Bronchiektasen – Medikamentöse Therapie

Die folgenden Empfehlungen betreffen überwiegend Erwachsene mit nicht durch Mukoviszidose (erbliche Erkrankung mit besonders zähem Schleim) bedingten Bronchiektasen. Die Behandlung erfolgt nach Ursache, Erregerspektrum, Symptombelastung und Exazerbationsrisiko (Risiko akuter Krankheitsverschlechterungen). Für Brensocatib besteht eine Zulassung ab zwölf Jahren. Bei Mukoviszidose gelten eigenständige Behandlungsempfehlungen [LL1, LL2, FI1].

Therapieziele

  • Behandlung einer therapierbaren Grunderkrankung
  • Verbesserung der Sekretmobilisation und Verminderung von Husten und Dyspnoe (Atemnot)
  • Behandlung akuter bakterieller Exazerbationen (Krankheitsverschlechterungen)
  • Eradikation neu nachgewiesener Pseudomonas aeruginosa bzw. Suppression einer chronischen Atemwegsinfektion
  • Reduktion der chronischen Inflammation (Entzündung) und des Exazerbationsrisikos
  • Erhalt der Lungenfunktion und Verbesserung der Lebensqualität

Therapieempfehlungen

  • Basistherapie:
    • Die medikamentöse Behandlung ergänzt die individuell angeleitete Atemphysiotherapie und regelmäßige Sekretmobilisation. Inhalationstechnik, Gerätehygiene und Therapietreue sind regelmäßig zu überprüfen [LL1, LL2].
    • Bei erschwerter Expektoration (Abhusten von Schleim) trotz ausreichender Sekretmobilisation kann eine mukoaktive Therapie erprobt werden. Die Auswahl richtet sich nach Verträglichkeit und klinischem Nutzen [LL1, LL2].
  • Akute Exazerbation:
    • Eine relevante Verschlechterung von Husten, Sputummenge (Auswurfmenge) oder Sputumkonsistenz, Sputumpurulenz (Eitrigkeit des Auswurfs), Dyspnoe bzw. Belastbarkeit, Allgemeinzustand oder Hämoptysen (Bluthusten) erfordert eine zeitnahe klinische Beurteilung. Die gebräuchliche Konsensusdefinition umfasst die Verschlechterung von mindestens drei dieser Symptome über mindestens 48 Stunden mit erforderlicher Therapieänderung; bei schwerem Verlauf darf die Behandlung dadurch nicht verzögert werden [LL1].
    • Vor Antibiotikagabe möglichst Sputum (Auswurf) zur Erregeridentifikation und Resistenztestung gewinnen. Bei schwerem Verlauf beginnt die Therapie unmittelbar nach Probengewinnung [LL1, LL3].
    • Die kalkulierte Antibiotikawahl orientiert sich an früheren Sputumbefunden, bisherigen Resistenzen, vorausgegangenen Antibiotikatherapien und dem Schweregrad. Nach Vorliegen aktueller Ergebnisse wird die Therapie gezielt angepasst [LL1, LL3].
    • Eine pseudomonaswirksame Behandlung ist insbesondere bei bekanntem oder aktuell nachgewiesenem Pseudomonas aeruginosa erforderlich. Bei fehlendem entsprechenden Risiko können erregerspezifisch Aminopenicilline bzw. Aminopenicilline mit Beta-Laktamase-Inhibitor eingesetzt werden [LL1, LL3].
    • Bei Pseudomonas aeruginosa und bei schweren Exazerbationen beträgt die Behandlungsdauer in der Regel 14 Tage. Bei leichtem Verlauf ohne Pseudomonas aeruginosa und raschem Ansprechen kann eine kürzere Behandlung, z. B. über 7-10 Tage, individuell erwogen werden [LL1-LL3].
    • Eine intravenöse Behandlung kommt bei schwerem Verlauf, resistenten Erregern, fehlender geeigneter oraler Therapie oder unzureichendem Ansprechen auf die orale Behandlung infrage. Eine stationäre Aufnahme richtet sich nach klinischer Stabilität und Versorgungsmöglichkeiten [LL1, LL3].
    • Bei fehlender Besserung oder Verschlechterung sind Erregerbefund, Resistenz, Adhärenz und mögliche Komplikationen erneut zu prüfen [LL1, LL3].
  • Eradikation von Pseudomonas aeruginosa:
    • Bei erstmaligem Nachweis bzw. erneutem Nachweis nach längerem negativem Intervall sollte ein Eradikationsversuch angeboten werden [LL1, LL2].
    • Ein mögliches Regime ist Ciprofloxacin oral über 14 Tage bei empfindlichem Erreger. Je nach klinischer Situation kann eine intravenöse pseudomonaswirksame Therapie und/oder eine anschließende inhalative Antibiotikatherapie über etwa drei Monate gewählt werden. Ein einheitliches, für alle Patienten überlegenes Regime ist nicht etabliert [LL1, LL3].
    • Der Erfolg wird durch wiederholte Sputumkulturen kontrolliert. Die Entscheidung über einen erneuten Versuch erfolgt individuell [LL1].
  • Antibiotische Langzeittherapie:
    • Bei mindestens zwei Exazerbationen pro Jahr oder mindestens einer schweren Exazerbation sollte nach Optimierung der Basistherapie eine Langzeitbehandlung erwogen werden. Weitere Risikofaktoren und eine ausgeprägte tägliche Symptombelastung können die Entscheidung zusätzlich beeinflussen [LL1, LL2].
    • Bei chronischer Pseudomonas aeruginosa-Infektion und hohem Exazerbationsrisiko werden inhalative Antibiotika empfohlen. Azithromycin kann abhängig von Verträglichkeit, Behandlungsaufwand und bisherigem Ansprechen als Alternative oder im Einzelfall zusätzlich eingesetzt werden [LL1, LL2].
    • Ohne chronische Pseudomonas aeruginosa-Infektion ist Azithromycin eine bevorzugte Option zur Exazerbationsprävention. Der Nutzen von Makroliden ist auch bei chronischer Pseudomonas aeruginosa-Infektion belegt [10, LL1, LL2].
    • Vor einer Makrolid-Langzeittherapie sind eine Lungenerkrankung durch nichttuberkulöse Mykobakterien (NTM), kardiale Risiken, relevante Arzneimittelinteraktionen und Hörstörungen zu prüfen. Eine Makrolid-Monotherapie bei NTM-Lungenerkrankung ist wegen des Resistenzrisikos zu vermeiden [LL1, LL5].
    • Vor Therapiebeginn erfolgen Elektrokardiogramm (EKG), Kontrolle der Leberparameter und Beurteilung des Hörvermögens. EKG und Leberparameter werden nach etwa einem Monat kontrolliert; weitere Kontrollen erfolgen regelmäßig und bei relevanten Änderungen der Begleitmedikation [LL5].
    • Exazerbationen, Symptombelastung, Lebensqualität, Verträglichkeit und mikrobiologische Befunde werden dokumentiert. Der Nutzen einer Makrolidtherapie wird insbesondere nach sechs und zwölf Monaten beurteilt; bei fehlendem Nutzen oder relevanten Nebenwirkungen wird die Behandlung beendet [LL5].
    • Azithromycin zur Langzeitprävention und die hier genannten inhalativen Antibiotika bei nicht durch Mukoviszidose bedingten Bronchiektasen werden in der Regel als Off-Label-Use eingesetzt. Aufklärung und Dokumentation sind erforderlich [LL1].
  • Brensocatib:
    • Brensocatib ist seit November 2025 in der Europäischen Union (EU) zur Behandlung nicht durch Mukoviszidose bedingter Bronchiektasen bei Patienten ab zwölf Jahren mit mindestens zwei Exazerbationen in den vorangegangenen zwölf Monaten zugelassen [FI1].
    • Die zugelassene Dosis beträgt 25 mg einmal täglich. Die Auswahl erfordert keinen Nachweis eines bestimmten Entzündungsbiomarkers [FI1].
    • In der ASPEN-Studie verringerte Brensocatib 25 mg die jährliche Exazerbationsrate gegenüber Placebo um etwa 19 %. Die Behandlung ergänzt die individuell erforderliche Basis- und antiinfektive Therapie [12].
  • Bronchodilatatoren und Glukokortikoide:
    • Bronchodilatatoren werden bei zusätzlichem Asthma bronchiale (chronisch entzündliche Atemwegserkrankung mit anfallsweiser Verengung der Bronchien) oder chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) (chronische Lungenerkrankung mit dauerhaft verengten Atemwegen) entsprechend den jeweiligen Empfehlungen eingesetzt. Bei ausgeprägter Dyspnoe kann ein individuell kontrollierter Therapieversuch erfolgen [LL1, LL3].
    • Inhalative Glukokortikoide werden bei entsprechender Begleiterkrankung eingesetzt. Frühere Untersuchungen zu Fluticason zeigten Effekte auf einzelne Sekretparameter; eine routinemäßige Behandlung allein aufgrund von Bronchiektasen lässt sich daraus nicht ableiten [2, LL1, LL2].
    • Systemische Glukokortikoide sind auf eine eigenständige Indikation, z. B. eine Asthmaexazerbation (akute Verschlechterung des Asthmas) oder allergische bronchopulmonale Aspergillose (ABPA) (allergische Lungenerkrankung durch Schimmelpilze der Gattung Aspergillus), zu beschränken [LL1, LL4].
  • Ursachenspezifische Therapie:
    • Bei akuter ABPA sind Prednisolon oder Itraconazol mögliche Initialtherapien. Eine Kombination wird insbesondere bei wiederholten ABPA-Exazerbationen erwogen [LL4].
    • Bei gesichertem klinisch relevantem Antikörpermangel wird die Indikation zur Immunglobulinsubstitution immunologisch geprüft und die Behandlung anhand von Infektionsverlauf und Immunglobulin-G-Spiegeln (IgG) angepasst [LL1, FI5].
    • Bei Mukoviszidose erfolgt die Behandlung in einem spezialisierten Zentrum. Die Wirksamkeit inhalativen Aztreonams (Antibiotikum aus der Gruppe der Monobactame) wurde für diese Erkrankung untersucht; diese Ergebnisse sind populationsbezogen einzuordnen [8].

Wirkstoffe (Hauptindikationen)

Die Dosierungen gelten, soweit nicht anders angegeben, für Erwachsene mit ausreichender Organfunktion. Antibiotikadosen werden insbesondere an Nierenfunktion, Erregerempfindlichkeit, Infektionsschwere und die jeweilige Fachinformation angepasst. Die Abkürzungen p.o. und i.v. stehen für per os bzw. intravenös.

Beta-Laktam-Antibiotika – akute bakterielle Exazerbation

Wirkstoff Besonderheiten
Amoxicillin Bei empfindlichen Erregern, z. B. Haemophilus influenzae ohne Beta-Laktamase. Keine Pseudomonaswirksamkeit [LL3].
Amoxicillin/Clavulansäure Option bei Beta-Laktamase-bildenden Atemwegserregern. Keine Pseudomonaswirksamkeit [LL3].
Ceftriaxon Parenterale Option bei entsprechend empfindlichen Erregern. Keine Pseudomonaswirksamkeit [LL3].
Ceftazidim Pseudomonaswirksames Cephalosporin; Auswahl nach Erregerbefund und Resistenztestung [LL3].
Piperacillin/Tazobactam Pseudomonaswirksam bei empfindlichem Erreger. Bei schwerer Infektion ist eine verlängerte Infusion nach lokalem Protokoll zu erwägen [LL3, FI3].
Meropenem Reserveoption bei entsprechender Resistenzlage bzw. schwerem Verlauf; gezielte Deeskalation nach Erregerbefund [LL3].
  • Wirkweise: Hemmung der bakteriellen Zellwandsynthese; bakterizide Wirkung.
  • Indikationen: Akute bakterielle Exazerbation nach Erregerspektrum und Schweregrad; pseudomonaswirksame Substanzen außerdem im Rahmen ausgewählter Eradikationsregime [LL3].
  • Kontraindikationen: Überempfindlichkeit gegen den jeweiligen Wirkstoff; schwere unmittelbare Überempfindlichkeitsreaktionen gegen andere Beta-Laktam-Antibiotika sind substanzbezogen zu berücksichtigen. Amoxicillin/Clavulansäure ist bei vorausgegangener dadurch verursachter Leberfunktionsstörung kontraindiziert.
  • Nebenwirkungen: Allergische Reaktionen, Exanthem (Hautausschlag), Diarrhoe (Durchfall) einschließlich Clostridioides difficile-assoziierter Kolitis (durch Clostridioides difficile verursachte Dickdarmentzündung), Leberwerterhöhungen und Blutbildveränderungen; bei unzureichender Dosisanpassung insbesondere unter Cephalosporinen und Carbapenemen neurotoxische Reaktionen.

Fluorchinolone – gezielte orale pseudomonaswirksame Therapie

Wirkstoff Besonderheiten
Ciprofloxacin Nur bei geeigneter Indikation und empfindlichem Erreger. Bei Pseudomonas aeruginosa gewöhnlich 14 Tage. Nicht zuverlässig gegen Pneumokokken; Interaktionen und Einnahmeabstände zu mehrwertigen Kationen beachten [LL3, FI2].
  • Wirkweise: Hemmung bakterieller DNA-Gyrase und Topoisomerase IV; bakterizide Wirkung.
  • Indikationen: Orale Behandlung einer Exazerbation durch empfindliche gramnegative Erreger, insbesondere Pseudomonas aeruginosa; ausgewählte Eradikationsregime [LL3, FI2].
  • Kontraindikationen: Überempfindlichkeit gegen Chinolone; gleichzeitige Anwendung von Tizanidin. Nach schwerwiegenden Nebenwirkungen unter einem Chinolon bzw. Fluorchinolon ist eine erneute Anwendung grundsätzlich zu vermeiden [FI2].
  • Nebenwirkungen: Gastrointestinale Beschwerden, Tendinitis (Sehnenentzündung) und Sehnenruptur (Sehnenriss), periphere Neuropathie (Schädigung der Nerven außerhalb von Gehirn und Rückenmark), neuropsychiatrische Reaktionen, Dysglykämie (Störung des Blutzuckerspiegels) und Herzrhythmusstörungen. Seltene Nebenwirkungen können lang anhaltend bzw. irreversibel sein; Gefäß- und Herzklappenrisiken sowie die erhöhte Sehnengefährdung bei gleichzeitiger systemischer Glukokortikoidtherapie berücksichtigen [FI2].

Makrolide – antibiotische und immunmodulatorische Langzeittherapie

Wirkstoff Besonderheiten
Azithromycin Off-Label-Use zur Langzeitprävention. Vor Beginn NTM-Lungenerkrankung ausschließen, EKG und Leberparameter kontrollieren und Hörvermögen beurteilen. Nutzen nach sechs und zwölf Monaten überprüfen [3, 10, LL5].
  • Wirkweise: Hemmung der bakteriellen Proteinsynthese; zusätzlich immunmodulatorische und antiinflammatorische Effekte.
  • Indikationen: Exazerbationsprävention bei hohem Risiko trotz optimierter Basistherapie, mit oder ohne chronische Pseudomonas aeruginosa-Infektion [10, LL2].
  • Kontraindikationen: Makrolidüberempfindlichkeit; eine relevante QT-Verlängerung bzw. ein ausgeprägtes Risiko für ventrikuläre Arrhythmien (Herzrhythmusstörungen mit Ursprung in den Herzkammern) sprechen gegen den Beginn. Eine aktive NTM-Lungenerkrankung schließt die hier beschriebene Monotherapie aus [LL5].
  • Nebenwirkungen: Diarrhoe, Übelkeit, Leberfunktionsstörungen, Hörminderung, Tinnitus (Ohrgeräusche), QT-Verlängerung und Selektion resistenter Erreger. Bei Kombination mit inhalativen Aminoglykosiden ist insbesondere auf additive Innenohrtoxizität zu achten [LL1, LL5].

Inhalative Antibiotika – Suppression chronischer Atemwegsinfektionen

Wirkstoff Besonderheiten
Colistimethat-Natrium Vorstufe von Colistin; insbesondere bei chronischer Pseudomonas aeruginosa-Infektion. Für nicht durch Mukoviszidose bedingte Bronchiektasen in der Regel Off-Label-Use [6, 7, LL1].
Tobramycin Häufig zyklisch über 28 Behandlungstage mit anschließender 28-tägiger Pause; Regime individuell festlegen. Bei nicht durch Mukoviszidose bedingten Bronchiektasen Off-Label-Use [4, 5, LL1].
Gentamicin Off-Label-Use; in einer randomisierten Studie kontinuierlich über zwölf Monate untersucht. Geeignete Zubereitung und Verneblerkombination erforderlich [1, 9].
  • Wirkweise: Colistin schädigt die bakterielle Zellmembran; Tobramycin und Gentamicin hemmen die bakterielle Proteinsynthese. Ziel ist die lokale Verminderung der bakteriellen Last.
  • Indikationen: Chronische Atemwegsinfektion, insbesondere durch Pseudomonas aeruginosa, mit hohem Exazerbationsrisiko; außerdem ausgewählte Eradikationsregime. Eine aktuelle Metaanalyse bestätigt eine Verringerung der Exazerbationshäufigkeit und insbesondere schwerer Exazerbationen [11, LL2].
  • Kontraindikationen: Überempfindlichkeit gegen den jeweiligen Wirkstoff. Relevante Nierenfunktionsstörung, Innenohrschädigung und neuromuskuläre Erkrankungen (Erkrankungen von Nerven und Muskeln) erfordern insbesondere bei Aminoglykosiden eine sorgfältige individuelle Bewertung.
  • Nebenwirkungen: Husten, Dysphonie (Stimmstörung), Bronchospasmus (krampfartige Verengung der Bronchien) und lokale Reizung; unter Aminoglykosiden insbesondere bei Risikokonstellationen Oto- und Nephrotoxizität. Erstinhalation unter kontrollierten Bedingungen, bei Bedarf vorherige Bronchodilatation; Nierenfunktion und Hörvermögen risikoadaptiert überwachen [LL1, LL3].

Dipeptidylpeptidase-1-Inhibitor – antiinflammatorische Langzeittherapie

Wirkstoff Besonderheiten
Brensocatib Zugelassen ab zwölf Jahren bei mindestens zwei Exazerbationen in den vorangegangenen zwölf Monaten. Zusätzliche Arzneimittelüberwachung; Haut-, Zahnfleisch- und parodontale Beschwerden erfassen. Bei vergessener Einnahme keine doppelte Dosis [FI1].
  • Wirkweise: Reversible Hemmung der Dipeptidylpeptidase 1 (DPP1) und dadurch verminderte Aktivierung neutrophiler Serinproteasen [FI1].
  • Indikationen: Nicht durch Mukoviszidose bedingte Bronchiektasen entsprechend der Zulassung; Verminderung von Exazerbationen [12, FI1].
  • Kontraindikationen: Überempfindlichkeit. Die Anwendung in der Schwangerschaft und bei Frauen im gebärfähigen Alter ohne Kontrazeption wird nicht empfohlen; in der Stillzeit ist eine individuelle Entscheidung erforderlich. Bei Immunsuppression (Unterdrückung der körpereigenen Abwehr) bzw. ausgeprägter Neutropenie (Mangel an bestimmten weißen Blutkörperchen) besondere Vorsicht; attenuierte Lebendimpfstoffe während der Behandlung vermeiden [FI1].
  • Nebenwirkungen: Kopfschmerzen, Hyperkeratose (übermäßige Verhornung der Haut), Dermatitis (Hautentzündung), Exanthem, trockene Haut, Zahnfleisch- und parodontale Erkrankungen (Erkrankungen des Zahnhalteapparats) sowie Infektionen der oberen Atemwege. Pilzinfektionen und mögliche Veränderungen der Wirksamkeit begleitender Arzneimittel beachten [FI1].

Mukoaktive Inhalationstherapie – Unterstützung der Sekretmobilisation

Wirkstoff Besonderheiten
Natriumchlorid, isotonisch Individueller Therapieversuch zur Befeuchtung und Unterstützung der Sekretmobilisation; Volumen an Vernebler und Präparat anpassen [LL1].
Natriumchlorid, hypertonisch Bei erschwerter Expektoration; Konzentration nach Verträglichkeit. Vor Beginn kontrollierte Verträglichkeitsprüfung, ggf. vorherige Bronchodilatation [LL1, LL3].
  • Wirkweise: Befeuchtung bzw. osmotisch verstärkte Hydratation des Atemwegssekrets.
  • Indikationen: Erschwerte Sekretmobilisation trotz angeleiteter Atemphysiotherapie [LL1, LL2].
  • Kontraindikationen: Eine durch die Inhalation ausgelöste relevante Bronchokonstriktion (Verengung der Bronchien) erfordert Therapieanpassung bzw. Absetzen; bei ausgeprägter bronchialer Hyperreagibilität (übermäßiger Reizbarkeit der Bronchien) besondere Vorsicht.
  • Nebenwirkungen: Husten, thorakales Engegefühl (Engegefühl im Brustkorb), Atemwegsreizung und Bronchospasmus.

Wirkstoffe (Nebenindikationen)

Bronchodilatatoren – symptomatische Behandlung bei entsprechender Indikation

Wirkstoff Besonderheiten
Salbutamol Kurz wirksamer Beta2-Agonist; ggf. vor hypertoner Kochsalzlösung oder inhalativen Antibiotika. Häufiger Bedarf erfordert Überprüfung der Behandlung [FI4].
Ipratropiumbromid Kurz wirksames Anticholinergikum; Anwendung bei entsprechender obstruktiver Symptomatik [FI6].
  • Wirkweise: Salbutamol stimuliert Beta2-Rezeptoren; Ipratropiumbromid blockiert muskarinische Rezeptoren. Beide erweitern die Bronchien.
  • Indikationen: Bronchiale Obstruktion (Verengung der Atemwege) bzw. symptomatische Dyspnoe mit individuellem Ansprechen; Behandlung einer begleitenden obstruktiven Atemwegserkrankung. Eine erforderliche lang wirksame Therapie richtet sich nach der Begleiterkrankung [LL1, LL3].
  • Kontraindikationen: Wirkstoffüberempfindlichkeit; bei Salbutamol relevante Tachyarrhythmien (Herzrhythmusstörungen mit zu schnellem Herzschlag), bei Ipratropiumbromid Überempfindlichkeit gegen Atropinderivate. Bei Engwinkelglaukom (Form des grünen Stars mit verengtem Abflusswinkel im Auge) und Harnabflussstörung besondere Vorsicht [FI4, FI6].
  • Nebenwirkungen: Unter Salbutamol Tremor (Zittern), Palpitationen (Herzklopfen), Tachykardie (beschleunigter Herzschlag) und Hypokaliämie (Kaliummangel im Blut); unter Ipratropiumbromid Mundtrockenheit und Harnverhalt (Unfähigkeit, die Blase zu entleeren). Augenkontakt mit Ipratropium-Aerosol vermeiden [FI4, FI6].

Systemische Glukokortikoide – allergische bronchopulmonale Aspergillose

Wirkstoff Besonderheiten
Prednisolon Bei akuter ABPA; Verlaufskontrolle anhand klinischer, bildgebender und immunologischer Befunde. Nicht abrupt nach längerer Behandlung absetzen [LL4].
  • Wirkweise: Antiinflammatorische und immunsuppressive Wirkung.
  • Indikationen: Akute ABPA; andere eigenständige glukokortikoidpflichtige Begleiterkrankungen werden nach den jeweiligen Empfehlungen behandelt [LL4].
  • Kontraindikationen: Überempfindlichkeit; Infektionsrisiken und relevante Begleiterkrankungen müssen vor längerfristiger Anwendung berücksichtigt werden. Lebendimpfungen sind bei immunsuppressiver Dosierung kontraindiziert.
  • Nebenwirkungen: Hyperglykämie (erhöhter Blutzuckerspiegel), arterielle Hypertonie (Bluthochdruck), Gewichtszunahme, Osteoporose (Knochenschwund), psychische Veränderungen, Infektionen und Suppression der Nebennierenrindenfunktion.

Triazol-Antimykotika – allergische bronchopulmonale Aspergillose

Wirkstoff Besonderheiten
Itraconazol Alternative Initialtherapie der akuten ABPA bzw. Bestandteil einer Behandlung wiederholter Exazerbationen. Therapeutisches Arzneimittelmonitoring, Leberkontrollen und Interaktionsprüfung erforderlich; Formulierungen sind nicht dosisgleich austauschbar [LL4].
  • Wirkweise: Hemmung der pilzlichen Ergosterolsynthese und Verminderung der Aspergillus-Last in den Atemwegen.
  • Indikationen: ABPA nach fachärztlicher Indikationsstellung. Die alleinige Aspergillus-Isolation im Sputum begründet diese Therapie nicht [LL4].
  • Kontraindikationen: Überempfindlichkeit, relevante kontraindizierte Arzneimittelkombinationen und grundsätzlich eine bestehende ventrikuläre Funktionsstörung (Funktionsstörung der Herzkammern) bzw. Herzinsuffizienz (Herzschwäche), sofern keine zwingende Ausnahmeindikation vorliegt. Schwangerschaft berücksichtigen.
  • Nebenwirkungen: Gastrointestinale Beschwerden, Hepatotoxizität, Ödeme (Flüssigkeitseinlagerungen im Gewebe) und Herzinsuffizienz. Die Kombination mit bestimmten inhalativen oder systemischen Glukokortikoiden kann ein iatrogenes Cushing-Syndrom (durch eine Behandlung verursachte Erkrankung infolge übermäßiger Glukokortikoidwirkung) und eine Nebennierenrindeninsuffizienz (unzureichende Hormonproduktion der Nebennierenrinde) auslösen [LL4].

Immunglobuline – Substitution bei gesichertem Antikörpermangel

Wirkstoff Besonderheiten
Normales Immunglobulin vom Menschen Individuelle Einstellung anhand Infektionshäufigkeit, Verträglichkeit und IgG-Talspiegeln; keine pauschale Substitution bei jedem erniedrigten Immunglobulinwert [FI5].
  • Wirkweise: Ersatz fehlender funktioneller Antikörper.
  • Indikationen: Gesicherter behandlungsbedürftiger primärer bzw. ausgewählter sekundärer Antikörpermangel; immunologische Mitbetreuung [FI5].
  • Kontraindikationen: Überempfindlichkeit gegen das Präparat; bei selektivem Immunglobulin-A-Mangel mit Anti-IgA-Antikörpern besteht ein besonderes Risiko schwerer Überempfindlichkeitsreaktionen.
  • Nebenwirkungen: Infusionsreaktionen, Kopfschmerzen, Fieber, selten Thromboembolien (Gefäßverschlüsse durch verschleppte Blutgerinnsel), Hämolyse (Zerfall roter Blutkörperchen), aseptische Meningitis (nicht durch Bakterien verursachte Hirnhautentzündung) und akute Nierenschädigung [FI5].

Beachte

  • Erkrankungsspezifische Auswahl: Dornase alfa soll bei nicht durch Mukoviszidose bedingten Bronchiektasen nicht eingesetzt werden. Mannitol ist hierfür keine etablierte Standardtherapie [LL1, LL2].
  • Antibiotikatherapie: Inhalative Antibiotika zur Langzeitbehandlung ersetzen bei einer behandlungsbedürftigen akuten bakteriellen Exazerbation nicht die erforderliche systemische Therapie [LL1, LL3].
  • Langzeitbehandlung: Therapieentscheidungen beruhen auf dokumentiertem klinischem Nutzen und Verträglichkeit. Ein starres Abbruchkriterium nach drei Monaten ist für sämtliche Wirkstoffgruppen nicht angemessen [LL1, LL5].
  • Infektionsprävention: Impfungen erfolgen entsprechend Alter, Grunderkrankungen und aktuellen Empfehlungen. Unter Brensocatib sind attenuierte Lebendimpfstoffe zu vermeiden [LL1, FI1].

Red Flags (Warnzeichen) bei Bronchiektasen

  • Ausgeprägte oder zunehmende Hämoptysen, Atemnot in Ruhe, Zyanose (bläuliche Verfärbung von Haut oder Schleimhäuten) oder neu auftretende Hypoxämie (Sauerstoffmangel im Blut): sofortige Notfallbeurteilung.
  • Kreislaufinstabilität, Bewusstseinsveränderung oder klinischer Verdacht auf Sepsis (lebensbedrohliche Organschädigung durch eine fehlgesteuerte Reaktion auf eine Infektion): unverzügliche stationäre Behandlung.
  • Rasche Verschlechterung oder fehlendes Ansprechen auf die Behandlung: erneute klinische und mikrobiologische Bewertung sowie Prüfung einer intravenösen bzw. stationären Therapie [LL1, LL3].

Supplemente (Nahrungsergänzungsmittel; Vitalstoffe)

Geeignete Nahrungsergänzungsmittel für das Immunsystem sollten die folgenden Vitalstoffe enthalten:

  • Vitamine (A, C, E, D3, B1, B2, Niacin (Vitamin B3), Pantothensäure (Vitamin B5), B6, B12, Folsäure, Biotin)
  • Spurenelemente (Chrom, Eisen, Kupfer, Mangan, Molybdän, Selen, Zink)
  • Fettsäuren (Omega-3-Fettsäuren: Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA))
  • Sekundäre Pflanzenstoffe (Beta-Carotin, Flavonoide (Citrusfrüchte), Lycopin (Tomaten), Proanthocyanidine (Cranberrys), Polyphenole)
  • Weitere Vitalstoffe (probiotische Kulturen: Laktobazillen, Bifidobakterien)

Beachte: Die aufgeführten Vitalstoffe sind kein Ersatz für eine medikamentöse Therapie. Nahrungsergänzungsmittel sind dazu bestimmt, die allgemeine Ernährung in der jeweiligen Lebenssituation zu ergänzen.

Für Fragen zum Thema Nahrungsergänzungsmittel stehen wir Ihnen gerne kostenfrei zur Verfügung.

Nehmen Sie bei Fragen dazu bitte per E-Mail – info@docmedicus.de – Kontakt mit uns auf, und teilen Sie uns dabei Ihre Telefonnummer mit und wann wir Sie am besten erreichen können.

Verzeichnis der Abkürzungen

  • ABPA: allergische bronchopulmonale Aspergillose
  • ASPEN: Studienbezeichnung der Phase-III-Studie zu Brensocatib
  • AWMF: Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften
  • COPD: chronic obstructive pulmonary disease; chronisch obstruktive Lungenerkrankung
  • DHA: Docosahexaensäure
  • DNA: Desoxyribonukleinsäure
  • DPP1: Dipeptidylpeptidase 1
  • EKG: Elektrokardiogramm
  • EPA: Eicosapentaensäure
  • EU: Europäische Union
  • FI: Fachinformation
  • IgA: Immunglobulin A
  • IgG: Immunglobulin G
  • i.v.: intravenös
  • LL: Leitlinie
  • NTM: nichttuberkulöse Mykobakterien
  • p.o.: per os
  • QT: QT-Intervall im Elektrokardiogramm
  • S2k: Stufe 2, konsensbasierte Leitlinie

Literatur

  1. Murray MP, Govan JR, Doherty CJ et al.: A randomized controlled trial of nebulized gentamicin in non-cystic fibrosis bronchiectasis. Am J Respir Crit Care Med. 2011;183(4):491-499. doi:10.1164/rccm.201005-0756OC
  2. Tsang KW, Tan KC, Ho PL et al.: Inhaled fluticasone in bronchiectasis: a 12 month study. Thorax. 2005;60(3):239-243. doi:10.1136/thx.2002.003236
  3. Anwar GA, Bourke SC, Afolabi G et al.: Effects of long-term low-dose azithromycin in patients with non-CF bronchiectasis. Respir Med. 2008;102(10):1494-1496. doi:10.1016/j.rmed.2008.06.005
  4. Drobnic ME, Suñé P, Montoro JB et al.: Inhaled tobramycin in non-cystic fibrosis patients with bronchiectasis and chronic bronchial infection with Pseudomonas aeruginosa. Ann Pharmacother. 2005;39(1):39-44. doi:10.1345/aph.1E099
  5. Scheinberg P, Shore E: A pilot study of the safety and efficacy of tobramycin solution for inhalation in patients with severe bronchiectasis. Chest. 2005;127(4):1420-1426. doi:10.1016/S0012-3692(15)34496-2
  6. Steinfort DP, Steinfort C: Effect of long-term nebulized colistin on lung function and quality of life in patients with chronic bronchial sepsis. Intern Med J. 2007;37(7):495-498. doi:10.1111/j.1445-5994.2007.01404.x
  7. Dhar R, Anwar GA, Bourke SC et al.: Efficacy of nebulised colomycin in patients with non-cystic fibrosis bronchiectasis colonised with Pseudomonas aeruginosa. Thorax. 2010;65(6):553. PubMed
  8. McCoy KS, Quittner AL, Oermann CM et al.: Inhaled aztreonam lysine for chronic airway Pseudomonas aeruginosa in cystic fibrosis. Am J Respir Crit Care Med. 2008;178(9):921-928. doi:10.1164/rccm.200712-1804OC
  9. Antoniu SA, Trofor AC: Inhaled gentamicin in non-cystic fibrosis bronchiectasis: effects of long-term therapy. Expert Opin Pharmacother. 2011;12(7):1191-1194. doi:10.1517/14656566.2011.563735
  10. Chalmers JD, Boersma W, Lonergan M et al.: Long-term macrolide antibiotics for the treatment of bronchiectasis in adults: an individual participant data meta-analysis. Lancet Respir Med. 2019;7(10):845-854. doi:10.1016/S2213-2600(19)30191-2
  11. Cordeiro R, Choi H, Haworth CS, Chalmers JD: The Efficacy and Safety of Inhaled Antibiotics for the Treatment of Bronchiectasis in Adults: Updated Systematic Review and Meta-Analysis. Chest. 2024;166(1):61-80. doi:10.1016/j.chest.2024.01.045
  12. Chalmers JD, Burgel PR, Daley CL et al.: Phase 3 Trial of the DPP-1 Inhibitor Brensocatib in Bronchiectasis. N Engl J Med. 2025;392(16):1569-1581. doi:10.1056/NEJMoa2411664

Leitlinien

  1. S2k-Leitlinie: Management erwachsener Patientinnen und Patienten mit Bronchiektasen-Erkrankung. (AWMF-Registernummer: 020-030), Mai 2024, Version 1.2. Langfassung [LL1]
  2. Chalmers JD, Haworth CS, Flume P et al.: European Respiratory Society clinical practice guideline for the management of adult bronchiectasis. Eur Respir J. 2025;66(6):2501126. doi:10.1183/13993003.01126-2025 [LL2]
  3. Hill AT, Sullivan AL, Chalmers JD et al.: British Thoracic Society Guideline for bronchiectasis in adults. Thorax. 2019;74(Suppl 1):1-69. doi:10.1136/thoraxjnl-2018-212463 [LL3]
  4. Agarwal R, Sehgal IS, Muthu V et al.: Revised ISHAM-ABPA working group clinical practice guidelines for diagnosing, classifying and treating allergic bronchopulmonary aspergillosis/mycoses. Eur Respir J. 2024;63(4):2400061. doi:10.1183/13993003.00061-2024 [LL4]
  5. Smith D, Du Rand IA, Addy C et al.: British Thoracic Society guideline for the use of long-term macrolides in adults with respiratory disease. Thorax. 2020;75(5):370-404. doi:10.1136/thoraxjnl-2019-213929 [LL5]

Fachinformationen

  1. Brinsupri 25 mg Filmtabletten: Fachinformation, September 2026. Fachinformation; European Medicines Agency: Produktinformation [FI1]
  2. Ciprofloxacin-ratiopharm Filmtabletten: Fachinformation. Fachinformation [FI2]
  3. Piperacillin/Tazobactam Stragen 4 g/0,5 g: Fachinformation. Fachinformation [FI3]
  4. Salbutamol-ratiopharm N Dosieraerosol: Fachinformation. Fachinformation [FI4]
  5. Octagam 10 %: Fachinformation, April 2025. Fachinformation [FI5]
  6. Atrovent N Dosier-Aerosol: Fachinformation. Fachinformation [FI6]