Lymphozytäre Choriomeningitis (Armstrong-Krankheit) – Folgeerkrankungen
Im Folgenden die wichtigsten Erkrankungen bzw. Komplikationen, die durch die lymphozytäre Choriomeningitis (LCM-Virusinfektion) mitbedingt sein können:
Angeborene Fehlbildungen, Deformitäten und Chromosomenanomalien (Q00-Q99)
- Kongenitales LCMV-Syndrom (angeborenes LCMV-Krankheitsbild) – nach intrauteriner Infektion (Infektion im Mutterleib) insbesondere mit Ventrikulomegalie (Erweiterung der Hirnkammern) bzw. Hydrocephalus (Wasserkopf), Mikrozephalie (zu kleiner Kopf) oder seltener Makrozephalie (zu großer Kopf), periventrikulären bzw. intrakraniellen Verkalkungen (Verkalkungen im Gehirn) sowie Störungen der kortikalen Entwicklung (Störungen der Entwicklung der Großhirnrinde); auch zerebelläre Hypoplasie (Unterentwicklung des Kleinhirns) und weitere strukturelle Hirnfehlbildungen sind beschrieben [2, 3, 5, LL1]
Atmungssystem (J00-J99)
- Pneumonitis (entzündliche Erkrankung des Lungengewebes) – seltene pulmonale Komplikation einer erworbenen LCMV-Infektion; vor allem im Rahmen schwerer systemischer Verläufe beschrieben [1, 2]
Augen und Augenanhangsgebilde (H00-H59)
- Chorioretinitis (Entzündung von Aderhaut und Netzhaut) bzw. Chorioretinopathie (Erkrankung von Aderhaut und Netzhaut) – charakteristische Manifestation der kongenitalen LCMV-Infektion; kann zu chorioretinalen Narben (Narben an Aderhaut und Netzhaut), Optikusatrophie (Schwund des Sehnervs) und ausgeprägter, teilweise dauerhafter Sehbehinderung bis zur Erblindung führen [2, 3, 5, LL1]
Herzkreislaufsystem (I00-I99)
- Myokarditis (Herzmuskelentzündung) bzw. Myoperikarditis (Herzmuskel- und Herzbeutelentzündung) – seltene extra-neurologische Komplikation; auch eine isolierte Perikarditis (Herzbeutelentzündung) wurde beschrieben [1, 2, LL1]
Leber, Gallenblase und Gallenwege – Pankreas (Bauchspeicheldrüse) (K70-K77; K80-K87)
- Akute hepatozelluläre Schädigung (akute Schädigung der Leberzellen) – insbesondere bei fulminanten transplantationsassoziierten LCMV-Infektionen beschrieben; schwere Verläufe können mit ausgeprägter Hepatitis (Leberentzündung) und hepatozellulären Nekrosen (Absterben von Leberzellen) einhergehen [4]
Mund, Ösophagus (Speiseröhre), Magen und Darm (K00-K67; K90-K93)
- Parotitis (Ohrspeicheldrüsenentzündung) – seltene Begleitmanifestation bzw. Komplikation einer erworbenen LCMV-Infektion [1, 2]
Muskel-Skelett-System und Bindegewebe (M00-M99)
- Arthritis (Gelenkentzündung) – selten im Rahmen oder nach einer symptomatischen LCMV-Infektion beschrieben [1, LL1]
Ohren – Warzenfortsatz (H60-H95)
- Sensorineurale Hörstörung (innenohr- bzw. nervenbedingte Hörstörung) bis zur Taubheit – seltene persistierende neurologische Folge nach erworbener LCMV-Infektion mit Beteiligung des Zentralnervensystems [2, LL1]
Psyche – Nervensystem (F00-F99; G00-G99)
- Aseptische Meningitis (nichtbakterielle Hirnhautentzündung) – wichtigste neurologische Manifestation der erworbenen LCMV-Infektion; typischerweise im Rahmen eines biphasischen Krankheitsverlaufs (zweiphasigen Krankheitsverlaufs) nach vorübergehender Besserung der initialen febrilen Symptomatik (anfänglichen fieberhaften Beschwerden) [1, 2, LL1]
- Meningoenzephalitis (Entzündung von Gehirn und Hirnhäuten) bzw. Enzephalitis (Gehirnentzündung) – seltenere, schwerere Beteiligung des Zentralnervensystems; bleibende neurologische Defizite (Störungen des Nervensystems) sind möglich [1, 2, LL1]
- Myelitis (Rückenmarksentzündung), Hirnnervenparesen (Lähmungen von Hirnnerven) und Guillain-Barré-Syndrom-ähnliche Verläufe – sehr selten berichtete neurologische Komplikationen [2]
- Neurodevelopmentale Langzeitfolgen (langfristige Entwicklungsfolgen des Nervensystems) nach kongenitaler LCMV-Infektion – insbesondere Entwicklungsverzögerung, intellektuelle Beeinträchtigung, Epilepsie (Anfallsleiden), spastische Paresen (krampfartige Lähmungen) und motorische Funktionsstörungen (Störungen der Bewegungsfähigkeit); bei schwer betroffenen Überlebenden häufig dauerhaft [2, 3, 5]
Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett (O00-O99)
- Spontanabort (Fehlgeburt) bzw. intrauteriner Fruchttod (Tod des ungeborenen Kindes im Mutterleib) – maternale LCMV-Infektionen können insbesondere bei früher intrauteriner Infektion zum Verlust der Schwangerschaft führen [3, 5, LL1]
- Vertikale Transmission (Übertragung von der Mutter auf das ungeborene Kind) mit fetaler LCMV-Infektion (Infektion des ungeborenen Kindes) – kann bei fortbestehender Schwangerschaft zu einem schweren kongenitalen LCMV-Syndrom mit vorwiegend neurologischen und ophthalmologischen Schäden (Schäden an Augen und Nervensystem) führen [3, 5, LL1]
Urogenitalsystem (Nieren, Harnwege – Geschlechtsorgane) (N00-N99)
- Orchitis (Hodenentzündung) – seltene Komplikation der erworbenen LCMV-Infektion [1, 2]
Prognosefaktoren
- Immunkompetenter Patient (Patient mit funktionsfähigem Immunsystem) – insgesamt günstige Prognose; die Letalität (Sterblichkeit) der erworbenen LCMV-Infektion liegt unter 1 %, und auch nach aseptischer Meningitis kommt es meist zur vollständigen Erholung; persistierende neurologische Defizite oder Hörstörungen sind selten [1, 2, LL1]
- Immunsuppression (Unterdrückung des Immunsystems) – wesentlicher negativer Prognosefaktor; insbesondere bei Empfängern solider Organtransplantate sind fulminante hämorrhagisches-Fieber-ähnliche Multiorganverläufe (sehr schwere Verläufe mit Beteiligung mehrerer Organe) mit hoher Letalität dokumentiert [4, LL1]
- Transplantationsassoziierte LCMV-Infektion (mit einer Organtransplantation verbundene LCMV-Infektion) – besonders ungünstige Verlaufsform; historische Ausbruchscluster zeigten eine sehr hohe Letalität bei infizierten Organempfängern [4]
- Kongenitale LCMV-Infektion (angeborene LCMV-Infektion) – deutlich ungünstigere Prognose als bei postnatal erworbener Infektion; in der systematischen Fallaufarbeitung betrug die Mortalität (Sterblichkeit) etwa 30 %, und Überlebende weisen häufig schwere neurologische bzw. visuelle Langzeitfolgen (langfristige Folgen für Nervensystem bzw. Sehvermögen) auf [3, 5]
- Ausgeprägte fetale bzw. neonatale ZNS-Beteiligung (ausgeprägte Beteiligung des zentralen Nervensystems beim ungeborenen Kind bzw. Neugeborenen) – Hydrocephalus, Mikrozephalie, intrakranielle Verkalkungen und komplexe Hirnfehlbildungen kennzeichnen besonders schwere kongenitale Verläufe und sind häufig mit erheblichen neurodevelopmentalen Langzeitdefiziten (langfristigen Entwicklungsstörungen des Nervensystems) verbunden [2, 3]
- Chorioretinitis bei kongenitaler Infektion – kann trotz Überleben zu erheblicher und dauerhafter Visusminderung (Verschlechterung des Sehvermögens) führen; eine kombinierte schwere ZNS- und Augenbeteiligung ist prognostisch besonders ungünstig [2, 3, 5]
- Gestationsalter (Schwangerschaftsalter) zum Infektionszeitpunkt – beeinflusst wahrscheinlich Art und Schwere der fetalen Schädigung; frühe Infektionen sind mit Spontanabort bzw. ausgeprägten Entwicklungsstörungen assoziiert, eine belastbare quantitative Risikostratifizierung (zahlenmäßige Einteilung nach Risiko) nach Schwangerschaftswoche ist aufgrund der begrenzten Fallzahlen jedoch nicht möglich [2, 3, 5]
Literatur
- Vilibic-Cavlek T, Savic V, Ferenc T et al.: Lymphocytic Choriomeningitis—Emerging Trends of a Neglected Virus: A Narrative Review. Trop Med Infect Dis. 2021;6(2):88. doi: 10.3390/tropicalmed6020088.
- Bonthius DJ: Lymphocytic Choriomeningitis Virus: An Underrecognized Cause of Neurologic Disease in the Fetus, Child, and Adult. Semin Pediatr Neurol. 2012;19(3):89-95. doi: 10.1016/j.spen.2012.02.002.
- Pencole L, Sibiude J, Weingertner AS et al.: Congenital lymphocytic choriomeningitis virus: A review. Prenat Diagn. 2022;42(8):1059-1069. doi: 10.1002/pd.6192.
- MacNeil A, Ströher U, Farnon E et al.: Solid Organ Transplant-Associated Lymphocytic Choriomeningitis, United States, 2011. Emerg Infect Dis. 2012;18(8):1256-1262. doi: 10.3201/eid1808.120212.
- Olivieri NR, Othman L, Flannery DD et al.: Transmission, seroprevalence, and maternal-fetal impact of lymphocytic choriomeningitis virus. Pediatr Res. 2024;95(2):456-463. doi: 10.1038/s41390-023-02859-w.
Leitlinien, Referenzwerte und Protokolle
- Centers for Disease Control and Prevention (CDC): About Lymphocytic Choriomeningitis. Aktualisiert Januar 2025. Online-Ressource. [LL1]