Lymphozytäre Choriomeningitis (Armstrong-Krankheit) – Differentialdiagnosen
Bestimmte Zustände, die ihren Ursprung in der Perinatalperiode haben (P00-P96)
- Kongenitale Cytomegalovirusinfektion (angeborene Infektion mit dem Cytomegalovirus) – wichtige Differentialdiagnose der kongenitalen LCMV-Infektion (angeborenen Infektion mit dem Lymphozytären-Choriomeningitis-Virus) bei intrakraniellen Verkalkungen (Verkalkungen im Schädelinneren), neurologischen Entwicklungsstörungen (Entwicklungsstörungen des Nervensystems) und Chorioretinitis (Entzündung von Aderhaut und Netzhaut des Auges)
- Kongenitale Herpes-simplex-Virus-Infektion (angeborene Infektion mit dem Herpes-simplex-Virus) – insbesondere bei neonataler Enzephalitis (Gehirnentzündung beim Neugeborenen), Krampfanfällen (epileptischen Anfällen) und okulären Manifestationen (Krankheitserscheinungen am Auge) abzugrenzen
- Kongenitale Röteln (angeborene Rötelninfektion) – bei intrauteriner Wachstumsstörung (Wachstumsstörung im Mutterleib), okulären Auffälligkeiten (Auffälligkeiten am Auge) und neurologischen Entwicklungsstörungen differentialdiagnostisch zu berücksichtigen
- Kongenitale Toxoplasmose (angeborene Toxoplasmoseinfektion) – besonders wichtige Differentialdiagnose bei Hydrocephalus (Wasserkopf), intrakraniellen Verkalkungen und Chorioretinitis
Herzkreislaufsystem (I00-I99)
- Subarachnoidalblutung (Blutung zwischen den Hirnhäuten) – bei akutem schwerem Kopfschmerz, Meningismus (schmerzhafter Nackensteifigkeit), Übelkeit und Bewusstseinsstörung (Störung des Wachheits- oder Bewusstseinszustands) als nichtinfektiöse Ursache eines meningealen Syndroms (Krankheitsbildes durch Reizung der Hirnhäute) auszuschließen; typisch ist ein abrupt einsetzender Vernichtungskopfschmerz (plötzlich einsetzender extrem starker Kopfschmerz)
Infektiöse und parasitäre Krankheiten (A00-B99)
- Akute bakterielle Meningitis (akute bakterielle Hirnhautentzündung) – bei jedem akuten meningealen Syndrom vorrangig auszuschließen; nach antibiotischer Vorbehandlung kann der Liquorbefund (Untersuchungsbefund des Nervenwassers) atypisch und teilweise lymphozytär imponieren
- Akute HIV-Infektion (frische Infektion mit dem Humanen Immundefizienz-Virus) – kann mit febrilem Allgemeinsyndrom (fieberhaftem allgemeinen Krankheitsbild) und aseptischer Meningitis (nichtbakterieller Hirnhautentzündung) bzw. Meningoenzephalitis (Entzündung von Hirnhäuten und Gehirn) einhergehen
- Enterovirus-Meningitis (Hirnhautentzündung durch Enteroviren) – häufigste Ursache einer viralen Meningitis (virusbedingten Hirnhautentzündung); klinisch häufig nicht sicher von einer LCMV-Meningitis (Hirnhautentzündung durch das Lymphozytäre-Choriomeningitis-Virus) zu unterscheiden
- Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) (durch Zecken übertragene Entzündung von Hirnhäuten und Gehirn) – bei entsprechender Zeckenexposition bzw. Aufenthalt in einem Endemiegebiet wichtige Ursache einer biphasisch verlaufenden Meningitis oder Meningoenzephalitis
- Herpes-simplex-Virus-Meningitis/-Enzephalitis (Hirnhaut- bzw. Gehirnentzündung durch Herpes-simplex-Viren) – HSV-2 insbesondere als Ursache einer aseptischen Meningitis, HSV-1 insbesondere bei enzephalitischer Symptomatik (Krankheitszeichen einer Gehirnentzündung) mit Bewusstseinsstörung, fokalen neurologischen Defiziten (örtlich begrenzten Ausfällen des Nervensystems) oder Krampfanfällen
- Kryptokokkenmeningitis (Hirnhautentzündung durch Kryptokokken-Pilze) – subakute lymphozytäre Meningitis insbesondere bei Immunsuppression (Unterdrückung des Immunsystems); eine erniedrigte Liquorglukose (erniedrigter Zuckergehalt des Nervenwassers) kann wie bei LCMV auftreten
- Leptospirose (bakterielle Infektionskrankheit durch Leptospiren) – kann biphasisch mit Fieber, ausgeprägten Myalgien (Muskelschmerzen) und aseptischer Meningitis verlaufen
- Mumps-Meningitis/Meningoenzephalitis (Hirnhaut- bzw. Hirnhaut- und Gehirnentzündung bei Mumps) – aseptische Meningitis mit oder ohne klinisch manifeste Parotitis (Ohrspeicheldrüsenentzündung); insbesondere bei fehlendem oder unvollständigem Impfschutz relevant
- Neuroborreliose (Befall des Nervensystems bei Borreliose) – lymphozytäre Meningitis bzw. Meningoradikulitis (Entzündung der Hirnhäute und Nervenwurzeln); Expositionsanamnese, Hirnnervenbeteiligung (Beteiligung der Kopfnerven) oder radikuläre Schmerzen (von einer Nervenwurzel ausgehende Schmerzen) können die Abgrenzung unterstützen
- Tuberkulöse Meningitis (tuberkulosebedingte Hirnhautentzündung) – subakute lymphozytäre Meningitis mit typischerweise erniedrigter Liquorglukose; insbesondere bei protrahiertem Verlauf und entsprechenden epidemiologischen Risikofaktoren abzugrenzen
- Varizella-Zoster-Virus-Meningitis/-Enzephalitis (Hirnhaut- bzw. Gehirnentzündung durch das Varizella-Zoster-Virus) – kann auch ohne charakteristische kutane Effloreszenzen (Hauterscheinungen) auftreten und eine lymphozytäre Meningitis oder Meningoenzephalitis verursachen
- West-Nil-Virus-Infektion mit neuroinvasiver Erkrankung (West-Nil-Virus-Infektion mit Befall des Nervensystems) – bei saisonaler Mückenexposition insbesondere bei Meningitis, Enzephalitis (Gehirnentzündung) oder akuter schlaffer Parese (plötzlich auftretender schlaffer Lähmung) zu berücksichtigen
Psyche – Nervensystem (F00-F99; G00-G99)
- Autoimmune Enzephalitis (durch eine fehlgeleitete Immunreaktion verursachte Gehirnentzündung) – insbesondere bei dominierender Bewusstseinsstörung, psychiatrischen Symptomen, Krampfanfällen, Dyskinesien (unwillkürlichen Bewegungsstörungen) oder anderen enzephalitischen Zeichen und fehlendem Erregernachweis abzugrenzen
Medikamente
- Medikamenteninduzierte aseptische Meningitis (durch Medikamente ausgelöste nichtbakterielle Hirnhautentzündung) – insbesondere unter nichtsteroidalen Antirheumatika, Cotrimoxazol oder intravenösen Immunglobulinen; zeitlicher Zusammenhang mit der Arzneimittelexposition ist wegweisend