Seborrhoisches Ekzem – Medikamentöse Therapie
Therapieziel
- Verminderung von Erythem (Hautrötung), Schuppung und Pruritus (Juckreiz)
- Abheilung akuter entzündlicher Hautveränderungen
- Verlängerung symptomfreier Intervalle und Verminderung der Rezidivhäufigkeit (Häufigkeit von Rückfällen)
- Stabilisierung der epidermalen Barriere (Schutzbarriere der Oberhaut)
- Vermeidung unerwünschter Wirkungen, insbesondere durch Begrenzung der Anwendung topischer Glucocorticoide (örtlich anzuwendender Cortisonpräparate)
Therapieempfehlungen
Basistherapie und Hautpflege
- Schonende Reinigung mit lauwarmem Wasser sowie milden, parfumfreien und seifenfreien Syndets (synthetische, seifenfreie Waschsubstanzen)
- Vermeidung irritierender, alkoholhaltiger oder stark parfümierter Hautpflegeprodukte
- Bei gestörter Hautbarriere Anwendung leichter, nicht okklusiver (nicht luft- und feuchtigkeitsabdichtender) Cremes oder Lotionen
- Stark fetthaltige und okklusive Salbengrundlagen sind in talgdrüsenreichen Arealen häufig kosmetisch ungünstig und können die Beschwerden verstärken. Ein generelles Verbot lipidhaltiger Hautpflege ist jedoch nicht evidenzbasiert.
- Bei ausgeprägter Schuppung kann zeitlich begrenzt ein keratolytischer Wirkstoff (hornlösender Wirkstoff) ergänzend eingesetzt werden.
Seborrhoisches Ekzem (entzündlich schuppende Hauterkrankung in talgdrüsenreichen Bereichen) der Kopfhaut – akute Therapie
- Topische Antimykotika (örtlich anzuwendende Pilzmittel) sind Mittel der ersten Wahl: Ketoconazol oder Ciclopirox als Shampoo [1, 14, 15].
- Das Shampoo wird gleichmäßig auf die angefeuchtete Kopfhaut aufgetragen und sollte vor dem Ausspülen entsprechend der jeweiligen Fachinformation einwirken.
- Bei stärkerem Erythem oder ausgeprägtem Pruritus kann zusätzlich für kurze Dauer ein für die behaarte Kopfhaut geeignetes topisches Glucocorticoid als Lösung, Schaum oder Shampoo eingesetzt werden [2, 14, 15].
- Bei fest anhaftenden Schuppen kann zeitlich begrenzt ein keratolytisches Shampoo vorgeschaltet oder alternierend angewendet werden.
- Selendisulfid-haltige Shampoos sind eine wirksame Alternative. In einer randomisierten Vergleichsstudie war Selendisulfid 1 % hinsichtlich der klinischen Wirksamkeit mit Ketoconazol 2 % vergleichbar [12].
Seborrhoisches Ekzem des Gesichts, der Ohren, des Stamms und der Hautfalten – akute Therapie
- Therapie der ersten Wahl: Ketoconazol 2 % oder Ciclopiroxolamin 1 % als Creme [1, 3, 15].
- Bei stärker entzündlichen Läsionen (umschriebenen Hautveränderungen) kann zusätzlich kurzzeitig ein schwach wirksames topisches Glucocorticoid, vorzugsweise Hydrocortison 0,5-1 %, eingesetzt werden [2, 3, 15].
- Im Gesicht, an den Augenlidern, retroaurikulär (hinter den Ohren) und in intertriginösen Arealen (Hautfalten) können topische Calcineurininhibitoren (örtliche entzündungshemmende Arzneimittel ohne Cortison) als glucocorticoidsparende Alternative eingesetzt werden [2-4, 15].
- Pimecrolimus und Tacrolimus werden beim seborrhoischen Ekzem im Off-Label-Use (zulassungsüberschreitender Einsatz) angewendet.
- Potente topische Glucocorticoide sollten im Gesicht und in Hautfalten wegen des erhöhten Risikos für Hautatrophie (Verdünnung der Haut), Teleangiektasien (sichtbar erweiterte kleine Blutgefäße), periorifizielle Dermatitis (entzündlicher Hautausschlag um Mund, Nase oder Augen) und steroidinduzierte Rosazea (durch Cortison ausgelöste entzündliche Gesichtsrötung) vermieden werden.
Erhaltungstherapie und Rezidivprophylaxe (Vorbeugung gegen Rückfälle)
- Aufgrund des chronisch rezidivierenden Verlaufs ist nach Abheilung eine intermittierende (in Abständen durchgeführte) Erhaltungstherapie sinnvoll [14, 15].
- Ketoconazol-Shampoo kann zur Rezidivprophylaxe intermittierend entsprechend der jeweiligen Fachinformation angewendet werden [1].
- Ciclopirox-Shampoo kann nach erfolgreicher Akuttherapie intermittierend entsprechend der Rezidivneigung und Fachinformation angewendet werden.
- Bei rezidivierendem Befall des Gesichts kann ein topisches Antimykotikum intermittierend entsprechend dem individuellen Rezidivmuster fortgeführt werden [3, 15].
- Bei häufig rezidivierendem Gesichtsbefall ist die proaktive Anwendung (vorbeugende Weiterbehandlung) von Tacrolimus 0,1 % an 2 nicht aufeinanderfolgenden Tagen pro Woche durch randomisierte kontrollierte Studien belegt [5, 6]. Die Anwendung erfolgt im Off-Label-Use.
- Für eine festgelegte proaktive Erhaltungstherapie mit Pimecrolimus an 2 Tagen pro Woche besteht keine hinreichende spezifische Evidenz. Pimecrolimus sollte daher primär zur Behandlung akuter Läsionen eingesetzt werden [4].
- Topische Glucocorticoide sind nicht für eine kontinuierliche Erhaltungstherapie geeignet.
Schweres, ausgedehntes oder therapierefraktäres (behandlungsresistentes) seborrhoisches Ekzem
- Vor einer systemischen Behandlung (Behandlung des gesamten Körpers) sind Diagnose, Adhärenz (Therapietreue), korrekte Anwendung der Lokaltherapie und mögliche Differentialdiagnosen (Erkrankungen mit ähnlichem Erscheinungsbild) zu überprüfen. Dazu gehören insbesondere Psoriasis (Schuppenflechte), Rosazea (chronisch entzündliche Gesichtshauterkrankung), atopisches Ekzem (Neurodermitis), Kontaktdermatitis (durch Kontaktstoffe ausgelöste Hautentzündung) und Tinea (Pilzinfektion der Haut).
- Bei ungewöhnlich schwerem, plötzlich aufgetretenem, ausgedehntem oder therapierefraktärem Verlauf sollte nach assoziierten Erkrankungen bzw. Faktoren gesucht werden, insbesondere HIV-Infektion (Infektion mit dem humanen Immundefizienzvirus), Immunsuppression (Unterdrückung des Immunsystems), Morbus Parkinson (Parkinson-Krankheit) und anderen neurologischen Erkrankungen [15].
- Eine systemische Therapie ist nur bei ausgedehntem oder auf eine ausreichend durchgeführte topische Therapie nicht ansprechendem seborrhoischem Ekzem zu erwägen.
- Mögliche spezialärztliche Therapieoptionen sind Itraconazol, Terbinafin oder niedrig dosiertes Isotretinoin. Sämtliche systemischen Behandlungen erfolgen beim seborrhoischen Ekzem im Off-Label-Use [7-11, 15].
- Die Evidenz für systemische Behandlungen ist deutlich schwächer und heterogener als für topische Antimykotika und antientzündliche Lokaltherapien [7, 11].
- Für Fluconazol bestehen inkonsistente Wirksamkeitsdaten; eine routinemäßige Anwendung kann nicht empfohlen werden [7].
- Orales Ketoconazol darf wegen des erheblichen Hepatotoxizitätsrisikos (Risikos einer Leberschädigung) nicht zur Behandlung des seborrhoischen Ekzems eingesetzt werden.
Nicht regelhaft empfohlene Behandlungen
- Eine systemische Behandlung mit Tetracyclin ist keine evidenzbasierte Standardtherapie des seborrhoischen Ekzems und wird nicht empfohlen.
- Topisches Erythromycin oder Metronidazol ist ohne bakterielle Superinfektion (zusätzliche bakterielle Infektion) keine etablierte Standard- oder Erhaltungstherapie.
- Topische oder systemische Antibiotika sind ausschließlich bei klinisch gesicherter bakterieller Sekundärinfektion (zusätzlich aufgetretener bakterieller Infektion) indiziert.
- Zinkpyrithion darf seit dem 1. März 2022 in kosmetischen Mitteln in der Europäischen Union nicht mehr verwendet werden und ist daher keine reguläre aktuelle Shampoooption.
- Steinkohlenteerpräparate sind wegen begrenzter Evidenz, Geruch, Verfärbungen und eingeschränkter kosmetischer Akzeptanz keine bevorzugte Erstlinientherapie.
Wirkstoffe (Hauptindikation)
Vor der Verordnung sind die aktuelle Fachinformation, präparatespezifische Kontraindikationen (Gegenanzeigen) und mögliche Arzneimittelinteraktionen (Wechselwirkungen zwischen Arzneimitteln) zu beachten.
Topische Antimykotika
| Wirkstoff | Besonderheiten |
| Ketoconazol | Am besten untersuchtes topisches Azol-Antimykotikum; geeignet für Kopfhaut, Gesicht und Stamm [1, 3] |
| Ciclopirox bzw. Ciclopiroxolamin | Antimykotische und zusätzliche antiinflammatorische (entzündungshemmende) Wirkung; gute Evidenz für Kopfhaut und Gesicht [1, 3] |
- Wirkweise Ketoconazol: Hemmung der pilzlichen Lanosterol-14α-Demethylase (eines Enzyms der Pilzzelle) und dadurch Hemmung der Ergosterolsynthese (Bildung eines wichtigen Bestandteils der Pilzzellmembran) mit Störung von Aufbau und Funktion der Pilzzellmembran
- Wirkspektrum: insbesondere Malassezia-Arten; außerdem Candida-Arten (Hefepilze), Dermatophyten (Hautpilze) und weitere empfindliche Hefen
- Indikationen: seborrhoisches Ekzem und Kopfschuppen der Kopfhaut; seborrhoisches Ekzem des Gesichts und Stamms
- Kontraindikationen: Überempfindlichkeit gegen Ketoconazol oder einen Bestandteil des Präparats
- Nebenwirkungen: lokales Brennen, Pruritus, Erythem, Hauttrockenheit und irritative oder allergische Kontaktdermatitis; selten Follikulitis (Entzündung der Haarfollikel) oder Veränderungen von Haarstruktur bzw. Haarfarbe
- Wirkweise Ciclopirox bzw. Ciclopiroxolamin: Komplexbildung mit dreiwertigen Metallionen und Hemmung metallabhängiger Enzymsysteme der Pilzzelle; zusätzlich antiinflammatorische und antibakterielle Eigenschaften
- Wirkspektrum: Malassezia-Arten, Candida-Arten, Dermatophyten, Schimmelpilze sowie verschiedene grampositive und gramnegative Bakterien
- Indikationen: seborrhoisches Ekzem der Kopfhaut, des Gesichts und des Stamms
- Kontraindikationen: Überempfindlichkeit gegen Ciclopirox, Ciclopiroxolamin oder einen Bestandteil des Präparats; Kontakt mit Augen und Schleimhäuten vermeiden
- Nebenwirkungen: Brennen, Pruritus, Erythem, Hauttrockenheit und lokale Irritation; selten allergische Kontaktdermatitis
Topische Glucocorticoide
| Wirkstoff | Besonderheiten |
| Hydrocortison | Schwach wirksames Glucocorticoid für Gesicht, Ohren und Hautfalten; nur bei stärkerer entzündlicher Aktivität [2, 3] |
- Wirkweise: Bindung an intrazelluläre Glucocorticoidrezeptoren (Bindungsstellen für Cortisonhormone) mit antiinflammatorischer, antipruritischer (juckreizstillender), immunsuppressiver (die Immunabwehr dämpfender) und vasokonstriktorischer (gefäßverengender) Wirkung
- Wirkspektrum: kein antimikrobielles Wirkspektrum
- Indikationen: kurzzeitige Therapie deutlich entzündlicher, erythematöser (geröteter) oder stark juckender Läsionen
- Kontraindikationen: unbehandelte bakterielle, virale oder mykotische Hautinfektion (Pilzinfektion der Haut); Rosazea; periorifizielle Dermatitis; Überempfindlichkeit
- Nebenwirkungen: Brennen und Irritation; bei längerer oder wiederholter Anwendung Hautatrophie, Teleangiektasien, Steroidakne (durch Cortison ausgelöste Akne), periorifizielle Dermatitis, Rosazea, Pigmentveränderungen und sekundäre Infektionen
Bei ausgeprägt entzündlichem Befall der behaarten Kopfhaut kann statt Hydrocortison für kurze Dauer ein für die Kopfhaut geeignetes mittelstarkes bis starkes topisches Glucocorticoid als Lösung, Schaum oder Shampoo eingesetzt werden. Wirkstoffstärke, Grundlage und Behandlungsdauer sind an Lokalisation, Entzündungsgrad und individuelles Nebenwirkungsrisiko anzupassen [2, 14, 15].
Topische Calcineurininhibitoren
| Wirkstoff | Besonderheiten |
| Pimecrolimus | Glucocorticoidsparende Akuttherapie für Gesicht und Hautfalten; beim seborrhoischen Ekzem Off-Label-Use; keine hinreichende Evidenz für eine festgelegte proaktive Erhaltungstherapie an 2 Tagen pro Woche [4] |
| Tacrolimus | Glucocorticoidsparende Therapie bei häufig rezidivierendem Gesichtsbefall; die zweimal wöchentliche Erhaltungstherapie ist durch randomisierte Studien belegt; Off-Label-Use [5, 6] |
- Wirkweise Pimecrolimus: Bindung an Makrophilin-12 (ein Eiweiß innerhalb der Zelle) und Hemmung der Calcineurinaktivität; dadurch verminderte Aktivierung von T-Lymphocyten (bestimmte Abwehrzellen) und verminderte Freisetzung proinflammatorischer Cytokine (entzündungsfördernder Botenstoffe)
- Wirkspektrum: kein klassisches antimikrobielles Wirkspektrum
- Indikationen: glucocorticoidsparende Akuttherapie empfindlicher Areale, insbesondere Gesicht, Augenlider und Hautfalten
- Kontraindikationen: Überempfindlichkeit; Anwendung auf akut infizierter, prämaligner (als Krebsvorstufe veränderter) oder maligner Haut (bösartig veränderter Haut) vermeiden; bei ausgeprägter Immunsuppression nur nach spezialärztlicher Nutzen-Risiko-Abwägung
- Nebenwirkungen: vorübergehendes Brennen, Wärmegefühl, Erythem und Pruritus; gelegentlich Follikulitis und Hautinfektionen
- Wirkweise Tacrolimus: Bindung an FKBP-12 (ein Eiweiß innerhalb der Zelle) und Hemmung der Calcineurin-abhängigen Signalübertragung; dadurch verminderte T-Lymphocytenaktivierung und Cytokinfreisetzung
- Wirkspektrum: kein klassisches antimikrobielles Wirkspektrum
- Indikationen: akute und proaktive glucocorticoidsparende Therapie des häufig rezidivierenden seborrhoischen Ekzems des Gesichts
- Kontraindikationen: Überempfindlichkeit gegen Tacrolimus oder Makrolide (bestimmte Antibiotika); Anwendung auf akut infizierter, prämaligner oder maligner Haut vermeiden; bei ausgeprägter Immunsuppression nur nach spezialärztlicher Nutzen-Risiko-Abwägung
- Nebenwirkungen: Brennen, Wärmegefühl, Pruritus und Erythem; Gesichtsrötung nach Alkoholkonsum; gelegentlich Follikulitis, Herpesvirusinfektionen (Infektionen durch Herpesviren) oder andere Hautinfektionen
Antiseborrhoische (gegen übermäßige Talgproduktion gerichtete) und keratolytische Wirkstoffe
| Wirkstoff | Besonderheiten |
| Selendisulfid | Antimykotische, antiproliferative (die Zellvermehrung hemmende) und schuppenlösende Wirkung; Kontakt mit Augen, Schleimhäuten und verletzter Haut vermeiden |
| Salicylsäure | Ergänzende keratolytische Therapie; beseitigt Schuppen, behandelt die zugrunde liegende Entzündung jedoch nicht ausreichend |
- Wirkweise Selendisulfid: Hemmung der epidermalen Zellproliferation (Vermehrung von Zellen der Oberhaut) sowie antimykotische Wirkung gegen Malassezia-Arten
- Wirkspektrum: vor allem Malassezia-Arten
- Indikationen: seborrhoisches Ekzem und ausgeprägte Schuppung der Kopfhaut
- Kontraindikationen: Überempfindlichkeit; Anwendung auf akut entzündeter, exkoriierter (aufgekratzter) oder verletzter Haut vermeiden
- Nebenwirkungen: Brennen, Pruritus, irritative Dermatitis (durch Reizung verursachte Hautentzündung), Trockenheit oder erhöhte Fettigkeit der Kopfhaut; Verfärbung heller, gefärbter oder chemisch behandelter Haare möglich
- Wirkweise Salicylsäure: Auflösung interzellulärer Verbindungen (Verbindungen zwischen den Zellen) in der Hornschicht mit keratolytischer und schuppenlösender Wirkung
- Wirkspektrum: kein klinisch relevantes antimykotisches Wirkspektrum
- Indikationen: ergänzende Behandlung stark schuppender oder hyperkeratotischer Läsionen (übermäßig verhornter Hautveränderungen)
- Kontraindikationen: Salicylatüberempfindlichkeit (Überempfindlichkeit gegen Salicylate); Anwendung auf großen, erodierten (oberflächlich verletzten) oder entzündeten Flächen vermeiden
- Nebenwirkungen: Brennen, Erythem, Hauttrockenheit und irritative Dermatitis; bei großflächiger Anwendung, hoher Konzentration oder Okklusion (luftdichter Abdeckung) selten systemische Salicylatwirkungen
Systemische Antimykotika (Pilzmittel zum Einnehmen) bei schwerem oder therapierefraktärem Verlauf
| Wirkstoff | Besonderheiten |
| Itraconazol | Off-Label-Use; nur bei schwerem, ausgedehntem oder therapierefraktärem Verlauf; keine standardisierte zugelassene Dosierung; zahlreiche Arzneimittelinteraktionen |
| Terbinafin | Off-Label-Use; kontrollierte Studien liegen vor, die Datenlage ist jedoch begrenzt und die Wirksamkeit kann von der Lokalisation der Hautveränderungen abhängen |
- Wirkweise Itraconazol: Hemmung der pilzlichen Lanosterol-14α-Demethylase und dadurch Hemmung der Ergosterolsynthese
- Wirkspektrum: Malassezia-Arten, Candida-Arten, Dermatophyten, Aspergillus-Arten (bestimmte Schimmelpilze) und weitere empfindliche Pilze
- Indikationen: spezialärztlicher Therapieversuch bei schwerem, ausgedehntem oder auf eine adäquate Lokaltherapie nicht ansprechendem seborrhoischem Ekzem
- Kontraindikationen: Schwangerschaft; Herzinsuffizienz (Herzschwäche) oder ventrikuläre Dysfunktion (Funktionsstörung der Herzkammern); aktive Lebererkrankung; gleichzeitige Einnahme kontraindizierter über Cytochrom P450 3A4 (ein Arzneimittel abbauendes Enzym) metabolisierter Arzneimittel
- Nebenwirkungen: Übelkeit, Bauchschmerzen, Diarrhoe (Durchfall), Kopfschmerzen, Transaminasenanstieg, Hepatitis (Leberentzündung), Exanthem (Hautausschlag) und Ödeme (Flüssigkeitseinlagerungen); selten Herzinsuffizienz und schwere Arzneimittelinteraktionen
- Kontrollen: Überprüfung von Leberfunktion, Begleitmedikation, Interaktionsrisiken und kardialen Kontraindikationen (das Herz betreffenden Gegenanzeigen) vor Behandlungsbeginn
- Wirkweise Terbinafin: Hemmung der Squalenepoxidase (eines Enzyms der Pilzzelle) mit verminderter Ergosterolsynthese und intrazellulärer Anreicherung von Squalen
- Wirkspektrum: vor allem Dermatophyten; die Aktivität gegenüber Malassezia-Arten ist weniger konsistent als diejenige von Azol-Antimykotika
- Indikationen: möglicher spezialärztlicher Therapieversuch bei schwerem, ausgedehntem oder therapierefraktärem Verlauf
- Kontraindikationen: chronische oder aktive Lebererkrankung; Überempfindlichkeit; bei relevanter Niereninsuffizienz (Nierenschwäche) nur nach strenger Nutzen-Risiko-Abwägung
- Nebenwirkungen: gastrointestinale Beschwerden (Magen-Darm-Beschwerden), Kopfschmerzen, Exanthem, Pruritus, Geschmacks- und Geruchsstörungen sowie Transaminasenanstieg; selten schwere Hepatotoxizität (Leberschädigung), schwere Hautreaktionen oder Blutbildveränderungen
- Kontrollen: Leberparameter vor Behandlungsbeginn; weitere Kontrollen in Abhängigkeit von Behandlungsdauer, Begleiterkrankungen und klinischer Symptomatik
Systemisches Retinoid (mit Vitamin A verwandtes Arzneimittel zum Einnehmen)
| Wirkstoff | Besonderheiten |
| Isotretinoin | Off-Label-Use bei schwerem, rezidivierendem und ausgeprägt seborrhoischem Verlauf; ausschließlich unter dermatologischer Betreuung; striktes Schwangerschaftsverhütungsprogramm erforderlich |
- Wirkweise: Verminderung von Größe und Aktivität der Talgdrüsen, Reduktion der Sebumproduktion (Talgproduktion) sowie antiinflammatorische und antiproliferative Wirkung
- Wirkspektrum: kein unmittelbares antimikrobielles Wirkspektrum
- Indikationen: schweres, ausgedehntes oder häufig rezidivierendes seborrhoisches Ekzem mit ausgeprägter Seborrhoe (übermäßiger Talgproduktion) nach Versagen einer adäquaten topischen Therapie
- Kontraindikationen: Schwangerschaft und Stillzeit; unzureichende Empfängnisverhütung; schwere Leberinsuffizienz (schwere Leberfunktionsstörung); stark erhöhte Blutfette; Hypervitaminose A (Überversorgung mit Vitamin A); gleichzeitige Behandlung mit Tetracyclinen
- Nebenwirkungen: ausgeprägte Teratogenität (fruchtschädigende Wirkung), Cheilitis (Lippenentzündung), Xerosis (trockene Haut), trockene Augen und Schleimhäute, Photosensibilität (erhöhte Lichtempfindlichkeit), Epistaxis (Nasenbluten), Transaminasenanstieg, Hypertriglyceridämie (erhöhte Blutfettwerte) sowie Muskel- und Gelenkbeschwerden; selten schwere Hautreaktionen, psychiatrische Symptome oder intrakranielle Drucksteigerung (erhöhter Druck im Schädel)
- Kontrollen: Schwangerschaftsausschluss und Schwangerschaftsverhütungsprogramm; Leberparameter und Lipidstatus vor und während der Behandlung; weitere Kontrollen in Abhängigkeit von Anamnese und Risikoprofil
- Evidenzbewertung: Die systematische Übersicht identifizierte lediglich 2 randomisierte Vergleichsstudien; aufgrund der geringen Studienzahl und Heterogenität war keine belastbare Metaanalyse möglich [11].
Topischer Phosphodiesterase-4-Inhibitor (örtlich anzuwendender Hemmstoff des Enzyms Phosphodiesterase 4)
| Wirkstoff | Besonderheiten |
| Roflumilast | In den USA für die Behandlung des seborrhoischen Ekzems bei Erwachsenen sowie Kindern und Jugendlichen ab 9 Jahren zugelassen; in Deutschland steht diese Darreichungsform derzeit nicht als regulär zugelassene Therapieoption zur Verfügung. |
- Wirkweise: selektive Hemmung der Phosphodiesterase 4 mit Erhöhung des intrazellulären cyclischen Adenosinmonophosphats (eines Botenstoffs innerhalb der Zelle) und Verminderung proinflammatorischer Signalwege
- Wirkspektrum: kein antimikrobielles Wirkspektrum
- Indikationen: in den USA seborrhoisches Ekzem bei Erwachsenen sowie Kindern und Jugendlichen ab 9 Jahren
- Kontraindikationen: nach der US-amerikanischen Fachinformation mittelschwere bis schwere Leberfunktionsstörung entsprechend Child-Pugh-Klasse B oder C (Schweregradeinteilung einer Leberfunktionsstörung)
- Nebenwirkungen: Nasopharyngitis (Entzündung von Nase und Rachen), Übelkeit und Kopfschmerzen; seltener Diarrhoe und Schlaflosigkeit; insgesamt gute lokale Verträglichkeit [13]
Supplemente
- Für eine routinemäßige Behandlung des seborrhoischen Ekzems mit Vitaminen, Mineralstoffen, Spurenelementen, Omega-3-Fettsäuren, Pflanzenextrakten, Coenzym Q10 oder Kieselerde liegt keine ausreichende klinische Evidenz vor [14, 15].
- Eine Mikronährstoffsubstitution (gezielte Ergänzung von Vitaminen, Mineralstoffen oder Spurenelementen) ist nur bei anamnestisch, klinisch oder labordiagnostisch nachgewiesenem Mangel indiziert.
- Für Biotin besteht kein gesicherter therapeutischer Nutzen beim seborrhoischen Ekzem. Höher dosiertes Biotin kann zahlreiche immunchemische Laboruntersuchungen verfälschen.
- Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine antimykotische oder antientzündliche Therapie.
- Eine pauschale Empfehlung eines kommerziellen Kombinationspräparats ist nicht evidenzbasiert.
Beachte
- Das seborrhoische Ekzem ist eine chronisch rezidivierende Erkrankung. Die Behandlung kontrolliert die Krankheitsaktivität, beseitigt jedoch nicht dauerhaft die individuelle Rezidivneigung.
- Die intermittierende Erhaltungstherapie mit einem topischen Antimykotikum ist besser begründet als eine wiederholte oder kontinuierliche Behandlung mit topischen Glucocorticoiden [1, 14, 15].
- Bei fehlendem Ansprechen muss zunächst die Diagnose überprüft werden; eine unkritische Steigerung der Glucocorticoidstärke ist nicht angezeigt.
- Bei periokulärer Anwendung (Anwendung um das Auge) topischer Glucocorticoide besteht bei längerer Behandlung ein Risiko für okuläre Nebenwirkungen (Nebenwirkungen am Auge).
- Bei systemischer Antimykotikatherapie sind Arzneimittelinteraktionen, Leberfunktion und individuelle Kontraindikationen vor Behandlungsbeginn zu prüfen.
- Die Therapie des seborrhoischen Säuglingsekzems ist gesondert zu betrachten. Es verläuft häufig selbstlimitierend (von selbst abheilend); die Evidenz für medikamentöse Interventionen bei Säuglingen ist begrenzt.
Supplemente (Nahrungsergänzungsmittel; Vitalstoffe)
Geeignete Nahrungsergänzungsmittel für die Gesundheit von Haut, Haaren und Nägeln sollten die folgenden Vitalstoffe enthalten:
- Vitamine (A, C, E, D3, B1, B2, Niacin (Vitamin B3), Pantothensäure (Vitamin B5), B6, B12, Folsäure, Biotin)
- Mineralstoffe (Magnesium)
- Spurenelemente (Eisen, Kupfer, Mangan, Molybdän, Selen, Zink)
- Fettsäuren (Omega-3-Fettsäuren: Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA); Omega-6-Fettsäure: Gamma-Linolensäure (GLA))
- Sekundäre Pflanzenstoffe (Beta-Carotin, Lycopin, Grüntee-Polyphenole, Traubenkern- und Oliven-Polyphenole)
- Weitere Vitalstoffe (Coenzym Q10 (CoQ10), Hirse-Extrakt und Kieselerde)
Beachte: Die aufgeführten Vitalstoffe sind kein Ersatz für eine medikamentöse Therapie. Nahrungsergänzungsmittel sind dazu bestimmt, die allgemeine Ernährung in der jeweiligen Lebenssituation zu ergänzen.
Für Fragen zum Thema Nahrungsergänzungsmittel stehen wir Ihnen gerne kostenfrei zur Verfügung.
Nehmen Sie bei Fragen dazu bitte per E-Mail – info@docmedicus.de – Kontakt mit uns auf, und teilen Sie uns dabei Ihre Telefonnummer mit und wann wir Sie am besten erreichen können.
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