Herpangina – Folgeerkrankungen
Im Folgenden die wichtigsten Erkrankungen bzw. Komplikationen, die durch eine Herpangina mitbedingt sein können:
Atmungssystem (J00-J99)
- Neurogenes Lungenödem (Flüssigkeitsansammlung in der Lunge durch eine Störung des Nervensystems) – sehr seltene, potenziell lebensbedrohliche Komplikation einer schweren enterovirusassoziierten ZNS-Erkrankung, insbesondere bei Enterovirus A71 (EV-A71); kann im Rahmen einer Hirnstammenzephalitis (Entzündung des Hirnstamms) mit autonomer Dysregulation (Störung der unwillkürlichen Körperfunktionen) auftreten und in ein kardiopulmonales Versagen übergehen [1, 2]
Endokrine, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten (E00-E90)
- Dehydratation (Austrocknung) (Exsikkose) – häufigste unmittelbare Komplikation; bedingt durch schmerzhafte oropharyngeale Läsionen (schmerzhafte Veränderungen im Mund-Rachen-Raum) mit Odynophagie (Schmerzen beim Schlucken) und dadurch verminderter Flüssigkeitsaufnahme, insbesondere bei Säuglingen und Kleinkindern [4]
Herzkreislaufsystem (I00-I99)
- Kardiopulmonales Versagen (Versagen von Herz und Lunge) – sehr selten im Rahmen schwerer EV-A71-Infektionen mit neurologischer Beteiligung und neurogenem Lungenödem; mit deutlich erhöhter Letalität verbunden [1, 2]
- Myokarditis (Herzmuskelentzündung) – seltene systemische enterovirusassoziierte Komplikation; beschrieben insbesondere bei Coxsackievirus-Infektionen und nur bei einem kleinen Teil der Herpangina-Verläufe relevant [2, 3]
Psyche – Nervensystem (F00-F99; G00-G99)
- Akute schlaffe Lähmung (plötzlich auftretende Muskellähmung) (Poliomyelitis-ähnliches Syndrom) – seltene schwere neurologische Komplikation, insbesondere bei EV-A71; Folge einer Beteiligung des Rückenmarks bzw. der Vorderhornzellen [1, 2]
- Aseptische Meningitis (nicht durch Bakterien verursachte Hirnhautentzündung) – seltene enterovirusassoziierte Komplikation; innerhalb der neurologisch komplizierten Verläufe von Herpangina bzw. Hand-Fuß-Mund-Krankheit die häufigste neurologische Manifestation [1, 2]
- Enzephalitis (Gehirnentzündung), insbesondere Hirnstammenzephalitis – seltene, potenziell lebensbedrohliche Komplikation, vor allem bei EV-A71; bevorzugte Beteiligung von Pons und Medulla oblongata möglich [1, 2]
- Neurologische Residuen (bleibende Schäden des Nervensystems) – nach schweren Verläufen mit Enzephalitis, Poliomyelitis-ähnlichem Syndrom oder kardiopulmonaler Beteiligung selten persistierende neurologische Defizite (bleibende Funktionsstörungen des Nervensystems) möglich [1]
Prognosefaktoren
- Die unkomplizierte Herpangina ist in der Regel selbstlimitierend und weist eine sehr gute Prognose auf; schwere systemische oder neurologische Komplikationen sind selten [3, LL1].
- Enterovirus A71 (EV-A71) – wichtigster virologischer Risikofaktor für schwere neurologische Verläufe. In einer nationalen koreanischen Surveillance-Kohorte von Patienten mit Hand-Fuß-Mund-Krankheit oder Herpangina und neurologischen Komplikationen war EV-A71 unabhängig mit schweren neurologischen Komplikationen assoziiert (Odds-Ratio 3,55; 95-%-Konfidenzintervall 1,09-11,57) [1]. Die Übertragbarkeit auf eine isolierte Herpangina ist wegen der geringen Zahl von Herpangina-Fällen in dieser Kohorte eingeschränkt.
- Lethargie (starke Teilnahmslosigkeit) – klinisches Warnsignal für einen schweren neurologischen Verlauf; in derselben Kohorte unabhängig mit schweren Komplikationen assoziiert (Odds-Ratio 4,67; 95-%-Konfidenzintervall 1,37-15,96) [1].
- Neurologische Symptome – insbesondere Myoklonien (unwillkürliche Muskelzuckungen), Krampfanfälle, Ataxie (Störung der Bewegungskoordination), Nystagmus (Augenzittern) oder neu auftretende Extremitätenschwäche weisen auf eine ZNS-Beteiligung hin und kennzeichnen einen potenziell schweren Verlauf [1, 2].
- Kardiopulmonale Beteiligung bzw. neurogenes Lungenödem – ungünstiger Prognosefaktor mit erhöhtem Risiko für einen fulminanten Verlauf und Tod [1, 2].
- Erregerserotyp – das Komplikationsrisiko ist wesentlich vom verursachenden Enterovirus abhängig. EV-A71 besitzt eine besondere Neurovirulenz; das Herpangina-Erregerspektrum ist jedoch regional und zeitlich variabel und kann – wie in aktuellen Surveillance-Daten – von Coxsackie-A-Viren ohne vergleichbare Häufung schwerer neurologischer Erkrankungen dominiert werden [3, 5].
- In einer selektierten Kohorte ausschließlich neurologisch komplizierter Fälle von Hand-Fuß-Mund-Krankheit oder Herpangina traten bei 5,1 % Tod oder persistierende neurologische Symptome auf; diese Rate darf ausdrücklich nicht als Komplikationsrate aller Patienten mit Herpangina interpretiert werden [1].
Literatur
- Kim B, Moon S, Bae GR et al.: Factors associated with severe neurologic complications in patients with either hand-foot-mouth disease or herpangina: A nationwide observational study in South Korea, 2009-2014. PLoS One. 2018;13(8):e0201726. doi: 10.1371/journal.pone.0201726
- Suresh S, Rawlinson WD, Andrews PI, Stelzer-Braid S: Global epidemiology of nonpolio enteroviruses causing severe neurological complications: A systematic review and meta-analysis. Rev Med Virol. 2020;30(1):e2082. doi: 10.1002/rmv.2082
- Zhao TS, Du J, Li HJ et al.: Molecular epidemiology and clinical characteristics of herpangina children in Beijing, China: a surveillance study. PeerJ. 2020;8:e9991. doi: 10.7717/peerj.9991
- Ruffin TB Jr, Salinero E, Papa LM et al.: Intranasal Fentanyl to Reduce Pain and Improve Oral Intake in the Management of Children With Painful Infectious Mouth Lesions. Pediatr Emerg Care. 2022;38(7):363-366. doi: 10.1097/PEC.0000000000002779
- Xing B, Hu L, Hu X et al.: Epidemiological, clinical, and molecular characteristics of coxsackievirus A2 infections during a herpangina outbreak in children on an Island in Eastern China in 2024: a surveillance-based study. Gut Pathog. 2025;17:85. doi: 10.1186/s13099-025-00762-9
Leitlinien, Referenzwerte und Protokolle
- Expert Consensus: Yu H, Li XW, Liu QB et al.: Diagnosis and treatment of herpangina: Chinese expert consensus. World J Pediatr. 2020;16(2):129-134. doi: 10.1007/s12519-019-00277-9 [LL1].