Haemophilus influenzae – Körperliche Untersuchung

Eine umfassende klinische Untersuchung ist die Grundlage für die Auswahl der weiteren diagnostischen Schritte:

  • Allgemeine körperliche Untersuchung – inklusive Beurteilung von Allgemeinzustand und Bewusstseinslage (Wachheitszustand) sowie Messung von Blutdruck, Puls, Atemfrequenz, Körpertemperatur und peripherer Sauerstoffsättigung (Sauerstoffgehalt des Blutes); des Weiteren:
    • Inspektion
      • Haut und Schleimhäute [bei invasiver Infektion ggf. umschriebene Phlegmone/Zellulitis (flächenhafte bakterielle Weichteilentzündung), insbesondere im Gesichts- bzw. Halsbereich]
      • Augen [Konjunktivitis (Bindehautentzündung) mit konjunktivaler Rötung und ggf. eitriger Sekretion]
      • Ohren – Otoskopie bei entsprechender Symptomatik [Zeichen einer akuten Otitis media (akuten Mittelohrentzündung)]
      • Mund-, Rachen- und Halsregion – Beurteilung von Schluckvermögen, Speichelfluss, Stimme und Atemgeräusch [bei Epiglottitis (Kehldeckelentzündung): ausgeprägte Dysphagie (Schluckstörung), Speichelfluss aus dem Mund, kloßige bzw. gedämpfte Stimme, inspiratorischer Stridor (pfeifendes Atemgeräusch beim Einatmen), aufrechte, nach vorn geneigte Sitzhaltung mit überstrecktem Hals (Tripod-Position (nach vorn abgestützte Sitzhaltung))]
      • Bei klinischem Verdacht auf Epiglottitis keine forcierte Mund-/Racheninspektion und keine Manipulation mit einem Zungenspatel durchführen; unnötige Untersuchungen sind bis zur Verfügbarkeit eines Teams zur erweiterten Atemwegssicherung (Sicherung der Atemwege) zu vermeiden.
      • Thorax (Brustkorb) – Atemarbeit, Thoraxexkursion (Bewegung des Brustkorbs) und Einsatz der Atemhilfsmuskulatur (zusätzliche Atemmuskeln) beurteilen [bei Pneumonie (Lungenentzündung) ggf. fokal verminderte Thoraxexkursion; bei Epiglottitis ggf. suprasternale, interkostale oder subkostale Einziehungen (Einziehungen oberhalb des Brustbeins, zwischen bzw. unterhalb der Rippen)]
    • Untersuchung der Lunge
      • Palpation und Perkussion des Thorax [bei pulmonaler Konsolidierung (Verdichtung des Lungengewebes) ggf. verstärkter Stimmfremitus und gedämpfter Klopfschall; bei Pleuraerguss (Flüssigkeitsansammlung zwischen Lunge und Brustwand) bzw. Empyem (Eiteransammlung in einer Körperhöhle) ggf. abgeschwächter Stimmfremitus und ausgeprägte Klopfschalldämpfung]
      • Auskultation der Lunge [bei Pneumonie ggf. fokale feinblasige Rasselgeräusche bzw. bronchiales Atemgeräusch; bei Pleuraerguss bzw. Empyem lokal abgeschwächtes oder aufgehobenes Atemgeräusch]
      • Bronchophonie (Überprüfung der Weiterleitung hochfrequenter Sprachlaute) [bei pulmonaler Konsolidierung verstärkte Bronchophonie]
    • Untersuchung des Herz-Kreislauf-Systems (Herz und Blutkreislauf) – Auskultation des Herzens sowie Beurteilung der peripheren Perfusion (Durchblutung der Körperenden) und Rekapillarisierungszeit [bei invasiver Erkrankung mit septischem Verlauf (schwerem infektionsbedingtem Verlauf) ggf. Zeichen einer Kreislaufdekompensation (Versagen des Kreislaufs); bei Perikarditis (Herzbeutelentzündung) ggf. perikardiales Reibegeräusch]
    • Untersuchung des Abdomens (Bauchs) – Inspektion, Auskultation, Palpation und Perkussion bei abdominaler Symptomatik [bei seltener Peritonitis (Bauchfellentzündung) diffuse Druckschmerzhaftigkeit und Abwehrspannung (unwillkürliche Anspannung der Bauchmuskulatur)]
    • Untersuchung des Bewegungsapparates – Inspektion und Palpation symptomatischer Gelenke und Knochen sowie Prüfung des aktiven und passiven Bewegungsumfangs [bei septischer Arthritis (bakterieller Gelenkentzündung) schmerzhaft bewegungseingeschränktes, geschwollenes und überwärmtes Gelenk; bei Osteomyelitis (Knochenentzündung) lokalisierter Knochenklopf- bzw. Druckschmerz und ggf. Weichteilschwellung]
  • Neurologische Untersuchung – inklusive Beurteilung von Bewusstseinslage und Orientierung, Prüfung auf Meningismus (schmerzhafte Nackensteifigkeit), Untersuchung der Hirnnerven (Nerven des Gehirns), Motorik, Sensibilität und Muskeleigenreflexe (körpereigene Muskelreflexe) sowie Suche nach fokal-neurologischen Defiziten (örtlich begrenzten neurologischen Ausfällen) [bei Haemophilus-influenzae-Meningitis (Hirnhautentzündung durch Haemophilus influenzae) Meningismus mit Nackensteifigkeit, ggf. Opisthotonus (krampfhafte Überstreckung des Körpers); beim Säugling vorgewölbte bzw. gespannte Fontanelle (weiche Schädelstelle); ggf. Vigilanzminderung (verminderte Wachheit) bis Stupor (tiefe Bewusstseinsstörung) oder Koma (tiefe Bewusstlosigkeit), epileptische Anfälle (Krampfanfälle) bzw. Hirnnervenausfälle (Ausfälle von Gehirnnerven)]

Red Flags (Warnzeichen) bei Haemophilus-influenzae-Infektion

  • Inspiratorischer Stridor, ausgeprägte Dysphagie, Speichelfluss aus dem Mund, gedämpfte Stimme oder Tripod-Position – Verdacht auf Epiglottitis mit drohender Atemwegsobstruktion (Verlegung der Atemwege); Manipulationen im Rachen vermeiden und unverzüglich Atemwegssicherung vorbereiten.
  • Zunehmende Atemnot, Zyanose (Blaufärbung von Haut oder Schleimhäuten), schwere Einziehungen, Erschöpfungszeichen oder Bewusstseinsstörung – Hinweis auf respiratorische Dekompensation (Versagen der Atmung).
  • Meningismus, Vigilanzminderung, fokal-neurologisches Defizit oder neu aufgetretener epileptischer Anfall – dringender Verdacht auf bakterielle Meningitis (bakterielle Hirnhautentzündung) bzw. Meningoenzephalitis (Entzündung von Hirnhäuten und Gehirn).
  • Hypotonie (niedriger Blutdruck), Tachykardie (beschleunigter Herzschlag), verlängerte Rekapillarisierungszeit, kalte Extremitäten, Marmorierung (fleckige Hautzeichnung) oder Bewusstseinsstörung – Verdacht auf Sepsis (schwere Reaktion des Körpers auf eine Infektion) bzw. septischen Schock (lebensbedrohliches Kreislaufversagen infolge einer Infektion).
  • Vorgewölbte bzw. gespannte Fontanelle beim Säugling in Verbindung mit Fieber und reduziertem Allgemeinzustand – Verdacht auf Meningitis bzw. erhöhten intrakraniellen Druck (erhöhten Druck im Schädelinneren).

In eckigen Klammern [ ] wird auf mögliche pathologische (krankhafte) körperliche Befunde hingewiesen.