Urin-Albumin-Kreatinin-Ratio (UACR)

Der Urin-Albumin-Kreatinin-Ratio (UACR) ist ein standardisierter Laborparameter (Messwert aus dem Labor), der das Verhältnis von Albumin (Eiweiß) zu Kreatinin (Abbauprodukt des Muskelstoffwechsels) im Urin bestimmt.

Berechnung des Quotienten

  • UACR = Albumin im Urin (Eiweiß im Urin) / Kreatinin im Urin (Abbauprodukt des Muskelstoffwechsels im Urin)
  • Konventionelle Einheit:
    • UACR (mg/g) = Albumin im Urin (mg/L) / Kreatinin im Urin (g/L)
  • SI-Einheit:
    • UACR (mg/mmol) = Albumin im Urin (mg/L) / Kreatinin im Urin (mmol/L)
  • Angabe üblicherweise als mg Albumin/g Kreatinin, alternativ mg/mmol
  • Beispiel: 20 mg/L Albumin und 1,0 g/L Kreatinin entsprechen einem UACR von 20 mg/g

Synonyme

  • Urin-Albumin-Kreatinin-Quotient (UACR)
  • Albumin-Kreatinin-Quotient im Urin
  • Albumin-Kreatinin-Ratio im Urin
  • Urin-Albumin-Kreatinin-Verhältnis
  • Albumin-Kreatinin-Verhältnis im Urin
  • Albumin-to-Creatinine Ratio (ACR) (englische Bezeichnung)
  • Urine Albumin-to-Creatinine Ratio (UACR) (englische Langform)

Der UACR dient der Erkennung und Verlaufskontrolle von Nierenerkrankungen, insbesondere bei Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), Hypertonie (Bluthochdruck) und chronischer Nierenerkrankung (chronische Nierenschwäche, CKD).

Im gesunden Zustand findet sich nur sehr wenig Albumin im Urin, da die glomeruläre Filtrationsbarriere (Filterfunktion der Nierenkörperchen) den Albuminübertritt weitgehend verhindert und filtriertes Albumin zusätzlich tubulär rückresorbiert wird (in den Nierenkanälchen wieder aufgenommen wird). Eine Erhöhung des UACR zeigt frühe glomeruläre Schäden (Schäden an den Nierenkörperchen) an und ist mit einem erhöhten Risiko für das Fortschreiten der Nierenerkrankung sowie kardiovaskuläre Ereignisse (Herz-Kreislauf-Ereignisse) assoziiert.

Das Verfahren

Benötigtes Material

  • Spontanurin (einzelne Urinprobe; Morgenurin bevorzugt)
  • Alternativ: 24-Stunden-Sammelurin (Urin, der über 24 Stunden gesammelt wird; zur Bestätigung oder bei speziellen Fragestellungen)

Vorbereitung des Patienten

  • Keine spezielle Vorbereitung notwendig
  • Vermeidung intensiver körperlicher Belastung vor der Urinabgabe

Störfaktoren

  • Akute Harnwegsinfekte (Blasenentzündung)
  • Menstruation (Regelblutung; Verunreinigung des Urins)
  • Intensive körperliche Anstrengung vor der Urinabgabe
  • Hämaturie (Blut im Urin) oder Leukozyturie (weiße Blutkörperchen im Urin)
  • Fieber, akute Erkrankungen
  • Fehlerhafte Urinsammlung

Methode

  • Albuminbestimmung:
    • Immunturbidimetrie
    • Immunnephelometrie
    • Enzymimmunoassay (ELISA)
  • Kreatininbestimmung:
    • Jaffé-Methode
    • Enzymatische Kreatininbestimmung
  • Automatisierte Quotientenberechnung im Laborinformationssystem (computergestützte Auswertung im Labor)

Normwert – UACR (mg Albumin/g Kreatinin)

UACR (mg/g) Beurteilung
< 30 A1 – normal bis leicht erhöht
30-300 A2 – moderat erhöht
> 300 A3 – stark erhöht

Indikationen

  • Screening und Verlaufskontrolle bei Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) Typ 1 und Typ 2
  • Verdacht auf hypertensive Nephropathie (Nierenschädigung durch Bluthochdruck)
  • Verlaufskontrolle bei chronischer Nierenerkrankung (chronische Nierenschwäche, CKD)
  • Risikostratifizierung für kardiovaskuläre Ereignisse (Abschätzung des Risikos für Herz-Kreislauf-Erkrankungen)
  • Kontrolle nach Nierentransplantation (Überwachung nach Nierenverpflanzung)

Interpretation

Interpretation erhöhter Werte

  • A2 (30-300 mg/g) – Hinweis auf frühe glomeruläre Schädigung (frühe Schädigung der Nierenkörperchen), z. B. bei:
    • Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) (diabetische Nephropathie – Nierenschädigung bei Diabetes)
    • Hypertonie (Bluthochdruck)
    • Glomerulonephritiden (Entzündungen der Nierenkörperchen)
    • Herzinsuffizienz (Herzschwäche)
    • Systemische Erkrankungen (Erkrankungen des gesamten Körpers) (z. B. Lupus erythematodes [Autoimmunerkrankung])
  • A3 (> 300 mg/g) – manifester glomerulärer Schaden (ausgeprägte Schädigung der Nierenkörperchen) mit Risiko für:
    • Progression zur terminalen Niereninsuffizienz (fortschreitende Entwicklung zur endgültigen Nierenschwäche)
    • Kardiovaskuläre Komplikationen (Herz-Kreislauf-Komplikationen)

Interpretation erniedrigter Werte

  • < 30 mg/g – Normbereich
  • Erniedrigte Werte sind nicht krankheitsrelevant

Weitere Hinweise

  • Bei erstmalig erhöhtem UACR ist eine Bestätigung erforderlich
  • Persistierende Albuminurie (anhaltende Eiweißausscheidung im Urin): ≥ 2 von 3 Messungen über ≥ 3 Monate erhöht
  • Zur Bestätigung bevorzugt erste Morgenurinprobe verwenden
  • Geringgradige Albuminurie (leicht erhöhte Eiweißausscheidung im Urin) ist bereits mit erhöhter kardiovaskulärer Mortalität (Sterblichkeit durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen) assoziiert
  • Die kombinierte Bewertung von UACR und eGFR (geschätzte glomeruläre Filtrationsrate [berechnete Nierenleistung]) ist essenziell für die Prognoseeinschätzung
  • Persistierende Albuminurie erfordert eine nephrologische Abklärung (Vorstellung beim Nierenspezialisten)