Hepatitis B – Folgeerkrankungen
Im Folgenden die wichtigsten Erkrankungen bzw. Komplikationen, die durch Hepatitis B mitbedingt sein können:
Bestimmte Zustände, die ihren Ursprung in der Perinatalperiode haben (P00-P96)
- Perinatale Hepatitis-B-Virus-Infektion (Hepatitis-B-Virus-Infektion um die Geburt herum) – bei maternaler (mütterlicher) Hepatitis-B-Virus (HBV)-Infektion, insbesondere bei hoher HBV-DNA (Erbmaterial des Hepatitis-B-Virus) und fehlender bzw. unvollständiger Postexpositionsprophylaxe (vorbeugende Behandlung nach Ansteckungsrisiko) des Neugeborenen; klinisch relevant wegen des sehr hohen Chronifizierungsrisikos (Risiko eines chronischen Verlaufs) nach perinataler Infektion [LL2, LL3]
- Chronische Hepatitis B (dauerhafte virusbedingte Leberentzündung Typ B) nach perinataler Transmission (Übertragung um die Geburt herum) – häufig asymptomatischer Beginn (Beginn ohne Beschwerden), aber langfristig erhöhtes Risiko für Leberfibrose (narbige Leberveränderung), Leberzirrhose (narbiger Leberumbau) und hepatozelluläres Karzinom (Leberzellkrebs) [1, 3, LL1-3]
Blut, blutbildende Organe – Immunsystem (D50-D90)
- Kryoglobulinämie (krankhafte Kälte-Immunglobuline im Blut) bzw. kryoglobulinämische Vaskulitis (Gefäßentzündung durch Kälte-Immunglobuline) – seltene, immun komplexvermittelte (durch Abwehrstoff-Komplexe ausgelöste) extrahepatische Manifestation (Krankheitszeichen außerhalb der Leber); möglich mit Purpura (kleinfleckige Hautblutungen), Arthralgien (Gelenkschmerzen), peripherer Neuropathie (Schädigung der äußeren Nerven) und glomerulärer Nierenbeteiligung (Beteiligung der Nierenfilterkörperchen) [4, 5]
- Serumkrankheitsähnliches Syndrom (serumkrankheitsähnliches Beschwerdebild) – vor allem im Prodromalstadium (Vorstadium) der akuten Hepatitis B beschrieben; typisch mit Fieber, Exanthem (Hautausschlag), Arthralgien und Komplementverbrauch (Verbrauch von Abwehr-Eiweißstoffen), meist selbstlimitierend (von selbst abklingend) nach Beginn der ikterischen Phase (Gelbsuchtphase) [4, 5]
Haut und Unterhaut (L00-L99)
- Gianotti-Crosti-Syndrom bzw. papulöse Akrodermatitis des Kindesalters (knötchenförmiger Hautausschlag im Kindesalter) – seltene, meist selbstlimitierende kutane Manifestation (Hauterscheinung) im Kindesalter; historisch klassisch mit Hepatitis-B-Virus-Infektion assoziiert, heute auch durch andere Virusinfektionen und Impfungen beschrieben [4, 9]
- Palpable Purpura (tastbare Hautblutungen) – bei HBV-assoziierter kryoglobulinämischer Vaskulitis bzw. seltener bei anderen HBV-assoziierten Vaskulitiden (Gefäßentzündungen) möglich [4, 5]
Infektiöse und parasitäre Krankheiten (A00-B99)
- Hepatitis-D-Virus-Infektion (Infektion mit dem Hepatitis-D-Virus) – Hepatitis-D-Virus (HDV) benötigt das Hepatitis-B-Oberflächenantigen (Oberflächenmerkmal des Hepatitis-B-Virus); als Koinfektion (gleichzeitige Infektion) oder Superinfektion (zusätzliche Infektion bei bestehender Infektion) möglich, bei chronischer Hepatitis B mit beschleunigter Fibroseprogression (Fortschreiten der Vernarbung), erhöhtem Zirrhose- und Dekompensationsrisiko (Risiko einer Funktionsentgleisung der Leber) sowie erhöhtem Risiko für hepatozelluläres Karzinom [LL2, LL4]
Leber, Gallenblase und Gallenwege – Pankreas (Bauchspeicheldrüse) (K70-K77; K80-K87)
- Akutes Leberversagen (plötzliches Versagen der Leberfunktion) bzw. fulminante Hepatitis B (schwer verlaufende Hepatitis B) – seltene, aber potenziell letale (möglicherweise tödliche) Komplikation der akuten Hepatitis B; Risiko erhöht bei HDV-Koinfektion/Superinfektion sowie bei HBV-Reaktivierung (Wiederaufflammen des Hepatitis-B-Virus) [3, LL1, LL4]
- Akut-auf-chronisches Leberversagen (akutes Leberversagen auf dem Boden einer chronischen Lebererkrankung) – möglich bei chronischer Hepatitis B mit schwerem Schub (plötzlich starker Verschlechterung), HBV-Reaktivierung, HDV-Superinfektion oder fortgeschrittener Leberzirrhose; prognostisch ungünstig, insbesondere bei Multiorganbeteiligung (Beteiligung mehrerer Organe) [1, 8, LL1, LL5]
- Chronische Hepatitis B – persistierende Hepatitis-B-Virus-Infektion (dauerhaft bestehende Hepatitis-B-Virus-Infektion) mit möglicher nekroinflammatorischer Aktivität (entzündlich-zellschädigender Aktivität); Chronifizierungsrisiko stark altersabhängig, sehr hoch bei perinataler bzw. frühkindlicher Infektion und niedrig bei immunkompetenten (abwehrgesunden) Erwachsenen [1, 3, LL1-3]
- HBV-Reaktivierung – möglich bei aktueller oder früherer HBV-Infektion unter Immunsuppression (Unterdrückung des Immunsystems), Chemotherapie (medikamentöse Krebsbehandlung), B-Zell-depletierenden Therapien (Behandlungen, die bestimmte Immunzellen vermindern), hämatopoetischer Stammzelltransplantation (Übertragung blutbildender Stammzellen), solider Organtransplantation (Übertragung eines festen Organs) sowie bei direkt wirkender antiviraler Therapie (gezielter virushemmender Behandlung) gegen Hepatitis C; klinisches Spektrum von asymptomatischem HBV-DNA-Anstieg bis schwerer Hepatitis, Leberversagen und Tod [7, 8, LL1, LL5]
- Leberfibrose – Folge chronischer nekroinflammatorischer Aktivität; Progression (Fortschreiten) abhängig von HBV-DNA, Alter, Geschlecht, Entzündungsaktivität, Koinfektionen, metabolischen Faktoren (Stoffwechselfaktoren) und Alkohol [1-3, LL1-3]
- Leberzirrhose – zentrale Langzeitkomplikation der chronischen Hepatitis B; Risiko besonders bei persistierender Virusreplikation (dauerhaft bestehender Virusvermehrung), wiederholten Entzündungsschüben, HDV-Koinfektion, Alkohol, metabolischer Dysfunktion (Stoffwechselstörung) und fortgeschrittener Fibrose erhöht [1-3, LL1-4]
- Dekompensierte Leberzirrhose (entgleister narbiger Leberumbau) – mit Aszites (Bauchwassersucht), Varizenblutung (Blutung aus Krampfadern), hepatischer Enzephalopathie (Hirnfunktionsstörung bei Leberversagen), hepatorenalem Syndrom (Nierenfunktionsstörung bei schwerer Lebererkrankung) und erhöhter Mortalität (Sterblichkeit); antivirale Suppression (virushemmende Unterdrückung) reduziert das Risiko, hebt es bei fortgeschrittener Zirrhose aber nicht vollständig auf [1-3, LL1-3]
- Rezidiv (Rückfall) bzw. Reinfektion (erneute Infektion) nach Lebertransplantation (Übertragung einer Leber) – heute unter konsequenter antiviraler Prophylaxe (virushemmender Vorbeugung) deutlich seltener, aber bei unzureichender Virussuppression (Unterdrückung der Virusvermehrung), Resistenz (Unempfindlichkeit gegenüber Behandlung), Adhärenzproblemen (Problemen bei der Therapietreue) oder Hochrisikokonstellationen (Situationen mit hohem Risiko) weiterhin relevant [LL1, LL3]
Muskel-Skelett-System und Bindegewebe (M00-M99)
- Arthralgien bzw. Arthritis (Gelenkentzündung) – extrahepatische Manifestation, häufig immun komplexvermittelt; besonders im Prodromalstadium einer akuten Hepatitis B oder im Rahmen eines serumkrankheitsähnlichen Syndroms beschrieben [4, 5]
- Polyarteriitis nodosa (entzündliche Erkrankung mittelgroßer Arterien) – klassische HBV-assoziierte systemische Vaskulitis (Gefäßentzündung des gesamten Körpers) mittelgroßer Arterien (mittelgroßer Schlagadern); heute in Ländern mit HBV-Impfprogrammen seltener, aber bei akuter oder chronischer HBV-Infektion weiterhin relevant [4, 5]
Neubildungen – Tumorerkrankungen (C00-D48)
- Hepatozelluläres Karzinom – wichtigste maligne (bösartige) Langzeitkomplikation der chronischen Hepatitis B; kann auch ohne manifeste (erkennbare) Leberzirrhose auftreten, das Risiko steigt jedoch deutlich bei Zirrhose, hoher bzw. persistierender HBV-DNA, männlichem Geschlecht, höherem Alter, positiver Familienanamnese (Krankheitsvorkommen in der Familie), HDV-Koinfektion, Alkohol und metabolischer Dysfunktion [1, 2, LL1-4]
Psyche – Nervensystem (F00-F99; G00-G99)
- Hepatische Enzephalopathie – bei akutem Leberversagen, akut-auf-chronischem Leberversagen oder dekompensierter HBV-bedingter Leberzirrhose; klinisch prognostisch schwerwiegend [1, 3, LL1-3]
- Periphere Neuropathie – seltene extrahepatische Komplikation, insbesondere im Rahmen einer HBV-assoziierten Polyarteriitis nodosa oder kryoglobulinämischen Vaskulitis [4, 5]
Urogenitalsystem (Nieren, Harnwege – Geschlechtsorgane) (N00-N99)
- Membranöse Nephropathie (Erkrankung der Nierenfiltermembran) – wichtigste HBV-assoziierte Glomerulopathie (durch HBV mitbedingte Erkrankung der Nierenfilterkörperchen), insbesondere bei chronischer HBV-Infektion und in pädiatrischen (Kinder betreffenden) bzw. endemischen Populationen (Bevölkerungen in Gebieten mit dauerhaft häufigem Vorkommen) beschrieben; klinisch häufig mit Proteinurie (Eiweiß im Urin) bzw. nephrotischem Syndrom (Krankheitsbild mit starkem Eiweißverlust über den Urin) [4-6]
- Membranoproliferative Glomerulonephritis (entzündliche Erkrankung der Nierenfilterkörperchen mit Zellvermehrung) – seltenere HBV-assoziierte immune komplexvermittelte Glomerulonephritis; möglich im Rahmen chronischer HBV-Infektion und kryoglobulinämischer Vaskulitis [4-6]
Prognosefaktoren (Einflussfaktoren auf den Krankheitsverlauf)
- Prognosefaktoren für Chronifizierung:
- Perinatale Infektion bzw. Infektion im Säuglings- oder Kleinkindalter – stärkster Prädiktor (Vorhersagefaktor) für eine chronische Hepatitis-B-Virus-Infektion [LL2, LL3]
- Immunsuppression, HIV-Koinfektion (gleichzeitige Infektion mit HIV), Hämodialyse (Blutwäsche) und schwere Komorbidität (Begleiterkrankung) – vermindertes Risiko der spontanen Viruselimination (Virusbeseitigung) bzw. erhöhtes Risiko persistierender Infektion und Reaktivierung [LL1-3, LL5]
- Prognosefaktoren für Fibroseprogression, Zirrhose und Dekompensation:
- Persistierend hohe HBV-DNA, HBeAg-Positivität (Nachweis des Hepatitis-B-e-Antigens), erhöhte Alanin-Aminotransferase (Leberenzym), höheres Alter, männliches Geschlecht und fortgeschrittene Fibrose [1-3, LL1-3]
- HDV-, HCV- oder HIV-Koinfektion, Alkohol, metabolische Dysfunktion, Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), Adipositas (Fettleibigkeit) und weitere chronische Lebererkrankungen [1, 3, LL1-4]
- Prognosefaktoren für hepatozelluläres Karzinom:
- Leberzirrhose, persistierend hohe HBV-DNA, männliches Geschlecht, höheres Alter, positive Familienanamnese für hepatozelluläres Karzinom, HDV-Koinfektion und afrikanische bzw. asiatische Herkunft aus Hochprävalenzregionen (Gebieten mit hoher Krankheitshäufigkeit) [1, 2, LL1-4]
- Metabolische Dysfunktion, Diabetes mellitus, Adipositas, Alkohol und Aflatoxinexposition (Kontakt mit Schimmelpilzgiften) als zusätzliche Risikomodifikatoren (risikoverändernde Faktoren) [1-3, LL1-3]
- Prognosefaktoren für HBV-Reaktivierung:
- HBsAg-Positivität (Nachweis des Hepatitis-B-Oberflächenantigens), nachweisbare HBV-DNA, fehlende antivirale Prophylaxe und hohe Intensität der Immunsuppression [8, LL1, LL5]
- Besonders hohes Risiko bei Anti-CD20-Therapie (Behandlung gegen das CD20-Oberflächenmerkmal bestimmter Immunzellen), hämatopoetischer Stammzelltransplantation, intensiver Chemotherapie, hohen bzw. prolongierten Glukokortikoiddosen (lang andauernden Kortison-Dosen) und bestimmten biologischen bzw. zielgerichteten Therapien (Biologika bzw. gezielten Arzneimitteltherapien) [8, LL5]
- HBsAg-negative/Anti-HBc-positive Konstellation (Befundmuster mit fehlendem Hepatitis-B-Oberflächenantigen und nachweisbaren Antikörpern gegen den Hepatitis-B-Kernbestandteil) – niedrigeres, aber klinisch relevantes Reaktivierungsrisiko, insbesondere bei B-Zell-depletierender Therapie oder Stammzelltransplantation [8, LL5]
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