Schlafkrankheit (Afrikanische Trypanosomiasis) – Folgeerkrankungen
Im Folgenden die wichtigsten Erkrankungen bzw. Komplikationen, die durch Schlafkrankheit (Afrikanische Trypanosomiasis) mitbedingt sein können:
Herzkreislaufsystem (I00-I99)
- Myokarditis (Herzmuskelentzündung)/Perimyokarditis (Entzündung von Herzmuskel und Herzbeutel) bis hin zur Pankarditis (Entzündung aller Herzschichten) – entzündliche Herzbeteiligung mit Repolarisations-, Rhythmus- und Leitungsstörungen (Störungen der elektrischen Erregungsrückbildung, des Herzrhythmus und der Erregungsleitung); insbesondere bei Trypanosoma brucei rhodesiense kann die kardiale Beteiligung schwer verlaufen. Bei Trypanosoma brucei gambiense sind klinisch relevante Herzinsuffizienz (Herzschwäche) und bleibende kardiale Folgeschäden dagegen selten [1, 2, 5].
Psyche – Nervensystem (F00-F99; G00-G99)
- Meningoenzephalitis (Entzündung von Gehirn und Hirnhäuten) – nach Übertritt der Trypanosomen in das Zentralnervensystem (Gehirn und Rückenmark); kennzeichnet das neurologische Stadium und kann mit Verhaltensänderungen, Verwirrtheit, Schlaf-Wach-Störungen, Ataxie (Störung der Bewegungskoordination), Tremor (Zittern), Bewegungsstörungen, Krampfanfällen und motorischen Defiziten (Beeinträchtigungen der Bewegungsfähigkeit) bis zum Koma (tiefe Bewusstlosigkeit) einhergehen. Bei Trypanosoma brucei gambiense entwickelt sich die ZNS-Beteiligung typischerweise langsamer, bei Trypanosoma brucei rhodesiense deutlich rascher [1, LL1].
Prognosefaktoren
- Fehlende Behandlung – die unbehandelte Afrikanische Trypanosomiasis verläuft nahezu immer letal; im neurologischen Stadium kann die Erkrankung zu progredienter Enzephalopathie (fortschreitender Erkrankung des Gehirns), Koma und Tod führen [1, LL1].
- Trypanosoma brucei rhodesiense – im Vergleich zu Trypanosoma brucei gambiense meist rascherer, akut-progredienter Verlauf mit früherer ZNS- und Multiorganbeteiligung (Beteiligung mehrerer Organe) [1, LL1].
- Fortgeschrittenes neurologisches Stadium – ein schwer beeinträchtigter klinischer Zustand bei Aufnahme ist ein ausgeprägter Prädiktor der Mortalität; bei Patienten mit fortgeschrittener Zweitstadium-Erkrankung waren zudem eine erhöhte Liquorproteinkonzentration, Trypanosomen im Liquor und eine ausgeprägte Liquorpleozytose mit erhöhter Mortalität (Sterblichkeit) assoziiert [3].
- Frühe Diagnose und leitliniengerechte antiparasitäre Therapie – verbessern die Heilungsaussichten wesentlich und verhindern insbesondere die Progression (Fortschreiten) zur ZNS-Erkrankung. Nach erfolgreicher Behandlung sind ausgeprägte dauerhafte neurologische und kardiale Folgeschäden offenbar selten; die Langzeitdaten hierzu sind jedoch begrenzt [4, 5, LL1].
Literatur
- Lejon V, Lindner AK, Franco JR: Human African trypanosomiasis. Lancet. 2025;405(10482):937-950. doi: 10.1016/S0140-6736(25)00107-2.
- Sabino EC, Nunes MCP, Blum J et al.: Cardiac involvement in Chagas disease and African trypanosomiasis. Nat Rev Cardiol. 2024;21:865-879. doi: 10.1038/s41569-024-01057-3.
- Kazumba LM, Kaka JCT, Ngoyi DM, Tshala-Katumbay D: Mortality trends and risk factors in advanced stage-2 Human African Trypanosomiasis: A critical appraisal of 23 years of experience in the Democratic Republic of Congo. PLoS Negl Trop Dis. 2018;12(6):e0006504. doi: 10.1371/journal.pntd.0006504.
- Mudji J, Blum A, Grize L et al.: Gambiense Human African Trypanosomiasis Sequelae after Treatment: A Follow-Up Study 12 Years after Treatment. Trop Med Infect Dis. 2020;5(1):10. doi: 10.3390/tropicalmed5010010.
- Blum A, Mudji J, Grize L et al.: Sleeping hearts: 12 years after a follow up study on cardiac findings due to sleeping sickness. One Health. 2020;11:100182. doi: 10.1016/j.onehlt.2020.100182.
Leitlinien, Referenzwerte und Protokolle
- World Health Organization (WHO): Guidelines for the treatment of human African trypanosomiasis. Geneva: WHO; Juni 2024. WHO-Publikationsseite Langfassung. [LL1]