Luxation, Verstauchung und Zerrung der Gelenke und Bänder in Höhe des oberen Sprunggelenkes und des Fußes – Medizingerätediagnostik
Fakultative Medizingerätediagnostik – in Abhängigkeit von den Ergebnissen der Anamnese und der körperlichen Untersuchung – zur differentialdiagnostischen Abklärung (zur Abgrenzung von anderen Verletzungen und Erkrankungen)
- Röntgenaufnahme des oberen Sprunggelenkes (Röntgenbild des oberen Sprunggelenkes) – Verfahren der ersten Wahl bei klinischem Frakturverdacht (Verdacht auf einen Knochenbruch), positiven Ottawa-Ankle-Rules* (erfüllten klinischen Kriterien zur Entscheidung über eine Röntgenaufnahme des Sprunggelenkes), Gelenkfehlstellung oder Luxation (Ausrenkung) [1, 4].
- Die Untersuchung soll mindestens eine echte seitliche Aufnahme und eine Mortise-Aufnahme (Röntgenaufnahme zur Beurteilung der Sprunggelenksgabel) mit Darstellung der Sprunggelenksgabel umfassen [4].
- Nachweisbar sind Frakturen, knöcherne Avulsionsverletzungen (knöcherne Bandausrisse), Subluxationen (unvollständige Ausrenkungen), Luxationen und Fehlstellungen der Sprunggelenksgabel.
- Röntgenaufnahme des gesamten Unterschenkels – bei klinischem Verdacht auf eine proximale Fibulafraktur (Bruch des oberen Wadenbeins) beziehungsweise Maisonneuve-Verletzung (Verletzung mit hohem Wadenbeinbruch und Schädigung der Bandverbindung am Sprunggelenk) [1, 4].
- Röntgenaufnahme des Fußes – Verfahren der ersten Wahl bei positiven Ottawa-Foot-Rules (erfüllten klinischen Kriterien zur Entscheidung über eine Röntgenaufnahme des Fußes) oder bei klinischem Verdacht auf eine knöcherne Verletzung in einem von den Ottawa-Regeln nicht erfassten Bereich, beispielsweise an den Zehen oder Mittelfußknochen [2].
- Bei Verdacht auf eine Lisfranc-Verletzung (Verletzung der Gelenkverbindung zwischen Fußwurzel und Mittelfuß) können belastete Aufnahmen hilfreich sein, sofern eine Belastung klinisch möglich ist [2].
- Sonographie des lateralen Bandapparates (Ultraschalluntersuchung der Außenbänder) – gezielte Zusatzdiagnostik bei Verdacht auf eine akute Läsion (frische Schädigung) des Ligamentum talofibulare anterius (vorderen Außenbandes des Sprunggelenkes) oder des Ligamentum calcaneofibulare (Bandes zwischen Wadenbein und Fersenbein) und entsprechender Untersucherexpertise [3].
- Die Meta-Analyse von Kocsis et al. umfasste acht Studien mit 434 Patienten und verglich die Sonographie mit der Magnetresonanztomographie (Kernspintomographie).
- Für Verletzungen des Ligamentum talofibulare anterius betrugen die gepoolte Sensitivität (Trefferquote für tatsächlich vorhandene Verletzungen) 97 % (95-%-Konfidenzintervall 89-99 %) und die Spezifität (Trefferquote für tatsächlich nicht vorhandene Verletzungen) 93 % (95-%-Konfidenzintervall 84-97 %) [3].
- Für Verletzungen des Ligamentum calcaneofibulare betrugen die gepoolte Sensitivität 81 % (95-%-Konfidenzintervall 58-93 %) und die Spezifität 92 % (95-%-Konfidenzintervall 81-97 %) [3].
- Die Sonographie ersetzt bei Fraktur-, Luxations- oder osteochondralem Verletzungsverdacht (Verdacht auf eine Knorpel-Knochen-Verletzung) nicht die Röntgen-, Computertomographie- (Schichtröntgenuntersuchung) oder Magnetresonanztomographie-Diagnostik.
- Magnetresonanztomographie (MRT) ohne Kontrastmittel des oberen Sprunggelenkes – weiterführende Untersuchung bei persistierenden Schmerzen (anhaltenden Schmerzen) über mehr als eine Woche und negativer initialer Röntgenaufnahme sowie bei Verdacht auf eine ligamentäre (die Bänder betreffende), syndesmotische (die Bandverbindung zwischen Schienbein und Wadenbein betreffende), osteochondrale oder okkulte knöcherne Verletzung (verborgene Knochenverletzung) [1].
- Darstellbar sind Bandrupturen (Bandrisse), Syndesmosenverletzungen (Verletzungen der Bandverbindung zwischen Schienbein und Wadenbein), osteochondrale Läsionen (Knorpel-Knochen-Schädigungen), Knochenkontusionen (Knochenprellungen), okkulte Frakturen sowie Knorpel- und Sehnenverletzungen.
- Eine intravenöse Kontrastmittelgabe (Gabe eines Kontrastmittels über eine Vene) ist für die standardmäßige Abklärung des akuten Traumas in der Regel nicht indiziert [1].
- Magnetresonanztomographie ohne Kontrastmittel des Fußes – bei Verdacht auf eine Lisfranc-Verletzung, Sehnenverletzung, okkulte Fraktur oder Luxation und unauffälligen beziehungsweise nicht eindeutigen Röntgenaufnahmen [2].
- Computertomographie (CT) ohne Kontrastmittel des oberen Sprunggelenkes – bei persistierenden Schmerzen nach negativer Röntgenaufnahme, bei komplexer Fraktur, möglicher osteochondraler Verletzung oder zur genauen Darstellung einer knöchernen Verletzung [1, 4].
- Computertomographie ohne Kontrastmittel des Fußes – bei Verdacht auf eine Lisfranc-Verletzung, okkulte Fraktur oder Luxation und unauffälligem beziehungsweise nicht eindeutigem Röntgenbefund [2].
- Stressaufnahmen des oberen Sprunggelenkes (Röntgenaufnahmen unter gezielter Belastung) – selektive fachradiologische oder unfallchirurgische Zusatzdiagnostik bei negativer Frakturdarstellung und klinischen beziehungsweise radiologischen Hinweisen auf eine ligamentäre oder syndesmotische Instabilität (krankhafte Überbeweglichkeit). Eine routinemäßige Anwendung bei unkomplizierter Distorsion (Verstauchung) ist nicht indiziert [1].
*Ottawa-Ankle-Rules
Die Ottawa-Ankle-Rules sind positiv, wenn Schmerzen in der Malleolenzone (Bereich des Innen- und Außenknöchels) und mindestens eines der folgenden Kriterien vorliegen:
- Druckschmerz an der Hinterkante oder Spitze des lateralen Malleolus (Außenknöchels).
- Druckschmerz an der Hinterkante oder Spitze des medialen Malleolus (Innenknöchels).
- Unfähigkeit, unmittelbar nach dem Trauma und bei der klinischen Untersuchung vier Schritte zu gehen.
Literatur
- Smith SE, Chang EY, Ha AS et al.: ACR Appropriateness Criteria® Acute Trauma to the Ankle. J Am Coll Radiol. 2020;17(11S):S355-S366. doi: 10.1016/j.jacr.2020.09.014
- Gorbachova T, Chang EY, Ha AS et al.: ACR Appropriateness Criteria® Acute Trauma to the Foot. J Am Coll Radiol. 2020;17(5S):S2-S11. doi: 10.1016/j.jacr.2020.01.019
- Kocsis K, Stubnya B, Váncsa S et al.: Diagnostic accuracy of ultrasonography in acute lateral ankle ligament injury: A systematic review and meta-analysis. Injury. 2024;55 Suppl 3:111730. doi: 10.1016/j.injury.2024.111730
- British Orthopaedic Association: BOASt – The Management of Ankle Fractures. 2016. British Orthopaedic Association