Leberschrumpfung (Leberzirrhose) – Differentialdiagnosen
Angeborene Fehlbildungen, Deformitäten und Chromosomenanomalien (Q00-Q99)
- Kongenitale hepatische Fibrose (angeborene Vernarbung der Leber) – nichtzirrhotische portale Fibrose (Vernarbung im Bereich der Pfortaderäste) infolge einer Duktalplattenmalformation (Fehlbildung der Gallenwegsanlage); insbesondere bei jüngeren Patienten mit Portalhypertonie (erhöhtem Druck im Pfortadersystem) und vergleichsweise erhaltener hepatischer Synthesefunktion (Bildungsleistung der Leber) abzugrenzen
Herzkreislaufsystem (I00-I99)
- Budd-Chiari-Syndrom (Verschluss der Lebervenen) – hepatische venöse Abflussstörung (Störung des venösen Blutabflusses aus der Leber) mit Hepatomegalie (Lebervergrößerung), Aszites (Bauchwassersucht) und Portalhypertonie; bei chronischem Verlauf kann eine zirrhoseähnliche Lebermorphologie (einer Leberzirrhose ähnliche Lebergestalt) entstehen
- Pfortaderthrombose (Blutgerinnsel in der Pfortader) mit kavernöser Transformation (Ausbildung von Umgehungsgefäßen um die verschlossene Pfortader) – prähepatische Ursache einer nichtzirrhotischen Portalhypertonie; Abgrenzung insbesondere durch Doppler- und Schnittbildgebung
Infektiöse und parasitäre Krankheiten (A00-B99)
- Hepatosplenische Schistosomiasis (Bilharziose mit Befall von Leber und Milz) – relevante Ursache einer nichtzirrhotischen Portalhypertonie bei entsprechender Expositions- bzw. Reiseanamnese; typischerweise periportale Fibrose (Vernarbung um die Pfortaderäste) bei relativ erhaltener Leberzellfunktion
Leber, Gallenblase und Gallenwege – Pankreas (Bauchspeicheldrüse) (K70-K77; K80-K87)
- Akutes Leberversagen (plötzliches Versagen der Leberfunktion) – bei Ikterus (Gelbsucht), Koagulopathie (Blutgerinnungsstörung) und hepatischer Enzephalopathie (durch Leberversagen bedingter Hirnfunktionsstörung) ohne gesicherte vorbestehende chronische Lebererkrankung von einer dekompensierten Leberzirrhose (fortgeschrittenen Lebervernarbung mit Funktionsverlust) abzugrenzen
- Fortgeschrittene Leberfibrose (ausgeprägte Lebervernarbung) ohne Zirrhose – insbesondere bei grenzwertigen morphologischen oder elastographischen Befunden von einer manifesten Zirrhose (narbig umgebauten Leber) abzugrenzen
- Kongestive Hepatopathie (Stauungsleber) – chronische venöse Leberstauung, insbesondere bei Rechtsherzinsuffizienz (Schwäche der rechten Herzhälfte) oder konstriktiver Perikarditis (einengender Herzbeutelentzündung); kann durch erhöhte Lebersteifigkeit und knotige Leberkontur eine Zirrhose imitieren
- Porto-sinusoidale vaskuläre Erkrankung (Gefäßerkrankung der kleinen Pfortaderäste und Lebersinusoide) (PSVD; porto-sinusoidal vascular disorder) – wichtige Ursache einer nichtzirrhotischen intrahepatischen Portalhypertonie (erhöhtem Pfortaderdruck innerhalb der Leber); umfasst charakteristische mikrovaskuläre Veränderungen einschließlich obliterativer Portalvenopathie (verschließender Erkrankung kleiner Pfortaderäste) und nodulärer regenerativer Hyperplasie (knotiger gutartiger Vermehrung von Leberzellen); Zirrhose muss histologisch ausgeschlossen sein
- Sinusoidales Obstruktionssyndrom (Verschlusskrankheit der kleinen Lebergefäße) – sinusoidale bzw. postsinusoidale Abflussstörung mit Hepatomegalie, Aszites und Portalhypertonie, insbesondere nach hämatopoetischer Stammzelltransplantation (Übertragung blutbildender Stammzellen) oder bestimmten antineoplastischen Therapien (Krebsbehandlungen)
Neubildungen – Tumorerkrankungen (C00-D48)
- Pseudocirrhose (scheinbare Leberzirrhose) bei metastatischer Tumorerkrankung (Krebserkrankung mit Tochtergeschwülsten) – zirrhoseähnlicher radiologischer Umbau der Leber, insbesondere bei ausgedehnten Lebermetastasen (Tochtergeschwülsten in der Leber) und unter bzw. nach systemischer Tumortherapie; am häufigsten bei metastasiertem Mammakarzinom (Brustkrebs) beschrieben