Granulomatose mit Polyangiitis (GPA) – Folgeerkrankungen

Im Folgenden die wichtigsten Erkrankungen bzw. Komplikationen, die durch eine Granulomatose mit Polyangiitis (Entzündung kleiner und mittelgroßer Blutgefäße mit knötchenartigen Entzündungsherden) (GPA; ehemals Wegener-Granulomatose) mitbedingt sein können:

Atmungssystem (J00-J99)

  • Destruktive chronische Rhinosinusitis (chronische zerstörende Entzündung von Nase und Nasennebenhöhlen) mit Nasenseptumperforation (Loch in der Nasenscheidewand) persistierende granulomatös-nekrotisierende Entzündung kann zu irreversibler Destruktion des Nasenseptums und chronischen strukturellen Schäden des oberen Respirationstrakts führen [1, 3]
  • Subglottische bzw. tracheobronchiale Stenose (Verengung unterhalb des Kehlkopfs bzw. von Luftröhre und Bronchien) entzündlich-fibrotische Verengung der zentralen Atemwege; mögliche Folgen sind Stridor (pfeifendes Atemgeräusch), relevante Atemwegsobstruktion und wiederholte endoskopische bzw. operative Interventionen bis hin zur Tracheotomie (Luftröhrenschnitt) [4, 5]
  • Persistierender pulmonaler Organschaden (bleibende Lungenschädigung) pulmonale Manifestationen der GPA einschließlich nodulär-kavitärer Läsionen, entzündlicher Infiltrate und diffuser alveolärer Hämorrhagie (Blutung in die Lungenbläschen) können trotz Krankheitskontrolle bleibende strukturelle bzw. funktionelle Lungenschäden hinterlassen [2]

Augen und Augenanhangsgebilde (H00-H59)

  • Skleritis (Entzündung der Lederhaut des Auges) und Keratitis (Hornhautentzündung) insbesondere nekrotisierende Verlaufsformen können zu Skleraverdünnung (Ausdünnung der Lederhaut), kornealer Ulzeration (Geschwürbildung der Hornhaut) bzw. Perforation (Durchbruch) und dauerhaftem Visusverlust (Verlust der Sehschärfe) führen [6]
  • Granulomatöse Orbitabeteiligung (knötchenartige Entzündung der Augenhöhle) (entzündlicher orbitaler Pseudotumor (entzündliche Raumforderung der Augenhöhle)) mögliche Folgen sind Proptosis (Hervortreten des Augapfels), Motilitätsstörungen (Störungen der Augenbeweglichkeit), Diplopie (Doppelbilder) sowie Kompression des Nervus opticus (Druckschädigung des Sehnervs) mit bleibender Sehschädigung [6]
  • Retinale bzw. choroidale Vaskulitis (Gefäßentzündung der Netzhaut bzw. Aderhaut) und ischämische Optikusneuropathie (Sehnervschädigung durch Durchblutungsstörung) mögliche Ursache einer erheblichen und teilweise irreversiblen Visusminderung (verminderte Sehschärfe) bis zur Erblindung [6]

Herzkreislaufsystem (I00-I99)

  • Kardiale GPA-Beteiligung (Herzbeteiligung der GPA) seltene und heterogene Organmanifestation, insbesondere mit Perikarditis (Herzbeutelentzündung), Myokarditis (Herzmuskelentzündung) bzw. Kardiomyopathie (Herzmuskelerkrankung), Koronarbeteiligung (Beteiligung der Herzkranzgefäße), Klappenbeteiligung (Beteiligung der Herzklappen) oder Reizleitungsstörungen (Störungen der elektrischen Erregungsleitung des Herzens); mögliche Folgen sind Arrhythmien (Herzrhythmusstörungen) und Herzinsuffizienz (Herzschwäche) [7]
  • Kardiovaskuläre und zerebrovaskuläre Folgeereignisse (Folgeereignisse an Herz-Kreislauf-System und Hirngefäßen) bei ANCA-assoziierten Vaskulitiden einschließlich GPA besteht ein erhöhtes Risiko für koronare Herzkrankheit (Durchblutungsstörung des Herzmuskels durch verengte Herzkranzgefäße), Myokardinfarkt (Herzinfarkt), Schlaganfall und Herzinsuffizienz [8, 9]
  • Venöse Thromboembolien (Blutgerinnsel in Venen mit möglicher Gefäßverlegung) erhöhtes Risiko für venöse Thromboembolien und insbesondere Lungenembolien (Verschluss einer Lungenarterie durch ein Blutgerinnsel); für die GPA wurde dieses Risiko populationsbasiert bestätigt und ist besonders im ersten Jahr nach Diagnosestellung ausgeprägt [9, 10]

Mund, Ösophagus (Speiseröhre), Magen und Darm (K00-K67; K90-K93)

  • Gastrointestinale vaskulitisch-ischämische Läsionen (durch Gefäßentzündung und Durchblutungsstörung verursachte Schäden im Magen-Darm-Trakt) seltene, jedoch potenziell schwere Organmanifestation mit gastrointestinalen Ulzerationen (Geschwüren im Magen-Darm-Trakt) und Blutungen, Darmischämie (Minderdurchblutung des Darms) sowie Darmperforation (Durchbruch der Darmwand) und nachfolgender Peritonitis (Bauchfellentzündung) [11]

Muskel-Skelett-System und Bindegewebe (M00-M99)

  • Sattelnasendeformität (Einsinken des Nasenrückens) irreversible erworbene Nasendeformität infolge fortschreitender Destruktion von Nasenseptumknorpel und knöchernen Stützstrukturen; häufig mit einer Nasenseptumperforation assoziiert [1, 3]

Ohren – Warzenfortsatz (H60-H95)

  • Persistierende Schwerhörigkeit (bleibende Hörminderung) chronische Otitis media (chronische Mittelohrentzündung), Mastoiditis (Entzündung des Warzenfortsatzes) und/oder Beteiligung von Mittel- bzw. Innenohr können eine bleibende Schallleitungs- (Hörminderung durch gestörte Schallübertragung) oder sensorineurale Hörminderung (Hörminderung durch Schädigung des Innenohrs oder Hörnervs) verursachen; Hörverlust gehört zu den relevanten langfristigen Organschäden der GPA [1, 3]

Psyche – Nervensystem (F00-F99; G00-G99)

  • Vaskulitische periphere Neuropathie (Nervenschädigung durch Gefäßentzündung) bzw. Mononeuritis multiplex (gleichzeitige Schädigung mehrerer einzelner Nerven) ischämische Schädigung peripherer Nerven infolge einer epineuralen Vaskulitis (Gefäßentzündung in der äußeren Nervenhülle); mögliche Folgen sind persistierende motorische und sensible Defizite, neuropathische Schmerzen (Nervenschmerzen) und funktionelle Einschränkungen [1, 12]
  • Hypertrophe Pachymeningitis (entzündliche Verdickung der harten Hirnhaut) seltene neurologische Komplikation mit entzündlich-fibrotischer Verdickung der Dura mater (harten Hirnhaut); mögliche Folgen sind chronische Kopfschmerzen, Hirnnervenparesen (Lähmungen von Hirnnerven), Krampfanfälle sowie fokale sensible oder motorische Defizite (umschriebene Gefühls- oder Bewegungsstörungen) [13]

Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die anderenorts nicht klassifiziert sind (R00-R99)

  • Diffuse alveoläre Hämorrhagie durch pulmonale Kapillaritis (Entzündung kleinster Lungengefäße) bedingte, potenziell lebensbedrohliche intraalveoläre Blutung (Blutung in den Lungenbläschen) mit möglicher akuter hypoxämischer respiratorischer Insuffizienz (akutem Atemversagen mit Sauerstoffmangel); bei gleichzeitiger rasch progredienter Glomerulonephritis (rasch fortschreitender Entzündung der Nierenkörperchen) liegt ein pulmorenales Syndrom (gleichzeitige schwere Lungen- und Nierenbeteiligung) vor [2, LL1, LL2]

Urogenitalsystem (Nieren, Harnwege – Geschlechtsorgane) (N00-N99)

  • Pauci-immune nekrotisierende Glomerulonephritis mit Halbmondbildung (Nierenkörperchenentzündung mit Gewebeuntergang und halbmondförmigen Zellansammlungen bei nur wenigen Immunablagerungen) typische renale GPA-Manifestation mit potenziell rasch progredientem Verlauf und Gefahr eines erheblichen irreversiblen Nephronverlusts [LL1, LL3]
  • Akute Nierenschädigung (plötzliche Verschlechterung der Nierenfunktion) bis zum akuten Nierenversagen (plötzlicher Ausfall der Nierenfunktion) Folge einer schweren aktiven Glomerulonephritis; ausgeprägte Verläufe können vorübergehend oder dauerhaft eine Nierenersatztherapie (Dialysebehandlung oder anderes Verfahren zum Ersatz der Nierenfunktion) erforderlich machen [LL1, LL3]
  • Chronische Nierenkrankheit (dauerhafte Einschränkung der Nierenfunktion) persistierender Verlust der Nierenfunktion infolge irreversibler glomerulärer und tubulointerstitieller Schädigung; eingeschränkte glomeruläre Filtrationsrate bzw. Proteinurie gehören zu den häufigsten langfristigen Organschäden bei ANCA-assoziierter Vaskulitis [1, 14, LL3]
  • Terminale Niereninsuffizienz (dauerhaftes Endstadium des Nierenversagens) schwerste renale Folgeerkrankung mit dauerhafter Dialysepflicht (Notwendigkeit einer Blutwäsche) bzw. Indikation zur Nierentransplantation (Übertragung einer Spenderniere); das individuelle Risiko wird wesentlich durch Nierenfunktion und histopathologischen Schweregrad bei Diagnosestellung bestimmt [14, LL3]

Prognosefaktoren

  • Ausmaß der Nierenbeteiligung die langfristige Nierenprognose wird insbesondere durch die Nierenfunktion bei Diagnosestellung, den Anteil morphologisch normaler Glomeruli sowie das Ausmaß interstitieller Fibrose (Narbenbildung im Nierenzwischengewebe) und tubulärer Atrophie (Schwund der Nierenkanälchen) bestimmt; diese Parameter bilden die Grundlage des validierten Improved ANCA Kidney Risk Score [14, LL3]
  • Proteinase-3-ANCA-Positivität gehört zu den am konsistentesten belegten Risikofaktoren für ein Rezidiv; eine Metaanalyse zeigte eine signifikante Assoziation zwischen Proteinase-3-ANCA und erhöhtem Rezidivrisiko [15]
  • Respiratorische Manifestationen (Beteiligungen der Atemwege bzw. Lunge) und Rezidivrisiko in der PEXIVAS-Auswertung waren neben Proteinase-3-ANCA insbesondere nicht-hämorrhagische respiratorische Manifestationen mit einem erhöhten späteren Rezidivrisiko assoziiert [16]
  • ANCA-Verlauf persistierende bzw. erneut positive oder ansteigende Anti-Neutrophilen-Zytoplasma-Antikörper können zur Risikoeinschätzung beitragen, besitzen für den individuellen Patienten jedoch keine ausreichende prädiktive Genauigkeit; Therapieentscheidungen sollen daher nicht ausschließlich anhand des ANCA-Verlaufs getroffen werden [LL1, LL2, LL3]
  • Kumulativer irreversibler Organschaden (zunehmende bleibende Organschädigung) die Schädigung nimmt im Langzeitverlauf zu; besonders häufig persistieren renale Schäden, HNO-Strukturschäden, Hörverlust und periphere Neuropathien [1]
  • Pulmonale Beteiligung insbesondere diffuse alveoläre Hämorrhagie und andere schwere pulmonale Manifestationen erhöhen die Akutmorbidität; pulmonale Manifestationen können außerdem dauerhafte Organschäden hinterlassen [2]
  • Kardiovaskuläres und thromboembolisches Risiko das erhöhte Risiko für arterielle kardiovaskuläre bzw. zerebrovaskuläre Ereignisse und venöse Thromboembolien trägt zur Langzeitmorbidität bei; thromboembolische Ereignisse treten bei GPA insbesondere früh nach Diagnosestellung gehäuft auf [8-10]
  • Therapieassoziierter Langzeitschaden (langfristige Schäden durch die Behandlung) neben der durch die Vaskulitis verursachten Organschädigung tragen insbesondere kumulative Glucocorticoid- und Immunsuppressivaexposition zur Langzeitmorbidität bei; therapieinduzierte Nebenwirkungen und Komorbiditäten sollen deshalb regelmäßig und getrennt von der Krankheitsaktivität erfasst werden [1, LL1, LL2]

Literatur

  1. Robson J, Doll H, Suppiah R et al.: Damage in the ANCA-associated vasculitides: long-term data from the European Vasculitis Study Group (EUVAS) therapeutic trials. Ann Rheum Dis. 2015;74(1):177-184. doi: 10.1136/annrheumdis-2013-203927
  2. Junek M, Choi S, Garner S et al.: Pulmonary manifestations of granulomatosis with polyangiitis and microscopic polyangiitis. Semin Arthritis Rheum. 2026;77:152949. doi: 10.1016/j.semarthrit.2026.152949
  3. Felicetti M, Cazzador D, Padoan R et al.: Ear, nose and throat involvement in granulomatosis with polyangiitis: how it presents and how it determines disease severity and long-term outcomes. Clin Rheumatol. 2018;37(4):1075-1083. doi: 10.1007/s10067-018-4019-0
  4. Almuhanna A, Almahboob A, Alhussien A et al.: Current Therapeutic Approaches to Subglottic Stenosis in Patients With GPA: A Systematic Review. Ear Nose Throat J. 2024;103(2):117-125. doi: 10.1177/01455613211036246
  5. Denvir B, Shah AA, Hillel AT et al.: Tracheobronchial Stenosis in Granulomatosis With Polyangiitis: Immunosuppressant Use and Airway Dilation Frequency. ACR Open Rheumatol. 2026;8(4):e90023. doi: 10.1002/acr2.90023
  6. Sfiniadaki E, Tsiara I, Theodossiadis P et al.: Ocular Manifestations of Granulomatosis with Polyangiitis: A Review of the Literature. Ophthalmol Ther. 2019;8(2):227-234. doi: 10.1007/s40123-019-0176-8
  7. McGeoch L, Carette S, Cuthbertson D et al.: Cardiac Involvement in Granulomatosis with Polyangiitis. J Rheumatol. 2015;42(7):1209-1212. doi: 10.3899/jrheum.141513
  8. Xie W, Xiao S, Li X et al.: Cardiovascular and cerebrovascular outcomes in anti-neutrophil cytoplasmic antibody-associated vasculitis: A systematic review with meta-analysis. Autoimmun Rev. 2024;23(6):103587. doi: 10.1016/j.autrev.2024.103587
  9. Goyal A, Abbasi HQ, Mashkoor Y et al.: Assessment of cardiovascular risk in patients with ANCA-associated vasculitis: A systematic review and meta-analysis. Int J Cardiol Cardiovasc Risk Prev. 2024;23:200334. doi: 10.1016/j.ijcrp.2024.200334
  10. Marozoff S, Mai A, Dehghan N et al.: Increased risk of venous thromboembolism in patients with granulomatosis with polyangiitis: A population-based study. PLoS One. 2022;17(6):e0270142. doi: 10.1371/journal.pone.0270142
  11. Eriksson P, Segelmark M, Hallböök O: Frequency, Diagnosis, Treatment, and Outcome of Gastrointestinal Disease in Granulomatosis with Polyangiitis and Microscopic Polyangiitis. J Rheumatol. 2018;45(4):529-537. doi: 10.3899/jrheum.170249
  12. Koike H, Nishi R, Ohyama K et al.: ANCA-Associated Vasculitic Neuropathies: A Review. Neurol Ther. 2022;11(1):21-38. doi: 10.1007/s40120-021-00315-7
  13. Shimojima Y, Sekijima Y: Hypertrophic pachymeningitis in ANCA-associated vasculitis: Clinical and immunopathological features and insights. Autoimmun Rev. 2023;22(6):103338. doi: 10.1016/j.autrev.2023.103338
  14. Bate S, McGovern D, Costigliolo F et al.: The Improved Kidney Risk Score in ANCA-Associated Vasculitis for Clinical Practice and Trials. J Am Soc Nephrol. 2024;35(3):335-346. doi: 10.1681/ASN.0000000000000274
  15. King C, Druce KL, Nightingale P et al.: Predicting relapse in anti-neutrophil cytoplasmic antibody-associated vasculitis: a Systematic review and meta-analysis. Rheumatol Adv Pract. 2021;5(3):rkab018. doi: 10.1093/rap/rkab018
  16. Junek ML, Merkel PA, Vilayur E et al.: Risk of Relapse of Antineutrophil Cytoplasmic Antibody-Associated Vasculitis in a Randomized Controlled Trial of Plasma Exchange and Glucocorticoids. Arthritis Rheumatol. 2024;76(9):1431-1438. doi: 10.1002/art.42843

Leitlinien, Referenzwerte und Protokolle

  1. S3-Leitlinie: Diagnostik und Therapie der ANCA-assoziierten Vaskulitiden [2024-2029]. (AWMF-Registernummer 060-012). August 2024 Langfassung. [LL1]
  2. Hellmich B, Sanchez-Alamo B, Schirmer JH et al.: EULAR recommendations for the management of ANCA-associated vasculitis: 2022 update. Ann Rheum Dis. 2024;83(1):30-47. doi: 10.1136/ard-2022-223764. [LL2]
  3. Kidney Disease: Improving Global Outcomes (KDIGO) ANCA Vasculitis Work Group: KDIGO 2024 Clinical Practice Guideline for the Management of Antineutrophil Cytoplasmic Antibody (ANCA)-Associated Vasculitis. Kidney Int. 2024;105(3S):S71-S116. doi: 10.1016/j.kint.2023.10.008. [LL3]