Streptokokken – Prävention
Zur Prävention von Streptokokken-Infektionen muss auf eine Reduktion der Risikofaktoren geachtet werden.
Streptokokken-Infektionen umfassen unterschiedliche Krankheitsbilder durch verschiedene Streptokokken-Spezies (Streptokokken-Arten). Präventionsmaßnahmen richten sich daher nach Erregergruppe, Übertragungsweg, klinischer Manifestation (Krankheitsausprägung), Risikoprofil des Patienten und Umgebungssituation. Besonders relevant sind Infektionen durch Streptococcus pyogenes, Streptococcus pneumoniae und Streptococcus agalactiae. Eine allgemeine Impfung gegen alle Streptokokken-Infektionen existiert nicht; gegen Pneumokokken stehen jedoch wirksame Impfstoffe zur Verfügung.
Verhaltensbedingte Risikofaktoren
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Ungenügende Händehygiene – Streptokokken können über respiratorische Sekrete (Absonderungen aus den Atemwegen), Speichel, kontaminierte Hände, Hautläsionen (Hautverletzungen) und indirekt über gemeinsam genutzte Gegenstände weitergegeben werden.
- Unregelmäßiges Händewaschen nach Husten, Niesen, Naseputzen, Toilettengang, Wundkontakt oder Kontakt mit erkrankten Personen erhöht das Übertragungsrisiko.
- Händewaschen mit Wasser und Seife sollte insbesondere vor dem Essen, vor der Speisenzubereitung, nach Kontakt mit Speichel oder Nasensekret (Nasenschleim) und nach Wundversorgung erfolgen.
- In medizinischen Einrichtungen, Pflegeeinrichtungen und bei Kontakt mit Wunden oder Schleimhäuten ist eine indikationsgerechte Händedesinfektion erforderlich.
- Ungewaschene Hände sollten nicht an Mund, Nase, Augen, offene Hautstellen oder Wunden geführt werden.
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Kontakt zu erkrankten Personen während der infektiösen Phase (ansteckenden Phase) – Enger Kontakt zu Personen mit Streptokokken-Pharyngitis (Streptokokken-Rachenentzündung), Scarlatina (Scharlach), Impetigo contagiosa (ansteckende Borkenflechte), Erysipel (Wundrose), Wundinfektion oder invasiver Streptokokkeninfektion (in den Körper eindringende Streptokokkeninfektion) erhöht das Infektionsrisiko.
- Enge Face-to-Face-Kontakte, Küssen, gemeinsames Trinken aus Flaschen oder Gläsern und gemeinsames Benutzen von Besteck sollten während der infektiösen Phase vermieden werden.
- Bei Streptococcus-pyogenes-Pharyngitis oder Scarlatina nimmt die Ansteckungsfähigkeit nach Beginn einer wirksamen Antibiotikatherapie (Behandlung mit Antibiotika) deutlich ab; eine Rückkehr in Gemeinschaftseinrichtungen ist in der Regel erst nach klinischer Besserung, Fieberfreiheit und mindestens 12-24 Stunden geeigneter Antibiotikatherapie vertretbar.
- Ohne Antibiotikatherapie kann eine relevante Ansteckungsfähigkeit bei Streptococcus-pyogenes-Infektionen über einen deutlich längeren Zeitraum bestehen.
- Kontakt zu Säuglingen, älteren Menschen, Schwangeren, immungeschwächten Personen und Patienten mit schweren Grunderkrankungen sollte bei akuter Erkrankung besonders konsequent begrenzt werden.
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Unzureichende Husten- und Niesetikette – Respiratorische Streptokokken-Infektionen werden wesentlich über Tröpfchen und Sekrete aus dem Nasen-Rachen-Raum (Bereich von Nase und Rachen) übertragen.
- Husten und Niesen sollten in die Ellenbeuge oder in ein Einmaltaschentuch erfolgen.
- Einmaltaschentücher sollten unmittelbar entsorgt werden.
- Nach Husten, Niesen oder Naseputzen sollte eine Händehygiene erfolgen.
- Direktes Anhusten oder Anniesen anderer Personen sollte vermieden werden.
- Bei Fieber, Halsschmerzen, eitriger Tonsillitis (Mandelentzündung), Scarlatina-typischem Exanthem (Hautausschlag) oder akuter Atemwegsinfektion sollte enger Kontakt in Innenräumen reduziert werden.
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Gemeinsame Nutzung potenziell kontaminierter Gegenstände – Eine indirekte Übertragung ist seltener als die direkte Tröpfchen- oder Kontaktübertragung, kann aber bei Gegenständen mit Speichel-, Sekret- oder Wundkontakt relevant sein.
- Trinkflaschen, Gläser, Besteck, Zahnbürsten, Schnuller, Handtücher, Waschlappen und Rasierer sollten nicht gemeinsam genutzt werden.
- Essgeschirr und Besteck erkrankter Personen sollten mit heißem Wasser und Spülmittel beziehungsweise in der Spülmaschine gereinigt werden.
- Spielzeug mit Speichelkontakt sollte insbesondere in Kindertageseinrichtungen regelmäßig gereinigt werden.
- Textilien mit Kontakt zu Wundsekret sollten gewechselt und hygienisch gewaschen werden.
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Besuch von Gemeinschaftseinrichtungen trotz akuter Beschwerden – Kindergärten, Schulen, Pflegeeinrichtungen, Unterkünfte und andere Gemeinschaftseinrichtungen begünstigen Streptokokken-Übertragungen durch enge Kontakte, Innenräume und häufige gemeinsame Nutzung von Gegenständen.
- Bei Fieber, ausgeprägten Halsschmerzen, eitriger Tonsillitis, Scarlatina-typischem Exanthem, Impetigo contagiosa oder reduziertem Allgemeinzustand sollte der Besuch von Gemeinschaftseinrichtungen unterbleiben.
- Erkrankte Kinder, Schüler und Beschäftigte sollten erst nach klinischer Besserung und entsprechend den infektiologischen Rückkehrkriterien wieder teilnehmen.
- Bei gehäuftem Auftreten sollten Eltern, Betreuungspersonen und Kontaktpersonen über Symptome (Krankheitszeichen), Hygienemaßnahmen und Rückkehrkriterien informiert werden.
- Symptomatische Kontaktpersonen sollten frühzeitig ärztlich beurteilt werden.
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Unzureichende Wund- und Hautpflege – Streptokokken können über kleinste Hautläsionen, Kratzdefekte, Ekzeme (entzündliche Hauterkrankungen), Ulzera (Geschwüre), Operationswunden oder traumatische Wunden eindringen und lokale oder invasive Infektionen verursachen.
- Wunden sollten zeitnah gereinigt, abgedeckt und regelmäßig kontrolliert werden.
- Wundverbände sollten sauber, trocken und bei Durchfeuchtung gewechselt werden.
- Kontakt mit fremdem Wundsekret sollte vermieden werden.
- Chronische Hauterkrankungen wie Ekzeme, Tinea pedis (Fußpilz), Intertrigo (Hautwolf) oder Ulzera sollten konsequent behandelt werden, da gestörte Hautbarrieren das Risiko für Erysipel, Zellulitis (Entzündung des Unterhautgewebes) und invasive Infektionen erhöhen.
- Kratzen bei juckenden Dermatosen (Hautkrankheiten) sollte reduziert werden; Fingernägel sollten kurz gehalten werden.
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Unbehandelte oder unzureichend behandelte Hautinfektionen – Impetigo contagiosa, Erysipel, Zellulitis und infizierte Wunden können Streptokokken weiterverbreiten und bei Risikopatienten schwere Verläufe begünstigen.
- Bei zunehmender Rötung, Überwärmung, Schwellung, Schmerzen, Eiterbildung, Fieber oder rotem Lymphangitisstreifen (roter Entzündungsstreifen entlang der Lymphbahn) sollte eine ärztliche Abklärung erfolgen.
- Offene, nässende oder eitrige Hautläsionen sollten bis zur Abheilung beziehungsweise bis zum Wirksamwerden der Therapie abgedeckt werden.
- Sportarten mit engem Hautkontakt sollten bei aktiven infektiösen Hautläsionen pausiert werden.
- Handtücher, Kleidung und Sportausrüstung sollten nicht gemeinsam genutzt werden.
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Verzögerte ärztliche Abklärung bei typischen Symptomen – Späte Diagnostik (Untersuchung zur Feststellung einer Erkrankung) kann die Dauer der Ansteckungsfähigkeit verlängern und das Risiko für Komplikationen (Folgeprobleme) erhöhen.
- Ärztliche Vorstellung ist angezeigt bei Fieber, starken Halsschmerzen, eitriger Tonsillitis, schmerzhaften zervikalen Lymphknoten (Halslymphknoten), Scarlatina-typischem Exanthem, Himbeerzunge, Impetigo, Erysipel, rasch progredienter Hautrötung (rasch fortschreitender Hautrötung) oder reduziertem Allgemeinzustand.
- Bei Atemnot, Kreislaufinstabilität, Somnolenz (Benommenheit), starken Schmerzen, rascher Verschlechterung, Nekrosen (Gewebeuntergang), Petechien (punktförmige Hautblutungen) oder Verdacht auf Sepsis (Blutvergiftung) ist eine notfallmäßige Abklärung erforderlich.
- Bei Risikopatienten sollte die Schwelle zur ärztlichen Beurteilung niedriger sein.
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Unvollständige oder nicht indizierte Antibiotikaeinnahme – Eine indizierte Antibiotikatherapie reduziert bei bestimmten Streptokokken-Infektionen die Ansteckungsfähigkeit und dient der Komplikationsprophylaxe (Vorbeugung von Komplikationen); eine nicht indizierte Einnahme begünstigt hingegen Resistenzprobleme (Probleme durch unempfindliche Bakterien) und Nebenwirkungen.
- Antibiotika sollten nur bei entsprechender ärztlicher Indikation (Behandlungsgrund) eingenommen werden.
- Eine verordnete Therapie sollte entsprechend Dosierung und Dauer durchgeführt werden.
- Ein eigenständiger Therapieabbruch sollte vermieden werden.
- Antibiotika aus früheren Erkrankungen oder von anderen Personen sollten nicht verwendet werden.
- Bei fehlender Besserung nach 48-72 Stunden, Rezidivbeschwerden (wiederkehrenden Beschwerden) oder Unverträglichkeitsreaktionen sollte eine erneute ärztliche Beurteilung erfolgen.
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Rauchen und inhalative Reizstoffexposition – Tabakrauch und andere inhalative Reizstoffe (eingeatmete Reizstoffe) beeinträchtigen die Schleimhautbarriere und erhöhen die Anfälligkeit für respiratorische Infektionen.
- Aktives Rauchen sollte vermieden werden.
- Passivrauchbelastung, insbesondere bei Kindern, Schwangeren, älteren Menschen und Patienten mit chronischen Atemwegs- oder Herzerkrankungen, sollte konsequent reduziert werden.
- Innenräume sollten regelmäßig gelüftet werden.
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Unzureichende Mund- und Zahnhygiene – Schlechte Mundgesundheit erhöht die bakterielle Last im Oropharynx (Mund-Rachen-Raum) und kann bei Hochrisikopatienten im Zusammenhang mit bakteriämischen Ereignissen (Bakterien im Blut) klinisch relevant sein.
- Regelmäßige Zahnpflege und zahnärztliche Kontrollen sind insbesondere bei Patienten mit erhöhtem Endokarditisrisiko (Risiko für Herzinnenhautentzündung) wichtig.
- Entzündungen der Gingiva (Zahnfleisch), Zahnabszesse und odontogene Infektionen (von den Zähnen ausgehende Infektionen) sollten frühzeitig behandelt werden.
- Vor invasiven zahnärztlichen Eingriffen ist bei Hochrisikopatienten zu prüfen, ob eine Endokarditisprophylaxe (Vorbeugung einer Herzinnenhautentzündung) indiziert ist.
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Enge Kontakte in Ausbruchssituationen – Häufungen von Streptokokken-Infektionen können in Familien, Kindertageseinrichtungen, Schulen, Pflegeheimen, Kliniken, Unterkünften, Sportgruppen und militärischen Gemeinschaften auftreten.
- Bei Ausbrüchen sollten symptomatische Personen identifiziert und ärztlich abgeklärt werden.
- Gemeinsame Nutzung von Trinkgefäßen, Besteck, Handtüchern und Pflegeartikeln sollte konsequent vermieden werden.
- Reinigungs-, Lüftungs- und Hygienemaßnahmen sollten intensiviert werden.
- Asymptomatische Kontaktpersonen benötigen in der Regel keine routinemäßige Antibiotikagabe; Ausnahmen können bei Hochrisikokonstellationen oder behördlich begleiteten Ausbrüchen bestehen.
Krankheitsbedingte und personenbezogene Risikofaktoren
- Alter – Kinder im Kindergarten- und Schulalter haben ein erhöhtes Risiko für Streptococcus-pyogenes-Pharyngitis und Scarlatina; Säuglinge, ältere Menschen und multimorbide Patienten (Patienten mit mehreren Erkrankungen) haben ein erhöhtes Risiko für schwere Verläufe bestimmter Streptokokken-Infektionen.
- Immunsuppression (Unterdrückung der Immunabwehr) – Angeborene oder erworbene Immundefekte (Abwehrschwächen), immunsuppressive Therapien (Behandlungen zur Unterdrückung der Immunabwehr), Chemotherapie (medikamentöse Krebsbehandlung), Organtransplantation (Übertragung eines Organs) und hochdosierte Glucocorticoidtherapie (hochdosierte Cortisonbehandlung) erhöhen das Risiko für schwere oder invasive Infektionen.
- Chronische Grunderkrankungen – Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), chronische Niereninsuffizienz (dauerhafte Nierenschwäche), chronische Lebererkrankungen, Herzinsuffizienz (Herzschwäche), chronische Lungenerkrankungen, neurologische Erkrankungen (Erkrankungen des Nervensystems) und Malignome (bösartige Tumoren) können schwere Verläufe begünstigen.
- Asplenie (fehlende Milz) beziehungsweise funktionelle Hyposplenie (verminderte Milzfunktion) – Patienten ohne Milzfunktion haben ein erhöhtes Risiko für schwere Infektionen mit bekapselten Erregern, insbesondere Pneumokokken.
- Gestörte Hautbarriere – Ekzeme, Ulzera, Lymphödem (Lymphstauung), chronisch venöse Insuffizienz (dauerhafte Venenschwäche), Tinea pedis, Intertrigo, Operationswunden, Traumata (Verletzungen) und Verbrennungen erhöhen das Risiko für Haut- und Weichteilinfektionen.
- Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett – Streptococcus agalactiae kann beim Neugeborenen Früh- und Spätinfektionen verursachen; Streptococcus pyogenes kann peripartal (um die Geburt herum) schwere invasive Infektionen auslösen.
- Vorangegangene Streptokokken-Komplikationen – Patienten mit rheumatischem Fieber (entzündliche Folgeerkrankung nach Streptokokkeninfektion) oder rheumatischer Herzerkrankung benötigen eine konsequente Rezidivprophylaxe (Vorbeugung gegen erneutes Auftreten) nach fachärztlicher Vorgabe.
Operationen und invasive Eingriffe
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Zahnextraktionen und invasive zahnärztliche Eingriffe – Eine Endokarditisprophylaxe ist nicht allgemein erforderlich, sondern nur bei definierten Hochrisikopatienten und bestimmten zahnärztlichen Eingriffen mit Manipulation von Gingiva, periapikaler Zahnregion (Bereich um die Zahnwurzelspitze) oder Perforation der oralen Mukosa (Durchdringung der Mundschleimhaut).
- Risikopatienten sollten vor dem Eingriff hinsichtlich Endokarditisrisiko, Prophylaxeindikation und Antibiotikaallergien abgeklärt werden.
- Gute Mundhygiene und regelmäßige zahnärztliche Versorgung sind für die Endokarditisprävention zentral.
- Eine routinemäßige Antibiotikaprophylaxe bei Patienten ohne Hochrisikokonstellation ist nicht angezeigt.
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Andere chirurgische Eingriffe – Das Risiko für Streptokokken-assoziierte Wundinfektionen steigt bei gestörter Hautbarriere, Fremdmaterial, Immunsuppression, Diabetes mellitus, Adipositas (Fettleibigkeit), schlechter Durchblutung und unzureichender perioperativer Hygiene (Hygiene im Umfeld einer Operation).
- Vor elektiven Eingriffen (geplanten Eingriffen) sollten aktive Infektionen erkannt und, soweit möglich, behandelt werden.
- Perioperative Antibiotikaprophylaxe (Antibiotikavorbeugung im Umfeld einer Operation) sollte nur bei entsprechender Indikation, geeignetem Wirkstoff, korrektem Zeitpunkt und korrekter Dosierung erfolgen.
- Strikte aseptische Arbeitsweise (keimarme Arbeitsweise), Hautantiseptik (Hautdesinfektion), sterile Instrumente und sachgerechte Wundversorgung sind zentrale Schutzmaßnahmen.
- Postoperativ (nach der Operation) sollten zunehmende Schmerzen, Rötung, Überwärmung, Schwellung, Eiterung, Fieber oder rasche Verschlechterung umgehend ärztlich abgeklärt werden.
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Geburtshilfliche und neonatologische Situationen – Bei Streptococcus-agalactiae-Besiedlung der Schwangeren kann eine intrapartale Antibiotikaprophylaxe (Antibiotikavorbeugung während der Geburt) das Risiko einer frühen Neugeboreneninfektion reduzieren.
- GBS-Screening beziehungsweise risikoadaptierte Strategie richtet sich nach nationalen Empfehlungen und geburtshilflicher Risikokonstellation.
- Fieber unter der Geburt, vorzeitiger Blasensprung, Frühgeburtlichkeit oder ein früheres Kind mit GBS-Erkrankung erfordern eine geburtshilflich-neonatologische Risikobewertung.
Präventionsfaktoren (Schutzfaktoren)
Zur Prävention von Streptokokken-Infektionen müssen allgemeine und erregerspezifische Schutzmaßnahmen gefördert werden.
- Hygienemaßnahmen
- Regelmäßiges Händewaschen – Mit Wasser und Seife, besonders nach Kontakt mit potenziell infizierten Personen, nach Husten, Niesen, Naseputzen, Wundversorgung und vor dem Essen.
- Händedesinfektion – Indikationsgerecht in medizinischen Einrichtungen, Pflegebereichen und bei Kontakt mit Wunden, Schleimhäuten oder potenziell infektiösem Material.
- Husten- und Niesetikette – Nutzung von Einmaltaschentüchern oder Ellenbeuge, Entsorgung von Taschentüchern und anschließende Händehygiene.
- Reinigung häufig genutzter Oberflächen – Insbesondere Türklinken, Lichtschalter, Wasserhähne, Tische, Spielzeug, Sanitärflächen und Pflegeutensilien in Gemeinschaftseinrichtungen.
- Lüftung – Regelmäßige Luftzufuhr in Kindergärten, Schulen, Wartebereichen, Pflegeeinrichtungen und Haushalten mit Erkrankten.
- Kontaktmanagement
- Kontaktreduktion während akuter Erkrankung – Erkrankte Personen sollten enge Kontakte vermeiden, bis klinische Besserung und ausreichende Therapie beziehungsweise Nichtansteckungsfähigkeit erreicht sind.
- Schutz vulnerabler Personen – Kontakt zu Säuglingen, älteren Menschen, Schwangeren, immungeschwächten Personen und Patienten mit schweren Grunderkrankungen sollte bei akuten Infektionen besonders begrenzt werden.
- Gemeinschaftseinrichtungen – Erkrankte Kinder, Schüler und Beschäftigte sollten bei infektiösen Streptokokken-Erkrankungen nach ärztlicher Einschätzung und gültigen Rückkehrkriterien wieder teilnehmen.
- Wund- und Hautschutz
- Wundreinigung und Abdeckung – Akute Wunden sollten gereinigt, sauber abgedeckt und regelmäßig kontrolliert werden.
- Behandlung von Hauterkrankungen – Ekzeme, Tinea pedis, Intertrigo, Ulzera und andere Hautbarrierestörungen sollten konsequent behandelt werden.
- Vermeidung von Wundkontakt – Direkter Kontakt mit fremdem Wundsekret sollte vermieden werden; bei notwendiger Versorgung sind Handschuhe und Händehygiene erforderlich.
- Impfungen
- Pneumokokken-Impfung – Schutz vor invasiven Pneumokokken-Erkrankungen, Pneumonie (Lungenentzündung) und weiteren Pneumokokken-Manifestationen entsprechend STIKO-Empfehlungen, insbesondere bei Säuglingen, älteren Menschen und Risikopatienten.
- Influenza- und COVID-19-Impfung – Reduktion viraler Atemwegsinfektionen, die bakterielle Superinfektionen (zusätzliche bakterielle Infektionen) und schwere Verläufe begünstigen können, entsprechend aktueller Impfempfehlungen.
- Keine allgemeine Impfung gegen Streptococcus pyogenes – Gegen Streptococcus-pyogenes-Pharyngitis, Scarlatina oder Erysipel steht derzeit keine allgemein verfügbare Schutzimpfung zur Verfügung.
- Ernährung und allgemeiner Gesundheitszustand
- Ernährung – Eine ausgewogene Ernährung unterstützt den allgemeinen Gesundheitszustand; eine spezifische Ernährung zur sicheren Prävention von Streptokokken-Infektionen ist nicht belegt.
- Mangelzustände – Relevante Mangelzustände sollten bei klinischem Verdacht diagnostiziert und gezielt behandelt werden.
- Flüssigkeitszufuhr und Schonung – Während akuter Infektionen sind ausreichende Flüssigkeitszufuhr und körperliche Schonung sinnvoll.
- Schutzmaßnahmen bei Operationen
- Antibiotika-Prophylaxe – Nur bei klarer Indikation, zum richtigen Zeitpunkt, mit geeignetem Antibiotikum und korrekter Dosierung.
- Steriles Arbeiten – Verwendung steriler Instrumente, aseptischer Technik und geeigneter Hautantiseptik bei Operationen und invasiven Eingriffen.
- Risikoadaptierte Vorbereitung – Optimierung von Diabeteskontrolle, Hautstatus, Wundverhältnissen, Ernährungssituation und bestehenden Infektionen vor elektiven Eingriffen.
Postexpositionsprophylaxe
Eine routinemäßige Postexpositionsprophylaxe (vorbeugende Behandlung nach Kontakt mit einem Krankheitserreger) nach Kontakt zu Personen mit unkomplizierter Streptokokken-Pharyngitis oder Scarlatina wird in der Regel nicht empfohlen. Entscheidend sind Symptombeobachtung, Kontaktreduktion während der infektiösen Phase, Hygienemaßnahmen und frühzeitige ärztliche Beurteilung bei Beschwerden.
- Asymptomatische Kontaktpersonen – In der Regel keine routinemäßige Testung und keine routinemäßige Antibiotikagabe.
- Symptomatische Kontaktpersonen – Ärztliche Abklärung bei Fieber, Halsschmerzen, eitriger Tonsillitis, Exanthem, Hautinfektion oder reduziertem Allgemeinzustand.
- Hochrisikokonstellationen – Individuelle ärztliche Risikoabwägung bei immungeschwächten Personen, schweren Grunderkrankungen, engem Kontakt zu invasiven Streptokokkeninfektionen oder Ausbruchssituationen.
- Invasive Streptokokken-Infektionen – Kontaktmanagement und gegebenenfalls Chemoprophylaxe (medikamentöse Vorbeugung) sollten nach infektiologischer beziehungsweise gesundheitsbehördlicher Bewertung erfolgen.
Sekundärprävention
Die Sekundärprävention zielt darauf ab, eine Streptokokken-Infektion frühzeitig zu erkennen und gezielte Maßnahmen einzuleiten, um deren Fortschreiten, Weiterverbreitung und Komplikationen zu verhindern.
- Früherkennung und Diagnostik
- Symptombeobachtung – Überwachung auf typische Anzeichen wie Fieber, Halsschmerzen, eitrige Tonsillitis, Hautausschlag, Himbeerzunge, geschwollene Lymphknoten, Hautrötung, Wundschmerz, Schwellung, Eiterung oder reduzierten Allgemeinzustand.
- Abgrenzung viraler Atemwegsinfektionen – Husten, Rhinorrhö (Fließschnupfen), Heiserkeit, Konjunktivitis (Bindehautentzündung), orale Ulzera (Geschwüre im Mund) oder Diarrhö (Durchfall) sprechen eher für eine virale Ursache und sollten bei der Indikationsstellung zur Streptokokkendiagnostik berücksichtigt werden.
- Labordiagnostik
- Rachenabstrich – Zum Nachweis von Streptokokken der Gruppe A mittels Schnelltest, Kultur oder molekularbiologischem Verfahren bei klinischer Indikation.
- Schnelltest auf Streptokokken-Antigene – Zur schnellen Diagnostik bei klinischem Verdacht auf Streptokokkenpharyngitis oder Scarlatina.
- Kultur aus Wund- oder Hautabstrich – Bei eitrigen Haut- und Weichteilinfektionen, Therapieversagen, Ausbruchssituationen oder schwerem Verlauf.
- Blutkulturen – Bei Verdacht auf systemische Infektion (den ganzen Körper betreffende Infektion), Sepsis, Endokarditis (Herzinnenhautentzündung), invasive Streptokokkeninfektion oder schwerem Allgemeinzustand.
- Antikörpertests – Nicht zur Akutdiagnostik unkomplizierter Infektionen geeignet; gegebenenfalls zur retrospektiven Beurteilung einer vorangegangenen Streptokokkeninfektion bei Verdacht auf rheumatisches Fieber oder poststreptokokkale Glomerulonephritis (Nierenkörperchenentzündung nach Streptokokkeninfektion).
- Antibiotische Therapie bei gesicherter oder hochwahrscheinlicher bakterieller Infektion – Frühzeitige Gabe eines geeigneten Antibiotikums, abhängig von Erreger, Lokalisation (Körperstelle), Schweregrad, Allergien, Resistenzlage und Risikokonstellation.
- Kontrolle des klinischen Verlaufs – Erneute ärztliche Beurteilung bei fehlender Besserung nach 48-72 Stunden, persistierendem Fieber, zunehmenden Schmerzen, Dyspnoe (Atemnot), Kreislaufinstabilität, Exanthemprogression (Zunahme des Hautausschlags), Nekrosen, Hämaturie (Blut im Urin), Ödemen (Wassereinlagerungen), Gelenkbeschwerden oder Zeichen einer invasiven Infektion.
Tertiärprävention
Die Tertiärprävention zielt darauf ab, Komplikationen zu minimieren, bleibende Schäden zu vermeiden und eine vollständige Genesung zu fördern.
- Langzeittherapie bei Folgeerkrankungen
- Behandlung von rheumatischem Fieber – Fachärztliche Behandlung, Erfassung einer Karditis (Herzentzündung) und langfristige Rezidivprophylaxe nach individueller Risikokonstellation.
- Behandlung von Glomerulonephritis – Unterstützende Therapie zur Stabilisierung der Nierenfunktion, Kontrolle von Blutdruck, Urinbefund, Nierenparametern und Elektrolyten.
- Behandlung invasiver Streptokokken-Infektionen – Stationäre beziehungsweise intensivmedizinische Therapie bei Sepsis, nekrotisierender Fasziitis (schwere Weichteilinfektion mit Gewebezerfall), Streptokokken-Toxic-Shock-Syndrom (schweres Streptokokken-Schocksyndrom), Pneumonie, Meningitis (Hirnhautentzündung) oder Endokarditis.
- Behandlung lokaler Komplikationen – Fachärztliche Therapie bei Peritonsillarabszess (Abszess neben der Gaumenmandel), Otitis media (Mittelohrentzündung), Sinusitis (Nasennebenhöhlenentzündung), Mastoiditis (Entzündung des Warzenfortsatzes), Lymphadenitis (Lymphknotenentzündung), Wundinfektion, Erysipel oder Abszess (Eiteransammlung).
- Rehabilitation und Nachsorge
- Regelmäßige Kontrolluntersuchungen – Bei kompliziertem Verlauf, Rezidiven, rheumatischem Fieber, Herzbeteiligung, Nierenbeteiligung oder invasiver Infektion.
- Herzdiagnostik – Bei Verdacht auf rheumatisches Fieber, Karditis oder Endokarditis mit klinischer Untersuchung, Auskultation (Abhören), Elektrokardiographie (Herzstromkurve) und Echokardiographie (Herzultraschall).
- Nierendiagnostik – Bei Verdacht auf poststreptokokkale Glomerulonephritis mit Blutdruckkontrolle, Urinstatus, Kreatinin, geschätzter glomerulärer Filtrationsrate und Proteinurie (Eiweiß im Urin).
- Physiotherapie – Bei relevanten funktionellen Einschränkungen, Gelenkbeschwerden, schwerem Verlauf oder längerer Immobilisation.
- Ernährungsberatung – Keine spezifische ernährungsmedizinische Prävention von Streptokokken-Infektionen belegt; sinnvoll bei Mangelernährung, schwerem Krankheitsverlauf, chronischen Wunden oder relevanten Komorbiditäten (Begleiterkrankungen).
- Aufklärung über Hygienemaßnahmen – Vermittlung von Händehygiene, Husten- und Niesetikette, Wundhygiene, Kontaktreduktion während der infektiösen Phase und korrekter Antibiotikaeinnahme zur Vermeidung zukünftiger Infektionsketten.