Tennisellenbogen/Golferellenbogen (Epicondylitis humeri) – Medikamentöse Therapie

Therapieziele

  • Verbesserung der Symptomatik, d. h. Schmerzlinderung und Verbesserung der Funktion
  • Wiederherstellung der schmerzarmen Belastbarkeit im Alltag und Beruf

Therapieempfehlungen

  • Die nachfolgenden Evidenzaussagen beziehen sich überwiegend auf die Epicondylitis humeri radialis (Tennisellenbogen) bzw. laterale Ellenbogentendinopathie (Sehnenerkrankung an der Außenseite des Ellenbogens) [9, LL1, LL2].
  • Aufklärung, Belastungsanpassung und eine individuell dosierte aktive Übungstherapie bilden die Grundlage der konservativen Behandlung. Für die subakute und chronische laterale Ellenbogentendinopathie werden insbesondere belastungsadaptierte Widerstandsübungen der Handgelenkextensoren (Handgelenkstrecker) empfohlen; die Effektgrößen sind insgesamt begrenzt und die Studien heterogen [9, LL1, LL2]. Die Pharmakotherapie (medikamentöse Behandlung) dient ausschließlich der zeitlich begrenzten symptomatischen Schmerzlinderung [3].
  • Bei behandlungsbedürftigen Schmerzen kann vorzugsweise ein zeitlich begrenzter Behandlungsversuch mit einem topischen nichtsteroidalen Antirheumatikum (NSAR) erfolgen. Für topische NSAR besteht eine begrenzte Evidenz für eine kurzfristige Schmerzlinderung bis etwa 4 Wochen [3].
  • Die Evidenz für einen Nutzen oraler NSAR bei der Epicondylitis humeri ist widersprüchlich. Gleichzeitig können gastrointestinale (den Magen-Darm-Bereich betreffende) Nebenwirkungen auftreten. Orale NSAR sollten deshalb nur ausnahmsweise nach individueller Nutzen-Risiko-Abwägung sowie in der niedrigsten wirksamen Dosis und für die kürzestmögliche Dauer eingesetzt werden [3, FI3, FI4].
  • Lokale Glucocorticoidinjektionen können kurzfristig die Beschwerden lindern, führen jedoch langfristig nicht zu besseren Ergebnissen und können die Rückfallrate erhöhen. Eine routinemäßige Anwendung wird daher nicht empfohlen [1, 6, 10, LL2].
  • Die Erkrankung zeigt häufig einen selbstlimitierenden (von selbst ausheilenden) Langzeitverlauf. In einer Metaanalyse randomisierter kontrollierter Studien war für die zusammengefassten nichtoperativen Behandlungsverfahren gegenüber Abwarten oder Placebo kein relevanter mittel- bis langfristiger Zusatznutzen nachweisbar. Neuere Analysen zeigen für einzelne Verfahren zeitabhängige Effektsignale, ohne dass sich daraus eine konsistent überlegene pharmakologische oder interventionelle Standardtherapie ableiten lässt [2, 9, 10].

Wirkstoffe (Hauptindikation)

Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR)

Wirkstoffe Besonderheiten
Diclofenac, topisch Epicondylitis ist für Erwachsene ausdrücklich als Anwendungsgebiet aufgeführt. Zeitlich begrenzter symptomatischer Behandlungsversuch; nur auf intakter Haut anwenden; lokale Hautreaktionen sind möglich [FI1]
Ibuprofen, topisch Zeitlich begrenzter symptomatischer Behandlungsversuch bei schmerzhaften entzündlichen Erkrankungen gelenknaher Weichteile einschließlich Sehnen und Sehnenscheiden; nur auf intakter Haut anwenden; lokale Hautreaktionen sind möglich [FI2]
Diclofenac, oral Keine routinemäßige Anwendung bei Epicondylitis humeri. Niedrigste wirksame Dosis für die kürzestmögliche Dauer. Insbesondere gastrointestinale, renale (die Nieren betreffende) und kardiovaskuläre (das Herz-Kreislauf-System betreffende) Risiken berücksichtigen [3, FI3]
Ibuprofen, oral Keine routinemäßige Anwendung bei Epicondylitis humeri. Niedrigste wirksame Dosis für die kürzestmögliche Dauer. Insbesondere gastrointestinale, renale und kardiovaskuläre Risiken berücksichtigen [3, FI4]
  • Wirkweise: Hemmung der Cyclooxygenasen (Enzyme der Entzündungsreaktion) und der Prostaglandinsynthese (Bildung körpereigener Entzündungsbotenstoffe); analgetisch (schmerzlindernd), antiphlogistisch (entzündungshemmend) und antipyretisch (fiebersenkend)
  • Evidenz: Topische NSAR können kurzfristig Schmerzen lindern. Für orale NSAR ist ein Nutzen hinsichtlich Schmerzen und Funktion nicht zuverlässig belegt [3].
  • Nebenwirkungen: Bei topischen NSAR sind insbesondere lokale Hautreaktionen möglich. Orale NSAR können gastrointestinale Beschwerden sowie Ulzera (Geschwüre) und Blutungen verursachen; zusätzlich sind renale und kardiovaskuläre Nebenwirkungen zu berücksichtigen [3, FI1, FI2, FI3, FI4].
  • Wichtige Gegenanzeigen und Vorsichtsmaßnahmen: Topische NSAR nicht auf offene, entzündete, infizierte oder ekzematöse Haut beziehungsweise Schleimhäute auftragen. Bei systemischen NSAR sind insbesondere aktive beziehungsweise rezidivierende gastrointestinale Ulzera oder Blutungen sowie schwere Nieren- oder Leberfunktionsstörungen zu beachten. Diclofenac ist außerdem bei bekannter Herzinsuffizienz (Herzschwäche) NYHA II-IV, ischämischer Herzkrankheit (Durchblutungsstörung des Herzens), peripherer arterieller Verschlusskrankheit (Durchblutungsstörung der Arm- oder Beinarterien) oder zerebrovaskulärer Erkrankung (Erkrankung der Hirngefäße) kontraindiziert. NSAR sind im dritten Schwangerschaftstrimenon (Schwangerschaftsdrittel) kontraindiziert [FI1, FI2, FI3, FI4].

Hinweis zur Glucocorticoidtherapie (Kortisonbehandlung)

Lokale Glucocorticoidinjektionen können innerhalb der ersten 4-6 Wochen Schmerzen reduzieren. Dieser kurzfristige Effekt rechtfertigt jedoch keine routinemäßige Anwendung: In einer randomisierten kontrollierten Studie waren nach einem Jahr die Rate vollständiger oder deutlicher Besserungen niedriger und die Rückfallrate höher als nach Placeboinjektion. Die zusätzliche Physiotherapie konnte diesen Nachteil nicht zuverlässig ausgleichen [1]. Auch eine neuere placebokontrollierte Studie zeigte lediglich innerhalb des ersten Monats einen möglichen Vorteil, jedoch keinen langfristigen Zusatznutzen [6]. Die Netzwerk-Metaanalyse von 2026 bestätigt einen ausgeprägten kurzfristigen analgetischen Effekt von Glucocorticoidinjektionen, weist jedoch zugleich auf einen ungünstigen Langzeitverlauf mit Rebound-Effekt (Wiederauftreten oder Verstärkung der Beschwerden nach vorübergehendem Nutzen) hin [10].

Lokale Glucocorticoidinjektionen sollten deshalb nicht routinemäßig angewendet werden [1, 6, 10, LL2]. Wird nach Aufklärung über den lediglich kurzfristigen Nutzen und die ungünstigeren Langzeitergebnisse in einem begründeten Ausnahmefall dennoch eine lokale Glucocorticoidinjektion durchgeführt, kann Triamcinolonacetonid 10 mg intrafokal verabreicht werden; dies entspricht 1 ml einer Kristallsuspension mit 10 mg/ml. Die Infiltration erfolgt in den Bereich der größten Schmerzhaftigkeit beziehungsweise des Sehnenansatzes unter streng aseptischen Bedingungen; eine intratendinöse Injektion ist zu vermeiden [FI5, FI6]. Serielle Wiederholungsinjektionen sind bei der Epicondylitis humeri aufgrund der ungünstigen Langzeitergebnisse nicht als Routinetherapie zu empfehlen [1, 10, LL2].

Weitere Wirkstoffe und Injektionsverfahren

  • Autologe Vollblut-, ACP- und PRP-Injektionen: Autologes konditioniertes Plasma (Autologous Conditioned Plasma, ACP) ist eine Form des plättchenreichen Plasmas (Platelet-Rich Plasma, PRP). Gegenüber Placebo ist kein klinisch relevanter Nutzen für Schmerzen oder Funktion gesichert [4, 6, 8]. Die direkte placebokontrollierte Metaanalyse von 2026 bestätigte für PRP weder nach 4 Wochen noch nach 8-12 oder 24-26 Wochen einen signifikanten Vorteil hinsichtlich der Schmerzen und zeigte auch keinen gesicherten funktionellen Zusatznutzen [8]. Eine Netzwerk-Metaanalyse von 2026 ergab demgegenüber indirekte Signale für längerfristige analgetische Effekte von PRP; aufgrund der Diskrepanz zu den direkten Placebovergleichen lässt sich hieraus keine Empfehlung zur routinemäßigen Anwendung ableiten [8, 10, LL2].
  • Botulinumtoxin A: Die durchschnittliche Schmerzreduktion war in einer Metaanalyse statistisch signifikant, erreichte jedoch keine klinisch relevante Größenordnung. Eine Verbesserung der Griffkraft wurde nicht nachgewiesen [5]. Eine Netzwerk-Metaanalyse von 2026 zeigte zudem einen möglichen ungünstigen Trend der Griffkraft im mittelfristigen Verlauf. Eine routinemäßige Anwendung wird nicht empfohlen [5, 10].
  • Hyaluronsäure: In einer randomisierten placebokontrollierten Studie war langfristig keine Überlegenheit gegenüber Kochsalzinjektionen nachweisbar. Eine routinemäßige Anwendung kann nicht empfohlen werden [6].
  • Dextrose-Prolotherapie: Die Evidenz ist begrenzt und heterogen. In einer randomisierten Studie von 2019 zeigte sich langfristig keine eindeutige Überlegenheit der Prolotherapie, der strukturierten Physiotherapie oder ihrer Kombination gegeneinander [7]. Eine Netzwerk-Metaanalyse von 2026 ergab dagegen ein Signal für eine mittelfristige Reduktion von Schmerzen und funktionellen Einschränkungen durch Dextrose-Prolotherapie [10]. Aufgrund der überwiegend indirekten Netzwerkvergleiche, der heterogenen Studienlage und des Fehlens eines etablierten, leitliniengestützten Standards kann eine routinemäßige Anwendung derzeit nicht empfohlen werden [7, 10].

Supplemente (Nahrungsergänzungsmittel; Vitalstoffe)

Geeignete Nahrungsergänzungsmittel für die Gesundheit von Sehnen, Bändern und Faszien sollten die folgenden Vitalstoffe enthalten:

  • Vitamine (A, C, E, D3)
  • Mineralstoffe (Magnesium)
  • Spurenelemente (Eisen, Kupfer, Mangan, Selen, Zink)
  • Sekundäre Pflanzenstoffe (Curcumin, Bromelain aus Ananas-Extrakt)
  • Weitere Vitalstoffe (Chondroitinsulfat, Glucosaminsulfat, Kollagene)

Beachte: Die aufgeführten Vitalstoffe sind kein Ersatz für eine medikamentöse Therapie. Nahrungsergänzungsmittel sind dazu bestimmt, die allgemeine Ernährung in der jeweiligen Lebenssituation zu ergänzen.

Für Fragen zum Thema Nahrungsergänzungsmittel stehen wir Ihnen gerne kostenfrei zur Verfügung.

Nehmen Sie bei Fragen dazu bitte per E-Mail – info@docmedicus.de – Kontakt mit uns auf, und teilen Sie uns dabei Ihre Telefonnummer mit und wann wir Sie am besten erreichen können.

Abkürzungsverzeichnis

  • ACP: Autologous Conditioned Plasma; autologes konditioniertes Plasma
  • FI: Fachinformation
  • LL: Leitlinie
  • NSAR: Nichtsteroidale Antirheumatika
  • NYHA: New York Heart Association
  • PRP: Platelet-Rich Plasma; plättchenreiches Plasma

Literatur

  1. Coombes BK, Bisset L, Brooks P et al.: Effect of Corticosteroid Injection, Physiotherapy, or Both on Clinical Outcomes in Patients With Unilateral Lateral Epicondylalgia: A Randomized Controlled Trial. JAMA. 2013;309(5):461-469. doi:10.1001/jama.2013.129
  2. Sayegh ET, Strauch RJ: Does Nonsurgical Treatment Improve Longitudinal Outcomes of Lateral Epicondylitis Over No Treatment? A Meta-analysis. Clin Orthop Relat Res. 2015;473(3):1093-1107. doi:10.1007/s11999-014-4022-y
  3. Pattanittum P, Turner T, Green S et al.: Non-steroidal anti-inflammatory drugs (NSAIDs) for treating lateral elbow pain in adults. Cochrane Database Syst Rev. 2013;2013(5):CD003686. doi:10.1002/14651858.CD003686.pub2
  4. Karjalainen TV, Silagy M, O'Bryan E et al.: Autologous blood and platelet-rich plasma injection therapy for lateral elbow pain. Cochrane Database Syst Rev. 2021;2021(9):CD010951. doi:10.1002/14651858.CD010951.pub2
  5. Vilchez-Cavazos F, Acosta-Olivo CA, Simental-Mendía LE et al.: Clinical efficacy of botulinum toxin in lateral elbow tendinopathy: A systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. Orthop Traumatol Surg Res. 2025;111(3):103733. doi:10.1016/j.otsr.2023.103733
  6. Dejnek M, Królikowska A, Kowal M et al.: Comparative Efficacy of Platelet-Rich Plasma, Corticosteroid, Hyaluronic Acid, and Placebo (Saline) Injections in Patients with Lateral Elbow Tendinopathy: A Randomized Controlled Trial. J Clin Med. 2025;14(2):472. doi:10.3390/jcm14020472
  7. Yelland M, Rabago D, Ryan M et al.: Prolotherapy injections and physiotherapy used singly and in combination for lateral epicondylalgia: a single-blinded randomised clinical trial. BMC Musculoskelet Disord. 2019;20:509. doi:10.1186/s12891-019-2905-5
  8. Antunes Júnior CR, Santos RSS, Barreto ESR et al.: Platelet-Rich Plasma Does Not Improve Pain or Function in Patients With Lateral Epicondylitis as Compared With Placebo: A Meta-analysis of Randomized Clinical Trials. Am J Sports Med. 2026;54(5):1247-1257. doi:10.1177/03635465251383039
  9. Lowdon H, Chong HH, Dhingra M et al.: Comparison of Interventions for Lateral Elbow Tendinopathy: A Systematic Review and Network Meta-Analysis for Patient-Rated Tennis Elbow Evaluation Pain Outcome. J Hand Surg Am. 2024;49(7):639-648. doi:10.1016/j.jhsa.2024.03.007
  10. Xu Y, Lin W, Qi Z et al.: Time-Dependent Efficacy and Safety of Percutaneous Treatments for Lateral Epicondylitis: A Systematic Review and Network Meta-Analysis. J Pain Res. 2026;19:604185. doi:10.2147/JPR.S604185

Leitlinien, Referenzwerte und Protokolle

  1. Lucado AM, Day JM, Vincent JI et al.: Lateral Elbow Pain and Muscle Function Impairments. J Orthop Sports Phys Ther. 2022;52(12):CPG1-CPG111. doi:10.2519/jospt.2022.0302 [LL1]
  2. Singh HP, Watts AC, Bateman M et al.: BESS patient care pathway: Tennis elbow. Shoulder Elbow. 2023;15(4):348-359. doi:10.1177/17585732231170793 [LL2]

Fachinformationen

  1. Haleon Germany GmbH: Voltaren Schmerzgel 11,6 mg/g Gel. Fachinformation. Stand Dezember 2024. [FI1]
  2. Dolorgiet GmbH & Co. KG: Dolgit Schmerzgel, 50 mg/g Gel. Fachinformation. Stand Oktober 2024. [FI2]
  3. Haleon Germany GmbH: Voltaren Dolo 25 mg, überzogene Tabletten. Fachinformation. Stand August 2025. [FI3]
  4. Bayer Vital GmbH: Aktren Forte 400 mg Filmtabletten. Fachinformation. Stand November 2025. [FI4]
  5. Dermapharm AG: Volon A 10/A 10-5 ml, Kristallsuspension. Fachinformation. Stand Januar 2025. [FI5]
  6. Dermapharm AG: Volon A 40/A 40-5 ml, Kristallsuspension. Fachinformation. Stand Januar 2025. [FI6]