Rippenbruch (Rippenfraktur) – Folgeerkrankungen
Im Folgenden die wichtigsten Erkrankungen bzw. Komplikationen, die durch eine Rippenfraktur (Rippenbruch) mitbedingt sein können:
Atmungssystem (J00-J99)
- Atelektase (nicht ausreichend entfalteter Lungenabschnitt) – schmerzbedingte Schonatmung mit verminderter Inspirationstiefe, reduziertem Hustenstoß und Sekretretention (Ansammlung von Schleim in den Atemwegen); begünstigt nachfolgende pulmonale Komplikationen [LL1, LL2].
- Akute respiratorische Insuffizienz (akute Atemschwäche) – insbesondere bei multiplen bzw. dislozierten Rippenfrakturen, instabiler Thoraxwand, ausgeprägten Schmerzen oder pulmonalen Begleitverletzungen; gegebenenfalls mit Beatmungspflichtigkeit [2, LL1, LL2].
- Akutes Atemnotsyndrom (ARDS) (schwere akute Störung der Lungenfunktion) – vor allem bei schweren Thoraxverletzungen, insbesondere bei instabiler Thoraxwand und begleitender Lungenkontusion (Lungenquetschung) [LL1, LL2].
- Pneumonie (Lungenentzündung) – wesentliche pulmonale Komplikation, insbesondere bei multiplen Rippenfrakturen, höherem Lebensalter, eingeschränktem Hustenstoß, Sekretretention und Beatmungspflichtigkeit [2, LL1, LL3].
- Pleuraempyem (Eiteransammlung im Brustfellraum) – insbesondere als Komplikation eines retinierten bzw. sekundär infizierten Hämothorax (Blutansammlung im Brustfellraum) [LL2].
Muskel-Skelett-System und Bindegewebe (M00-M99)
- Frakturheilungsstörung (gestörte Knochenbruchheilung) bis Pseudarthrose (Falschgelenkbildung) – kann zu persistierenden Schmerzen, lokaler Instabilität und gegebenenfalls mechanischem Klicken führen; das Risiko einer radiologischen Nichtvereinigung ist insbesondere bei dislozierten Frakturen erhöht [3, 4].
- Fehlheilung mit erworbener Thoraxwanddeformität (Fehlheilung mit Verformung der Brustwand) – insbesondere nach schweren, multiplen bzw. deutlich dislozierten Rippenfrakturen; kann mit anhaltender funktioneller und respiratorischer Einschränkung einhergehen [LL1, LL2].
Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die anderenorts nicht klassifiziert sind (R00-R99)
- Chronischer Thoraxwandschmerz (lang anhaltender Schmerz der Brustwand) – klinisch relevante Langzeitfolge; persistierende Schmerzen können über mindestens drei Monate und bei einem Teil der Patienten deutlich länger bestehen [1, 3, LL1].
- Dyspnoe (Atemnot) und eingeschränkte körperliche Belastbarkeit – vor allem nach multiplen bzw. schweren Rippenfrakturen infolge persistierender Schmerzen, veränderter Thoraxmechanik und pulmonaler Funktionseinschränkung [1, LL1].
Verletzungen, Vergiftungen und andere Folgen äußerer Ursachen (S00-T98)
- Traumatischer Pneumothorax (verletzungsbedingte Luftansammlung im Brustfellraum) bis Spannungspneumothorax (lebensbedrohliche Luftansammlung im Brustfellraum mit zunehmendem Druck) – durch pleurale bzw. pulmonale Verletzung, gegebenenfalls unmittelbar durch dislozierte Frakturfragmente; bei Spannungspneumothorax akute respiratorische und hämodynamische Gefährdung [LL2, LL4].
- Traumatischer Hämothorax bzw. Hämatopneumothorax (verletzungsbedingte Blut- bzw. Blut- und Luftansammlung im Brustfellraum) – insbesondere durch Verletzung interkostaler Gefäße, Pleura oder Lunge; kann auch verzögert manifest werden [LL2, LL4].
- Lungenlazeration (Einriss des Lungengewebes) – insbesondere bei dislozierten Frakturen durch Verletzung des angrenzenden Lungenparenchyms; mögliche Folgen sind Pneumothorax, Hämothorax und pulmonale Luftleckage [LL1, LL2].
Weiteres
- Lang anhaltende Einschränkung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität und Teilhabe – Einschränkungen von körperlicher Funktion und Belastbarkeit sowie eine verzögerte Rückkehr zu Arbeit, Sport und ursprünglichem Aktivitätsniveau können über Monate persistieren [1, LL1].
Prognosefaktoren
- Höheres Lebensalter und Frailty – erhöhtes Risiko für pulmonale Komplikationen, Intensivtherapie und ungünstigen Verlauf; funktioneller Status und Frailty sind dabei neben dem chronologischen Alter wesentlich [LL1, LL3].
- Anzahl und Muster der Rippenfrakturen – multiple Frakturen, bilaterale Frakturen, ausgeprägte Dislokation und insbesondere ein instabiles Thoraxsegment sind mit höherer pulmonaler Morbidität und schwereren Verläufen assoziiert [2, LL1-LL3].
- Ausmaß der Dislokation – ausgeprägte Frakturdislokation beeinträchtigt die Thoraxmechanik und erhöht zudem das Risiko einer Frakturheilungsstörung; in einer prospektiven Kohortenstudie waren dislozierte Frakturen sowie Frakturen der Rippen 7-10 häufiger mit radiologischer Nichtvereinigung nach sechs Monaten assoziiert [4].
- Eingeschränkte respiratorische Reserve – Hypoxämie (Sauerstoffmangel im Blut), vermindertes inspiratorisches Volumen, ineffektiver Hustenstoß sowie vorbestehende relevante pulmonale Erkrankungen kennzeichnen ein erhöhtes Risiko für respiratorische Komplikationen [LL1, LL3].
- Pulmonale und extrapulmonale Begleitverletzungen – insbesondere Lungenkontusion und schweres Schädel-Hirn-Trauma (schwere Verletzung des Gehirns durch äußere Gewalteinwirkung) erhöhen bei schweren Thoraxverletzungen Beatmungsdauer und Komplikationsrisiko [LL1, LL2].
- Unzureichende Analgesie (unzureichende Schmerzbehandlung) und pulmonale Hygiene – fördern Schonatmung, Atelektasen, Sekretretention und Pneumonien und stellen damit relevante modifizierbare Risikofaktoren dar [LL1, LL2].
Literatur
- Zhu X, Cao W, Long C et al.: Long-term quality of life and chronic pain after surgical vs. non-operative treatment of rib fractures: systematic review and meta-analysis. Front Surg. 2026;13:1774082. doi: 10.3389/fsurg.2026.1774082.
- Hisamune R, Kobayashi M, Nakasato K et al.: A meta-analysis and trial sequential analysis of randomised controlled trials comparing nonoperative and operative management of chest trauma with multiple rib fractures. World J Emerg Surg. 2024;19:11. doi: 10.1186/s13017-024-00540-z.
- DeGenova DT, Peabody JT, Schrock JB et al.: Symptomatic rib fracture nonunion: a systematic review of the literature. Arch Orthop Trauma Surg. 2024;144(5):1917-1924. doi: 10.1007/s00402-024-05264-y.
- Van Wijck SFM, Van Diepen MR, Prins JTH et al.: Radiographic rib fracture nonunion and association with fracture classification in adults with multiple rib fractures without flail segment: a multicenter prospective cohort study. Injury. 2024;55(5):111335. doi: 10.1016/j.injury.2024.111335.
Leitlinien, Referenzwerte und Protokolle
- American College of Surgeons Trauma Quality Programs: Best Practices Guidelines: Management of Chest Wall Injuries. November 2025. Guideline. [LL1]
- Coccolini F, Cremonini C, Moore EE et al.: Thoracic trauma WSES-AAST guidelines. World J Emerg Surg. 2025;20:78. doi: 10.1186/s13017-025-00651-1. [LL2]
- Mukherjee K, Schubl SD, Tominaga G et al.: Non-surgical management and analgesia strategies for older adults with multiple rib fractures: A systematic review, meta-analysis, and practice management guideline from the Eastern Association for the Surgery of Trauma and the Chest Wall Injury Society. J Trauma Acute Care Surg. 2023;94(3):398-407. doi: 10.1097/TA.0000000000003830. [LL3]
- S3-Leitlinie Polytrauma/Schwerverletzten-Behandlung. (AWMF-Registernummer 187-023) Version 4.1, Stand Dezember 2022 Langfassung. [LL4]