Vorhauthypertrophie, Phimose und Paraphimose – Einleitung

Vorhauthypertrophie, die Phimose und die Paraphimose (Synonyme: Akzessorisches Präputium; Akzessorische Vorhaut; Concretio praeputii; Conglutinatio praeputii; Erworbene Präputialkonstriktion; Frenulum breve praeputii; Kongenitale Paraphimose; Kongenitale Phimose; Kontrakte Präputialnarbe; Paraphimose; Phimose; Phimose durch Infektion; Präputialblattverklebung; Präputiale Adhäsion; Präputialenge; Präputialverengung; Präputialverklebung; Präputialverwachsung; Präputiumadhäsion; Präputiumhypertrophie; Spanischer Kragen; Vorhautenge; Vorhauthypertrophie; ICD-10-GM N47: Vorhauthypertrophie, Phimose und Paraphimose) umfassen verschiedene Störungen der Vorhaut des Penis:

  • Vorhauthypertrophie: Eine vergrößerte Vorhaut, die die Glans penis (Eichel) bedeckt.
  • Phimose: Eine Vorhautverengung, bei der das Zurückstreifen des Präputiums über die Glans penis nicht möglich ist. Diese kann als "physiologische Säuglingsphimose" bei Neugeborenen auftreten und sich im Alter von 3 bis 5 Jahren lösen.
  • Paraphimose: Eine Abschnürung der Glans penis durch eine verengte Vorhaut, was zu einer venösen Abflussstörung mit Schwellung und Schmerzen führt. Dies stellt einen urologischen Notfall dar.

Formen der Phimose

  • Primäre Phimose: Persistierende physiologische Enge bis zum Abschluss der Pubertät.
  • Sekundäre Phimose: Narbige Fixierung der Präputialenge durch lokale Entzündungen (Balanoposthitis) oder traumatische Retraktionsversuche.

Epidemiologie

Die Prävalenz (Krankheitshäufigkeit) für eine Phimose stellt sich altersbezogen wie folgt dar:

  • 96 % der unbehandelten Neugeborenen (physiologische Phimose)
  • ca. 58 % nach dem 1. Lebensjahr (physiologische Phimose)
  • 10-35 % nach dem 3. Lebensjahr (physiologische Phimose)
  • 1 % der 16- bis 18-Jährigen (pathologische Phimose; Inzidenz (Häufigkeit von Neuerkrankungen) für Lichen sclerosus (chronisch verlaufende Erkrankung des Bindegewebes, die vermutlich zu den Autoimmunerkrankungen zu zählen ist) bei Jungen vor der Pubertät beträgt 0,1-0, 4 % bezogen auf die männliche Gesamtbevölkerung)

Verlauf und Prognose

Verlauf

  • Vorhauthypertrophie: Kann zu hygienischen Problemen und wiederholten Entzündungen führen.
  • Physiologische Phimose: Ein nicht zurückstreifbares Präputium im Kindes- und Jugendalter ist bis zum Ende der Pubertät normal und bedarf keiner Therapie.
  • Pathologische Phimose: Behandlungsbedürftig, wenn es zu Beschwerden wie rezidivierender Balanitis, abgeschwächtem Harnstrahl, Ballonierung bei Miktion (Ansammeln von Urin unter der Vorhaut bei der Miktion/Wasserlassen) oder Harnstau kommt.
  • Paraphimose: Ein urologischer Notfall, der eine schnelle Reposition der Vorhaut oder einen operativen Eingriff erfordert, um eine drohende Gangränbildung der Eichel und der Vorhaut zu verhindern.

Prognose

  • Vorhauthypertrophie: Bei rechtzeitiger Diagnose und Behandlung, gute Prognose ohne langfristige Folgen.
  • Physiologische Phimose: Normalerweise keine Behandlung notwendig, löst sich oft von selbst auf.
  • Pathologische Phimose: Mit entsprechender Behandlung (z. B. topische Steroidcremes oder operative Zirkumzision) gute Prognose.
  • Paraphimose: Bei sofortiger Behandlung in der Regel vollständige Genesung, bei verzögerter Behandlung Risiko für Komplikationen wie Nekrose der Eichel.

Leitlinien

  1. S2k-Leitlinie: Phimose und Paraphimose. (AWMF-Registernummer: 006-052), Dezember 2021 Langfassung