Mumps (Parotitis epidemica) – Prävention

Die Mumps-Impfung als Kombinationsimpfung Masern-Mumps-Röteln (MMR) beziehungsweise Masern-Mumps-Röteln-Varizellen (MMRV) ist die wichtigste und wirksamste Maßnahme zur Prävention (Vorbeugung) der Parotitis epidemica (Mumps). Ein monovalenter Mumps-Impfstoff steht in Deutschland nicht zur Verfügung [LL1-LL3].

Zur Prävention der Parotitis epidemica muss vor allem auf einen vollständigen alters- und indikationsgerechten Impfschutz sowie auf die Reduktion relevanter Expositionsrisiken (Ansteckungsrisiken) geachtet werden.

Verhaltensbedingte Risikofaktoren

Verhaltensbedingte Risikofaktoren für Parotitis epidemica betreffen vor allem fehlenden Impfschutz, engen Kontakt zu infektiösen Personen und Situationen mit hoher Übertragungswahrscheinlichkeit.

  • Psychosoziale Situation
    • Hohe Kontaktintensität in Gemeinschaftseinrichtungen, Schulen, Hochschulen, Kindertagesstätten, Unterkünften und medizinischen Einrichtungen erhöht das Expositionsrisiko.
    • Unvollständiger Impfstatus in Gruppen mit engem Kontakt begünstigt Ausbrüche.
  • Fehlender oder unvollständiger Impfschutz
    • Der wichtigste vermeidbare Risikofaktor ist eine fehlende, unvollständige oder nicht dokumentierte Mumps-Impfung.
    • Auch nach zweimaliger Impfung sind Durchbruchinfektionen (Infektionen trotz Impfung) möglich; das Risiko schwerer Krankheitsverläufe und größerer Ausbrüche ist bei hoher Impfquote jedoch reduziert [1, 2, LL1-LL3].
  • Kontakt zu erkrankten Personen in der infektiösen Phase
    • Infizierte Personen können bereits vor Auftreten der Parotisschwellung (Schwellung der Ohrspeicheldrüse) infektiös sein.
    • Die höchste Relevanz haben enge Kontakte über Tröpfchen, Speichel oder kontaminierte Gegenstände.
  • Mangelhafte Hygiene
    • Unzureichende Händehygiene, gemeinsames Benutzen von Trinkgefäßen, Besteck oder anderen speichelkontaminierten Gegenständen kann das Übertragungsrisiko erhöhen.
    • Hygienemaßnahmen reduzieren das Risiko, ersetzen aber keinen Impfschutz.

Beachte: Eine reine Expositionsprophylaxe (Vermeidung einer Ansteckung) ist bei Mumps nur begrenzt wirksam, da infizierte Personen bereits vor klinischer Erkennung ansteckend sein können.

Präventionsfaktoren

Zur Prävention der Parotitis epidemica muss auf eine Reduktion individueller Risikofaktoren und vor allem auf einen vollständigen Impfschutz geachtet werden.

  • Impfung
    • Die Mumps-Impfung erfolgt als MMR- oder MMRV-Kombinationsimpfung [LL1-LL3].
    • Die STIKO (Ständige Impfkommission) empfiehlt für Kinder zwei Impfungen.
    • Die erste Impfung erfolgt in der Regel im Alter von 11 Monaten; bei Aufnahme in eine Gemeinschaftseinrichtung kann sie ab dem Alter von 9 Monaten erfolgen.
    • Die zweite Impfung erfolgt im Alter von 15 Monaten, spätestens bis zum Ende des zweiten Lebensjahres; der Mindestabstand zur ersten Impfung beträgt 4 Wochen [LL1, LL2].
    • Versäumte Impfungen sollen nachgeholt werden.
    • Nach 1970 geborene Erwachsene mit unklarem Impfstatus, fehlender Impfung oder nur einmaliger Impfung in der Kindheit sollen entsprechend STIKO-Empfehlung eine MMR-Impfung erhalten [LL1, LL2].
    • Nach 1970 geborene Personen mit beruflicher Indikation, insbesondere in medizinischen Einrichtungen, Pflegeeinrichtungen, Gemeinschaftseinrichtungen, Unterkünften sowie Fach-, Berufs- und Hochschulen, sollen insgesamt zwei MMR-Impfungen erhalten [LL1, LL2].
    • Eine routinemäßige Auffrischimpfung wird außerhalb besonderer Ausbruchssituationen nicht generell empfohlen.
  • Hygienemaßnahmen
    • Händehygiene, Husten- und Niesetikette sowie Vermeidung des Teilens von Trinkgefäßen, Besteck und Speichelkontakt können die Übertragung reduzieren.
    • Bei Erkrankung sollte enger Kontakt zu anderen Personen vermieden werden.
    • Erkrankte sollen Gemeinschaftseinrichtungen, Schule, Arbeit und soziale Veranstaltungen während der infektiösen Phase meiden.
  • Impfstatuskontrolle in Gemeinschaftseinrichtungen
    • Die Kontrolle und Vervollständigung des Impfstatus ist besonders relevant bei Kindern, Jugendlichen, Studenten, medizinischem Personal, Personal in Gemeinschaftseinrichtungen und Personen in Gemeinschaftsunterkünften.
    • Bei Ausbrüchen ist eine rasche Ermittlung ungeschützter Kontaktpersonen erforderlich.

Sekundärprävention

Die Sekundärprävention (Früherkennung und frühe Behandlung) richtet sich an Patienten mit ersten Symptomen (Krankheitszeichen) der Parotitis epidemica oder nach relevanter Exposition (Kontakt mit Ansteckungsquelle), um Übertragungen frühzeitig zu begrenzen, Komplikationen (Folgen) zu erkennen und gezielt zu behandeln.

  • Früherkennung und Diagnostik
    • Klinische Beobachtung auf Fieber, Kopfschmerzen, Myalgien (Muskelschmerzen), Krankheitsgefühl, Kauschmerz und ein- oder beidseitige Schwellung der Parotis (Ohrspeicheldrüse).
    • Berücksichtigung atypischer und asymptomatischer Verläufe, insbesondere bei geimpften Personen.
    • Meldung entsprechend Infektionsschutzgesetz bei Verdacht, Erkrankung oder Tod durch Mumps sowie bei direktem oder indirektem Erregernachweis, soweit die Kriterien erfüllt sind [LL1].
  • Labordiagnostik
    • PCR (Polymerase-Kettenreaktion) aus Rachenabstrich, Speichel, Mundhöhlenabstrich oder Urin zum direkten Erregernachweis, besonders früh im Krankheitsverlauf.
    • Serologie (Antikörperuntersuchung) mit Nachweis mumpsspezifischer IgM- und IgG-Antikörper; Interpretation unter Berücksichtigung des Impfstatus, da IgM bei geimpften Erkrankten fehlen kann.
  • Postexpositionsmaßnahmen
    • Eine postexpositionelle MMR-Impfung verhindert eine bereits erfolgte Mumps-Infektion (Ansteckung) nicht zuverlässig, soll aber bei fehlendem oder unvollständigem Impfschutz zur Vervollständigung des Impfschutzes erfolgen, sofern keine Kontraindikationen (Gegenanzeigen) bestehen [LL1-LL3].
    • Immunglobuline (Abwehrstoffe) sind für die Mumps-Postexpositionsprophylaxe nicht wirksam belegt und werden nicht als spezifische Mumps-Postexpositionsprophylaxe empfohlen.
    • Kontaktpersonen mit unklarem oder fehlendem Impfschutz sollen aufgeklärt, beobachtet und entsprechend den behördlichen Vorgaben geführt werden.
  • Lebensstiländerungen
    • Bei Erkrankung körperliche Schonung, ausreichende Flüssigkeitszufuhr und Vermeidung enger Kontakte.
    • Keine Teilnahme an Gemeinschaftseinrichtungen oder beruflichen Tätigkeiten mit engem Personenkontakt während der infektiösen Phase.
  • Therapieansätze
    • Eine kausale antivirale Therapie der unkomplizierten Parotitis epidemica steht nicht zur Verfügung.
    • Symptomatische Therapie mit Analgesie (Schmerzbehandlung), Antipyrese (Fiebersenkung), Flüssigkeitszufuhr und lokaler Kühlung beziehungsweise Wärme nach Verträglichkeit.
    • Bei Orchitis (Hodenentzündung) supportive Therapie mit Analgesie, Hochlagerung und Kühlung; bei schwerem Verlauf ärztliche Überwachung.
    • Bei Verdacht auf Meningitis (Hirnhautentzündung), Enzephalitis (Gehirnentzündung), Pankreatitis (Bauchspeicheldrüsenentzündung), Oophoritis (Eierstockentzündung), Mastitis (Brustdrüsenentzündung) oder Hörstörung gezielte weiterführende Diagnostik und fachärztliche Mitbehandlung.
  • Psychosoziale Unterstützung
    • Aufklärung über Ansteckungsfähigkeit, häusliche Isolation, Verhaltensmaßnahmen und mögliche Komplikationen.
    • Unterstützung bei organisatorischen Maßnahmen für Familie, Schule, Arbeitsplatz oder Gemeinschaftseinrichtung.

Tertiärprävention

Die Tertiärprävention (Vermeidung von Folgeschäden) zielt darauf ab, wiederkehrende Beschwerden und mögliche Komplikationen der Parotitis epidemica langfristig zu minimieren.

  • Langzeittherapie
    • Keine spezifische Langzeittherapie nach unkomplizierter Parotitis epidemica erforderlich.
    • Nach kompliziertem Verlauf gezielte Behandlung der jeweiligen Folgeerkrankung.
  • Rehabilitation und Nachsorge
    • Audiologische Abklärung und Nachsorge bei Verdacht auf Hörminderung oder Innenohrbeteiligung.
    • Neurologische Nachsorge nach Meningitis oder Enzephalitis.
    • Urologische beziehungsweise andrologische Mitbeurteilung nach schwerer Orchitis, insbesondere bei persistierenden Beschwerden, Hodenschwellung oder Fertilitätsfragen.
    • Gastroenterologische beziehungsweise internistische Mitbeurteilung nach Pankreatitis.
  • Psychosoziale Unterstützung
    • Beratung bei anhaltender Belastung durch Komplikationen, Arbeitsunfähigkeit, Schulfehlzeiten oder Fertilitätsängste.
  • Lebensstilinterventionen
    • Allgemeine gesundheitsfördernde Maßnahmen nach schwerem Verlauf, insbesondere schrittweiser Belastungsaufbau, ausreichender Schlaf und Vermeidung körperlicher Überlastung bis zur klinischen Erholung.
    • Nach Genesung Kontrolle und Vervollständigung des Impfstatus im Umfeld, sofern erforderlich.

Beachte

Eine Expositionsprophylaxe ist bei Mumps nur eingeschränkt erfolgreich. Entscheidend bleibt ein vollständiger MMR- beziehungsweise MMRV-Impfschutz. Bei Kontakt zu Mumps-Patienten sollen Personen mit unklarer Immunität beobachtet und nach Maßgabe der zuständigen Gesundheitsbehörde geführt werden.

Literatur

  1. Lam E, Rosen JB, Zucker JR. Mumps: an Update on Outbreaks, Vaccine Efficacy, and Genomic Diversity. Clin Microbiol Rev. 2020;33(2):e00151-19. https://doi.org/10.1128/CMR.00151-19
  2. Yin Z, Wen T, Fang Q, Zheng C, Gong X, Li J et al.: Assessment of mumps-containing vaccine effectiveness by dose during 2006 to 2020 in Quzhou, China. Hum Vaccin Immunother. 2022;18(5):2086774. https://doi.org/10.1080/21645515.2022.2086774

Leitlinien

  1. Robert Koch-Institut. RKI-Ratgeber Mumps. Stand: 2023. https://www.rki.de/DE/Aktuelles/Publikationen/RKI-Ratgeber/Ratgeber/Ratgeber_Mumps.html
  2. Robert Koch-Institut. Empfehlungen der Ständigen Impfkommission beim Robert Koch-Institut 2026. Epidemiologisches Bulletin 4/2026. https://www.rki.de/DE/Aktuelles/Publikationen/Epidemiologisches-Bulletin/2026/04_26.pdf
  3. World Health Organization. Mumps virus vaccines: WHO position paper, March 2024. Weekly Epidemiological Record. 2024;99:115-133. https://www.who.int/publications/i/item/who-wer-9911-115-133