Hodenschwellung – Differentialdiagnosen

Hodenschwellung ohne Schmerzen

Endokrine, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten (E00-E90)

  • Adrenogenitales Syndrom (AGS; angeborene Störung der Nebennieren-Hormonbildung) mit testikulären adrenalen Resttumoren (TART; hormonabhängige Restgewebeknoten im Hoden) – meistens bilaterale intratestikuläre Raumforderungen bei klassischem AGS; sonographisch und endokrinologisch von Hodentumoren abzugrenzen

Haut und Unterhaut (L00-L99)

  • Epidermalzyste (Hautzyste) – prall-elastischer Hautknoten des Skrotums (Hodensacks) durch Retention von Horn- und Talgmassen; bei sekundärer Entzündung auch schmerzhaft möglich
  • Lipom (Fettgewebsgeschwulst) – weiche, verschiebliche, meistens langsam progrediente subkutane Raumforderung des Skrotums oder Samenstrangs

Herzkreislaufsystem (I00-I99)

  • Nichtfilariales Lymphödem/Elephantiasis (massive Lymphstau-Schwellung) – chronische, derbe Skrotalvergrößerung durch lymphatische Abflussstörung, z. B. nach Operation, Bestrahlung, Tumorinfiltration oder rezidivierenden Entzündungen
  • Stauungsinsuffizienz bzw. dekompensierte Herzinsuffizienz (Herzschwäche) – meistens bilaterales Skrotalödem im Rahmen generalisierter Ödeme
  • Thrombose der Vena cava inferior (Blutgerinnsel in der unteren Hohlvene) – venöse Abflussstörung mit Beinödemen, Kollateralvenen und möglichem Skrotalödem
  • Varikozele (Krampfader am Hoden) – Erweiterung des Plexus pampiniformis im Samenstrang; meistens linksseitig, im Stehen zunehmend, bei klinischer Relevanz mit Hodenvolumenminderung, Fertilitätsstörung oder dumpfem Schweregefühl assoziiert

Infektiöse und parasitäre Krankheiten (A00-B99)

  • Lepra (chronische bakterielle Erkrankung von Haut und Nerven) – seltene chronische Orchitis oder Epididymitis, meistens bei entsprechender Expositions- und Herkunftsanamnese
  • Lymphatische Filariose (Wurmerkrankung der Lymphgefäße) – parasitäre Ursache von Hydrozele, genitalem Lymphödem und Elephantiasis, insbesondere nach Aufenthalt in Endemiegebieten
  • Syphilis (Geschlechtskrankheit) – seltene Ursache einer chronischen Orchitis mit derber Hodenschwellung
  • Tuberkulose (bakterielle Infektionskrankheit) – chronisch-granulomatöse Epididymitis oder Orchitis mit derber, langsam progredienter Nebenhoden- oder Hodenschwellung

Leber, Gallenblase und Gallenwege – Pankreas (K70-K77; K80-K87)

  • Leberzirrhose (narbiger Umbau der Leber) – Skrotalödem im Rahmen von Aszites, Hypalbuminämie und generalisierter Flüssigkeitsretention

Mund, Ösophagus (Speiseröhre), Magen und Darm (K00-K67; K90-K93)

  • Hernia inguinalis (Leistenbruch) – reponible inguinoskrotale Vorwölbung, häufig im Stehen oder beim Pressen zunehmend; bei Inkarzeration oder Strangulation akutes schmerzhaftes Skrotum

Neubildungen – Tumorerkrankungen (C00-D48)

  • Akute lymphatische Leukämie (ALL; akuter Blutkrebs mit Lymphzellen) – testikuläre Infiltration, meistens einseitig oder asymmetrisch; insbesondere bei Kindern und Jugendlichen differenzialdiagnostisch relevant
  • Hodentumoren (Hodengeschwülste) – meistens schmerzlose, derbe intratestikuläre Raumforderung; bei Einblutung, Infarzierung oder rascher Größenzunahme auch akutes schmerzhaftes Skrotum möglich
  • Lymphom des Hodens (Lymphdrüsenkrebs des Hodens) – meistens schmerzlose Hodenschwellung, insbesondere bei älteren Männern; häufig diffus vergrößerter Hoden
  • Paratestikuläre Tumoren (Geschwülste neben dem Hoden) – Raumforderungen von Nebenhoden, Samenstrang oder Skrotalweichteilen, z. B. Liposarkom des Samenstrangs oder Rhabdomyosarkom im Kindesalter

Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die anderenorts nicht klassifiziert sind (R00-R99)

  • Anasarka (ausgedehnte Wassereinlagerung am ganzen Körper) – generalisiertes Ödem mit möglicher massiver Skrotalbeteiligung
  • Aszites (Bauchwassersucht) – Skrotalschwellung durch Flüssigkeitsverlagerung, meistens bei Leberzirrhose, Herzinsuffizienz, nephrotischem Syndrom oder malignem Aszites

Urogenitalsystem (Nieren, Harnwege – Geschlechtsorgane) (N00-N99)

  • Epididymiszyste (Nebenhodenzyste) – zystische Raumforderung des Nebenhodens, meistens schmerzlos und sonographisch klar extratestikulär
  • Hydrozele (Wasserbruch) – Flüssigkeitsansammlung um den Hoden; meistens schmerzlos, prall-elastisch und transilluminierbar; bei ausgeprägter Spannung, Entzündung oder Einblutung auch schmerzhaft möglich
  • Idiopathisches Skrotalödem (Schwellung des Hodensacks unklarer Ursache) – akute oder subakute Skrotalhautschwellung, vor allem im Kindesalter; Hoden und Nebenhoden sonographisch meistens unauffällig, Schmerzen variabel
  • Nephrotisches Syndrom (Nierenerkrankung mit Eiweißverlust) – Skrotalödem im Rahmen von Hypalbuminämie und generalisierter Ödembildung
  • Spermatozele (Samenbruch) – vom Nebenhoden, seltener vom Samenstrang ausgehende Retentionszyste; meistens glatt begrenzt und extratestikulär tastbar

Medikamente

  • ACE-Hemmer-induziertes Angioödem (durch Angiotensin-Converting-Enzyme-Hemmer ausgelöste Schwellung) – akute Schwellung der Skrotalhaut oder Genitalregion ohne primäre Hodenerkrankung

Hodenschwellung mit geringen Schmerzen

Blut, blutbildende Organe – Immunsystem (D50-D90)

  • IgA-Vaskulitis (Purpura Schönlein-Henoch; entzündliche Gefäßerkrankung mit IgA-Ablagerungen) – skrotale Beteiligung vor allem im Kindesalter mit Ödem, Schmerzen, Purpura, Bauchschmerzen oder Arthralgien; bei starkem akutem Schmerz muss eine Hodentorsion ausgeschlossen werden

Haut und Unterhaut (L00-L99)

  • Entzündete Epidermalzyste – druckschmerzhafter, geröteter Hautknoten; Abszedierung möglich
  • Furunkel oder Hautabszess des Skrotums (Eiteransammlung in der Haut des Hodensacks) – lokalisierte bakterielle Entzündung mit Druckschmerz, Rötung und Fluktuation; bei Ausbreitung oder Fieber Übergang in schwere Infektion möglich
  • Hidradenitis suppurativa (Akne inversa) – rezidivierende schmerzhafte Knoten, Abszesse und Fistelgänge in inguinoskrotaler oder perinealer Lokalisation
  • Skrotales Erysipel oder Zellulitis (Wundrose oder bakterielle Haut- und Weichteilentzündung des Hodensacks) – flächige Rötung, Überwärmung und Ödem der Skrotalhaut; bei rascher Progredienz, Nekrosen oder systemischer Toxizität Ausschluss einer nekrotisierenden Infektion

Herzkreislaufsystem (I00-I99)

  • Thrombophlebitis skrotaler oder inguinaler Venen (Venenentzündung mit Blutgerinnsel) – lokaler Druckschmerz entlang eines tastbaren Venenstrangs
  • Varikozele – dumpfes Ziehen oder Schweregefühl, häufig belastungs- oder stehpositionsabhängig; linksseitige Neumanifestation im Erwachsenenalter erfordert Ausschluss retroperitonealer Abflussbehinderung

Infektiöse und parasitäre Krankheiten (A00-B99)

  • Chlamydia trachomatis (sexuell übertragbares Bakterium) – aszendierende Infektion mit Epididymitis oder Epididymoorchitis, insbesondere bei sexuell aktiven jüngeren Männern
  • Enterobacterales (Darmbakterien) – Epididymitis bei älteren Männern, Harnwegsinfekt, Blasenentleerungsstörung, Katheterisierung oder urologischer Instrumentation
  • Gonokokken (Tripperbakterien) – aszendierende Infektion mit Urethritis, Epididymitis oder Epididymoorchitis
  • Lepra – seltene chronische Epididymo-Orchitis bei passender Reise-, Herkunfts- oder Expositionsanamnese
  • Parotitis epidemica (Mumps) – Mumpsorchitis, typischerweise nach der Pubertät; unilateral oder bilateral möglich
  • Syphilis – seltene chronische Orchitis; klinisch oft tumormimetisch
  • Tuberkulose – chronische Epididymitis oder Orchitis mit subakuten Beschwerden, derber Schwellung und möglicher Fistelbildung

Mund, Ösophagus (Speiseröhre), Magen und Darm (K00-K67; K90-K93)

  • Hernia inguinalis – schmerzhafte, aber noch reponible inguinoskrotale Vorwölbung; bei Irreponibilität, Hautrötung, Ileuszeichen oder Peritonismus Verdacht auf Inkarzeration oder Strangulation

Muskel-Skelett-System und Bindegewebe (M00-M99)

  • Morbus Behçet (systemische Entzündungserkrankung mit Geschwüren) – rezidivierende Epididymitis oder Orchiepididymitis im Kontext oraler und genitaler Ulzera
  • Sarkoidose (entzündliche Knötchenerkrankung) – granulomatöse Epididymitis oder Orchitis mit subakuter Schwellung; häufig systemische Begleitmanifestationen

Neubildungen – Tumorerkrankungen (C00-D48)

  • Hodentumoren – können bei Kapselspannung, Einblutung oder Begleitentzündung geringe bis mäßige Schmerzen verursachen; schmerzfreie Präsentation bleibt häufiger
  • Leukämische oder lymphomatöse Hodeninfiltration – subakute Schwellung mit Druckgefühl; insbesondere bei bekannter hämatologischer Erkrankung beachten

Urogenitalsystem (Nieren, Harnwege – Geschlechtsorgane) (N00-N99)

  • Chronische Epididymitis – Beschwerden über mindestens 6 Wochen mit Druckschmerz, Schwellung oder induriertem Nebenhoden
  • Epididymitis (Nebenhodenentzündung) – schmerzhafte Nebenhodenschwellung, meistens einseitig; Schmerzbeginn häufiger graduell als bei Hodentorsion
  • Epididymoorchitis (Entzündung von Nebenhoden und Hoden) – kombinierte Entzündung von Nebenhoden und Hoden mit Schmerz, Schwellung und lokaler Überwärmung; bei Fieber, Abszess, Pyozele oder septischem Verlauf schwere Verlaufsform
  • Große Hydrozele – Spannungsgefühl, Ziehen oder Belastungsbeschwerden bei ausgeprägter Größe
  • Große Spermatozele – Druckgefühl oder geringe Schmerzen durch Raumforderung
  • Intermittierende Hodentorsion (wiederkehrende vorübergehende Hodenverdrehung) – rezidivierende, spontan rückläufige Hodenschmerzen mit möglicher Schwellung; hohes Risiko einer kompletten Hodentorsion
  • Orchitis (Hodenentzündung) – isolierte Hodenentzündung, viral oder bakteriell; Mumpsorchitis als klassische Sonderform
  • Subakute Hämatozele (Blutansammlung um den Hoden) – Blutansammlung nach Trauma, Operation oder Antikoagulation mit Druckschmerz; bei akuter Zunahme auch stark schmerzhaft

Ursachen (äußere) von Morbidität und Mortalität (V01-Y84)

  • Postoperatives Skrotalödem – nach Leistenhernienoperation, Vasektomie, Varikozelektomie, Hydrozeleoperation oder urologischer Instrumentation
  • Spermgranulom nach Vasektomie (entzündlicher Knoten nach Samenleiterdurchtrennung) – lokaler, druckschmerzhafter Knoten im Bereich des Samenleiters oder Nebenhodens

Verletzungen, Vergiftungen und andere Folgen äußerer Ursachen (S00-T98)

  • Leichte skrotale Kontusion (Prellung des Hodensacks) – posttraumatische Schwellung, Hämatom oder Druckschmerz ohne klinische Zeichen einer Hodenruptur

Hodenschwellung mit starken Schmerzen

Haut und Unterhaut (L00-L99)

  • Nekrotisierende Weichteilinfektion der Skrotalhaut (gewebezerstörende Weichteilinfektion der Hodensackhaut) – rasch progrediente Schmerzen, livide Hautveränderungen, Blasenbildung, Nekrosen oder Krepitation; klinisch mit Fournier-Gangrän überlappend
  • Skrotaler Abszess – starke lokale Schmerzen, Rötung, Überwärmung, Fluktuation und gegebenenfalls Fieber

Blut, blutbildende Organe – Immunsystem (D50-D90)

  • IgA-Vaskulitis (Purpura Schönlein-Henoch) – akute schmerzhafte Skrotalschwellung im Kindesalter; kann eine Hodentorsion klinisch imitieren
  • Sichelzellkrankheit mit Hodeninfarkt (Durchblutungsstörung des Hodens mit Gewebeuntergang) – seltene vaso-okklusive Ursache akuter Hodenschmerzen und Hodenschwellung

Herzkreislaufsystem (I00-I99)

  • Hodeninfarkt – akute ischämische Hodenschmerzen mit fokaler oder diffuser Hodenschwellung; Differenzialdiagnose zu Hodentorsion, Epididymoorchitis und Hodentumor
  • Thrombose oder akute Abflussstörung des Samenstrangs – seltene Ursache eines akuten schmerzhaften Skrotums

Infektiöse und parasitäre Krankheiten (A00-B99)

  • Fournier-Gangrän (lebensbedrohliche Weichteilinfektion im Genitalbereich) – polymikrobielle nekrotisierende Infektion von Perineum und äußeren Genitalien mit starken Schmerzen, Ödem, Nekrosen, Krepitation, Foetor und Sepsisrisiko
  • Mumpsorchitis (Hodenentzündung bei Mumps) – schmerzhafte Hodenschwellung nach Parotitis epidemica, bei postpubertären Patienten relevante Atrophiegefahr
  • Schwere bakterielle Epididymoorchitis – starke Schmerzen, Fieber, deutliche Schwellung, gegebenenfalls Abszess, Pyozele oder septischer Verlauf

Mund, Ösophagus (Speiseröhre), Magen und Darm (K00-K67; K90-K93)

  • Appendizitis (Blinddarmentzündung) – kann bei offenem Processus vaginalis oder entzündlicher Mitreaktion als akutes Skrotum imponieren; vor allem bei Kindern differenzialdiagnostisch relevant
  • Hernia inguinalis, inkarzeriert oder stranguliert – irreponible inguinoskrotale Schwellung mit starken Schmerzen, Ileuszeichen oder Peritonismus möglich

Neubildungen – Tumorerkrankungen (C00-D48)

  • Hodentumor mit Einblutung oder Infarzierung – akute schmerzhafte Hodenschwellung; kann klinisch Hodentorsion oder Epididymoorchitis imitieren
  • Leukämische Hodeninfiltration mit akuter Schmerzsymptomatik – selten; bei bekannter Leukämie oder systemischen Zeichen berücksichtigen

Urogenitalsystem (Nieren, Harnwege – Geschlechtsorgane) (N00-N99)

  • Akute Hämatozele – schmerzhafte Blutansammlung um den Hoden nach Trauma, Operation, Torsion oder Blutungsneigung
  • Epididymoorchitis – schwere Verlaufsform mit deutlicher Schmerzsymptomatik, Fieber, lokaler Überwärmung und möglicher Abszessbildung
  • Hodenabszess (Eiteransammlung im Hoden) – Komplikation einer Epididymoorchitis oder hämatogenen Infektion mit fokaler Einschmelzung
  • Hodentorsion (Hodenverdrehung) – urologischer Notfall mit plötzlich einsetzenden starken einseitigen Hodenschmerzen, Übelkeit oder Erbrechen, hochstehendem oder horizontal liegendem Hoden und häufig fehlendem Kremasterreflex
  • Hydatidentorsion (Verdrehung eines Hodenanhangs) – Torsion kleiner Anhangsgebilde an Hoden oder Nebenhoden; initial schwer von Hodentorsion abzugrenzen, häufig lokaler Druckschmerz am oberen Hodenpol
  • Pyozele (Eiteransammlung um den Hoden) – eitrige Flüssigkeitsansammlung in der Tunica vaginalis, meistens Komplikation einer schweren Infektion

Ursachen (äußere) von Morbidität und Mortalität (V01-Y84)

  • Akute postoperative Blutung oder Hämatozele – nach Vasektomie, Hernienoperation, Hydrozeleoperation, Varikozelektomie oder urologischer Instrumentation
  • Sepsis nach Operation, Katheterisierung oder urologischem Eingriff – kann mit schmerzhafter Genital- oder Skrotalschwellung, Fieber und rascher Verschlechterung einhergehen

Verletzungen, Vergiftungen und andere Folgen äußerer Ursachen (S00-T98)

  • Hodenkontusion (Hodenprellung) – schmerzhafte posttraumatische Hodenschwellung ohne sichere Rupturzeichen
  • Hodenruptur (Hodenriss) – starke Schmerzen und Hodenschwellung nach stumpfem oder penetrierendem Trauma; sonographisch Unterbrechung der Tunica albuginea oder heterogenes Parenchym
  • Penetrierende Skrotal- oder Hodenverletzung (eindringende Verletzung des Hodensacks oder Hodens) – Notfalldifferenzialdiagnose bei offener Verletzung, Blutung oder Fremdkörper
  • Skrotales Hämatom (Bluterguss des Hodensacks) – akute schmerzhafte Schwellung nach Trauma, Operation oder Antikoagulation