Sterilität der Frau – Medikamentöse Therapie

Therapieziele

  • Erreichen einer Schwangerschaft und Lebendgeburt: Behandlung der zugrunde liegenden Fertilitätsstörung (Störung der Fruchtbarkeit) unter Berücksichtigung von Alter, ovarieller Reserve (Eizellreserve), Dauer der Sterilität und Begleitfaktoren des Partners.
  • Risikominimierung: Vermeidung von Mehrlingsschwangerschaften, ovariellem Hyperstimulationssyndrom (OHSS; Überstimulationssyndrom), vorzeitiger Ovulation (vorzeitigem Eisprung) und therapiebedingten Komplikationen.

Therapieempfehlungen

  • Kausale Therapie: Die Pharmakotherapie richtet sich nach der Ursache der Ovulationsstörung (Störung des Eisprungs). Hypogonadotrope Anovulation (Ausbleiben des Eisprungs infolge eines Mangels an übergeordneten Hormonen), PCOS (Syndrom der polyzystischen Ovarien), Hyperprolaktinämie (erhöhter Prolaktinspiegel) und primäre Ovarialinsuffizienz (vorzeitige Einschränkung der Eierstockfunktion) erfordern unterschiedliche Behandlungsstrategien [LL1, LL2, LL4].
  • Vor Therapiebeginn: Ausschluss einer Schwangerschaft sowie Abklärung von Tubendurchgängigkeit, Spermiogramm, Zyklus- und Ovulationsstatus, endokrinen Störungen (Hormonstörungen) und Kontraindikationen.
  • Ovarielle Reserve: Antralfollikelzahl (AFC) bzw. Anti-Müller-Hormon (AMH) dienen zur Vorhersage einer niedrigen oder hohen ovariellen Reaktion auf Gonadotropine, nicht zur zuverlässigen Vorhersage einer Schwangerschaft oder Lebendgeburt. Alter und Body-Mass-Index beeinflussen dagegen die reproduktive Prognose [LL3].
  • Monitoring: Jede medikamentöse Ovulationsinduktion, insbesondere bei PCOS und unter Gonadotropinen, erfordert eine sonographische Follikelkontrolle. Abhängig vom Protokoll sind zusätzliche Estradiol- und LH-Bestimmungen erforderlich [LL1-LL3].
  • Primäre Ovarialinsuffizienz: Bei gesicherter primärer Ovarialinsuffizienz existiert keine etablierte medikamentöse Therapie zur verlässlichen Wiederherstellung der Fertilität. Eine ovarielle Stimulation ist allenfalls bei nachweisbarer Restfunktion individuell zu erwägen.
  • Ungeklärte Sterilität: Die Auswahl zwischen abwartendem Vorgehen, stimulierter intrauteriner Insemination und In-vitro-Fertilisation erfolgt prognoseorientiert nach Alter, Sterilitätsdauer und Vorbehandlungen [LL4].

Ovulationsinduktion bei polyzystischem Ovarialsyndrom

Wirkstoff Besonderheiten
Letrozol Mittel der ersten Wahl bei anovulatorischem PCOS ohne weitere Fertilitätsfaktoren; Anwendung zur Ovulationsinduktion in Deutschland außerhalb der Zulassung (Off-Label-Use) [3, 4, LL1, LL2, FI2]
Clomifen Alternative zu Letrozol; sonographische Kontrolle wegen Mehrlingsrisiko und möglicher multifollikulärer Reaktion [LL1, LL2, FI1]
Metformin Off-Label-Use zur Ovulationsinduktion; vor allem bei metabolischer Indikation, Insulinresistenz (verminderter Wirkung von Insulin) bzw. eingeschränkter Glucosetoleranz; allein weniger wirksam als Letrozol oder Clomifen [LL1, LL2]
  • Wirkweise: Letrozol hemmt vorübergehend die Aromatase und vermindert die Östrogensynthese; Clomifen blockiert hypothalamische Östrogenrezeptoren und steigert die Gonadotropinfreisetzung; Metformin verbessert insbesondere die hepatische und periphere Insulinsensitivität.
  • Indikationen: Oligo- bzw. Anovulation bei PCOS nach Ausschluss weiterer relevanter Fertilitätsfaktoren. Letrozol ist aufgrund höherer Ovulations-, Schwangerschafts- und Lebendgeburtenraten gegenüber Clomifen zu bevorzugen. In einer großen randomisierten Studie betrug die kumulative Lebendgeburtenrate 27,5 % unter Letrozol gegenüber 19,1 % unter Clomifen [3, 4, LL2].
  • Kontraindikationen: Schwangerschaft; bei Letrozol zusätzlich Stillzeit und schwere Leberfunktionsstörung; bei Clomifen insbesondere Lebererkrankung, ungeklärte uterine Blutung (Blutung aus der Gebärmutter), nicht PCOS-bedingte Ovarialzysten (Zysten der Eierstöcke) und hormonabhängige Tumoren; bei Metformin schwere Niereninsuffizienz (schwere Einschränkung der Nierenfunktion), metabolische Azidose (Übersäuerung des Blutes) und akute hypoxische Zustände (akute Sauerstoffmangelzustände).
  • Nebenwirkungen: Letrozol: Hitzewallungen, Kopfschmerzen, Schwindel, Arthralgien (Gelenkschmerzen) und gastrointestinale Beschwerden (Magen-Darm-Beschwerden); Clomifen: Hitzewallungen, Sehstörungen, Ovarialzysten, Endometriumverdünnung (Verdünnung der Gebärmutterschleimhaut) und Mehrlingsschwangerschaften; Metformin: Übelkeit, Diarrhoe (Durchfall), Vitamin-B12-Mangel, sehr selten Laktatazidose (Übersäuerung des Blutes durch Lactat).

Hypogonadotrope Anovulation

Wirkstoff Besonderheiten
Gonadorelin, pulsatil Physiologische Therapieoption bei intakter Hypophyse; geringeres Mehrlingsrisiko als unter Gonadotropinen [LL1]
Follitropin alfa oder beta Alternative, wenn eine pulsatile GnRH-Therapie nicht verfügbar oder nicht erfolgreich ist [LL1]
Menotropin bzw. Follitropin alfa plus Lutropin alfa Insbesondere bei ausgeprägtem LH-/FSH-Mangel; engmaschige sonographische und hormonelle Überwachung
  • Wirkweise: Pulsatiles Gonadorelin stellt die physiologische hypophysäre LH-/FSH-Sekretion wieder her; Gonadotropine stimulieren die Follikelreifung unmittelbar am Ovar.
  • Indikationen: Hypogonadotrope, normoprolaktinämische Anovulation, beispielsweise bei funktioneller hypothalamischer Amenorrhoe (Ausbleiben der Regelblutung infolge einer Funktionsstörung des Hypothalamus), nach vorrangiger Behandlung auslösender Faktoren [LL1].
  • Kontraindikationen: Schwangerschaft, nicht abgeklärte ovarielle oder uterine Raumforderung, hormonabhängige Tumoren und Zustände, bei denen eine Schwangerschaft kontraindiziert ist.
  • Nebenwirkungen: Kopfschmerzen, lokale Reaktionen, Ovarialzysten und Mehrlingsschwangerschaften; unter Gonadotropinen zusätzlich OHSS. Das Risiko ist unter pulsatiler GnRH-Therapie vergleichsweise gering.

Hyperprolaktinämie

Wirkstoff Besonderheiten
Cabergolin Dopaminagonist der ersten Wahl aufgrund hoher Wirksamkeit, guter Verträglichkeit und langer Halbwertszeit [LL1]
Bromocriptin Alternative bei Unverträglichkeit oder Kontraindikation gegen Cabergolin
  • Wirkweise: Dopamin-D2-Rezeptor-Agonisten hemmen die Prolaktinsekretion, normalisieren die pulsatile GnRH-Sekretion und können Ovulationen wiederherstellen.
  • Indikationen: Symptomatische und laborchemisch bestätigte Hyperprolaktinämie mit Zyklusstörung, Anovulation bzw. Infertilität [LL1].
  • Kontraindikationen: Unkontrollierte Hypertonie (Bluthochdruck), fibrotische Herzklappenerkrankungen (Herzklappenerkrankungen durch krankhafte Bindegewebsvermehrung) bei geplanter Langzeittherapie mit Cabergolin sowie Überempfindlichkeit gegen Mutterkornalkaloide; vor Therapiebeginn sind sekundäre Ursachen auszuschließen.
  • Nebenwirkungen: Übelkeit, orthostatische Hypotonie (Blutdruckabfall beim Aufstehen), Kopfschmerzen, Schwindel, Obstipation (Verstopfung) und Müdigkeit; selten psychische Impulskontrollstörungen bzw. fibrotische Komplikationen bei hoher kumulativer Cabergolindosis.

Gonadotropinstimulation bei PCOS sowie IVF/ICSI

Wirkstoff Besonderheiten
Follitropin alfa oder beta; Urofollitropin Dosierung nach AFC, AMH, Körpergewicht und vorausgegangener ovarieller Reaktion; bei erwarteter hoher Response reduzierte Anfangsdosis [LL3, FI3]
Follitropin delta Wirksamkeit mit Follitropin alfa bzw. beta vergleichbar; präparatespezifische Dosiseinheit beachten [LL3]
Menotropin FSH- und LH-Aktivität; rekombinantes FSH und HMG sind für die kontrollierte ovarielle Stimulation gleichwertige Optionen [LL3]
Corifollitropin alfa Lang wirksames FSH-Analogon für die ersten 7 Stimulationstage; Anwendung im GnRH-Antagonisten-Protokoll
  • Wirkweise: FSH stimuliert Wachstum und Reifung ovarieller Follikel; HMG besitzt zusätzliche LH-Aktivität. Corifollitropin alfa bewirkt eine lang anhaltende FSH-Stimulation.
  • Indikationen: Zweitlinientherapie der anovulatorischen Infertilität bei PCOS nach Versagen oraler Ovulationsinduktoren sowie kontrollierte Entwicklung multipler Follikel bei IVF bzw. ICSI [LL2, LL3].
  • Kontraindikationen: Schwangerschaft, primäre Ovarialinsuffizienz ohne Restfunktion, ungeklärte ovarielle Vergrößerung, hormonabhängige Tumoren, Fehlbildungen der Fortpflanzungsorgane bzw. Uterusmyome (gutartige Muskelknoten der Gebärmutter), die eine Schwangerschaft ausschließen.
  • Nebenwirkungen: OHSS, Mehrlingsschwangerschaft, Unterbauchschmerzen, Ovarialzysten, Kopfschmerzen, Übelkeit und lokale Reaktionen; selten Ovarialtorsion (Drehung des Eierstocks) bzw. thromboembolische Ereignisse (Gefäßverschlüsse durch Blutgerinnsel).

Hypophysäre Suppression bei IVF/ICSI

Wirkstoff Besonderheiten
Cetrorelix GnRH-Antagonist; die frühere 3-mg-Einmaldosis ist nicht mehr Bestandteil der aktuellen Standardanwendung [FI5]
Ganirelix GnRH-Antagonist mit sofortigem Wirkungseintritt [FI6]
Buserelin, Nafarelin oder Triptorelin GnRH-Agonisten; falls ein Agonistenprotokoll angewendet wird, ist das Langprotokoll kurzen bzw. ultrakurzen Protokollen vorzuziehen [LL3]
  • Wirkweise: GnRH-Antagonisten blockieren die hypophysären GnRH-Rezeptoren unmittelbar. GnRH-Agonisten führen nach initialem Flare-up zur Desensibilisierung und Downregulation der Hypophyse.
  • Indikationen: Verhinderung eines vorzeitigen LH-Anstiegs und einer vorzeitigen Ovulation während der kontrollierten ovariellen Stimulation.
  • Kontraindikationen: Schwangerschaft, Stillzeit, Überempfindlichkeit gegen GnRH-Analoga sowie präparatespezifisch schwere Leber- bzw. Nierenfunktionsstörungen.
  • Nebenwirkungen: Lokale Reaktionen, Kopfschmerzen, Übelkeit und Unterbauchbeschwerden; GnRH-Agonisten zusätzlich Hitzewallungen, vaginale Trockenheit (Scheidentrockenheit), Schlafstörungen und funktionelle Ovarialzysten.

Das GnRH-Antagonisten-Protokoll wird bei IVF bzw. ICSI gegenüber Agonistenprotokollen generell bevorzugt, da eine vergleichbare Wirksamkeit mit einem geringeren OHSS-Risiko verbunden ist [LL3].

Auslösung der Ovulation bzw. finalen Oozytenreifung

Wirkstoff Besonderheiten
Choriogonadotropin alfa Ovulationsauslösung bei Anovulation bzw. finale Oozytenreifung vor Follikelpunktion; Punktion nach präparatespezifischem Behandlungsprotokoll [FI4]
Humanes Choriongonadotropin aus Urin Im Agonistenprotokoll ist eine niedrigere wirksame Dosis wahrscheinlich sicherer als eine höhere Dosis; erhöhtes OHSS-Risiko beachten [LL3]
Triptorelin oder Buserelin als GnRH-Agonisten-Trigger Nur im GnRH-Antagonisten-Protokoll; bei hohem OHSS-Risiko in Verbindung mit einer Freeze-all-Strategie bevorzugt [LL3]
Cabergolin zur OHSS-Prävention Bei erhöhtem OHSS-Risiko insbesondere nach hCG-Trigger zu erwägen; ersetzt keine angepasste Stimulations- und Transferstrategie [LL3]
  • Wirkweise: hCG aktiviert den LH-Rezeptor und induziert die finale Oozytenreifung sowie Ovulation. Ein GnRH-Agonisten-Trigger setzt einen endogenen LH-/FSH-Anstieg frei. Cabergolin vermindert über Dopamin-D2-Rezeptoren die VEGF-vermittelte Gefäßpermeabilität (Durchlässigkeit der Blutgefäße).
  • Indikationen: Terminierte Ovulationsauslösung nach Follikelstimulation bzw. finale Oozytenreifung vor Follikelpunktion; Cabergolin zur Risikoreduktion eines frühen OHSS.
  • Kontraindikationen: Unkontrollierte ovarielle Überreaktion ohne adäquate Risikostrategie, hormonabhängige Tumoren und Situationen, in denen eine Schwangerschaft kontraindiziert ist; zusätzliche substanzspezifische Kontraindikationen beachten.
  • Nebenwirkungen: hCG kann ein OHSS auslösen oder verstärken; weitere Nebenwirkungen sind Unterbauchschmerzen, Kopfschmerzen, Übelkeit und lokale Reaktionen. Cabergolin kann Schwindel, orthostatische Hypotonie und gastrointestinale Beschwerden verursachen.

Lutealphasenunterstützung nach IVF/ICSI

Wirkstoff Besonderheiten
Progesteron, vaginal Bevorzugte, evidenzbasierte Lutealphasenunterstützung (Unterstützung der zweiten Zyklushälfte) nach IVF/ICSI [LL3]
Progesteron, subkutan Alternative bei Unverträglichkeit oder unzureichender Akzeptanz der vaginalen Anwendung [LL3]
Progesteron, intramuskulär Wirksam, jedoch durch schmerzhafte Injektionen und lokale Komplikationen belastet [LL3]
Dydrogesteron Mögliche Alternative; Zulassungsstatus und präparatespezifische Sicherheitsinformationen beachten [LL3]
  • Wirkweise: Progesteron und Dydrogesteron bewirken die sekretorische Transformation (Vorbereitung auf die Einnistung einer befruchteten Eizelle) und Stabilisierung des Endometriums.
  • Indikationen: Lutealphasenunterstützung nach stimulierter IVF bzw. ICSI. Der Beginn soll zwischen dem Abend der Follikelpunktion und dem dritten Tag danach erfolgen; die Anwendung wird mindestens bis zum Schwangerschaftstest fortgeführt [LL3].
  • Kontraindikationen: Ungeklärte vaginale Blutung, schwere Leberfunktionsstörung, aktive bzw. vorausgegangene hormonabhängige Tumoren und thromboembolische Erkrankungen entsprechend der jeweiligen Fachinformation.
  • Nebenwirkungen: Müdigkeit, Schwindel, Kopfschmerzen, Brustspannen, vaginale Irritation bzw. Ausfluss; bei intramuskulärer Anwendung Schmerzen, sterile Abszesse (abgekapselte Eiteransammlungen ohne Keimnachweis) und lokale Entzündungen.

Eine routinemäßige zusätzliche Estradiolgabe verbessert die Ergebnisse nicht. hCG wird wegen des OHSS-Risikos nicht zur routinemäßigen Lutealphasenunterstützung empfohlen. Außerhalb stimulierter IVF-/ICSI-Zyklen ist eine isolierte Lutealphaseninsuffizienz (unzureichende Funktion der zweiten Zyklushälfte) als eigenständige Infertilitätsursache nicht hinreichend belegt; eine zyklische Gestagengabe allein soll nicht zur Steigerung der Konzeptionswahrscheinlichkeit eingesetzt werden [LL1, LL3].

Schlechte ovarielle Reaktion und OHSS-Prävention

  • Predicted poor responder: Eine Gonadotropindosis von mehr als 300 IE/d wird nicht empfohlen, da keine relevante Steigerung der Oozytenzahl oder Lebendgeburtenrate belegt ist [LL3].
  • Predicted high responder: Empfohlen werden ein GnRH-Antagonisten-Protokoll, eine reduzierte Gonadotropin-Anfangsdosis und bei hohem OHSS-Risiko ein GnRH-Agonisten-Trigger mit Freeze-all-Strategie [LL3].
  • DHEA: Frühe kleine Studien berichteten von möglichen Vorteilen bei schlechter ovarieller Reaktion [1]. Aktuelle randomisierte Daten und Metaanalysen zeigen jedoch keinen gesicherten Vorteil für Lebendgeburt oder fortbestehende Schwangerschaft; DHEA wird deshalb vor bzw. während einer IVF-Stimulation nicht empfohlen [6, LL3].
  • Dual Trigger: Die Kombination aus GnRH-Agonist und hCG soll bei Patientinnen mit hoher ovarieller Reaktion nicht routinemäßig eingesetzt werden, da sie das OHSS-Risiko erhöhen kann [LL3].

Weitere Hinweise

  • Clomifen-Versagen: In der M-OVIN-Studie wurden Patientinnen nach sechs ovulatorischen Clomifenzyklen ohne Schwangerschaft randomisiert. Der Wechsel zu Gonadotropinen erhöhte die Lebendgeburtenrate gegenüber einer Fortsetzung von Clomifen (52 % versus 41 %). Eine zusätzliche intrauterine Insemination war dem Verkehr zum optimalen Zeitpunkt nicht signifikant überlegen. Aus dieser Studie lässt sich daher keine Empfehlung für zwölf Clomifenzyklen ableiten [2].
  • Clomifen und Epilepsie: Eine landesweite Kohortenstudie zeigte nach maternaler Clomifenexposition eine geringe statistische Assoziation mit Epilepsie (Anfallsleiden) im Kindesalter (adjustierte Hazard Ratio 1,10). Aufgrund des Beobachtungsdesigns ist ein Kausalzusammenhang nicht belegt [5].
  • Therapie anderer Ursachen: Schilddrüsenerkrankungen, nichtklassisches adrenogenitales Syndrom, Endometriose, tubare Sterilität und uterine Ursachen werden unter den jeweiligen Krankheitsbildern dargestellt.
  • Behandlungszentrum: Gonadotropintherapie, IVF bzw. ICSI und OHSS-Risikoprotokolle gehören in die Hand eines reproduktionsmedizinisch erfahrenen Zentrums.

Im Folgenden Begriffe, die Sie im Zusammenhang mit der medikamentösen Therapie häufiger hören werden:

Clomifen Der vollständige Name lautet Clomifencitrat. Der Wirkstoff gehört zu den Antiöstrogenen. Clomifen ist ein Medikament in Tablettenform zur hormonellen Stimulation der Ovarien (Eierstöcke).
Letrozol Der Wirkstoff gehört zu den Aromatasehemmern. Er hemmt die durch die Aromatase vermittelte Umwandlung von Androgenen in Östrogene. Letrozol ist ein Medikament in Tablettenform zur hormonellen Stimulation der Ovarien.
Danazol Danazol ist ein synthetisches Steroid mit antigonadotroper und schwach androgener Wirkung. Das Medikament wurde vornehmlich zur Therapie der Endometriose (Ansiedlung gebärmutterschleimhautähnlichen Gewebes außerhalb der Gebärmutter) eingesetzt.
Dexamethason Dexamethason ist ein Cortison-Präparat. Es kann in besonderen Situationen zur Behandlung des adrenogenitalen Syndroms (AGS; angeborene Störung der Hormonbildung in der Nebenniere) mit erhöhten Androgenen (männlichen Hormonen) eingesetzt werden.
Downregulation Das Wort „Downregulation“ bedeutet „Herunterregulierung“. Durch die kontinuierliche Gabe eines GnRH-Agonisten wird die Funktion der Hypophyse (Hirnanhangsdrüse) nach einer anfänglichen Aktivierung vorübergehend unterdrückt. Dadurch entsteht ein zeitlich begrenzter hormoneller Zustand, der sogenannten „künstlichen Wechseljahren“ ähnelt. Die Downregulation wird bei der In-vitro-Fertilisation (IVF) eingesetzt.
FSH FSH ist die Abkürzung für follikelstimulierendes Hormon. Es ist ein Gonadotropin und Hormon der Hypophyse (Hirnanhangsdrüse), das als Medikament zur Stimulation der Ovarien (Eierstöcke) gespritzt werden kann.
GnRH GnRH ist die Abkürzung für Gonadotropin-Releasing-Hormon. Es ist ein Hormon des Hypothalamus, das die Ausschüttung von LH und FSH in der Hypophyse (Hirnanhangsdrüse) steuert. Diese Hormone regulieren die Funktion der Ovarien (Eierstöcke), insbesondere die Eizellreifung (Follikelreifungsphase), den Eisprung (Ovulation) und die Gelbkörperphase (Corpus-luteum-Phase).
GnRH-Antagonisten GnRH-Antagonisten blockieren die Wirkung des Gonadotropin-Releasing-Hormons unmittelbar an der Hypophyse. Sie werden während einer hormonellen Stimulation zur Verhinderung eines vorzeitigen Eisprungs eingesetzt. Im Gegensatz zu GnRH-Agonisten verursachen sie keinen anfänglichen Flare-up-Effekt.
Gonadotropine Gonadotropine wie LH und FSH sind Hormone der Hypophyse (Hirnanhangsdrüse), die die Funktion der Ovarien (Eierstöcke) regulieren. Sie dienen der Eizellreifung (Follikelreifung) und der Steuerung der Ovulation (Eisprung).
hCG hCG ist die Abkürzung für humanes Choriongonadotropin. Es wird auch als Schwangerschaftshormon bezeichnet, da es während der Schwangerschaft in hohen Konzentrationen von der Plazenta (Mutterkuchen) gebildet wird. Es wird bei der Hormontherapie zum Auslösen der Ovulation (Eisprung) bzw. der finalen Eizellreifung gespritzt. Die Verabreichung erfolgt abhängig vom Präparat subkutan oder intramuskulär.
Hyperstimulationssyndrom
(Überstimulationssyndrom)
Eine Komplikation der Hormonbehandlung. Dabei können stark vergrößerte Ovarien (Eierstöcke), eine erhöhte Durchlässigkeit der Blutgefäße, Aszites (krankhafte Flüssigkeitsansammlung in der freien Bauchhöhle) und eine erhöhte Thrombosegefahr auftreten.
LH LH ist die Abkürzung für luteinisierendes Hormon. Es ist ein Gonadotropin und Hormon der Hypophyse (Hirnanhangsdrüse), das bei einem reifen Follikel (Eibläschen) die Ovulation (Eisprung) auslöst.
Östrogene Östrogene gehören zur Gruppe der Sexualhormone. Sie kommen bei Frau und Mann vor, werden bei der Frau im reproduktiven Alter jedoch in deutlich höheren Konzentrationen gebildet. Das wichtigste Östrogen ist Estradiol. Im reifenden Follikel wird es von den Granulosazellen aus androgenen Vorstufen gebildet.
Progesteron Progesteron wird auch als Gelbkörperhormon bezeichnet. Es wird vom Corpus luteum (Gelbkörper) in der zweiten Zyklushälfte gebildet.
Es bereitet die Gebärmutter auf eine mögliche Schwangerschaft vor. Findet keine Befruchtung statt, bildet sich das Corpus luteum zurück. Dabei fällt der Progesteron-Serumspiegel ab und es kommt zur Ablösung der aufgebauten Gebärmutterschleimhaut mit anschließender Menstruation (Regelblutung).
Kommt es zu einer Schwangerschaft, unterstützt Progesteron die Aufrechterhaltung der Gebärmutterschleimhaut und bereitet die Brustdrüsen auf die Milchproduktion vor. Außerdem sorgt es während der zweiten Zyklushälfte – in der Schwangerschaft dauerhaft – für einen Anstieg der Basaltemperatur (BT). Die Basaltemperatur bezeichnet die Morgentemperatur, die unmittelbar nach dem Aufwachen gemessen wird.
Prolaktin Das Hormon Prolaktin wird im Hypophysenvorderlappen (Vorderlappen der Hirnanhangsdrüse) gebildet. Es besitzt zahlreiche Funktionen und steuert beispielsweise den Milcheinschuss nach der Geburt. Die Ausschüttung von Prolaktin wird durch das Saugen des Kindes an der Brustwarze stimuliert.

Prolaktin ist auch ein Stresshormon – der Prolaktin-Serumspiegel kann unter Stress ansteigen.

Auch Störungen der Schilddrüse – beispielsweise eine latente Hypothyreose (Schilddrüsenunterfunktion ohne eindeutige Beschwerden), die gemeinsam mit einer Galaktorrhoe (krankhaftem Brustmilchausfluss) auftreten kann – können zu einer vermehrten Bildung von Prolaktin führen. Erhöhte Prolaktin-Serumspiegel stören die Follikelreifung (Eizellreifung).
Testosteron Testosteron ist das bekannteste Androgen. Es wird im Hoden, Ovar (Eierstock), in der Haut und in der Nebenniere gebildet. Bei der Frau liegt es in wesentlich niedrigeren Konzentrationen als beim Mann vor.
Testosteron beeinflusst unter anderem die Libido der Frau. Ein ausgeprägter Überschuss kann zu einer Virilisierung (Vermännlichung) führen.

Supplemente (Nahrungsergänzungsmittel; Vitalstoffe)

Geeignete Nahrungsergänzungsmittel bei Kinderwunsch sollten die folgenden Vitalstoffe enthalten:

  • Vitamine (C, E, D3, K, B1, B2, Niacin (Vitamin B3), Pantothensäure (Vitamin B5), B6, B12, aktivierte Folsäure, Biotin)
  • Mineralstoffe (Calcium, Magnesium)
  • Spurenelemente (Chrom, Eisen, Jod, Molybdän, Selen, Zink)
  • Fettsäuren (Omega-3-Fettsäuren: Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA))
  • Sekundäre Pflanzenstoffe (Beta-Carotin)

Beachte: Die aufgeführten Vitalstoffe sind kein Ersatz für eine medikamentöse Therapie. Nahrungsergänzungsmittel sind dazu bestimmt, die allgemeine Ernährung in der jeweiligen Lebenssituation zu ergänzen.

Für Fragen zum Thema Nahrungsergänzungsmittel stehen wir Ihnen gerne kostenfrei zur Verfügung.

Nehmen Sie bei Fragen dazu bitte per E-Mail – info@docmedicus.de – Kontakt mit uns auf, und teilen Sie uns dabei Ihre Telefonnummer mit und wann wir Sie am besten erreichen können.

Red Flags (Warnzeichen) bei medikamentöser Therapie der Sterilität der Frau

  • Ovarielles Hyperstimulationssyndrom: Rasche Gewichtszunahme, zunehmender Bauchumfang, ausgeprägte Unterbauchschmerzen, persistierendes Erbrechen, Oligurie (verminderte Urinausscheidung), Dyspnoe (Atemnot) oder Kreislaufstörungen erfordern eine sofortige ärztliche Abklärung.
  • Ovarialtorsion: Plötzlich einsetzende starke, meist einseitige Unterbauchschmerzen mit Übelkeit bzw. Erbrechen sind als Notfall abzuklären.
  • Thromboembolie: Einseitige Beinschwellung, thorakale Schmerzen (Brustkorbschmerzen), akute Atemnot, Hämoptysen (Bluthusten) oder neurologische Ausfälle erfordern eine unverzügliche Notfalldiagnostik.
  • Sehstörungen unter Clomifen: Bei Flimmern, Gesichtsfeldausfällen oder verschwommenem Sehen ist Clomifen abzusetzen und eine augenärztliche Abklärung zu veranlassen.
  • Anaphylaxie: Urtikaria (Nesselsucht), Gesichts- bzw. Zungenschwellung, Bronchospasmus (krampfartige Verengung der Atemwege) oder Kreislaufinstabilität nach einer Injektion erfordern eine sofortige Notfallbehandlung.

Abkürzungsverzeichnis

  • AFC: Antralfollikelzahl
  • AGS: Adrenogenitales Syndrom
  • AMH: Anti-Müller-Hormon
  • BT: Basaltemperatur
  • DHEA: Dehydroepiandrosteron
  • DHA: Docosahexaensäure
  • EPA: Eicosapentaensäure
  • FI: Fachinformation
  • FSH: Follikelstimulierendes Hormon
  • GnRH: Gonadotropin-Releasing-Hormon
  • hCG: Humanes Choriongonadotropin
  • HMG: Humanes Menopausengonadotropin
  • ICSI: Intrazytoplasmatische Spermieninjektion
  • IE: Internationale Einheit
  • IUI: Intrauterine Insemination
  • IVF: In-vitro-Fertilisation
  • LH: Luteinisierendes Hormon
  • LL: Leitlinie
  • OHSS: Ovarielles Hyperstimulationssyndrom
  • PCOS: Polyzystisches Ovarialsyndrom
  • VEGF: Vascular Endothelial Growth Factor

Literatur

  1. Tsui KH et al.: Effects of dehydroepiandrosterone supplementation on women with poor ovarian response: a preliminary report and review. Taiwan J Obstet Gynecol. 2015;54(2):131-136. doi:10.1016/j.tjog.2014.07.007
  2. Weiss NS et al.: Gonadotrophins versus clomifene citrate with or without intrauterine insemination in women with normogonadotropic anovulation and clomifene failure (M-OVIN): a randomised, two-by-two factorial trial. Lancet. 2018;391(10122):758-765. doi:10.1016/s0140-6736(17)33308-1
  3. Amer SA et al.: Double-blind randomized controlled trial of letrozole versus clomiphene citrate in subfertile women with polycystic ovarian syndrome. Hum Reprod. 2017;32(8):1631-1638. doi:10.1093/humrep/dex227
  4. Legro RS et al.: Letrozole versus clomiphene for infertility in the polycystic ovary syndrome. N Engl J Med. 2014;371(2):119-129. doi:10.1056/nejmoa1313517
  5. Kettner LO et al.: Fertility treatment with clomiphene citrate and childhood epilepsy: a nationwide cohort study. Hum Reprod. 2021;36(9):2567-2575. doi:10.1093/humrep/deab110
  6. Huang L et al.: Administration of dehydroepiandrosterone improves endometrial thickness in women undergoing IVF/ICSI: a systematic review and meta-analysis. J Ovarian Res. 2025;18(1):35. doi:10.1186/s13048-024-01581-3

Leitlinien

  1. S2k-Leitlinie: Diagnostik und Therapie vor einer medizinisch assistierten Reproduktionsbehandlung. (AWMF-Registernummer: 015 - 085), April 2026 Langfassung [LL1]
  2. Teede HJ et al.: Recommendations from the 2023 International Evidence-based Guideline for the Assessment and Management of Polycystic Ovary Syndrome. Hum Reprod. 2023;38(9):1655-1679. doi:10.1093/humrep/dead156 [LL2]
  3. European Society of Human Reproduction and Embryology (ESHRE): Ovarian Stimulation for IVF/ICSI. Guideline update 2025. Langfassung [LL3]
  4. World Health Organization: Guideline for the prevention, diagnosis and treatment of infertility. Geneva: World Health Organization; 2025. Langfassung [LL4]

Fachinformation

  1. ratiopharm GmbH: Clomifen-ratiopharm 50 mg Tabletten. Fachinformation. Fachinformation [FI1]
  2. Novartis Pharma GmbH: Femara 2,5 mg Filmtabletten. Fachinformation. Fachinformation [FI2]
  3. Merck Europe B.V.: GONAL-f. Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels. EMA-Produktinformation [FI3]
  4. Merck Europe B.V.: Ovitrelle. Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels. EMA-Produktinformation [FI4]
  5. Merck Europe B.V.: Cetrotide. Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels. EMA-Produktinformation [FI5]
  6. Organon Europe B.V.: Orgalutran. Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels. EMA-Produktinformation [FI6]