Paratyphus – Medikamentöse Therapie

Therapieziele

  • Erregerelimination: Behandlung der systemischen Infektion (den gesamten Körper betreffenden Infektion) durch Salmonella Paratyphi und Vermeidung von Rezidiven (Rückfällen).
  • Stabilisierung des Flüssigkeits- und Elektrolythaushalts: Ausgleich einer Dehydratation (Austrocknung durch Flüssigkeitsmangel) und bestehender Elektrolytverluste.
  • Vermeidung von Komplikationen: insbesondere Sepsis (lebensbedrohliche Organfunktionsstörung infolge einer Infektion), intestinale Blutung (Darmblutung), Darmperforation (Darmdurchbruch) und extraintestinale Infektionsherde (Infektionsherde außerhalb des Darms).
  • Verhinderung weiterer Übertragungen: Erkennung und gegebenenfalls Sanierung einer persistierenden Erregerausscheidung.

Therapieempfehlungen

  • Antibiotikatherapie: Bei Paratyphus (typhusähnlicher bakterieller Infektionskrankheit) ist eine antibiotische Behandlung indiziert. Die Empfehlungen zur zurückhaltenden Antibiotikagabe bei unkomplizierter nichttyphoidaler Salmonellenenteritis (Darmentzündung durch Salmonellen, die keinen Typhus oder Paratyphus verursachen) sind auf Paratyphus nicht übertragbar [B1].
  • Mikrobiologische Sicherung: Vor Therapiebeginn möglichst Blutkulturen und ergänzend Stuhlkulturen gewinnen; bei schwerem Verlauf den Behandlungsbeginn dadurch nicht verzögern. Für angezüchtete Erreger ist eine Antibiotikaempfindlichkeitsprüfung erforderlich [B1].
  • Empirische Antibiotikawahl: Reiseanamnese, wahrscheinliches Infektionsland, aktuelle regionale Resistenzdaten, vorausgegangene Antibiotikatherapien und Krankheitsschwere berücksichtigen. Eine pauschale Zuordnung „Ciprofloxacin nach Aufenthalt in Afrika, Ceftriaxon nach Aufenthalt in anderen Regionen“ ist nicht mehr gerechtfertigt [LL1, B1, B2].
    • Bei unkompliziertem Verlauf und zuverlässiger oraler Einnahme ist Azithromycin eine mögliche empirische Therapie.
    • Bei stationär behandlungsbedürftigem Verlauf oder fehlender Möglichkeit der oralen Einnahme ist Ceftriaxon geeignet, sofern kein relevanter Verdacht auf Cephalosporinresistenz besteht.
    • Bei schwerem Verlauf und Verdacht auf Ceftriaxonresistenz kommt Meropenem unter infektiologischer Mitbetreuung infrage.
    • Resistenzwarnungen zu extensiv resistenten S.-Typhi-Stämmen, insbesondere nach Aufenthalt in Pakistan oder Irak, sind bei noch ungeklärtem enterischem Fieber (Typhus oder Paratyphus) zu berücksichtigen. Sie dürfen nicht pauschal auf sämtliche S.-Paratyphi-Isolate übertragen werden [B2].
  • Gezielte Antibiotikawahl: Nach Erregeridentifizierung und Antibiogramm auf ein wirksames, möglichst gezieltes Regime umstellen. Ciprofloxacin ausschließlich bei nachgewiesener Empfindlichkeit einsetzen. Amoxicillin und Cotrimoxazol sind ebenfalls nur bei gesicherter Empfindlichkeit Alternativen [LL1, B1].
  • Rehydrierung: Bei leichter bis mittelschwerer Dehydratation und ausreichender oraler Aufnahmefähigkeit eine niedrigosmolare orale Rehydratationslösung in kleinen, wiederholten Portionen geben. Bei Schock (lebensbedrohlichem Kreislaufversagen), erheblicher Dehydratation, anhaltendem Erbrechen, Bewusstseinsstörung oder Ileus (Darmverschluss) intravenös rehydrieren. Elektrolyte und Nierenfunktion kontrollieren; Ernährung nach Verträglichkeit fortführen. „Teepausen“ sind nicht erforderlich [LL2].
  • Schwere oder komplizierte Erkrankung: Stationäre Behandlung; bei Organversagen intensivmedizinische Betreuung. Darmperforation oder relevante intestinale Blutung erfordern eine unverzügliche interdisziplinäre Beurteilung [LL1].
  • Verlaufskontrolle: Fieber kann trotz wirksamer Therapie zunächst 3-5 Tage fortbestehen. Bei ausbleibender Besserung nach etwa 5 Tagen Resistenz, unzureichende Wirkstoffexposition, Komplikationen und persistierende Infektionsherde prüfen. Ein Rezidiv erfordert erneute Kulturen und eine resistenzgerechte Behandlung [B2].

Wirkstoffe – Cephalosporine der dritten Generation

Die folgenden Dosierungen beziehen sich, soweit nicht anders angegeben, auf Erwachsene mit normaler Organfunktion. Therapiedauer und Dosis sind an Verlauf, Antibiogramm und Infektionsherde anzupassen.

Wirkstoffe Besonderheiten
Ceftriaxon Parenterale Therapie bei empfindlichem Erreger; keine Wirksamkeit bei Ceftriaxonresistenz. Eine orale Sequenztherapie ist bei klinischer Besserung und geeigneter empfindlicher Alternative möglich [LL1].
  • Wirkweise: Bakterizide Hemmung der bakteriellen Zellwandsynthese durch Bindung an penicillinbindende Proteine.
  • Indikationen: Paratyphus bei empfindlichem Erreger, insbesondere bei erforderlicher parenteraler Behandlung [LL1].
  • Kontraindikationen: Überempfindlichkeit gegen Ceftriaxon oder Cephalosporine bzw. vorausgegangene schwere Überempfindlichkeitsreaktion gegen andere Betalaktamantibiotika. Besondere Kontraindikationen bei Frühgeborenen und bestimmten Neugeborenen beachten; bei Neugeborenen mit erforderlicher intravenöser Calciumgabe kontraindiziert [FI1].
  • Nebenwirkungen: Diarrhoe (Durchfall), Exanthem (Hautausschlag), Blutbildveränderungen, Leberenzymanstieg, biliäre Präzipitate (Ausfällungen in der Galle) bzw. Pseudolithiasis (vorübergehende, gallensteinähnliche Ablagerungen); selten schwere allergische Reaktionen, hämolytische Anämie (Blutarmut durch vermehrten Abbau roter Blutkörperchen) oder Clostridioides-difficile-assoziierte Kolitis (Dickdarmentzündung durch das Bakterium Clostridioides difficile) [FI1].

Wirkstoffe – Makrolide

Wirkstoffe Besonderheiten
Azithromycin Orale Option bei unkompliziertem Verlauf. Resistenzentwicklung beachten. Paratyphus ist in der aufgeführten deutschen Fachinformation nicht als Anwendungsgebiet enthalten: Off-Label-Use [LL1, FI2].
  • Wirkweise: Hemmung der bakteriellen Proteinsynthese an der 50S-Untereinheit des Ribosoms.
  • Indikationen: Unkomplizierter Paratyphus bei erwarteter bzw. nachgewiesener Empfindlichkeit und gesicherter oraler Aufnahme [LL1, B2].
  • Kontraindikationen: Überempfindlichkeit gegen Azithromycin oder andere Makrolide. Bei QT-Verlängerung (Verlängerung der elektrischen Erholungsphase der Herzkammern), relevanter Bradykardie (verlangsamtem Herzschlag), Hypokaliämie (zu niedrigem Kaliumspiegel im Blut), Hypomagnesiämie (zu niedrigem Magnesiumspiegel im Blut) oder gleichzeitiger Einnahme weiterer QT-verlängernder Arzneimittel sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung; bei erheblicher Leberfunktionsstörung besondere Vorsicht [FI2].
  • Nebenwirkungen: Diarrhoe, Übelkeit, Bauchschmerzen; selten schwere Leberschädigung, QT-Verlängerung mit ventrikulären Arrhythmien (Herzrhythmusstörungen, die von den Herzkammern ausgehen), Hörstörungen oder schwere Hautreaktionen [FI2].

Wirkstoffe – Fluorchinolone

Wirkstoffe Besonderheiten
Ciprofloxacin Nur bei nachgewiesener Empfindlichkeit; keine routinemäßige empirische Anwendung. Dosisanpassung bei Niereninsuffizienz (eingeschränkter Nierenfunktion). Einnahmeabstand zu Eisen-, Zink-, Magnesium- und Calciumpräparaten beachten [B1, FI3].
  • Wirkweise: Bakterizide Hemmung der bakteriellen DNA-Gyrase und Topoisomerase IV.
  • Indikationen: Gezielte Therapie eines ciprofloxacinempfindlichen Paratyphus nach individueller Nutzen-Risiko-Abwägung [B1, FI3].
  • Kontraindikationen: Überempfindlichkeit gegen Ciprofloxacin bzw. andere Chinolone und gleichzeitige Anwendung von Tizanidin. Nach schwerwiegenden chinolonassoziierten Nebenwirkungen möglichst vermeiden. Schwangerschaft und Stillzeit sowie die Anwendung bei Kindern erfordern eine gesonderte Beurteilung [FI3].
  • Nebenwirkungen: Gastrointestinale Beschwerden (Magen-Darm-Beschwerden); selten potenziell anhaltende oder irreversible Sehnen-, Muskel-, Gelenk- und Nervenschäden, psychiatrische Reaktionen, Dysglykämien (Störungen des Blutzuckerspiegels) und QT-Verlängerung. Bei entsprechender Risikokonstellation Aortenaneurysma (Aussackung der Hauptschlagader), Aortendissektion (Einriss und Aufspaltung der Wand der Hauptschlagader) und Herzklappeninsuffizienz (Undichtigkeit einer Herzklappe) berücksichtigen; systemische Glucocorticoide erhöhen das Risiko einer Sehnenschädigung [FI3].

Wirkstoffe – Aminopenicilline

Wirkstoffe Besonderheiten
Amoxicillin Alternative ausschließlich bei nachgewiesener Empfindlichkeit. Dosisanpassung bei Niereninsuffizienz; bei schwerem Verlauf parenterale Behandlung bevorzugen [B1, FI4].
  • Wirkweise: Bakterizide Hemmung der bakteriellen Zellwandsynthese.
  • Indikationen: Typhoides und paratyphoides Fieber (Typhus und Paratyphus) durch empfindliche Erreger; keine routinemäßige empirische Therapie [B1, FI4].
  • Kontraindikationen: Penicillinallergie bzw. vorausgegangene schwere unmittelbare Überempfindlichkeitsreaktion gegen andere Betalaktamantibiotika [FI4].
  • Nebenwirkungen: Diarrhoe, Übelkeit und Exanthem; selten Anaphylaxie (schwere, potenziell lebensbedrohliche allergische Reaktion), schwere Hautreaktionen, interstitielle Nephritis (Entzündung des Nierenzwischengewebes), Kristallurie (Ausscheidung von Kristallen im Urin) oder antibiotikaassoziierte Kolitis (Dickdarmentzündung im Zusammenhang mit einer Antibiotikabehandlung) [FI4].

Wirkstoffe – Folsäureantagonisten

Wirkstoffe Besonderheiten
Trimethoprim/Sulfamethoxazol – Cotrimoxazol Reservealternative bei nachgewiesener Empfindlichkeit. Dosisanpassung bei Niereninsuffizienz; Kalium, Kreatinin und Blutbild kontrollieren. Relevante Wechselwirkungen, insbesondere mit Methotrexat, Vitamin-K-Antagonisten und kaliumsteigernden Arzneimitteln [B1, FI5].
  • Wirkweise: Sequenzielle Hemmung der bakteriellen Folsäuresynthese durch Sulfamethoxazol und Trimethoprim.
  • Indikationen: Gezielte Alternative bei cotrimoxazolempfindlichem Erreger; keine routinemäßige empirische Anwendung [B1].
  • Kontraindikationen: Überempfindlichkeit gegen Sulfonamide oder Trimethoprim, schwere Leberfunktionsstörung sowie bestimmte schwere Blutbildveränderungen. Schwere Niereninsuffizienz, Glucose-6-phosphat-Dehydrogenase-Mangel (erblich bedingter Enzymmangel, der den Abbau roter Blutkörperchen begünstigen kann) und Schwangerschaft erfordern die Beachtung der präparatespezifischen Einschränkungen [FI5].
  • Nebenwirkungen: Übelkeit, Erbrechen und Exanthem; Hyperkaliämie (zu hoher Kaliumspiegel im Blut), Blutbildveränderungen und Nierenfunktionsstörungen; selten Stevens-Johnson-Syndrom (schwere Haut- und Schleimhautreaktion mit Blasenbildung), toxische epidermale Nekrolyse (lebensbedrohliche Hautreaktion mit großflächiger Ablösung der Oberhaut) oder andere schwere Überempfindlichkeitsreaktionen [FI5].

Wirkstoffe – Carbapeneme

Wirkstoffe Besonderheiten
Meropenem Reserve bei schwerem Verlauf und vermuteter bzw. bestätigter Cephalosporinresistenz. Dosisanpassung bei Niereninsuffizienz. Kombination mit Valproinsäure vermeiden; nach Erregernachweis Deeskalation prüfen [LL1, FI6].
  • Wirkweise: Bakterizide Hemmung der bakteriellen Zellwandsynthese.
  • Indikationen: Schwere Infektion durch entsprechend resistente, meropenemempfindliche Erreger; infektiologische Mitbetreuung erforderlich [LL1, B1].
  • Kontraindikationen: Überempfindlichkeit gegen Carbapeneme bzw. schwere Überempfindlichkeit gegen andere Betalaktamantibiotika [FI6].
  • Nebenwirkungen: Diarrhoe, Übelkeit, Exanthem und Leberenzymanstieg; selten Krampfanfälle, schwere allergische Reaktionen oder antibiotikaassoziierte Kolitis. Die ausgeprägte Senkung des Valproinsäurespiegels kann zu einem Verlust der Anfallskontrolle führen [FI6].

Besondere Patientengruppen

  • Kinder: Gewichtsgerechte Dosierung und geeignete Darreichungsform erforderlich. Ceftriaxon und Azithromycin sind mögliche Optionen; die Auswahl erfolgt nach Resistenzlage und Krankheitsschwere. Fluorchinolone nur bei besonderer Indikation und nach pädiatrisch-infektiologischer Beurteilung [LL1, FI1, FI2, FI3].
  • Schwangerschaft: Frühzeitige resistenzgerechte Behandlung. Ceftriaxon bzw. bei empfindlichem Erreger Amoxicillin kommen nach individueller Beurteilung infrage. Azithromycin oder bei schwerer resistenter Infektion Meropenem erfordern eine sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung. Ciprofloxacin möglichst vermeiden [FI1, FI2, FI3, FI4, FI6].
  • Organfunktionsstörungen: Insbesondere Amoxicillin, Ciprofloxacin, Cotrimoxazol und Meropenem an die Nierenfunktion anpassen. Bei Ceftriaxon gelten besondere Vorgaben bei ausgeprägter Niereninsuffizienz bzw. gleichzeitiger schwerer Leber- und Nierenfunktionsstörung [FI1, FI3, FI4, FI5, FI6].

Dauerausscheider – Therapieziele und Vorgehen

  • Therapieziel: Eradikation der persistierenden Erregerausscheidung und Verringerung des Übertragungsrisikos.
  • Definition: Eine chronische Trägerschaft liegt bei Erregerausscheidung über mindestens 12 Monate vor; frühere positive Stuhlkulturen können eine vorübergehende Rekonvaleszentenausscheidung (Erregerausscheidung während der Genesungsphase) anzeigen [B2].
  • Individuelle Sanierung: Wiederholte Kulturen mit Resistenzprüfung und infektiologisch-mikrobiologische Beratung. Die Daten zur Sanierung stammen überwiegend aus älteren Studien zu S. Typhi; ihre Übertragbarkeit auf Paratyphus und heutige resistente Erreger ist begrenzt [2, LL1].
  • Persistierende Ausscheidung: Bei Therapieversagen biliäre Herde (Infektionsherde im Bereich der Gallenwege) und Gallensteine prüfen. Eine Cholezystektomie (operative Entfernung der Gallenblase) kommt bei ausgewählten Patienten mit Gallensteinen und erfolgloser antibiotischer Sanierung infrage; keine routinemäßige operative Behandlung [LL1, B1].
  • Ceftriaxon: Eine pauschale zweiwöchige Ceftriaxontherapie zur Dauerausscheidersanierung ist kein ausreichend belegtes Standardregime [2, LL1].

Dauerausscheider – Fluorchinolone

Wirkstoffe Besonderheiten
Ciprofloxacin Nur bei nachgewiesener Empfindlichkeit und vertretbarem Nebenwirkungsrisiko. Verlängertes Sanierungsregime außerhalb der üblichen Akutbehandlung; Zulassungsstatus präparatespezifisch prüfen [2, LL1, FI3].
  • Wirkweise: Hemmung der bakteriellen DNA-Gyrase und Topoisomerase IV.
  • Indikationen: Sanierung einer bestätigten chronischen Trägerschaft bei ciprofloxacinempfindlichem Erreger [2, LL1].
  • Kontraindikationen: Wie bei der Akuttherapie; bei langfristiger Anwendung besonders sorgfältige Beurteilung vorausgegangener Fluorchinolonnebenwirkungen und bestehender Sehnen-, Gefäß- bzw. neurologischer Risiken [FI3].
  • Nebenwirkungen: Wie bei der Akuttherapie; insbesondere Sehnenschädigungen, Neuropathien (Nervenschädigungen), psychiatrische Beschwerden und antibiotikaassoziierte Kolitis beachten [FI3].

Dauerausscheider – Aminopenicilline

Wirkstoffe Besonderheiten
Amoxicillin Alternative bei nachgewiesener Empfindlichkeit. Historische Daten zeigen eine geringere Eradikationsrate als unter Fluorchinolonen; Behandlung und gegebenenfalls Verlängerung individuell festlegen [2, LL1].
  • Wirkweise: Bakterizide Hemmung der bakteriellen Zellwandsynthese.
  • Indikationen: Sanierungsversuch bei amoxicillinempfindlichem Erreger, insbesondere wenn Fluorchinolone ungeeignet sind [2, LL1].
  • Kontraindikationen: Penicillinallergie bzw. vorausgegangene schwere unmittelbare Überempfindlichkeitsreaktion gegen andere Betalaktamantibiotika [FI4].
  • Nebenwirkungen: Gastrointestinale Beschwerden, Exanthem und allergische Reaktionen; bei längerer Behandlung insbesondere antibiotikaassoziierte Kolitis beachten [FI4].

Dauerausscheider – Makrolide

Wirkstoffe Besonderheiten
Azithromycin Off-Label-Use. In der BIA-Leitlinie als Option genannt; belastbare klinische Studien zur Sanierung chronischer Typhus-/Paratyphusträger fehlen. Keine gleichwertig belegte Standardalternative [2, LL1, FI2].
  • Wirkweise: Hemmung der bakteriellen Proteinsynthese an der 50S-Untereinheit des Ribosoms.
  • Indikationen: Individueller Sanierungsversuch nach infektiologischer Beratung, wenn besser belegte empfindliche Alternativen fehlen [LL1].
  • Kontraindikationen: Makrolidüberempfindlichkeit; besondere Vorsicht bei QT-Verlängerung, Elektrolytstörungen, interagierender Medikation oder erheblicher Leberfunktionsstörung [FI2].
  • Nebenwirkungen: Gastrointestinale Beschwerden, Hepatotoxizität (leberschädigende Wirkung), QT-Verlängerung und Hörstörungen; bei längerfristiger Anwendung klinische und gegebenenfalls laborchemische bzw. elektrokardiographische Kontrollen [FI2].

Beachte

  • Eradikationskontrolle: Den Sanierungserfolg durch wiederholte Stuhlkulturen überprüfen; eine einzelne negative Probe schließt eine intermittierende Ausscheidung nicht aus. Zeitpunkt und Umfang der Kontrollen mit dem Gesundheitsamt abstimmen [LL1, B1].
  • Tätigkeitsbeschränkungen: Für Ausscheider von S. Paratyphi gelten die einschlägigen Tätigkeits- und Beschäftigungsverbote gemäß § 42 IfSG bei bestimmten Lebensmittelarbeiten und in Küchen der Gemeinschaftsverpflegung. Ausnahmen bzw. Wiederzulassung erfolgen nach den gesetzlichen Vorgaben und in Abstimmung mit dem Gesundheitsamt [B1, B3].

Supplemente (Nahrungsergänzungsmittel; Vitalstoffe)

Geeignete Nahrungsergänzungsmittel für das Immunsystem sollten die folgenden Vitalstoffe enthalten:

  • Vitamine (A, C, E, D3, B1, B2, Niacin (Vitamin B3), Pantothensäure (Vitamin B5), B6, B12, Folsäure, Biotin)
  • Spurenelemente (Chrom, Eisen, Kupfer, Mangan, Molybdän, Selen, Zink)
  • Fettsäuren (Omega-3-Fettsäuren: Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA))
  • Sekundäre Pflanzenstoffe (Beta-Carotin, Flavonoide (Citrusfrüchte), Lycopin (Tomaten), Proanthocyanidine (Cranberrys), Polyphenole)
  • Weitere Vitalstoffe (probiotische Kulturen: Laktobazillen, Bifidobakterien)

Beachte: Die aufgeführten Vitalstoffe sind kein Ersatz für eine medikamentöse Therapie. Nahrungsergänzungsmittel sind dazu bestimmt, die allgemeine Ernährung in der jeweiligen Lebenssituation zu ergänzen.

Für Fragen zum Thema Nahrungsergänzungsmittel stehen wir Ihnen gerne kostenfrei zur Verfügung.

Nehmen Sie bei Fragen dazu bitte per E-Mail – info@docmedicus.de – Kontakt mit uns auf, und teilen Sie uns dabei Ihre Telefonnummer mit und wann wir Sie am besten erreichen können.

Abkürzungen

  • AWMF: Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften
  • B: behördliche Empfehlungen bzw. rechtliche Grundlagen; Kennzeichnung der Quellen im Text
  • BIA: British Infection Association – britische Fachgesellschaft für Infektionskrankheiten
  • CDC: Centers for Disease Control and Prevention – US-amerikanische Gesundheitsbehörde
  • DHA: Docosahexaensäure
  • DNA: Desoxyribonukleinsäure – Träger der Erbinformation
  • doi: Digital Object Identifier – dauerhafte Kennung einer wissenschaftlichen Veröffentlichung
  • EPA: Eicosapentaensäure
  • FI: Fachinformation; Kennzeichnung der Quellen im Text
  • IfSG: Infektionsschutzgesetz
  • LL: Leitlinie; Kennzeichnung der Quellen im Text
  • QT: Zeitintervall zwischen dem Beginn der elektrischen Erregung und dem Ende der elektrischen Erholung der Herzkammern
  • RKI: Robert Koch-Institut
  • S.: Salmonella
  • S2k: Stufe 2 einer Leitlinie mit strukturierter Konsensfindung

Literatur

  1. Kuehn R, Stoesser N, Eyre D et al.: Treatment of enteric fever (typhoid and paratyphoid fever) with cephalosporins. Cochrane Database Syst Rev. 2022;11:CD010452. doi: 10.1002/14651858.CD010452.pub2
  2. McCann N, Scott P, Parry CM, Brown M: Antimicrobial agents for the treatment of enteric fever chronic carriage: A systematic review. PLoS One. 2022;17(7):e0272043. doi: 10.1371/journal.pone.0272043

Leitlinien, Referenzwerte und Protokolle

  1. Nabarro LE, McCann N, Herdman MT et al.: British infection association guidelines for the diagnosis and management of enteric fever in England. J Infect. 2022;84(4):469-489. doi: 10.1016/j.jinf.2022.01.014; Langfassung [LL1]
  2. S2k-Leitlinie: Gastrointestinale Infektionen der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten. (AWMF-Registernummer: 021-024), November 2023. Langfassung [LL2]

Behördliche Empfehlungen und rechtliche Grundlagen

  1. Robert Koch-Institut: RKI-Ratgeber Typhus abdominalis, Paratyphus. Epidemiologisches Bulletin 42/2025. Ratgeber und Volltext [B1]
  2. Francois Watkins LK, Shih DC, Dorough L: Typhoid and Paratyphoid Fever. CDC Yellow Book, Ausgabe 2026; aktualisiert am 23. April 2025. Volltext [B2]
  3. Infektionsschutzgesetz: § 42 – Tätigkeits- und Beschäftigungsverbote. Gesetzestext [B3]

Fachinformationen

  1. Viatris Healthcare GmbH: Ceftriaxon Viatris 2 g Pulver zur Herstellung einer Infusionslösung. Fachinformation [FI1]
  2. ratiopharm GmbH: Azithromycin-ratiopharm 500 mg Filmtabletten. Fachinformation [FI2]
  3. Bayer Vital GmbH: Ciprobay Saft 10 %, 500 mg/5 ml. Fachinformation [FI3]
  4. ratiopharm GmbH: Amoxicillin-ratiopharm Filmtabletten. Fachinformation [FI4]
  5. ratiopharm GmbH: Cotrim-ratiopharm 400 mg/80 mg Tabletten und Cotrim forte-ratiopharm 800 mg/160 mg Tabletten. Fachinformation [FI5]
  6. Pfizer Pharma GmbH: Meronem. Fachinformation [FI6]