Brustkrebs (Mammakarzinom) – Ursachen

Pathogenese (Krankheitsentstehung)

Es ist nicht genau geklärt, welche Ursachen für die Entstehung des Mammakarzinoms verantwortlich sind. Meist tritt die Erkrankung spontan auf.
Mehr noch als für die familiären Formen des Mammakarzinoms sind Gendefekte für die spontane Entstehung dieses Karzinoms verantwortlich. Bei 40 Prozent der Patientinnen mit Mammakarzinom ist eine p53-Mutation als erworbener Defekt vorhanden

Weiterhin ist das Mammakarzinom meist (> 50 %) eine hormonabhängige Erkrankung

Das Karzinom entwickelt sich über In-situ-Stadien. Ob sich ein Karzinom aus normalen Zellen oder schon primär atypisch veränderten Zellen entwickelt, ist noch unklar.  

80 Prozent der Mammakarzinome gehen von den luminalen Zellen aus (= luminale Mammakarzinome) – den Milch-produzierenden Zellen der Brustdrüse. 10 Prozent bilden sich in der dahinterliegenden (basalen) Zellschicht (= basale Mammakarzinome).
Die luminalen Mammakarzinome sind meist hormonempfindlich, dagegen sind 80 Prozent der basalen Mammakarzinome triple-negativ (dreifach negativer Brustkrebs).
Triple-negativ heißt, dass sowohl Östrogen- als auch Progesteron- sowie HER2/neu-Rezeptoren fehlen.

Ätiologie (Ursachen)

Biographische Ursachen

  • Genetische Belastung
    • Ca. 30 % aller Patientinnen mit Mammakarzinom weisen eine familiäre Belastung auf.
    • Bei Geschwistern oder Töchtern von Frauen mit Mammakarzinom
    • Genetisches Risiko abhängig von Genpolymorphismen:
      • Gene/SNPs (Einzelnukleotid-Polymorphismus; engl.: single nucleotide polymorphism):
        • Gene: BRCA1, BRCA2, CASP8, FGFR2, GPX4, PALB2, PLSCR3, XXCC2
        • SNP: rs796856605 im Gen BRCA1
          • Allel-Konstellation: DI (BRCA1-Mutation)
          • Allel-Konstellation: DD (BRCA1-Mutation)
        • SNP: rs80357906 im Gen BRCA1
          • Allel-Konstellation: DI (BRCA1-Mutation)
          • Allel-Konstellation: DD (BRCA1-Mutation)
        • SNP: rs80359550 im Gen BRCA2
          • Allel-Konstellation: DI (BRCA2-Mutation)
          • Allel-Konstellation: DD (BRCA2-Mutation)
        • SNP: rs180177102 im Gen PALB2
          • Allel-Konstellation: DI (3-5-fach)
        • SNP: rs2981582 im Gen FGFR2
          • Allel-Konstellation: CT (1,3-fach für ER+ Mammakarzinom, 1,08-fach für ER- Mammakarzinom)
          • Allel-Konstellation: TT (1,7-fach für ER+ Mammakarzinom, 1,17-fach für ER- Mammakarzinom)
        • SNP: rs3803662 im Gen PLSCR3
          • Allel-Konstellation: TT (1,6-fach)
        • SNP: rs889312 in einer intergenischen Region
          • Allel-Konstellation: AC (1,22-fach)
          • Allel-Konstellation: CC (1,5-fach)
        • SNP: rs713041 im Gen GPX4
          • Allel-Konstellation: CT (1,3-fach)
          • Allel-Konstellation: TT (1,3-fach)
        • SNP: rs1045485 im Gen CASP8
          • Allel-Konstellation: CG (0,89-fach)
          • Allel-Konstellation: CC (0,74-fach)
        • SNP: rs3218536 im Gen XXCC2
          • Allel-Konstellation: AG (0,79-fach)
          • Allel-Konstellation: AA (0,62-fach)
      • Bei Mutationen im BRCA1- oder BRCA2-Gen liegt ein 2 bis 9-fach erhöhtes Risiko vor, zu erkranken [2]!
        Bei Frauen mit einer BRCA-Mutation beträgt das Risiko – im Laufe des Lebens (Lebenszeitrisiko) – an einem Mammakarzinom zu erkranken, circa 60 bis 80 %.
        Das Risiko, an einem Ovarialkarzinom (Eierstockkrebs) zu erkranken, beträgt für Trägerinnen der BRCA1-Mutation circa 40 bis 60 Prozent und bei Trägerinnen der BRCA2-Mutation circa 10 bis 30 %. 
        Bei Frauen mit einer BRCA1-Mutation erhöht eine einzelne Schwangerschaft das Mammakarzinomrisiko, bei weiteren Schwangerschaften sinkt das Risiko wieder. Ebenfalls senke