Stridor – Weitere Therapie
Therapieziele
Stridor (pfeifendes oder ziehendes Atemgeräusch) weist auf eine Verengung der Atemwege hin. Ziel ist die Sicherstellung einer ausreichenden Atmung durch Stabilisierung und ursachenspezifische Behandlung. Akut zunehmender Stridor erfordert eine unverzügliche Einschätzung der Atemwegsgefährdung [3].
Die nachfolgenden Maßnahmen ergänzen die gegebenenfalls gleichzeitig notwendige ursachenspezifische medikamentöse Behandlung; diese wird im eigenständigen Artikel zur Pharmakotherapie dargestellt.
Allgemeine Maßnahmen
- Betroffene beruhigen, körperliche Belastung beenden und unnötige Manipulationen vermeiden. Kinder bei ihrer Bezugsperson belassen und die selbst gewählte Position unterstützen; keine Rückenlage erzwingen [LL1].
- Bei schwerer Atemwegsobstruktion (Verengung oder Verlegung der Atemwege) Diagnostik zurückstellen, wenn sie die Stabilisierung verzögert oder eine Verschlechterung auslösen kann. Bei Verdacht auf Epiglottitis (Kehldeckelentzündung) keine erzwungene Racheninspektion durchführen [LL1].
- Atemarbeit, Luftbewegung und Bewusstseinslage wiederholt beurteilen. Sauerstoff bei entsprechender Indikation verabreichen; er beseitigt die Obstruktion nicht. Eine normale Sauerstoffsättigung schließt eine bedrohliche Verengung nicht aus [LL1].
Konventionelle nicht-operative Therapieverfahren
Fremdkörperbedingte Atemwegsverlegung
- Bei wirksamem Husten zum Weiterhusten ermutigen und eng beobachten. Bei schwerer Verlegung mit unwirksamem Husten umgehend Hilfe beziehungsweise den Rettungsdienst über 112 alarmieren [LL3, LL4].
- Bei Erwachsenen und Kindern ab einem Jahr bis zu fünf Rückenschläge, bei Erfolglosigkeit bis zu fünf Oberbauchkompressionen durchführen; erforderlichenfalls im Wechsel fortsetzen. Nach jedem Manöver den Erfolg prüfen und bei gelöster Verlegung aufhören [LL3, LL4].
- Bei Säuglingen unter einem Jahr bis zu fünf Rückenschläge mit bis zu fünf Brustkorbkompressionen abwechseln; keine Oberbauchkompressionen. Kopf und Körper altersgerecht stützen. Keine blinden Ausräumversuche mit den Fingern [LL4].
- Bei Bewusstlosigkeit sofort altersentsprechende Reanimation (Wiederbelebung): Erwachsene mit Thoraxkompressionen beginnen; bei Kindern und Säuglingen initial fünf Beatmungsversuche, anschließend Thoraxkompressionen und Beatmung. Anweisungen der Leitstelle befolgen [LL3, LL4].
- Bei fortbestehendem Aspirationsverdacht (Verdacht auf Einatmen eines Fremdkörpers) trotz stabiler Atmung Vorstellung in der Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde (HNO) beziehungsweise Pneumologie zur endoskopischen Abklärung und gegebenenfalls Fremdkörperentfernung. Ein unauffälliger Untersuchungs- oder Röntgenbefund schließt einen Fremdkörper nicht aus [LL5].
Ergänzende Maßnahmen bei Pseudokrupp (meist virusbedingter Entzündung mit Schwellung unterhalb der Stimmlippen)
Kühle Außenluft kann bei mildem bis moderatem Pseudokrupp ergänzend erwogen werden, ohne notwendige Behandlung zu verzögern. Eine randomisierte Studie untersuchte 30 Minuten Außenluft unter 10 °C zusätzlich zu Dexamethason und zeigte eine kurzfristige Symptombesserung. Eine alleinige Kaltluftbehandlung lässt sich daraus nicht ableiten [1]. Befeuchtete Luft hat keinen gesicherten Nutzen; heiße Dampfinhalationen wegen fehlenden Wirksamkeitsnachweises und Verbrühungsgefahr vermeiden [LL2].
Induzierbare laryngeale Obstruktion (anfallsweise durch Auslöser hervorgerufene Verengung des Kehlkopfs)
Bei gesicherter induzierbarer laryngealer Obstruktion (ILO) kann eine spezialisierte logopädische Atemtherapie mit angeleiteten Atem- und Entspannungsübungen eingesetzt werden. Auslösende Situationen werden identifiziert und die erlernten Strategien im Alltag beziehungsweise bei Belastung geübt. Die Evidenz ist begrenzt: Eine retrospektive monozentrische Studie mit 28 Betroffenen mit belastungsinduzierter ILO zeigte Verbesserungen von Beschwerden und laryngoskopischen Befunden; ein randomisierter Wirksamkeitsnachweis ergibt sich daraus nicht. Die Ergebnisse sind nicht auf andere Stridorursachen übertragbar [2].
Interventionelle und operative Therapieverfahren
Bei drohender vollständiger Atemwegsverlegung frühzeitig Anästhesiologie und HNO hinzuziehen; bei Kindern ist pädiatrische Atemwegsexpertise erforderlich. Die Atemwegssicherung erfolgt durch ein erfahrenes Team mit vorbereitetem Alternativplan. Wiederholte erfolglose Intubationsversuche sind zu vermeiden [LL1, LL4]. Je nach Ursache und klinischer Situation können eine Intubation (Einführen eines Beatmungsschlauchs in die Luftröhre) oder ein chirurgischer Atemwegszugang (operativ angelegter Zugang zur Luftröhre) erforderlich sein. Strukturelle Verengungen, Tumoren (Gewebeneubildungen) oder Stimmlippenbewegungsstörungen (Störungen der Beweglichkeit der Stimmbänder) benötigen eine individuell geplante fachärztliche Behandlung [3].
Red Flags (Warnzeichen) bei Stridor
Bei deutlicher Atemnot, Zyanose (bläulicher Verfärbung von Haut oder Schleimhäuten), Erschöpfung, Bewusstseinsstörung oder rascher Verschlechterung sofort 112 alarmieren. Ein leiser werdender Stridor bei abnehmender Luftbewegung kann eine zunehmende Verlegung anzeigen. Auf einen Sättigungsabfall darf mit der Eskalation nicht gewartet werden [LL2, LL4]. Speichelfluss und Schluckunfähigkeit sind insbesondere bei Verdacht auf eine infektiöse Schwellung der oberen Atemwege Warnzeichen [LL5].
Nachsorge und Prävention
- Bei Pseudokrupp Entlassung erst bei stabiler Atmung und Stridorfreiheit in Ruhe. Nach inhalativem Adrenalin mindestens drei Stunden beobachten; bei Risikofaktoren oder erneutem Stridor länger. Klare Hinweise zur sofortigen Wiedervorstellung bei Verschlechterung geben [LL2].
- Nach Oberbauch- beziehungsweise Brustkorbkompressionen medizinisch auf mögliche Verletzungen untersuchen lassen [LL3].
- Fremdkörperaspiration vorbeugen: Kleinkinder beim Essen beaufsichtigen, ruhig sitzend essen lassen und ungeeignete harte Lebensmittel beziehungsweise verschluckbare Kleinteile vermeiden [LL5].
- Anhaltenden oder wiederkehrenden Stridor fachärztlich abklären und einen ursachenbezogenen Behandlungsplan festlegen [3].
Abkürzungen
- HNO: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde.
- ILO: inducible laryngeal obstruction; induzierbare laryngeale Obstruktion.
Organisationen und Selbsthilfegruppen
- Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA)
Postfach 91 01 52, D-51071 Köln
Telefon: 0221-89920, Fax: 0221-8992300 E-Mail: poststelle@bzga.de, Internet: www.bzga.de - Atemwegsliga e. V.
Geschäftsstelle: Burgstraße 12, 33175 Bad Lippspringe
Telefon: 05252-954505, E-Mail: U.Butt@t-online.de, Internet: wintermute.chemie.uni-mainz.de/atem/Rahmen.html
Literatur
- Siebert JN, Salomon C, Taddeo I et al.: Outdoor Cold Air Versus Room Temperature Exposure for Croup Symptoms: A Randomized Controlled Trial. Pediatrics. 2023;152(3):e2023061365. doi: 10.1542/peds.2023-061365.
- Vreim K, Karlsen T, Carlsen PH et al.: Speech therapy for exercise-induced laryngeal obstruction. Eur Arch Otorhinolaryngol. 2025;282:1345-1354. doi: 10.1007/s00405-024-09190-y.
- Eskander A, de Almeida JR, Irish JC: Acute Upper Airway Obstruction. N Engl J Med. 2019;381(20):1940-1949. doi: 10.1056/NEJMra1811697.
Leitlinien, Referenzwerte und Protokolle
- Royal Children's Hospital Melbourne: Clinical Practice Guidelines: Acute upper airway obstruction. März 2021. Leitlinie [LL1].
- Royal Children's Hospital Melbourne: Clinical Practice Guidelines: Croup (Laryngotracheobronchitis). September 2024. Leitlinie [LL2].
- Resuscitation Council UK: First Aid Guidelines. 27. Oktober 2025. Leitlinie [LL3].
- Resuscitation Council UK: Paediatric Life Support (basic and advanced). 27. Oktober 2025. Leitlinie [LL4].
- Royal Children's Hospital Melbourne: Clinical Practice Guidelines: Foreign body inhalation. September 2026. Leitlinie [LL5].