Trichomonaden – Differentialdiagnosen

Haut und Unterhaut (L00-L99)

  • Allergische Kontaktdermatitis (allergische Hautentzündung durch Kontaktstoffe) der Vulva (äußeres weibliches Genitale) – nichtinfektiöse Differentialdiagnose bei Pruritus (Juckreiz), Brennen, Erythem (Hautrötung) und zeitlichem Zusammenhang mit lokalen Kontaktallergenen (allergieauslösenden Kontaktstoffen)
  • Irritative Kontaktdermatitis (reizbedingte Hautentzündung durch Kontaktstoffe) der Vulva – nichtinfektiöse Differentialdiagnose bei Brennen, Wundgefühl und lokaler Irritation (Reizung) nach Exposition (Kontakt) gegenüber Seifen, Intimsprays, Desinfektionsmitteln, Spermiziden (spermienabtötenden Mitteln) oder Gleitmitteln
  • Lichen planus vulvae (Knötchenflechte der Vulva) – erosive (oberflächlich wunde) oder entzündliche Vulvadermatose (Hauterkrankung der Vulva) mit Brennen, Dyspareunie (Schmerzen beim Geschlechtsverkehr), Fluor (Ausfluss) und möglicher vaginaler (die Scheide betreffender) Beteiligung
  • Lichen sclerosus vulvae (chronische Weißfleckenkrankheit der Vulva) – chronisch-entzündliche Vulvadermatose mit Pruritus, weißlichen Plaques (flächigen Hautveränderungen), Fissuren (Einrissen) und Dyspareunie; Fluor steht meist nicht im Vordergrund
  • Psoriasis inversa der Vulva (Schuppenflechte in Hautfalten der Vulva) – erythematöse (gerötete), meist scharf begrenzte Plaques mit Brennen oder Juckreiz; kann infektiöse Vulvovaginitis (Entzündung von Vulva und Scheide) klinisch imitieren

Infektiöse und parasitäre Krankheiten (A00-B99)

  • Adenovirus-Urethritis (Harnröhrenentzündung durch Adenoviren) – bei nichtgonorrhoischer Urethritis (Harnröhrenentzündung ohne Gonokokkennachweis), insbesondere bei Männern; Dysurie (Schmerzen/Brennen beim Wasserlassen), Meatitis (Entzündung der Harnröhrenmündung), seröser Ausfluss (wässriger Ausfluss) und gegebenenfalls Konjunktivitis (Bindehautentzündung)
  • Chlamydieninfektion (Infektion mit Chlamydien) durch Chlamydia trachomatis – Zervizitis (Gebärmutterhalsentzündung), Urethritis, postkoitale Blutung (Blutung nach Geschlechtsverkehr), Dysurie oder Unterbauchschmerz; häufig oligosymptomatisch (symptomarm)
  • Gonokokkeninfektion (Infektion mit Gonokokken) durch Neisseria gonorrhoeae – purulente Zervizitis (eitrige Gebärmutterhalsentzündung) oder Urethritis, Dysurie, Fluor beziehungsweise urethraler Ausfluss (Ausfluss aus der Harnröhre); Koinfektionen (gleichzeitige Infektionen) sind zu prüfen
  • Herpes-simplex-Virus-Infektion (Infektion mit Herpes-simplex-Viren) – vulväre, vaginale, zervikale (den Gebärmutterhals betreffende) oder urethrale (die Harnröhre betreffende) Läsionen (Gewebeschädigungen) mit Schmerz, Dysurie, Ulzera (Geschwüren) oder Vesikeln (Bläschen); kann Urethritis oder Zervizitis imitieren
  • Infektion durch Mycoplasma genitalium (Infektion durch Mykoplasmen) – nichtgonorrhoische Urethritis, persistierende (anhaltende) oder rezidivierende (wiederkehrende) Zervizitis sowie mögliche Assoziation (Zusammenhang) mit Adnexitis (Entzündung von Eileiter und Eierstock)
  • Kandidose, vulvovaginale (Pilzinfektion von Vulva und Scheide) – Pruritus, Brennen, Erythem, Dyspareunie und typischerweise weißlich-bröckeliger Fluor; vaginaler pH-Wert (Säuregrad der Scheide) meist normal
  • Syphilis (Lues) – bei genitalem Ulkus (Geschwür im Genitalbereich), Lymphadenopathie (Lymphknotenschwellung) oder mukokutanen Läsionen (Schleimhaut- und Hautveränderungen) als sexuell übertragbare Differentialdiagnose zu berücksichtigen

Neubildungen – Tumorerkrankungen (C00-D48)

  • Vaginalkarzinom (Scheidenkrebs) – Red-Flag-Differentialdiagnose (Warnzeichen-Differentialdiagnose) bei persistierendem, übelriechendem oder blutigem Fluor, Kontaktblutung, Schmerzen oder suspektem Vaginalbefund (auffälligem Scheidenbefund)
  • Vulvakarzinom (Krebs der äußeren weiblichen Geschlechtsorgane) – Red-Flag-Differentialdiagnose bei persistierendem Pruritus, Schmerz, Ulzeration (Geschwürbildung), Blutung oder therapieresistenter vulvärer Läsion
  • Zervixkarzinom (Gebärmutterhalskrebs) – Red-Flag-Differentialdiagnose bei Kontaktblutung, postkoitaler Blutung, blutigem oder fötidem Fluor (übelriechendem Ausfluss) und suspektem Zervixbefund (auffälligem Gebärmutterhalsbefund)

Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett (O00-O99)

  • Physiologischer Fluor (normaler Ausfluss) in der Schwangerschaft – vermehrter, meist nicht übelriechender Fluor ohne entzündliche Begleitsymptomatik
  • Vorzeitiger Blasensprung (vorzeitiger Abgang von Fruchtwasser) – bei wässrigem Flüssigkeitsabgang in der Schwangerschaft; differentialdiagnostisch gegenüber pathologischem Fluor (krankhaftem Ausfluss) abzugrenzen

Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die anderenorts nicht klassifiziert sind (R00-R99)

  • Physiologischer Fluor vaginalis (normaler Scheidenausfluss) – zyklusabhängiger, nicht übelriechender Fluor ohne Pruritus, Brennen, Schmerzen oder Entzündungszeichen
  • Vulvodynie (chronischer Schmerz der Vulva) – chronischer Vulvaschmerz (Schmerz der äußeren weiblichen Geschlechtsorgane) ohne nachweisbare infektiöse Ursache; Brennen und Dyspareunie können eine Vulvovaginitis imitieren

Urogenitalsystem (Nieren, Harnwege – Geschlechtsorgane) (N00-N99)

  • Adnexitis/Pelvic inflammatory disease (Entzündung von Eileiter und Eierstock/entzündliche Erkrankung des kleinen Beckens) – bei Unterbauchschmerz, Portioschiebeschmerz (Schmerz beim Bewegen des Gebärmutterhalses), Adnexdruckschmerz (Druckschmerz im Bereich von Eileiter und Eierstock), Fieber oder erhöhten Entzündungsparametern (Entzündungswerten); sexuell übertragbare Erreger und Mischinfektionen (Infektionen mit mehreren Erregern) beachten
  • Aerobe Vaginitis (Scheidenentzündung durch sauerstoffliebende Bakterien) – entzündliche Vaginitis (Scheidenentzündung) mit eitrigem Fluor, erhöhtem pH-Wert, Leukozytenvermehrung (Vermehrung weißer Blutkörperchen), gestörter Laktobazillenflora (gestörter Milchsäurebakterienflora) und häufig vaginalem Brennen
  • Atrophische Vaginitis/genitourinäres Syndrom der Menopause (Scheidenentzündung durch Gewebeschwund/Beschwerden an Harn- und Geschlechtsorganen in den Wechseljahren) – bei Hypoöstrogenismus (Östrogenmangel) mit Trockenheit, Brennen, Dyspareunie, Mikroläsionen (kleinen Gewebeschädigungen), Dysurie und erhöhtem vaginalem pH-Wert
  • Bakterielle Vaginose (Störung der Scheidenflora) – zentrale Differentialdiagnose bei dünnflüssigem homogenem Fluor, Amin-Geruch (fischartigem Geruch) und erhöhtem vaginalem pH-Wert; meist ohne ausgeprägte entzündliche Vulvitis (Entzündung der Vulva)
  • Balanitis/Balanoposthitis (Entzündung der Eichel/Entzündung von Eichel und Vorhaut) – bei Männern mit Erythem, Brennen, Pruritus, Belägen oder Sekretion (Absonderung) der Glans (Eichel) beziehungsweise des Präputiums (Vorhaut)
  • Bakterielle Zystitis (bakterielle Blasenentzündung) – Dysurie, Pollakisurie (häufiges Wasserlassen in kleinen Mengen), imperativer Harndrang (plötzlicher starker Harndrang) und suprapubische Beschwerden (Beschwerden oberhalb des Schambeins) ohne primär vaginalen Fluor
  • Desquamative inflammatorische Vaginitis (abschilfernde entzündliche Scheidenentzündung) – chronisch-entzündliche Vaginitis mit purulentem Fluor (eitrigem Ausfluss), Brennen, Dyspareunie, erhöhtem pH-Wert und mikroskopisch parabasalem Zellbild (zelltypischem Befund unreifer Schleimhautzellen)
  • Fremdkörper der Vagina (Fremdkörper in der Scheide) – bei persistierendem, übelriechendem oder blutigem Fluor, insbesondere bei retiniertem Tampon (zurückgebliebenem Tampon) oder Pessar (Stützring)
  • Mukopurulente Zervizitis (schleimig-eitrige Gebärmutterhalsentzündung) – zervikaler eitriger Schleim, Kontaktblutung und Zervixödem (Schwellung des Gebärmutterhalses); häufig durch Chlamydia trachomatis, Neisseria gonorrhoeae, Mycoplasma genitalium oder Mischinfektionen
  • Nichtgonorrhoische Urethritis – Dysurie, urethraler Ausfluss oder urethrale Beschwerden ohne Nachweis von Neisseria gonorrhoeae; insbesondere Chlamydien, Mycoplasma genitalium, Trichomonaden, Herpes-simplex-Virus und Adenoviren abgrenzen
  • Prostatitis (Prostataentzündung) – bei Männern mit Dysurie, perinealen Schmerzen (Schmerzen im Dammbereich), pelvinen Schmerzen (Schmerzen im Becken), Fieber oder irritativen Miktionsbeschwerden (reizbedingten Beschwerden beim Wasserlassen)
  • Unspezifische Vulvovaginitis – entzündliche vulvovaginale Symptomatik (Beschwerden von Vulva und Scheide) ohne eindeutigen Nachweis einer spezifischen infektiösen Ursache

Verletzungen, Vergiftungen und andere Folgen äußerer Ursachen (S00-T98)

  • Mechanische Vulva- oder Vaginalirritation (mechanische Reizung von Vulva oder Scheide) – nach Geschlechtsverkehr, lokaler Reibung, Manipulation oder gynäkologischen Maßnahmen (frauenärztlichen Maßnahmen); Brennen, Dysurie und lokale Entzündungszeichen möglich

Medikamente

  • Antibiotika-assoziierte Vulvovaginalkandidose (durch Antibiotika begünstigte Pilzinfektion von Vulva und Scheide) – Candida-Überwucherung (übermäßiges Wachstum von Hefepilzen) nach antibiotischer Therapie mit Pruritus, Brennen und weißlichem Fluor
  • Lokale Vaginaltherapeutika (örtlich angewendete Scheidenmedikamente) – irritative oder allergische Vulvovaginitis nach Anwendung von Antiseptika (keimhemmenden Mitteln), Spermiziden, Vaginalcremes, Vaginaltabletten oder Spülungen

Umweltbelastungen – Intoxikationen (Vergiftungen)

  • Chemisch-irritative Vulvovaginitis (chemisch reizbedingte Entzündung von Vulva und Scheide) – durch lokale Exposition gegenüber Duftstoffen, Reinigungsmitteln, Intimsprays, Desinfektionsmitteln oder anderen irritierenden Substanzen
  • Latex- oder Kondomzusatzstoff-assoziierte Reaktion (Reaktion auf Latex oder Kondomzusatzstoffe) – Brennen, Juckreiz, Erythem oder Schwellung nach Exposition; infektiöse Vulvovaginitis kann klinisch imitiert werden