Pleuraerguss – Folgeerkrankungen

Im Folgenden die wichtigsten Erkrankungen bzw. Komplikationen, die durch einen Pleuraerguss (Flüssigkeitsansammlung zwischen Lunge und Brustwand) mitbedingt sein können:

Atmungssystem (J00-J99)

  • Kompressionsatelektase (Zusammenfallen eines Lungenabschnitts durch äußeren Druck) – bei größeren Pleuraergüssen durch mechanische Kompression des angrenzenden Lungenparenchyms (Lungengewebes); die Verdrängung von Lungenvolumen und die Beeinträchtigung der Zwerchfellmechanik können zur funktionellen Restriktion (Einschränkung der Lungenausdehnung) beitragen [1]
  • Komplizierter parapneumonischer Erguss (komplizierte Flüssigkeitsansammlung im Brustfellraum infolge einer Lungenentzündung) bzw. Pleuraempyem (Eiteransammlung im Brustfellraum) – bei parapneumonischer Genese kann eine bakterielle Invasion des Pleuraspalts (Raums zwischen Lunge und Brustwand) zur Progression von einem unkomplizierten parapneumonischen Erguss über einen komplizierten, häufig septierten Erguss (in Kammern unterteilte Flüssigkeitsansammlung) bis zum Pleuraempyem führen; ein steriler Pleuraerguss entwickelt sich dagegen nicht per se zu einem Empyem (Eiteransammlung) [LL1, LL2]
  • Septierung bzw. Lokulierung des Pleuraergusses (Kammerbildung innerhalb der Flüssigkeitsansammlung) – insbesondere im fibrinopurulenten Stadium (eitrig-fibrinreichen Stadium) einer Pleura-Infektion (Infektion des Brustfells); Fibrinablagerungen (Ablagerungen von Gerinnungseiweiß) und Adhäsionen (Verwachsungen) führen zur Ausbildung voneinander abgetrennter Flüssigkeitskompartimente und können die effektive Drainage (Ableitung der Flüssigkeit) erschweren [LL1, LL2]
  • Pleuraorganisation (narbiger Umbau des Brustfells) mit Pleuraverdickung (Verdickung des Brustfells) bzw. Fibrothorax (ausgeprägte narbige Versteifung des Brustfells) (Pleuraschwarten) – insbesondere nach länger bestehender oder unzureichend kontrollierter pleuraler Infektion bzw. chronisch-entzündlichem Erguss; eine ausgeprägte viszerale Pleuraschwarte (narbige Verdickung des lungenbedeckenden Brustfells) kann die Lungenexpansion dauerhaft einschränken und zu einer restriktiven Ventilationsstörung (verminderten Ausdehnungsfähigkeit der Lunge) bzw. einer nicht expandierbaren Lunge führen [LL1, LL2]

Infektiöse und parasitäre Krankheiten (A00-B99)

  • Sepsis (lebensbedrohliche Organdysfunktion durch eine Infektion) bis hin zum septischen Schock (schwerste Form der Sepsis mit Kreislaufversagen) – bei schwerer pleuraler Infektion bzw. Pleuraempyem als infektiösem Fokus möglich; keine Folge eines nichtinfizierten Pleuraergusses [LL1, LL2]

Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die anderenorts nicht klassifiziert sind (R00-R99)

  • Dyspnoe (Atemnot) – führendes Symptom insbesondere größerer symptomatischer Pleuraergüsse; die Genese ist multifaktoriell und umfasst Veränderungen der Zwerchfellmechanik, der Atemmechanik und der neuromechanischen Kopplung (Zusammenspiel zwischen Atemantrieb und Atembewegung). In der prospektiven PLEASE-Studie besserten sich Dyspnoe und körperliche Belastbarkeit bei der Mehrzahl der Patienten nach therapeutischer Ergussdrainage (Ableitung der Flüssigkeit aus dem Brustfellraum); die Verbesserung war nicht allein durch das drainierte Flüssigkeitsvolumen erklärbar [1]
  • Belastungsintoleranz (verminderte Belastbarkeit) bzw. verminderte körperliche Leistungsfähigkeit – bei symptomatischem Pleuraerguss häufig und nach Ergussdrainage im Mittel messbar gebessert; in der PLEASE-Studie nahm neben der subjektiven Atemnot auch die Gehstrecke im 6-Minuten-Gehtest zu [1]

Prognosefaktoren

  • Ätiologie (Ursache) und Schwere der Grunderkrankung – bestimmen die Prognose wesentlich stärker als das Vorhandensein des Pleuraergusses an sich. Dies gilt insbesondere für maligne Pleuraergüsse (durch eine Krebserkrankung verursachte Flüssigkeitsansammlungen im Brustfellraum) sowie für Ergüsse bei fortgeschrittener kardialer (das Herz betreffender), hepatischer (die Leber betreffender) oder renaler Erkrankung (Nierenerkrankung); der Pleuraerguss ist hier häufig Ausdruck bzw. Marker des Schweregrades der Grunderkrankung [LL1, LL3]
  • Pleura-Infektion – RAPID-Score – validierter Mortalitäts-Risikostratifikationsscore (Punktesystem zur Abschätzung des Sterberisikos) aus Renal (Harnstoff), Age (Alter), Purulence (eitriger Erguss), Infection source (Infektionsquelle) und Dietary factors (Albumin). In der prospektiven PILOT-Studie betrug die 3-Monats-Mortalität bei niedrigem Risiko (0-2 Punkte) 2,3 %, bei mittlerem Risiko (3-4 Punkte) 9,2 % und bei hohem Risiko (5-7 Punkte) 29,3 %; die 12-Monats-Gesamtmortalität lag bei 19 % [2]. Der RAPID-Score ist zur Risikostratifikation validiert, eine allein daran orientierte Wahl einer bestimmten Therapie ist dagegen bislang nicht prospektiv abgesichert [LL2]
  • Maligner Pleuraerguss – LENT-Score – berücksichtigt Lactatdehydrogenase im Pleuraerguss, Eastern Cooperative Oncology Group Performance Status (ECOG-PS), Neutrophilen-Lymphozyten-Ratio und Tumorentität (Art der Krebserkrankung). In der ursprünglichen Entwicklungs- und Validierungskohorte betrug das mediane Überleben bei niedrigem, mittlerem und hohem Risiko 319, 130 bzw. 44 Tage [3]. Eine große externe Validierung aus dem Jahr 2025 bestätigte die prognostische Diskriminationsfähigkeit des LENT-Scores, zeigte jedoch, dass individuelle bzw. gruppenspezifische Schätzungen der medianen Überlebenszeit in heutigen Patientenkollektiven weniger präzise sein können; der Score sollte deshalb die klinische Gesamtbeurteilung ergänzen und nicht ersetzen [4]
  • Allgemeinzustand und Tumorentität beim malignen Pleuraerguss – ein schlechter ECOG-Performance-Status sowie Tumorentitäten mit ungünstiger Biologie sind wesentliche prognostische Determinanten (Einflussfaktoren auf den Krankheitsverlauf) und Bestandteil der validierten LENT-Risikostratifikation [3, 4]

Literatur

  1. Muruganandan S, Azzopardi M, Thomas R et al.: The Pleural Effusion And Symptom Evaluation (PLEASE) study of breathlessness in patients with a symptomatic pleural effusion. Eur Respir J. 2020;55(5):1900980. doi:10.1183/13993003.00980-2019
  2. Corcoran JP, Psallidas I, Gerry S et al.: Prospective validation of the RAPID clinical risk prediction score in adult patients with pleural infection: the PILOT study. Eur Respir J. 2020;56(5):2000130. doi:10.1183/13993003.00130-2020
  3. Clive AO, Kahan BC, Hooper CE et al.: Predicting survival in malignant pleural effusion: development and validation of the LENT prognostic score. Thorax. 2014;69(12):1098-1104. doi:10.1136/thoraxjnl-2014-205285
  4. Mounsey CA, Kanellakis NI, Addala DN et al.: External validation of the LENT and PROMISE prognostic scores for malignant pleural effusion. ERJ Open Res. 2025;11(3):01019-2024. doi:10.1183/23120541.01019-2024

Leitlinien, Referenzwerte und Protokolle

  1. Roberts ME, Rahman NM, Maskell NA et al.: British Thoracic Society Guideline for pleural disease. Thorax. 2023;78(11):1143-1156. doi:10.1136/thorax-2023-220304. [LL1]
  2. Bedawi EO, Ricciardi S, Hassan M et al.: ERS/ESTS statement on the management of pleural infection in adults. Eur Respir J. 2023;61(2):2201062. doi:10.1183/13993003.01062-2022. [LL2]
  3. Sundaralingam A, Grabczak EM, Burra P et al.: ERS statement on benign pleural effusions in adults. Eur Respir J. 2024;64(6):2302307. doi:10.1183/13993003.02307-2023. [LL3]