Heberden-Arthrose – Folgeerkrankungen

Im Folgenden die wichtigsten Erkrankungen bzw. Komplikationen, die durch Heberden-Arthrose (Arthrose der Fingerendgelenke) mitbedingt sein können:

Muskel-Skelett-System und Bindegewebe (M00-M99)

  • Progrediente Deformierung der distalen Interphalangealgelenke (Fingerendgelenke) – knöcherne Umbauvorgänge mit Osteophytenbildung (Bildung knöcherner Ausziehungen) und Gelenkspaltverschmälerung (Abnahme des Abstands zwischen den Gelenkflächen) können zu dauerhaft sichtbaren Gelenkauftreibungen sowie Achs- bzw. Rotationsfehlstellungen führen [2, 5]
  • Progrediente Einschränkung der Beweglichkeit der distalen Interphalangealgelenke – strukturelle Gelenkveränderungen können insbesondere im fortgeschrittenen Stadium zu einer bleibenden Verminderung des Bewegungsumfangs führen [2, 5]

Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die anderenorts nicht klassifiziert sind (R00-R99)

  • Chronische bzw. rezidivierende Schmerzen der betroffenen Fingerendgelenke – können auch langfristig persistieren; radiologische Veränderungen und Schmerzintensität korrelieren dabei nur unvollständig [1, 2]
  • Gelenksteifigkeit – insbesondere bei fortgeschrittener struktureller Schädigung möglich und mit einer Beeinträchtigung feinmotorischer Tätigkeiten verbunden [1, 5]
  • Verminderte Handfunktion bzw. Griffkraft – insbesondere bei ausgeprägter, erosiver bzw. mehrere Fingergelenke betreffender Handarthrose möglich; bei isolierter Heberden-Arthrose ist die funktionelle Beeinträchtigung im Allgemeinen geringer [1, 3, 4, 5]

Die klinische Verlaufskontrolle sollte sich insbesondere an Schmerz, Funktion, entzündlicher Aktivität sowie Zahl und Lokalisation der betroffenen Gelenke orientieren und nicht allein am radiologischen Befund [5, LL1].

Prognosefaktoren

  • Hohe Ausgangsschmerzintensität – bei Handarthrose mit einem ungünstigeren längerfristigen Verlauf von Schmerz und Funktion assoziiert [1]
  • Erosiver Handarthrose-Phänotyp (entzündlich-destruktive Form der Handarthrose) – sofern erosive Veränderungen vorliegen, mit höherer struktureller Krankheitslast, stärkeren Schmerzen und ausgeprägterer funktioneller Beeinträchtigung assoziiert; die erosive Handarthrose ist dabei nicht als regelhafte Folge einer Heberden-Arthrose anzusehen [3, 5]
  • Multigelenkige Handarthrose (mehrere Gelenke der Hand betreffende Arthrose) – Beteiligung mehrerer Finger- bzw. Daumengelenke ist mit einer höheren Gesamtkrankheitslast und stärkeren funktionellen Einschränkungen verbunden als eine isolierte Arthrose einzelner distaler Interphalangealgelenke [1, 4, 5]
  • Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) bzw. gestörter Nüchternglukosestoffwechsel (gestörter Zuckerstoffwechsel im nüchternen Zustand) – als mögliche Risikofaktoren für eine radiologische Progression der Fingerinterphalangealgelenksarthrose beschrieben; die Evidenz ist begrenzt und erlaubt keine sichere individuelle Prognose [2]
  • Radiologische Progression – strukturelle Verschlechterung und klinische Symptomprogression verlaufen nicht zwingend parallel; der radiologische Befund allein besitzt daher nur eine begrenzte Aussagekraft für die individuelle Entwicklung von Schmerz und Funktion [1, 2, 5]

Literatur

  1. Jansen V, Selby A, Toft S et al.: The prognosis of pain and function in people with hand and thumb base osteoarthritis: a systematic review. Ann Med. 2025;57(1):2532113. doi:10.1080/07853890.2025.2532113
  2. Shah K, Yang X, Lane JCE et al.: Risk factors for the progression of finger interphalangeal joint osteoarthritis: a systematic review. Rheumatol Int. 2020;40:1781-1792. doi:10.1007/s00296-020-04687-1
  3. Bean MB, Favero M, Ramonda R, Scanzello CR: Erosive Hand Osteoarthritis: Recent Advances and Future Treatments. Curr Rheumatol Rep. 2024;26(4):103-111. doi:10.1007/s11926-023-01130-9
  4. Duruöz MT, Erdem Gürsoy D, Tuncer T et al.: The clinical, functional, and radiological features of hand osteoarthritis: TLAR-osteoarthritis multi-center cohort study. Arch Rheumatol. 2022;37(3):375-382. doi:10.46497/ArchRheumatol.2022.9234
  5. Watt FE, Kennedy DL, Gardiner MD, Vincent TL: Current and future advances in practice: practical management of hand osteoarthritis. Rheumatol Adv Pract. 2025;9(4):rkaf093. doi:10.1093/rap/rkaf093

Leitlinien, Referenzwerte und Protokolle

  1. Kloppenburg M, Kroon FPB, Blanco FJ et al.: 2018 update of the EULAR recommendations for the management of hand osteoarthritis. Ann Rheum Dis. 2019;78:16-24. EULAR-Empfehlungen. Volltext. [LL1]
  2. Kolasinski SL, Neogi T, Hochberg MC et al.: 2019 American College of Rheumatology/Arthritis Foundation Guideline for the Management of Osteoarthritis of the Hand, Hip, and Knee. Arthritis Rheumatol. 2020;72(2):220-233. ACR-Leitlinie. Volltext. [LL2]
  3. National Institute for Health and Care Excellence (NICE): Osteoarthritis in over 16s: diagnosis and management. NICE guideline NG226. Oktober 2022. Leitlinie. [LL3]