, aber ernsthafte Komplikationen sind selten.

Weitere Hinweise

  • Eine Line-Field konfokale optische Kohärenztomographie (LC-OCT) bildet einzelne Zellen in hoher Auflösung mit einer Eindringtiefe von bis zu 500 μm ab. Die Zellen können in Echtzeit sowohl in horizontalen als auch in vertikalen Ausschnitten nahezu histologisch (feingeweblich) dargestellt werden [1]. 
    Das Verfahren soll zukünftig auch zu einer schnelleren Diagnostik von beispielsweise Melanomen, klinischer Keratose, Nävi sowie weiterer Hauterkrankungen eingesetzt werden können. Gemäß einer Studie erhöht die LC-OCT Basalzellkarzinom die diagnostische Genauigkeit einer klinischen Untersuchung um 23,7 % und im Vergleich zu Dermatoskopie um 11,9 % [2].
  • Mit der Kombination von dermatoskopischer Untersuchung (CDE) und OCT wurden alle subklinischen Basalzellkarzinome nach topischer Therapie erkannt. In der Studie eingeschlossen waren 100 Patienten. Bei 20 Patienten wurde ein histopathologisches Rezidiv-/Rest-BZK festgestellt. Für die Rezidiv-/Rückstandserkennung betrug die Sensitivität 100 % (20/20) für CDE-OCT gegenüber 60 % (12/20) für CDE (p = 0,005) und die Spezifität betrug 95 % bzw. 96,3 % (p = 0,317). Die Fläche unter der Kurve für CDE-OCT (0,98) war im Vergleich zu CDE (0,77) deutlich höher (p=0,001) [3].

Fazit

Die optische Kohärenztomographie erweitert das diagnostische Repertoire in der Dermatologie erheblich. Sie bietet nicht nur detaillierte Einblicke in die Hautstruktur, sondern verbessert auch die Früherkennung und das Management von Hauterkrankungen. Die Weiterentwicklung dieser Technologie verspricht, ihre Anwendungsbereiche und Effektivität in Zukunft weiter zu steigern.

Literatur

  1. Welzel J SS. Nichtinvasive Diagnostik in der Dermatologie. J Dtsch Dermatol Ges. 2017;15(10):999-1017  doi: 10.1111/ddg.13347_g.
  2. Mtimet L et al.: Line-field confocal optical coherence tomography for basal cell carcinoma: a retrospective study on diagnostic performance. Abstract N°: 1914. 31st EADV Congress 2022.
  3. Wolswijk T et al.: Optical coherence tomography for diagnosing recurrent or residual basal cell carcinoma after topical treatment: a diagnostic cohort study. J Am Acad Dermatol 2023;S0190-9622(23)01196-9; https://doi.org/10.1016/j.jaad.2023.06.033