Mumps (Parotitis epidemica) – Medikamentöse Therapie

Therapieziele

  • Milderung der Symptomatik
  • Vermeidung beziehungsweise frühzeitige Erkennung und Behandlung von Komplikationen
  • Verhinderung der Weiterverbreitung und Schließung von Impflücken

Therapieempfehlungen

  • Eine spezifische antivirale Therapie gegen Mumps (Ziegenpeter) steht nicht zur Verfügung; die Behandlung erfolgt ausschließlich symptomatisch.
  • Bei unkompliziertem Verlauf: körperliche Schonung, ausreichende Flüssigkeitszufuhr sowie bei Bedarf Analgetika und Antipyretika.
  • Antibiotika sind bei der viralen Parotitis epidemica (durch das Mumpsvirus verursachte Entzündung der Ohrspeicheldrüsen) nicht wirksam und nur bei nachgewiesener beziehungsweise hinreichend wahrscheinlicher bakterieller Infektion indiziert.
  • Acetylsalicylsäure soll bei Kindern und Jugendlichen mit fieberhaften Virusinfektionen (durch Viren verursachte Infektionen) wegen des Risikos eines Reye-Syndroms (seltene akute Erkrankung von Gehirn und Leber) nicht angewendet werden.
  • Bei Mumpsorchitis (mumpsbedingte Hodenentzündung): Bettruhe in der akuten Phase, Hochlagerung und Kühlung des Skrotums (Hodensacks) sowie bedarfsgerechte Analgesie (Schmerzbehandlung), bevorzugt mit einem nichtsteroidalen Antiphlogistikum, sofern keine Kontraindikationen bestehen. Systemische Glucocorticoide oder Interferon werden nicht routinemäß empfohlen, da eine Verhinderung von Hodenatrophie (Schrumpfung des Hodengewebes) oder Fertilitätsstörungen (Störungen der Fruchtbarkeit) nicht belegt ist.
  • Bei Meningitis (Hirnhautentzündung), Enzephalitis (Gehirnentzündung), Pankreatitis (Bauchspeicheldrüsenentzündung), ausgeprägter Dehydratation (Flüssigkeitsmangel), plötzlicher Hörminderung oder schwerem Allgemeinzustand ist eine umgehende fachärztliche beziehungsweise stationäre Abklärung und supportive, komplikationsbezogene Therapie erforderlich.
  • Postexpositionelle Impfung (Impfung nach möglichem Erregerkontakt) beziehungsweise Vervollständigung des Impfschutzes [s. u.].

Wirkstoffe (Hauptindikation) zur symptomatischen Therapie bei Bedarf

Wirkstoff Besonderheiten
Paracetamol Analgetisch und antipyretisch, jedoch klinisch nicht relevant antiphlogistisch. Bei Leberfunktionsstörung (eingeschränkte Leberfunktion), chronischem Alkoholmissbrauch, Dehydratation, Mangelernährung, Körpergewicht unter 50 kg, höherem Lebensalter oder schwerer Nierenfunktionsstörung (eingeschränkte Nierenfunktion) Dosis beziehungsweise Dosierungsintervall individuell anpassen. Keine gleichzeitige Anwendung weiterer paracetamolhaltiger Arzneimittel.
Ibuprofen Analgetisch, antipyretisch und antiphlogistisch. Niedrigste wirksame Dosis für die kürzest erforderliche Dauer. Nicht bei schwerer Dehydratation, aktiver gastrointestinaler Blutung (Magen-Darm-Blutung) oder Ulkuserkrankung (Geschwürerkrankung), schwerer Nieren-, Leber- oder Herzinsuffizienz (schwerer Funktionsschwäche der Nieren, Leber oder des Herzens) beziehungsweise nach NSAR-bedingtem Bronchospasmus (krampfartige Verengung der Bronchien) anwenden. Im ersten und zweiten Trimenon (Schwangerschaftsdrittel) nur, wenn unbedingt notwendig; ab der 20. Schwangerschaftswoche bei mehrtägiger Anwendung pränatale Kontrolle auf Oligohydramnion (zu geringe Fruchtwassermenge) und Ductus-arteriosus-Verengung (Verengung einer kindlichen Gefäßverbindung vor der Geburt) erwägen; im dritten Trimenon kontraindiziert.
  • Wirkweise: Paracetamol wirkt vorwiegend zentral analgetisch und antipyretisch; Ibuprofen hemmt als nichtsteroidales Antiphlogistikum die Cyclooxygenasen und damit die Prostaglandinsynthese.
  • Indikationen: Leichte bis mäßig starke Schmerzen und Fieber; Ibuprofen bei fehlenden Kontraindikationen (Gegenanzeigen) insbesondere auch bei entzündlich bedingten Schmerzen, beispielsweise bei Mumpsorchitis.
  • Kontraindikationen: Wirkstoffspezifische Gegenanzeigen und Risikofaktoren gemäß Fachinformation beachten; bei Paracetamol insbesondere schwere Leberfunktionsstörung, bei Ibuprofen insbesondere aktive beziehungsweise rezidivierende peptische Ulzera (Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwüre) oder Blutungen, schwere Organinsuffizienz (schwere Organschwäche), schwere Dehydratation, NSAR-Überempfindlichkeit (Überempfindlichkeit gegen nichtsteroidale Antirheumatika) und drittes Trimenon.
  • Nebenwirkungen: Paracetamol: selten allergische Reaktionen und Blutbildveränderungen (Veränderungen der Blutzellen), bei Überdosierung schwere Hepatotoxizität (Leberschädigung); Ibuprofen: gastrointestinale Beschwerden, Ulzera oder Blutungen, Nierenfunktionsstörung, Flüssigkeitsretention (Wassereinlagerung), Blutdruckanstieg, allergische Reaktionen und Bronchospasmus.

Postexpositionsprophylaxe (Vorbeugung nach möglichem Erregerkontakt) (PEP)

Indikationen

  • Ungeimpfte Personen, in der Kindheit nur einmal geimpfte Personen oder Personen mit unklarem Impfstatus nach Kontakt zu einer an Mumps erkrankten Person.

Durchführung

  • Einmalige Impfung mit einem MMR-Impfstoff möglichst innerhalb von 3 Tagen nach Exposition; Packungsbeilage beziehungsweise Fachinformation beachten.
  • Die Impfung kann eine durch die aktuelle Exposition bereits erworbene Mumpsinfektion nicht verhindern, schließt jedoch eine Impflücke und bietet Schutz bei zukünftigen Expositionen. Auch bei Überschreitung des 3-Tage-Zeitfensters soll eine nach den alters- und indikationsbezogenen STIKO-Empfehlungen fehlende Impfung nachgeholt werden.
  • Sofern eine zweite MMR-Impfung erforderlich ist, erfolgt die Vervollständigung unter Beachtung des Mindestabstands von 4 Wochen und der altersbezogenen STIKO-Empfehlungen.
  • Eine postexpositionelle Gabe von Immunglobulinen wird wegen fehlender Wirksamkeit nicht empfohlen.
  • Der MMR-Impfstoff ist ein Lebendimpfstoff. Zu den wesentlichen Kontraindikationen zählen Schwangerschaft, schwere Immundefizienz (Abwehrschwäche) und eine schwere Überempfindlichkeit gegen Impfstoffbestandteile. Nach Impfung ist eine Schwangerschaft für 1 Monat zu vermeiden.
  • Wenn sich ein Mumpsausbruch durch die üblichen Maßnahmen nicht eindämmen lässt, kann die zuständige Gesundheitsbehörde eine dritte MMR-Impfung für bereits zweimal Geimpfte erwägen; dies ist keine routinemäßige Standardimpfung.

Beachte

  • Die postexpositionelle Impfung ersetzt weder die Absonderungsmaßnahmen (Isolationsmaßnahmen) noch die Kontaktmanagementmaßnahmen (Maßnahmen für Kontaktpersonen). Das Vorgehen in Gemeinschaftseinrichtungen richtet sich nach Impf- beziehungsweise Immunstatus, Vulnerabilität exponierter Personen und den Anordnungen des zuständigen Gesundheitsamts.
  • Mumpsverdacht, Erkrankung und Tod sowie der direkte oder indirekte Erregernachweis bei Hinweis auf eine akute Infektion sind in Deutschland nach dem Infektionsschutzgesetz namentlich meldepflichtig.

Red Flags

  • Starke Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit (steifer Nacken), Bewusstseinsstörung (eingeschränktes Bewusstsein), Krampfanfälle oder fokal-neurologische Ausfälle (örtlich begrenzte Ausfälle des Nervensystems)
  • Akute Hodenschmerzen oder Skrotalschwellung (Schwellung des Hodensacks), insbesondere bei plötzlichem Beginn; eine Hodentorsion (Verdrehung des Hodens) muss unverzüglich ausgeschlossen werden
  • Starke Oberbauchschmerzen, anhaltendes Erbrechen oder klinische Zeichen einer Pankreatitis
  • Plötzliche Hörminderung, ausgeprägte Dehydratation, respiratorische Beeinträchtigung (Beeinträchtigung der Atmung) oder deutlich reduzierter Allgemeinzustand

Supplemente (Nahrungsergänzungsmittel; Vitalstoffe)

Geeignete Nahrungsergänzungsmittel für das Immunsystem sollten die folgenden Vitalstoffe enthalten:

  • Vitamine (A, C, E, D3, B1, B2, Niacin (Vitamin B3), Pantothensäure (Vitamin B5), B6, B12, Folsäure, Biotin)
  • Spurenelemente (Chrom, Eisen, Kupfer, Mangan, Molybdän, Selen, Zink)
  • Fettsäuren (Omega-3-Fettsäuren: Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA))
  • Sekundäre Pflanzenstoffe (Beta-Carotin, Flavonoide (Citrusfrüchte), Lycopin (Tomaten), Proanthocyanidine (Cranberrys), Polyphenole)
  • Weitere Vitalstoffe (probiotische Kulturen: Laktobazillen, Bifidobakterien)

Beachte: Die aufgeführten Vitalstoffe sind kein Ersatz für eine medikamentöse Therapie. Nahrungsergänzungsmittel sind dazu bestimmt, die allgemeine Ernährung in der jeweiligen Lebenssituation zu ergänzen.

Für Fragen zum Thema Nahrungsergänzungsmittel stehen wir Ihnen gerne kostenfrei zur Verfügung.

Nehmen Sie bei Fragen dazu bitte per E-Mail – info@docmedicus.de – Kontakt mit uns auf, und teilen Sie uns dabei Ihre Telefonnummer mit und wann wir Sie am besten erreichen können.

Abkürzungsverzeichnis

  • DHA: Docosahexaensäure
  • EPA: Eicosapentaensäure
  • Ggf.: gegebenenfalls
  • kg: Kilogramm
  • LL1: Leitlinie 1
  • mg: Milligramm
  • MMR: Masern, Mumps und Röteln
  • NSAR: nichtsteroidale Antirheumatika
  • PEP: Postexpositionsprophylaxe
  • RKI: Robert Koch-Institut
  • s. u.: siehe unten
  • STIKO: Ständige Impfkommission
  • z. B.: zum Beispiel

Literatur

  1. Robert Koch-Institut (RKI): RKI-Ratgeber: Mumps. Stand 20. Februar 2023.
  2. Hviid A, Rubin S, Mühlemann K. Mumps. Lancet. 2008;371(9616):932 bis 944. doi: 10.1016/S0140-6736(08)60419-5.
  3. Wu H, Wang F, Tang D, Han D. Mumps Orchitis: Clinical Aspects and Mechanisms. Front Immunol. 2021;12:582946. doi: 10.3389/fimmu.2021.582946.

Leitlinien

  1. Ständige Impfkommission (STIKO): Empfehlungen der Ständigen Impfkommission beim Robert Koch-Institut 2026. Epidemiologisches Bulletin 4/2026, 22. Januar 2026, aktualisiert am 9. Juli 2026. [LL1]

Fachinformationen

  1. Fachinformation Paracetamol dura 500 mg Tabletten. Stand Januar 2025.
  2. Fachinformation Ibuprofen HEUMANN Schmerztabletten 400 mg Filmtabletten. Stand November 2024.
  3. Fachinformation M-M-RVaxPro. Stand Oktober 2025.