Mangan

Mangan (Mn) ist ein essentielles Spurenelement (lebenswichtiger Mineralstoff in sehr kleinen Mengen), das als Cofaktor (Hilfsstoff) zahlreicher Enzyme (Eiweiße) eine zentrale Rolle im Kohlenhydrat-, Aminosäure- und Lipidstoffwechsel (Stoffwechsel von Zucker, Eiweißen und Fetten) sowie im antioxidativen Schutzsystem (Schutz vor Zellschäden) (z. B. Mangan-Superoxiddismutase) spielt. In der klinischen Labordiagnostik (medizinische Laboruntersuchungen) dient die Bestimmung von Mangan primär der Expositions- und Intoxikationsdiagnostik (Nachweis einer Belastung oder Vergiftung) sowie in speziellen Fällen der Abklärung eines Mangels.

Synonyme

  • Mangan (Mn)
  • Mangan im Vollblut
  • Mangan im Serum
  • Mangan im Urin

Das Verfahren

  • Benötigtes Material
    • Vollblut (EDTA- oder Heparinblut; bevorzugt aufgrund intrazellulärer Verteilung (Verteilung innerhalb der Zellen))
    • Serum (eingeschränkt geeignet)
    • Urin (zur Expositionsbeurteilung (Beurteilung der Belastung), v. a. arbeitsmedizinisch)
  • Vorbereitung des Patienten
    • Keine spezielle Vorbereitung erforderlich
    • Kontaminationsvermeidung (Vermeidung von Verunreinigungen; spurenelementfreie Entnahmesysteme)
  • Störfaktoren
    • Kontamination (Verunreinigung) durch Probenentnahme (z. B. Metallkanülen, ungeeignete Röhrchen)
    • Hämolyse (Auflösung roter Blutkörperchen) (Freisetzung intrazellulären Mangans)
    • Parenterale Ernährung (künstliche Ernährung über die Vene)
    • Leberfunktionsstörungen (Erkrankungen der Leberfunktion) (veränderte biliäre Elimination (Ausscheidung über die Galle))
  • Methode
    • Atomabsorptionsspektrometrie (AAS) (Messverfahren zur Bestimmung von Spurenelementen)
    • Induktiv gekoppelte Plasma-Massenspektrometrie (ICP-MS) (Messverfahren mit hoher Genauigkeit; Referenzmethode)

Normbereiche (je nach Labor)

Subgruppe / Material Referenzbereich
Vollblut 7-11 µg/l
Serum 0,4-1,0 µg/l
Urin (Spontanurin) < 1,0 µg/l

Normbereiche sind methoden- und laborabhängig

Indikationen 

  • Diagnostik (Untersuchung) bei Verdacht auf chronische Manganintoxikation (Manganvergiftung) (z. B. berufliche Exposition (Belastung))
  • Arbeitsmedizinisches Biomonitoring (Überwachung von Schadstoffbelastungen am Arbeitsplatz)
  • Abklärung neurologischer Symptome (Beschwerden des Nervensystems) unklarer Genese (Ursache) (Parkinsonoid (Parkinson-ähnliche Symptome))
  • Selten: Diagnostik (Untersuchung) bei Verdacht auf Manganmangel (z. B. bei langfristiger parenteraler Ernährung (künstliche Ernährung über die Vene))

Interpretation

  • Erhöhte Werte
    • Chronische inhalative Exposition (Einatmen von Schadstoffen) (Schweißer, Metallindustrie)
    • Leberinsuffizienz (Leberfunktionsschwäche) (verminderte biliäre Ausscheidung (Ausscheidung über die Galle))
    • Eisenmangel (verminderter Eisenspiegel) (erhöhte intestinale Resorption (Aufnahme im Darm))
    • Parenterale Überversorgung (zu hohe Zufuhr über die Vene)
  • Erniedrigte Werte
    • Langfristige parenterale Ernährung (künstliche Ernährung über die Vene) ohne ausreichende Supplementierung (Nährstoffzufuhr)
    • Malnutrition/Malabsorption (Mangelernährung bzw. gestörte Nährstoffaufnahme)
  • Spezifische Konstellationen
    • Neurologische Symptomatik (Beschwerden des Nervensystems) (Manganenzephalopathie (Hirnschädigung durch Mangan)) bei erhöhten Vollblutwerten
    • Diskrepanz (Unterschied) zwischen Serum und Vollblut durch intrazelluläre Verteilung (Verteilung innerhalb der Zellen)

Weiterführende Diagnostik

  • Bestimmung weiterer Spurenelemente (z. B. Eisenstatus (Eisenwerte im Körper))
  • Leberparameter – Alanin-Aminotransferase (ALT, GPT), Aspartat-Aminotransferase (AST, GOT), Gamma-Glutamyl-Transferase (GGT), Bilirubin
  • Magnetresonanztomographie (MRT) (Kernspintomographie) des Gehirns bei neurologischer Symptomatik (Beschwerden des Nervensystems) (typische T1-Hyperintensitäten (auffällige Signalveränderungen) in den Basalganglien (tiefe Hirnstrukturen))
  • Arbeitsmedizinische Expositionsanamnese (Erhebung der beruflichen Belastungsgeschichte)

Klinische Hinweise

  • Manganintoxikation (Manganismus)

    • Chronische Exposition (langfristige Belastung) führt zu einer neurotoxischen Akkumulation (Anreicherung im Nervensystem), insbesondere in den Basalganglien (tiefe Hirnstrukturen)
    • Leitsymptome:
      • Extrapyramidale Störungen (Bewegungsstörungen außerhalb der willkürlichen Motorik) (Parkinsonoid: Rigor (Muskelsteifigkeit), Tremor (Zittern), Bradykinese (verlangsamte Bewegungen))
      • Gangstörungen (Störungen des Gehens) („cock-walk“)
      • Neuropsychiatrische Veränderungen (Veränderungen von Verhalten und Denken) (Reizbarkeit, kognitive Defizite (Einschränkung der geistigen Leistungsfähigkeit))
    • Abgrenzung zum idiopathischen Morbus Parkinson (klassische Parkinson-Erkrankung): häufig fehlendes Ansprechen auf L-Dopa
  • Risikokonstellationen für erhöhte Manganwerte

    • Chronische inhalative Exposition (Einatmen von Schadstoffen) (z. B. Schweißarbeiten, Metallindustrie)
    • Leberinsuffizienz (Leberfunktionsschwäche) (verminderte biliäre Elimination (Ausscheidung über die Galle) → Akkumulation (Anreicherung))
    • Langfristige parenterale Ernährung (künstliche Ernährung über die Vene) (insbesondere ohne Monitoring (regelmäßige Kontrolle))
    • Eisenmangel (verminderter Eisenspiegel) (kompetitive, erhöhte intestinale Aufnahme (Aufnahme im Darm))
  • Manganmangel

    • Klinisch selten
    • Mögliche Assoziationen:
      • Störungen des Knochenstoffwechsels (Knochenumbau)
      • Beeinträchtigung enzymatischer Prozesse (Stoffwechselreaktionen)
  • Bedarf und Zufuhr

    • Der tägliche Bedarf an Mangan liegt bei Erwachsenen bei etwa 2,0-5,0 mg/d
    • Eine klinisch relevante Mangelsituation ist bei ausgewogener Ernährung selten.

Literatur

  1. Erikson KM, Aschner M. Manganese neurotoxicity and glutamate-GABA interaction. Neurochem Int. 2003;43(4-5):475-480. https://doi.org/10.1016/S0197-0186(03)00037-8
  2. Chen P, Bornhorst J, Aschner M. Manganese metabolism in humans. Front Biosci (Landmark Ed). 2018;23:1655-1679. https://doi.org/10.2741/4665
  3. Harischandra DS, Ghaisas S, Zenitsky G, Jin H, Kanthasamy A, Anantharam V, Kanthasamy AG. Manganese-Induced Neurotoxicity: New Insights Into the Triad of Protein Misfolding, Mitochondrial Impairment, and Neuroinflammation. Front Neurosci. 2019;13:654. https://doi.org/10.3389/fnins.2019.00654