Milzbrand (Anthrax) – Differentialdiagnosen

Atmungssystem (J00-J99)

  • Ambulant erworbene Pneumonie (Lungenentzündung) – wichtige Differentialdiagnose des Lungenmilzbrands; eine fokale pulmonale Konsolidierung (örtlich begrenzte Verdichtung des Lungengewebes) spricht eher für eine primäre Pneumonie, während Mediastinalverbreiterung (Verbreiterung des Mittelfellraums) und ausgeprägte Pleuraergüsse (Flüssigkeitsansammlungen zwischen Lunge und Brustwand) den Verdacht auf Lungenmilzbrand erhärten
  • Influenza (Grippe) – kann insbesondere in der initialen Phase des Lungenmilzbrands mit Fieber, Abgeschlagenheit, Husten und Allgemeinsymptomen klinisch ähnlich imponieren
  • Mediastinitis (Entzündung des Mittelfellraums) – nicht durch Milzbrand bedingte Mediastinitis als Differentialdiagnose bei Fieber, Thoraxschmerzen (Brustschmerzen) und Mediastinalverbreiterung
  • Streptokokken-Tonsillopharyngitis (durch Streptokokken verursachte Mandel- und Rachenentzündung) – Differentialdiagnose des oropharyngealen Milzbrands bei Halsschmerzen, Fieber und zervikaler Lymphadenopathie (vergrößerten Halslymphknoten); ausgeprägtes Halsödem (Halsschwellung durch Flüssigkeitseinlagerung) und nekrotisch-ulzerierende Schleimhautläsionen (absterbende, geschwürige Schleimhautveränderungen) sprechen eher für Milzbrand

Haut und Unterhaut (L00-L99)

  • Bakterielle Haut- und Weichteilinfektion (Phlegmone (flächenhafte bakterielle Entzündung des Weichteilgewebes)/Abszess (abgekapselte Eiteransammlung)) – zentrale Differentialdiagnose insbesondere des Injektionsmilzbrands; dieser kann initial ohne typische schwarze Eschar (schwarzen Wundschorf) als schwere, rasch progrediente Weichteilinfektion imponieren
  • Ecthyma (tiefreichende geschwürige Hautinfektion) – ulzerierende bakterielle Hautinfektion mit Krustenbildung; gegenüber Hautmilzbrand meist stärker entzündlich bzw. schmerzhaft und ohne charakteristische ausgeprägte Begleitödeme (begleitende Gewebeschwellungen)

Infektiöse und parasitäre Krankheiten (A00-B99)

  • Akute infektiöse Gastroenteritis (akute infektiöse Magen-Darm-Entzündung) – wichtigste Differentialdiagnose des gastrointestinalen Milzbrands bei Abdominalschmerzen (Bauchschmerzen), Erbrechen und Diarrhoe (Durchfall); blutige Diarrhoe, ausgeprägte systemische Toxizität (schwere Allgemeinreaktion durch Giftwirkung) und Aszites (Bauchwassersucht) nach entsprechender Exposition erhöhen den Milzbrandverdacht
  • Clostridiale Myonekrose (Gasbrand) – wichtige Differentialdiagnose des Injektionsmilzbrands bei fulminanter Weichteilinfektion, ausgeprägtem Ödem (Gewebeschwellung) und systemischer Toxizität
  • Diphtherie (Rachenbräune) – Differentialdiagnose des oropharyngealen Milzbrands bei Pharyngitis (Rachenentzündung), zervikaler Lymphadenopathie und ausgeprägter Halsschwellung
  • Orf (Ecthyma contagiosum) – zoonotische Hautinfektion nach Kontakt mit Schafen oder Ziegen und damit auch epidemiologisch relevante Differentialdiagnose des Hautmilzbrands; typischerweise proliferative, im Verlauf knotige Läsion (Gewebeveränderung) ohne charakteristische schwarze Eschar
  • Pest (Pestis), insbesondere Lungenpest – hochrelevante Differentialdiagnose des Lungenmilzbrands bei akutem febrilem, rasch progredientem respiratorischem Krankheitsbild
  • Tularämie (Hasenpest), insbesondere ulzeroglanduläre, oropharyngeale oder pneumonische Tularämie – je nach Manifestationsform wichtige Differentialdiagnose von Haut-, Rachen- bzw. Lungenmilzbrand; Ulkus (Geschwür) mit ausgeprägter regionaler Lymphadenopathie ist besonders typisch für die ulzeroglanduläre Form

Mund, Ösophagus (Speiseröhre), Magen und Darm (K00-K67; K90-K93)

  • Akute Mesenterialischämie (akute Durchblutungsstörung des Darms) – wichtige Differentialdiagnose des gastrointestinalen Milzbrands bei starken Abdominalschmerzen und blutiger Diarrhoe

Muskel-Skelett-System und Bindegewebe (M00-M99)

  • Nekrotisierende Fasziitis (schwere, rasch fortschreitende Weichteilinfektion) – zentrale Differentialdiagnose des Injektionsmilzbrands bei rasch progredienter Weichteilschwellung, Gewebsnekrose (Absterben von Gewebe), systemischer Toxizität und drohendem Kompartmentsyndrom (Druckschädigung von Gewebe in einem abgeschlossenen Körperraum)