Streptokokken – Medikamentöse Therapie

Therapieziele

  • Rasche Kontrolle des Erregers (Krankheitserregers) bei behandlungsbedürftiger Streptokokkeninfektion (Infektion durch Streptokokken)
  • Vermeidung lokaler und systemischer Komplikationen (Folgeproblemen) einschließlich Bakteriämie (Bakterien im Blut), Sepsis (Blutvergiftung), nekrotisierender Fasziitis (schnell fortschreitende Entzündung und Zerstörung von Gewebe), Streptokokken-Toxic-Shock-Syndrom (schwere, durch Streptokokken ausgelöste Reaktion mit Blutdruckabfall und Organversagen), Meningitis (Hirnhautentzündung) und Endokarditis (Entzündung der Herzinnenhaut)
  • Vermeidung des akuten rheumatischen Fiebers (entzündliche Folgeerkrankung nach einer Streptokokkeninfektion) bei entsprechender Risikokonstellation sowie seiner Rückfälle durch konsequente Sekundärprophylaxe (Vorbeugung weiterer Erkrankungen)
  • Unverzügliche Fokussanierung (Behandlung oder Entfernung des Infektionsherdes) bei Abszess (abgekapselter Eiteransammlung), nekrotisierender Weichgewebeinfektion oder Endokarditis mit Operationsindikation
  • Begrenzung unnötiger Antibiotikatherapien und des antibiotischen Selektionsdrucks (Förderung resistenter Bakterien durch Antibiotika)

Therapieempfehlungen

  • Grundsatz: Die Therapie richtet sich nach Streptokokkenspezies, Infektionsfokus, Schweregrad, Alter, Organfunktion, Schwangerschaft, Allergieanamnese (Vorgeschichte zu Allergien) und Empfindlichkeitsprüfung. Kolonisation (Besiedlung) allein ist keine generelle Behandlungsindikation; die gezielte intrapartale GBS-Prophylaxe (Antibiotikagabe während der Geburt zur Vorbeugung einer Infektion beim Neugeborenen) ist davon abzugrenzen. Bei invasiven Infektionen vor Therapiebeginn Blutkulturen und geeignetes Fokusmaterial gewinnen, soweit dies ohne relevante Verzögerung möglich ist. Bei Sepsis oder vermuteter nekrotisierender Infektion darf die Behandlung dadurch nicht verzögert werden [LL3, LL4, B1, B2].
  • Betalaktamallergie: Eine angegebene Penicillinallergie hinsichtlich Reaktionstyp, zeitlichem Verlauf und Plausibilität prüfen und bei Bedarf allergologisch abklären. Die Auswahl einer Alternative hängt insbesondere von Soforttypallergie, schwerer verzögerter Reaktion und möglicher Kreuzreaktivität ab. Makrolide oder Clindamycin nur bei geeigneter Indikation und unter Berücksichtigung der Resistenzlage einsetzen [LL2, LL5, B3].
  • Empfindlichkeitsprüfung: Bei invasiven Infektionen erforderlich. Bei geplanter Therapie mit Clindamycin oder Makroliden erworbene und gegebenenfalls induzierbare Resistenz berücksichtigen. Für Pneumokokken gelten fokusabhängige Empfindlichkeitsgrenzen; die Bewertung bei Meningitis unterscheidet sich von derjenigen bei Infektionen außerhalb der Hirnhäute [LL2, LL6, B3].

Streptococcus pyogenes, Tonsillopharyngitis und Scharlach

  • Tonsillopharyngitis: Bei klinisch indizierter Antibiotikatherapie ist Penicillin V Mittel der ersten Wahl. Nach deutscher Leitlinie beträgt die Behandlungsdauer üblicherweise 5-7 Tage; bei gutem Verlauf kann die Therapie nach 5 Tagen beendet werden. Eine gezielte Eradikationstherapie (Behandlung zur Beseitigung des Erregers) bleibt besonderen Konstellationen vorbehalten, z. B. erhöhtem Risiko für akutes rheumatisches Fieber oder ausgewählten Rückfallsituationen. Ein asymptomatischer GAS-Nachweis (Erregernachweis ohne Beschwerden) erfordert normalerweise keine Behandlung [LL1, LL2].
  • Scharlach: Penicillin V für 7-10 Tage. Eine erfolglose Therapie erfordert zunächst eine erneute Prüfung von Diagnose, Einnahme, Dosierung und Komplikationen; ein Wechsel des Antibiotikums erfolgt indikationsbezogen [LL2].
  • Penicillinempfindlichkeit: Eine klinisch relevante erworbene Penicillinresistenz von Streptococcus pyogenes ist weiterhin nicht beschrieben. Dies gilt nicht für Makrolide und Clindamycin [B3].
  • Symptomatische Behandlung: Bedarfsorientierte Analgesie (Behandlung von Schmerzen) und ausreichende Flüssigkeitszufuhr. Systemische Glucocorticoide gehören bei unkomplizierter Tonsillopharyngitis (Entzündung von Mandeln und Rachen) nicht zur routinemäßigen Behandlung.

Streptococcus pyogenes, Erysipel

  • Gezielte Therapie: Bei typischem streptokokkenbedingtem Erysipel (Wundrose) ist Penicillin bevorzugt. Bei leichtem Verlauf orale Therapie, bei ausgeprägtem Befund, systemischen Zeichen oder beeinträchtigter oraler Aufnahme parenterale Therapie. Die Dauer richtet sich nach klinischem Verlauf und Ansprechen [LL4].
  • Abgrenzung zur Phlegmone: Bei eitrigem Befund, Abszess, infizierter Wunde oder diagnostischer Unsicherheit Staphylococcus aureus und gegebenenfalls weitere Erreger berücksichtigen. Eine Penicillinmonotherapie ist dann unter Umständen unzureichend [LL4].
  • Rückfälle: Eintrittspforten, Zwischenzehenpilz, chronische Schwellung und Lymphödem behandeln. Eine antibiotische Rückfallprophylaxe ist ausgewählten Patienten mit wiederholten Episoden trotz Behandlung begünstigender Faktoren vorbehalten [LL4].

Streptococcus pyogenes, invasive Infektionen und Streptokokken-Toxic-Shock-Syndrom

  • Invasive GAS-Infektion: Hierzu zählen insbesondere GAS-Nachweise aus normalerweise sterilen Körperbereichen sowie schwere Krankheitsbilder wie nekrotisierende Fasziitis und STSS. Nicht jede invasive Infektion geht mit einem STSS einher.
  • STSS: Toxinvermitteltes Krankheitsbild bei Streptococcus-pyogenes-Infektion mit niedrigem Blutdruck und Beteiligung mehrerer Organe. Es kann im Zusammenhang mit Weichgewebeinfektionen, Wunden, Operationen oder Infektionen nach einer Geburt auftreten; eine erkennbare Eintrittspforte kann fehlen. Eine pauschale Zuordnung zur Tamponanwendung ist irreführend: Das klassisch menstruationsassoziierte Toxic-Shock-Syndrom (schwere Reaktion mit Blutdruckabfall und Organversagen) wird überwiegend durch toxinbildende Staphylococcus-aureus-Stämme verursacht [B1].
  • Initialtherapie: Sofortige stationäre, gegebenenfalls intensivmedizinische Behandlung. Bei vermuteter nekrotisierender Infektion eine kalkulierte parenterale Breitspektrumtherapie gegen grampositive, gramnegative und anaerobe Erreger sowie unverzügliche chirurgische Exploration (operative Untersuchung des Gewebes). Bildgebung (Untersuchung mit bildgebenden Verfahren) darf eine notwendige Operation nicht verzögern [LL4, B2].
  • Gezielte Therapie: Bei gesicherter GAS-nekrotisierender Fasziitis oder STSS hoch dosiertes Penicillin G plus Clindamycin. Auch bei anderen schweren invasiven GAS-Infektionen kann eine zusätzliche Therapie mit Clindamycin sinnvoll sein. Der beobachtete Überlebensvorteil stammt wesentlich aus rückblickenden Daten und ist nicht pauschal auf sämtliche Streptokokkenspezies übertragbar [1, LL4, B1, B2].
  • Fokussanierung: Frühzeitiges, gegebenenfalls wiederholtes Débridement (operative Entfernung von abgestorbenem oder infiziertem Gewebe); infiziertes Fremdmaterial und weitere sanierungsbedürftige Herde berücksichtigen. Antibiotika ersetzen die operative Behandlung nicht [LL4, B1, B2].
  • Intravenöse Immunglobuline: Bei schwerem STSS individuell früh erwägen. Ein gesicherter Wirksamkeitsnachweis fehlt; die Anwendung darf Antibiotikatherapie, Kreislaufstabilisierung und Fokussanierung nicht verzögern [B1].

Streptococcus agalactiae, invasive Infektionen und geburtshilfliche Prophylaxe

  • Manifeste GBS-Infektion: Penicillin G bei nachgewiesener Empfindlichkeit bevorzugt; Ampicillin ist eine geeignete Alternative. Dosierung und Behandlungsdauer richten sich nach Krankheitsherd und Alter. Bei Erwachsenen sind für unkomplizierte Bakteriämie (Bakterien im Blut) und bestimmte andere unkomplizierte Krankheitsbilder häufig etwa 10 Tage ausreichend; Meningitis, Endokarditis und Infektionen von Knochen und Gelenken erfordern längere, auf das jeweilige Organ abgestimmte Behandlungen [2].
  • Neugeboreneninfektion: Die empirische Behandlung folgt neonatologischen Sepsis- bzw. Meningitisprotokollen. Nach gesichertem GBS-Nachweis gezielte Behandlung mit Penicillin G oder Ampicillin. Unkomplizierte Bakteriämie wird in der Regel 10 Tage, unkomplizierte Meningitis mindestens 14 Tage intravenös behandelt; komplizierte Verläufe länger. Eine routinemäßige Gentamicin-Kombination ist nach Erregeridentifizierung nicht für jede GBS-Infektion erforderlich [LL8].
  • Intrapartale Prophylaxe: Penicillin G ist bevorzugt. Eine asymptomatische vaginale Kolonisation wird nicht durch eine routinemäßige Behandlung vor der Geburt beseitigt. Die Indikation zur intrapartalen Prophylaxe richtet sich nach Screening (gezielter Untersuchung), GBS-Bakteriurie (GBS-Nachweis im Urin), vorausgegangener neonataler GBS-Erkrankung und geburtshilflicher Risikokonstellation. Bei geplanter Sectio (Kaiserschnitt) vor Wehenbeginn und bei intakten Eihäuten ist keine zusätzliche GBS-spezifische intrapartale Prophylaxe erforderlich [LL5].
  • Allergiealternativen zur Prophylaxe: Cefazolin bei geringem Risiko für eine schwere allergische Reaktion. Bei Hochrisikoallergie Clindamycin ausschließlich bei dokumentierter Empfindlichkeit einschließlich erforderlicher Prüfung auf induzierbare Resistenz; andernfalls Vancomycin nach Gewicht und Nierenfunktion angepasster geburtshilflicher Vorgabe [LL5].

Streptococcus pneumoniae, respiratorische Infektionen und Meningitis

  • Infektionen der Atemwege: Therapie nach Krankheitsbild, Schweregrad und Empfindlichkeit. Amoxicillin ist eine wichtige orale Option bei geeigneter pneumokokkenbedingter Atemwegsinfektion. Penicillin V ist kein pauschales Mittel der ersten Wahl für sämtliche Pneumokokkeninfektionen. Bei schwerer Pneumonie folgt die empirische Behandlung dem jeweiligen Lungenentzündungsprotokoll; nach Erregernachweis gezielt anpassen [FI3, LL9].
  • Empirische Meningitistherapie bei Erwachsenen: Bei ambulant erworbener bakterieller Meningitis Ceftriaxon plus Ampicillin; Ampicillin dient in dieser empirischen Kombination insbesondere der Behandlung von Listerien. Bei erhöhtem Risiko für cephalosporinresistente Pneumokokken zusätzlich Vancomycin oder Rifampicin [LL6].
  • Gesicherte Pneumokokkenmeningitis: Bei Empfindlichkeit gegenüber Ceftriaxon bzw. Cefotaxim gezielte Therapie mit einem dieser Wirkstoffe. Bei Resistenz Kombination bzw. Alternative nach Antibiogramm und infektiologischer Beratung. Die übliche Dauer bei unkompliziertem Verlauf beträgt 10-14 Tage [LL6].
  • Dexamethason: Bei Erwachsenen mit klinischem Verdacht auf ambulant erworbene bakterielle Meningitis unmittelbar vor oder gleichzeitig mit der ersten Antibiotikagabe beginnen. Bei bestätigter oder weiterhin wahrscheinlicher Pneumokokkenmeningitis für 4 Tage fortführen. Eine Antibiotikagabe darf wegen Dexamethason nicht verzögert werden [LL6].

Viridans-Streptokokken und Streptococcus gallolyticus, Endokarditis

  • Blutkulturnachweis: Insbesondere bei wiederholt positiven Blutkulturen, anhaltenden Bakterien im Blut, Herzklappenprothese oder klinischen Zeichen einer Endokarditis eine infektiöse Endokarditis abklären. Ein isolierter Viridans-Streptokokken-Nachweis ist unter Berücksichtigung der Anzahl positiver Blutkulturen und des klinischen Zusammenhangs auch auf eine mögliche Verunreinigung der Probe zu prüfen [LL3].
  • Gezielte Therapie: Bei penicillinempfindlichen Erregern Penicillin G oder Ceftriaxon; die Auswahl und gegebenenfalls erforderliche Kombination richten sich nach Empfindlichkeit, Herzklappe und Komplikationen. Die Standarddauer beträgt bei entsprechenden empfindlichen oralen Streptokokken bzw. Streptococcus gallolyticus 4 Wochen bei natürlichen Herzklappen und 6 Wochen bei Prothesenklappen. Verkürzte Kombinationstherapien sind streng ausgewählten unkomplizierten Fällen vorbehalten [LL3].
  • Streptococcus gallolyticus: Bei Bakteriämie oder Endokarditis zusätzlich eine Neubildung im Dickdarm abklären [LL3].
  • Orale Sequenztherapie: Nur bei sorgfältig ausgewählten stabilen Patienten nach einer definierten intravenösen Anfangsbehandlung und Entscheidung des Endokarditis-Teams. Eine pauschale orale Behandlung mit Penicillin V ist nicht angemessen [LL3].

Weitere Streptokokkenspezies

  • Streptococcus dysgalactiae, insbesondere Gruppen C und G: Bei behandlungsbedürftiger Infektion gezielte Betalaktamtherapie nach Krankheitsherd und Antibiogramm. Der Nutzen einer routinemäßigen zusätzlichen Clindamycintherapie ist weniger gut belegt als bei invasiven GAS-Infektionen [1].
  • Streptococcus-anginosus-Gruppe: Bei Bakteriämie oder Organinfektion gezielt nach einem Abszess suchen. Drainage (Ableitung von Flüssigkeit) bzw. Fokussanierung und die Berücksichtigung möglicher zusätzlicher Infektionserreger sind wesentlich [LL4].
  • Enterokokken: Enterococcus faecalis und Enterococcus faecium gehören nicht zur Gattung Streptococcus; ihre eigenständige medikamentöse Behandlung ist nicht Bestandteil dieses Artikels.

Wirkstoffe, Penicilline

Die folgenden Dosierungen gelten bei normaler Organfunktion. Kinderangaben gelten, soweit angegeben, für Kinder jenseits der Neugeborenenperiode; Neugeborene und Frühgeborene benötigen eigene altersabhängige Protokolle. Bei eingeschränkter Organfunktion, starkem Übergewicht, intensivmedizinischer Behandlung oder Nierenersatzverfahren individuell anpassen. Leitlinienbasierte Behandlungsdauern können von einzelnen Fachinformationen abweichen.

Wirkstoffe Besonderheiten
Penicillin V Bevorzugt bei antibiotisch behandlungsbedürftiger GAS-Tonsillopharyngitis. Behandlungsdauer: bei Tonsillopharyngitis 5-7 Tage, bei Scharlach 7-10 Tage. Keine Behandlung invasiver Infektionen mit diesen oralen Regimen [LL1, LL2, FI1].
Penicillin G Bei nekrotisierender GAS-Infektion bzw. STSS zusammen mit Clindamycin. Bei Meningitis eigenständige Hochdosistherapie; Dosierungen für niedrigere Hautinfektionen dürfen nicht übertragen werden. Natrium- bzw. Kaliumlast des Präparats beachten [LL4, LL6, FI2].
Penicillin G, intrapartale GBS-Prophylaxe Nur bei geburtshilflicher Indikation. Notwendige geburtshilfliche Maßnahmen nicht verzögern, um eine bestimmte Dauer der Prophylaxe zu erreichen [LL5].
Ampicillin Bei Erwachsenen bei ambulant erworbener bakterieller Meningitis empirisch zusammen mit Ceftriaxon zur zusätzlichen Abdeckung von Listerien. Bei gesicherter GBS-Infektion geeignete Alternative zu Penicillin G; Dosierungen für Neugeborene nach eigenständigem Protokoll [LL6, LL8].
Benzathin-Penicillin G Sekundärprophylaxe nach akutem rheumatischem Fieber: unter 27 kg Körpergewicht 600.000 IE intramuskulär; ab 27 kg Körpergewicht 1,2 Mio. IE intramuskulär; jeweils alle 28 Tage, nach Rückfall gegebenenfalls alle 21 Tage. Dauer der Vorbeugung richtet sich nach Herzbeteiligung und verbleibendem Klappenfehler. Ausschließlich tiefe intramuskuläre Anwendung; niemals intravenös [LL7].
  • Wirkweise: Hemmung der bakteriellen Zellwandsynthese; abtötende, zeitabhängige Wirkung. Benzathin-Penicillin G bewirkt eine verzögerte Wirkstofffreisetzung.
  • Indikationen: Empfindliche Streptokokkeninfektionen entsprechend dem Krankheitsherd; gesondert intrapartale GBS-Prophylaxe und Vorbeugung weiterer Erkrankungen nach akutem rheumatischem Fieber.
  • Kontraindikationen: Überempfindlichkeit gegen den jeweiligen Wirkstoff; schwere Soforttypreaktionen oder schwere verzögerte Betalaktamreaktionen erfordern eine differenzierte Planung einer Alternative. Gegenanzeigen des jeweiligen Präparats beachten.
  • Nebenwirkungen: Allergische Reaktionen bis hin zu Anaphylaxie, Hautausschlag, Durchfall und Clostridioides-difficile-Infektion; selten Veränderungen des Blutbilds oder interstitielle Nephritis (Entzündung des Nierenzwischengewebes). Bei hoch dosierter parenteraler Therapie Nervenschädigungen, insbesondere bei eingeschränkter Nierenfunktion, sowie Elektrolytbelastung berücksichtigen [FI1, FI2].

Wirkstoffe, Cephalosporine

Wirkstoffe Besonderheiten
Ceftriaxon Bei Erwachsenen bei bakterieller Meningitis zusammen mit Ampicillin. Bei Kindern jenseits der Neugeborenenperiode ist eine eigene Meningitisdosierung erforderlich. Neugeborenen-Gegenanzeigen beachten [LL6, FI3].
Ceftriaxon Bei geeigneter penicillinempfindlicher streptokokkenbedingter Endokarditis Standarddauer meist 4 Wochen bei natürlichen Herzklappen und 6 Wochen bei Prothesenklappen; Empfindlichkeit und Komplikationen können das Behandlungsschema verändern [LL3].
Cefazolin Alternative bei Penicillinallergie mit geringem Risiko für eine schwere allergische Reaktion zur intrapartalen GBS-Prophylaxe [LL5].
  • Wirkweise: Hemmung der bakteriellen Zellwandsynthese; abtötende Wirkung.
  • Indikationen: Behandlung empfindlicher Erreger je nach Krankheitsherd; Ceftriaxon insbesondere bei Hirnhautentzündung und ausgewählten Herzinnenhautentzündungen, Cefazolin bei entsprechender Indikation zur Vorbeugung einer GBS-Infektion während der Geburt.
  • Kontraindikationen: Schwere Überempfindlichkeit gegen Cephalosporine bzw. relevante schwere Betalaktamreaktion. Ceftriaxon ist unter anderem bei bestimmten Frühgeborenen, Neugeborenen mit erhöhtem Bilirubin und Neugeborenen mit notwendiger intravenöser Calciumgabe kontraindiziert; mögliche Unverträglichkeit mit Calcium beachten [FI3].
  • Nebenwirkungen: Allergische Reaktionen, Durchfall, Clostridioides-difficile-Infektion und Veränderungen des Blutbilds; unter Ceftriaxon zusätzlich Ablagerungen in den Gallenwegen, Gallensteinbildung und selten schwere Zerstörung roter Blutkörperchen [FI3].

Wirkstoffe, Lincosamide

Wirkstoffe Besonderheiten
Clindamycin Bei nekrotisierender GAS-Fasziitis bzw. STSS zusätzlich zu Penicillin G. Empfindlichkeit prüfen. Nicht als alleinige Behandlung einer schweren invasiven GAS-Infektion und nicht zur Behandlung einer Meningitis geeignet. Intravenöse Infusion langsam durchführen [LL4, FI4, B1, B2].
Clindamycin Zur intrapartalen GBS-Prophylaxe nur bei Hochrisikoallergie und dokumentierter GBS-Empfindlichkeit einschließlich erforderlicher Prüfung auf induzierbare Resistenz [LL5].
  • Wirkweise: Hemmung der bakteriellen Proteinbiosynthese; bei GAS zusätzlich Verminderung der Toxinsynthese.
  • Indikationen: Zusatztherapie bei GAS-nekrotisierender Fasziitis und STSS sowie ausgewählten anderen schweren invasiven GAS-Infektionen; geeignete Alternative bei empfindlichen Erregern und passender Allergiekonstellation.
  • Kontraindikationen: Überempfindlichkeit gegen Clindamycin oder Lincomycin bzw. relevante Hilfsstoffe. Frühere Clostridioides-difficile-Kolitis (Entzündung des Dickdarms) und Störungen der Muskel-Nerven-Übertragung erfordern besondere Vorsicht; sie sind nicht pauschal absolute Gegenanzeigen [FI4].
  • Nebenwirkungen: Insbesondere Durchfall und Clostridioides-difficile-Kolitis, außerdem Hautausschlag, schwere Überempfindlichkeitsreaktionen, Leberfunktionsstörungen und selten Veränderungen des Blutbilds. Bei zu schneller intravenöser Gabe Kreislaufkomplikationen [FI4].

Wirkstoffe, Glykopeptide

Wirkstoffe Besonderheiten
Vancomycin Bei Erwachsenen als zusätzliche Behandlung einer Hirnhautentzündung mit relevantem Risiko für Pneumokokkenresistenz. Tatsächliche Wirkstoffmenge nach Körpergewicht, Nierenfunktion und Wirkstoffspiegeln anpassen; eine feste Tagesdosis ist nicht für jeden Patienten ausreichend bzw. verträglich. Dexamethason kann den Übertritt in den Hirnwasserraum vermindern [LL6].
Vancomycin Zur intrapartalen GBS-Prophylaxe bei Hochrisiko-Betalaktamallergie, wenn Clindamycin nicht geeignet ist. Wiederholte Gabe und eingeschränkte Nierenfunktion erfordern besonders sorgfältige Dosisplanung [LL5].
  • Wirkweise: Hemmung der bakteriellen Zellwandsynthese durch Bindung an Vorstufen des Peptidoglykans.
  • Indikationen: Ausgewählte schwere Infektionen bei Betalaktamresistenz oder relevanter Betalaktamallergie; zusätzliche Absicherung bei entsprechendem Risiko für Pneumokokkenresistenz und situationsbezogene GBS-Prophylaxe.
  • Kontraindikationen: Überempfindlichkeit. Nierenfunktionsstörung erfordert individuelle Anpassung und Überwachung; sie ist keine pauschale absolute Gegenanzeige.
  • Nebenwirkungen: Nierenschädigung, infusionsbedingte Reaktionen, selten Hörschädigung und Veränderungen des Blutbilds. Langsame Infusion und eine Überwachung des Wirkstoffspiegels sind erforderlich.

Wirkstoffe, Rifamycine

Wirkstoffe Besonderheiten
Rifampicin Bei Erwachsenen als zusätzliche Behandlung einer Pneumokokkenmeningitis mit relevantem Resistenzrisiko. Nur als Kombinationstherapie und nach Prüfung der Empfindlichkeit. Bei gleichzeitiger Dexamethasongabe nennt die deutsche Meningitisleitlinie Ceftriaxon plus Rifampicin als bevorzugte Kombination gegenüber Ceftriaxon plus Vancomycin, sofern Rifampicin wirksam ist. Wechselwirkungen prüfen [LL6, FI5].
  • Wirkweise: Hemmung der bakteriellen DNA-abhängigen RNA-Polymerase.
  • Indikationen: Ausgewählte Kombinationstherapie bei Pneumokokkenmeningitis mit entsprechender Resistenzlage.
  • Kontraindikationen: Überempfindlichkeit sowie präparatespezifische schwere Lebererkrankungen und nicht geeignete Arzneimittelkombinationen. Keine alleinige Behandlung bei bakterieller Meningitis wegen rascher Resistenzentwicklung [LL6, FI5].
  • Nebenwirkungen: Leberschädigung, Magen-Darm-Beschwerden, Veränderungen des Blutbilds und orange-rötliche Verfärbung von Körperflüssigkeiten. Starke Beeinflussung des Arzneimittelabbaus mit zahlreichen Wechselwirkungen, unter anderem mit Blutverdünnern und hormonellen Verhütungsmitteln [FI5].

Wirkstoffe, adjuvante Glucocorticoide

Wirkstoffe Besonderheiten
Dexamethason Bei Erwachsenen bei vermuteter ambulant erworbener bakterieller Meningitis unmittelbar vor oder zusammen mit der ersten Antibiotikagabe beginnen. Bei bestätigter bzw. wahrscheinlicher Pneumokokkenmeningitis für 4 Tage fortführen. Kein Ersatz für Antibiotika. Dieses Erwachsenenregime nicht auf Kinder übertragen [LL6].
  • Wirkweise: Verminderung der Entzündungsreaktion im Raum zwischen den Hirnhäuten.
  • Indikationen: Zusätzliche Anfangsbehandlung bei vermuteter ambulant erworbener bakterieller Hirnhautentzündung bei Erwachsenen; Fortführung insbesondere bei Pneumokokkenmeningitis [LL6].
  • Kontraindikationen: Überempfindlichkeit; sorgfältige Abwägung bei relevanten Begleiterkrankungen. Anwendung bei bakterieller Meningitis nur zusammen mit einer wirksamen Behandlung gegen die Bakterien.
  • Nebenwirkungen: Erhöhter Blutzucker, Magen-Darm-Beschwerden, psychische Nebenwirkungen und erhöhte Infektionsanfälligkeit; bei kurzer Behandlung entsprechend der Indikation überwachen.

Red Flags

  • Unverhältnismäßig starke Schmerzen, rasche Ausbreitung, bläulich-livide Verfärbung, Blasen, Hautnekrosen (abgestorbene Haut), Krepitation (knisterndes Gefühl im Gewebe) oder Hautanästhesie (Taubheitsgefühl der Haut): Verdacht auf nekrotisierende Weichgewebeinfektion; sofortige chirurgische Beurteilung [LL4, B2]
  • Niedriger Blutdruck, Bewusstseinsstörung, beschleunigte Atmung oder Funktionsstörung von Organen: Verdacht auf Sepsis bzw. STSS; unverzügliche stationäre, gegebenenfalls intensivmedizinische Behandlung [B1]
  • Steifer Nacken, Bewusstseinsminderung, neurologische Ausfälle oder Krampfanfall: Verdacht auf bakterielle Hirnhautentzündung; sofortige Diagnostik und Behandlung [LL6]
  • Anhaltende Bakterien im Blut, neues Herzgeräusch, Zeichen von Gefäßverschlüssen durch verschleppte Blutgerinnsel oder Fremdmaterial im Herzen: Herzinnenhautentzündung abklären und Endokarditis-Team einbeziehen [LL3]
  • Fieber und rasche klinische Verschlechterung im Wochenbett, insbesondere zusammen mit Bauchschmerzen oder Kreislaufinstabilität: invasive GAS-Infektion berücksichtigen und unverzüglich behandeln

Weitere Hinweise

  • Therapiekontrolle: Bei fehlender Besserung innerhalb von 24-48 Stunden Diagnose, Infektionsherd, notwendige Herdsanierung, regelmäßige Einnahme, Dosierung und Empfindlichkeit erneut prüfen. Bei klinischer Verschlechterung sofort erneut beurteilen [B1].
  • Kontaktpersonen bei invasiven GAS-Infektionen: Nach CDC-Empfehlungen kein routinemäßiges Screening und keine routinemäßige Antibiotikaprophylaxe sämtlicher Haushaltskontakte. Bei besonders gefährdeten Kontaktpersonen kann eine individuelle Vorbeugung erwogen werden; örtliche Vorgaben der Gesundheitsbehörden berücksichtigen [B1, B2].
  • Immunologische Folgeerkrankungen: Eine Antibiotikatherapie ist keine verlässliche Vorbeugung der poststreptokokkenbedingten Glomerulonephritis (Nierenentzündung nach Streptokokkeninfektion). Vorbeugung weiterer Erkrankungen nach akutem rheumatischem Fieber und Behandlung einer poststreptokokkenreaktiven Arthritis (Gelenkentzündung nach einer Streptokokkeninfektion) sind voneinander abzugrenzen [LL7].
  • Organmanifestationen: Osteomyelitis (Knochenentzündung), septische Arthritis (bakterielle Gelenkentzündung), Empyem (Eiteransammlung in einer Körperhöhle), tiefe Abszesse und Endokarditis erfordern eigene Dosierungen, Behandlungsdauern und gegebenenfalls operative Maßnahmen. Behandlungsschemata für unkomplizierte Tonsillopharyngitis dürfen darauf nicht übertragen werden.

Supplemente (Nahrungsergänzungsmittel; Vitalstoffe)

Geeignete Nahrungsergänzungsmittel für das Immunsystem sollten die folgenden Vitalstoffe enthalten:

  • Vitamine (A, C, E, D3, B1, B2, Niacin (Vitamin B3), Pantothensäure (Vitamin B5), B6, B12, Folsäure, Biotin)
  • Spurenelemente (Chrom, Eisen, Kupfer, Mangan, Molybdän, Selen, Zink)
  • Fettsäuren (Omega-3-Fettsäuren: Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA))
  • Sekundäre Pflanzenstoffe (Beta-Carotin, Flavonoide (Citrusfrüchte), Lycopin (Tomaten), Proanthocyanidine (Cranberrys), Polyphenole)
  • Weitere Vitalstoffe (probiotische Kulturen: Laktobazillen, Bifidobakterien)

Beachte: Die aufgeführten Vitalstoffe sind kein Ersatz für eine medikamentöse Therapie. Nahrungsergänzungsmittel sind dazu bestimmt, die allgemeine Ernährung in der jeweiligen Lebenssituation zu ergänzen.

Für Fragen zum Thema Nahrungsergänzungsmittel stehen wir Ihnen gerne kostenfrei zur Verfügung.

Nehmen Sie bei Fragen dazu bitte per E-Mail – info@docmedicus.de – Kontakt mit uns auf, und teilen Sie uns dabei Ihre Telefonnummer mit und wann wir Sie am besten erreichen können.

Abkürzungen

  • CDC: Centers for Disease Control and Prevention
  • GAS: Gruppe-A-Streptokokken
  • GBS: Gruppe-B-Streptokokken
  • IE: Internationale Einheiten
  • i.m.: intramuskulär
  • i.v.: intravenös
  • KG: Körpergewicht
  • p.o.: per os
  • STSS: Streptokokken-Toxic-Shock-Syndrom

Literatur

  1. Babiker A et al.: Effectiveness of adjunctive clindamycin in β-lactam antibiotic-treated patients with invasive β-haemolytic streptococcal infections in US hospitals: a retrospective multicentre cohort study. Lancet Infect Dis 2021; 21: 697-710. doi: 10.1016/S1473-3099(20)30523-5
  2. Raabe VN, Shane AL: Group B Streptococcus (Streptococcus agalactiae). Microbiol Spectr 2019; 7(2). doi: 10.1128/microbiolspec.GPP3-0007-2018

Leitlinien, Referenzwerte und Protokolle

  1. S3-Leitlinie: Therapie der Tonsillo-Pharyngitis. (AWMF-Registernummer: 017-024), Januar 2024, Version 4.0. Langfassung [LL1]
  2. S2k-Leitlinie: Antibiotikatherapie bei HNO-Infektionen. (AWMF-Registernummer: 017-066), Mai 2025, Version 5.1. Langfassung [LL2]
  3. Delgado V et al.: 2023 ESC Guidelines for the management of endocarditis. Eur Heart J 2023; 44: 3948-4042. doi: 10.1093/eurheartj/ehad193 [LL3]
  4. Stevens DL et al.: Practice Guidelines for the Diagnosis and Management of Skin and Soft Tissue Infections: 2014 Update by the Infectious Diseases Society of America. Clin Infect Dis 2014; 59: e10-e52. doi: 10.1093/cid/ciu296 [LL4]
  5. American College of Obstetricians and Gynecologists: Prevention of Group B Streptococcal Early-Onset Disease in Newborns. ACOG Committee Opinion No. 797. Obstet Gynecol 2020; 135: e51-e72. doi: 10.1097/AOG.0000000000003668 [LL5]
  6. S2k-Leitlinie: Ambulant erworbene bakterielle Meningoenzephalitis im Erwachsenenalter. (AWMF-Registernummer: 030-089), April 2023, Version 6.0. Langfassung [LL6]
  7. S2k-Leitlinie: Akutes rheumatisches Fieber und Poststreptokokken reaktive Arthritis. (AWMF-Registernummer: 023-027), Januar 2024. Langfassung [LL7]
  8. Puopolo KM et al.: Management of Infants at Risk for Group B Streptococcal Disease. Pediatrics 2019; 144: e20191881. doi: 10.1542/peds.2019-1881 [LL8]
  9. S2k-Leitlinie: Management der ambulant erworbenen Pneumonie bei Kindern und Jugendlichen. (AWMF-Registernummer: 048-013), Januar 2024. Langfassung [LL9]

Behördliche Empfehlungen

  1. Centers for Disease Control and Prevention: Clinical Guidance for Streptococcal Toxic Shock Syndrome, 5. August 2025 [B1]
  2. Centers for Disease Control and Prevention: Clinical Guidance for Type II Necrotizing Fasciitis, 5. August 2025 [B2]
  3. Centers for Disease Control and Prevention: Clinical Guidance for Group A Streptococcal Pharyngitis [B3]

Fachinformationen

  1. ratiopharm: Penicillin V-ratiopharm 1 Mega Filmtabletten / 1,5 Mega. Fachinformation [FI1]
  2. InfectoPharm: Penicillin G INFECTOPHARM 1/5/10 Mega, Stand März 2025. Fachinformation [FI2]
  3. Fresenius Kabi: Ceftriaxon Kabi 2 g Pulver zur Herstellung einer Infusionslösung. Fachinformation [FI3]
  4. Pfizer Pharma: Sobelin Solubile 600, Stand Juli 2026. Fachinformation [FI4]
  5. Esteve Pharmaceuticals: EREMFAT 600 mg. Fachinformation [FI5]