Schleimbeutelerkrankungen (Bursopathien) – Folgeerkrankungen

Im Folgenden die wichtigsten Erkrankungen bzw. Komplikationen, die durch Bursopathien (Schleimbeutelerkrankungen) mitbedingt sein können:

Die Mehrzahl aseptischer Bursopathien (nichtinfektiöser Schleimbeutelerkrankungen) heilt ohne relevante Folgeschäden aus. Klinisch bedeutsame Komplikationen betreffen insbesondere persistierende bzw. rezidivierende Verläufe sowie septische Bursitiden (bakteriell bedingte Schleimbeutelentzündungen) der oberflächlichen Bursa olecrani (Schleimbeutel am Ellenbogen) und Bursa praepatellaris (Schleimbeutel vor der Kniescheibe) [1-4, LL1, LL2].

Bei peritrochantären Beschwerden (Beschwerden im Bereich des seitlichen Hüfthöckers) ist zu berücksichtigen, dass das Greater Trochanteric Pain Syndrome (GTPS) ein Spektrum verschiedener Pathologien einschließlich glutealer Tendinopathien (Sehnenerkrankungen der Gesäßmuskulatur) bzw. Sehnenläsionen (Sehnenschäden) und einer trochantären Bursitis (Schleimbeutelentzündung am großen Rollhügel) umfasst. Gluteale Tendinopathien und Sehnenrupturen (Sehnenrisse) werden daher nicht als Folge einer isolierten Bursopathie eingeordnet [LL3].

Haut und Unterhaut (L00-L99)

  • Chronisch drainierender Sinus/Fistelgang (dauerhaft Flüssigkeit absondernder Verbindungsgang zur Haut) – kann sich insbesondere im Rahmen einer persistierenden bzw. rezidivierenden septischen Olekranonbursitis (bakteriell bedingten Schleimbeutelentzündung am Ellenbogen) entwickeln und kennzeichnet vor allem chronische bzw. therapierefraktäre Verläufe (langwierige bzw. behandlungsresistente Verläufe); in einer aktuellen operativen Kohorte waren ein drainierender Sinus bzw. eine nicht heilende offene Wunde bei 40 % der Patienten Operationsindikation (Grund für eine Operation) [4]

Muskel-Skelett-System und Bindegewebe (M00-M99)

  • Chronische bzw. rezidivierende Bursitis (lang andauernde bzw. wiederkehrende Schleimbeutelentzündung) – insbesondere bei fortbestehender mechanischer Druckbelastung, repetitiven Mikrotraumata (wiederholten kleinsten Verletzungen) oder unzureichend kontrollierter septischer Bursitis; Rezidive bzw. Reinfektionen (erneute Infektionen) sind auch nach operativer Behandlung dokumentiert [2-5, LL1, LL2]
  • Osteomyelitis (Knochenmarkentzündung) angrenzender Knochen – seltene, aber klinisch relevante Komplikation insbesondere einer septischen Olekranonbursitis; in einer retrospektiven Kohorte von 91 operierten Patienten wurde bei vier Patienten innerhalb von 90 Tagen eine Osteomyelitis festgestellt, die initial weder vorhanden noch vermutet worden war. Aufgrund des retrospektiven Designs kann eine initial okkulte Osteomyelitis (zunächst verborgene Knochenmarkentzündung) jedoch nicht in allen Fällen sicher ausgeschlossen werden [4]

Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die anderenorts nicht klassifiziert sind (R00-R99)

  • Bakteriämie (Bakterien im Blut) – seltene mögliche systemische Begleit- bzw. Ausbreitungskomplikation einer septischen Bursitis; in einer aktuellen Kohorte operierter septischer Olekranonbursitiden waren Blutkulturen bei 3 von 48 untersuchten Patienten (6 %) bei stationärer Aufnahme positiv. Aus diesen Beobachtungsdaten lässt sich die Richtung der Kausalität zwischen lokaler und systemischer Infektion nicht in jedem Einzelfall sicher bestimmen [4, LL1]
  • Chronische lokale Schmerzen (lang anhaltende örtliche Schmerzen) – insbesondere bei persistierender bzw. rezidivierender Bursopathie; chronische Verläufe können bei fortbestehender mechanischer Irritation bzw. unzureichender Kontrolle der zugrunde liegenden Ursache persistieren [1-3, LL2]
  • Funktionseinschränkung bzw. Bewegungseinschränkung (eingeschränkte Funktion bzw. Beweglichkeit) – durch Schmerzen, ausgeprägte Bursaschwellung (Schwellung des Schleimbeutels) oder chronisch-entzündliche Veränderungen; kann insbesondere bei Olekranon-, Präpatellar- und anderen belastungsabhängigen Bursopathien die Alltags-, Berufs- und Sportaktivität beeinträchtigen [2, 3, LL2]

Prognosefaktoren

  • Septische Genese (infektiöse Ursache) – gegenüber einer unkomplizierten aseptischen Bursopathie erhöhtes Risiko für chronisch-rezidivierende Verläufe, Fistelbildung (Entstehung eines unnatürlichen Verbindungsgangs), lokale Infektionsausbreitung und Osteomyelitis [1, 4, LL1]
  • Aktives Rauchen – in einer retrospektiven Kohorte operierter Patienten mit septischer Olekranonbursitis mit erhöhten Odds für ein klinisches Therapieversagen (unzureichender Behandlungserfolg) assoziiert (Odds-Ratio 4,53; 95-%-Konfidenzintervall 1,04-20,50); aufgrund des retrospektiven Designs und des breiten Konfidenzintervalls ist der Befund als prognostische Assoziation und nicht als gesicherter kausaler Effekt zu bewerten [4]
  • Immunsuppression (Unterdrückung des Immunsystems) – die Evidenz hinsichtlich des Rezidiv- bzw. Therapieversagensrisikos ist uneinheitlich: In einer Kohorte hospitalisierter Patienten mit infektiöser Olekranon- bzw. Patellabursitis (Schleimbeutelentzündung vor der Kniescheibe) war Immunsuppression mit einem erhöhten Rezidivrisiko assoziiert (Odds-Ratio 5,6; 95-%-Konfidenzintervall 1,9-18,4) [5]. In einer neueren Kohorte operierter septischer Olekranonbursitiden war eine Immunsuppression dagegen nicht statistisch signifikant mit klinischem Therapieversagen assoziiert (Odds-Ratio 2,08; 95-%-Konfidenzintervall 0,61-7,14); die Autoren weisen auf eine begrenzte statistische Aussagekraft hin [4]
  • Fortbestehende mechanische Belastung bzw. repetitive Mikrotraumata – begünstigen insbesondere bei oberflächlichen Bursopathien Persistenz und Rezidive; konsequente Druckentlastung und Vermeidung auslösender Belastungen sind deshalb prognostisch relevant [2, LL2]
  • Chronischer bzw. rezidivierender Verlauf – mit erhöhter Wahrscheinlichkeit persistierender Schwellung, Schmerzen und funktioneller Einschränkungen sowie bei septischen Verläufen mit einem erhöhten Risiko lokaler Komplikationen verbunden [1-4]
  • Persistierende bzw. unzureichend kontrollierte septische Bursitis – begünstigt chronisch drainierende Sinus/Fistelgänge und eine Ausbreitung auf angrenzende Strukturen; therapierefraktäre bzw. rezidivierende Infektionen stellen deshalb einen prognostisch ungünstigen Verlauf dar [1, 4, LL1]

Literatur

  1. Lormeau C, Cormier G, Sigaux J et al.: Management of septic bursitis. Joint Bone Spine. 2019;86(5):583-588. doi: 10.1016/j.jbspin.2018.10.006.
  2. Sayegh ET, Strauch RJ: Treatment of olecranon bursitis: a systematic review. Arch Orthop Trauma Surg. 2014;134(11):1517-1536. doi: 10.1007/s00402-014-2088-3.
  3. Brown OS, Smith TO, Parsons T et al.: Management of septic and aseptic prepatellar bursitis: a systematic review. Arch Orthop Trauma Surg. 2022;142(10):2445-2457. doi: 10.1007/s00402-021-03853-9.
  4. El Zein S, Berbari EF, LeMahieu AM et al.: Optimal antibiotics duration following surgical management of septic olecranon bursitis: a 12-year retrospective analysis. J Bone Joint Infect. 2024;9:107-115. doi: 10.5194/jbji-9-107-2024.
  5. Perez C, Huttner A, Assal M et al.: Infectious olecranon and patellar bursitis: short-course adjuvant antibiotic therapy is not a risk factor for recurrence in adult hospitalized patients. J Antimicrob Chemother. 2010;65(5):1008-1014. doi: 10.1093/jac/dkq043.

Leitlinien, Referenzwerte und Protokolle

  1. National Institute for Health and Care Excellence (NICE): Olecranon bursitis. Clinical Knowledge Summary. Zuletzt revidiert Juni 2026. [LL1]
  2. Itälä A: Bursitis. EBM Guidelines. Duodecim Publishing Company. Letzte inhaltliche Änderung August 2023. [LL2]
  3. Disantis A, Andrade AJ, Baillou A et al.: The 2022 International Society for Hip Preservation (ISHA) physiotherapy agreement on assessment and treatment of greater trochanteric pain syndrome (GTPS): an international consensus statement. J Hip Preserv Surg. 2023;10(1):48-56. doi: 10.1093/jhps/hnac050. [LL3]