Hepatitis E – Körperliche Untersuchung
Eine umfassende klinische Untersuchung ist die Grundlage für die Auswahl der weiteren diagnostischen Schritte:
- Allgemeine körperliche Untersuchung – inklusive Körpertemperatur und Beurteilung des Allgemeinzustands
- Haut und sichtbare Schleimhäute
- Inspektion von Haut und Schleimhäuten [Ikterus (Gelbsucht)]
- Augenärztliche Untersuchung
- Inspektion der Skleren (weiße Augenhaut) [Sklerenikterus (Gelbfärbung der weißen Augenhaut)]
- Abdomen (Bauch)
- Inspektion des Abdomens
- Auskultation (Abhören) des Abdomens
- Perkussion (Abklopfen) und Palpation (Abtasten) des Abdomens, insbesondere des rechten Oberbauchs [Druckschmerz im rechten Oberbauch]
- Bestimmung der Lebergröße und Prüfung auf Druckdolenz (Druckschmerzhaftigkeit) [leichte, druckdolente Hepatomegalie (Lebervergrößerung)]
- Neurologische Untersuchung (Untersuchung des Nervensystems) – insbesondere bei schwerem Verlauf oder neurologischen Beschwerden
- Beurteilung von Bewusstseinslage, Orientierung und Vigilanz (Wachheitsgrad) sowie Prüfung auf Asterixis (flatterndes Zittern der Hände) bei Verdacht auf hepatische Enzephalopathie (durch Leberfunktionsstörung bedingte Hirnfunktionsstörung)
- Prüfung von Hirnnerven (Nerven des Kopfes), Muskelkraft, Sensibilität (Empfindungsvermögen), Muskeleigenreflexen (Muskelreflexen) und Koordination bei Verdacht auf HEV-assoziierte neurologische Manifestationen, insbesondere neuralgische Amyotrophie (schmerzhafte Nerven- und Muskelerkrankung des Schultergürtels), Guillain-Barré-Syndrom (akute entzündliche Erkrankung der peripheren Nerven) oder Enzephalitis (Gehirnentzündung)/Myelitis (Rückenmarksentzündung)
Red Flags (Warnzeichen) bei Hepatitis E
- Bewusstseinsstörung, Desorientiertheit oder Asterixis als Hinweis auf eine hepatische Enzephalopathie bzw. ein akutes Leberversagen (plötzliches Versagen der Leberfunktion)
- Rasch progredienter Ikterus in Verbindung mit einer deutlichen Verschlechterung des Allgemeinzustands
- Spontane Blutungszeichen, Petechien (punktförmige Hautblutungen) oder ausgeprägte Ekchymosen (großflächige Hautblutungen) als mögliche klinische Zeichen einer schweren hepatischen Synthesestörung (Störung der Bildung wichtiger Eiweiße durch die Leber)
- Kreislaufinstabilität (instabiler Kreislauf) bei schwerer akuter Hepatitis
- Zeichen einer Dekompensation (Entgleisung) bei vorbestehender chronischer Lebererkrankung, insbesondere Aszites (Bauchwassersucht) oder hepatische Enzephalopathie
- Akute Hepatitis E in der Schwangerschaft, insbesondere im zweiten oder dritten Trimenon (Schwangerschaftsdrittel) bei Infektion mit HEV-Genotyp 1 oder 2, aufgrund des erhöhten Risikos eines schweren bis fulminanten Verlaufs
- Neu aufgetretene ausgeprägte Schulter-/Armschmerzen mit Paresen (Lähmungserscheinungen), aufsteigende Muskelschwäche bzw. Areflexie (fehlende Reflexe) oder zentrale neurologische Symptome als Hinweis auf eine HEV-assoziierte neurologische Manifestation
In eckigen Klammern [ ] wird auf mögliche pathologische (krankhafte) körperliche Befunde hingewiesen.